Die zwei Seiten der Barmherzigkeit

Schon wieder tritt ein Sonntag in unser Leben. Wir hören zwei Predigten, eine aus Bremen, die andere aus unserer Gemeinde. Die Bremer Predigt macht Mut auch in unschönen Lebenssituationen auf Gott zu vertrauen. Sie fügt sich gut ein in die Lage der Gemeinde in ihre Auseinandersetzung mit einer hartherzigen Kirchenleitung. Die Botschaft aus unserer Gemeinde dreht sich um die Jahreslosung: „Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Eine Predigt, die mich sehr bewegt besonders die Aufforderung ganz spontan für Unbekannte zu beten, wenn man einen Krankenwagen hört, wenn schlimme Nachrichten aus dem TV schallen, wenn man Mitmenschen in Nöten sieht. Natürlich, wenn möglich, auch direkt zu helfen, zu vergeben und zu vergessen. Das stimmt nachdenklich. Doch, wie meist bei diesem Thema geht es nur um die „helle Seite“ der Barmherzigkeit. Was ich meine ist, dass Gott barmherzig war und sein Volk aus Ägypten heraus führte, dabei ertranken aber die sie verfolgenden Ägypter. Als Israel sein verheißenes Land einnahm, mussten die Völker weichen. Die Barmherzigkeit Gottes zeigt sich auch darin, dass er sein Volk trotz permanenten Götzendienstes nicht vernichtete. Doch sie wurden überrollt und mussten nach Babylon ziehen. So hat auch das Erbarmen zwei Seiten. Wenn ich mich für die eine entscheide, muss ich die andere akzeptieren. Gebe ich der Bettlerin vor unserer Kirche etwas Geld, finanziere ich ihrem Clanchef ein noch besseres Leben – gebe ich ihr nichts, handelt sie sich Strafen ein weil sie zu wenig Knete mitbringt. Welche Entscheidung ist richtig? Gott selbst zieht auch Grenzen – auch im NT, siehe Hananias und Saphira, die Geldwechsler im Tempel … Es kann erschütternd sein bei solchen Fragen mutig von der Oberfläche in die Tiefe zu tauchen. Eindeutiges wird plötzlich vielschichtig, spontane Reaktionen erweisen sich als Problemlösungen und es bleibt Ratlosigkeit. Gut, wenn man Gott an der Seite hat und ihm seine Nöte abgeben kann. Man lernt, dass er unterschiedlichen Menschen ganz unterschiedliche Antworten geben kann. Er lehrt uns auf seine Möglichkeiten zu schauen und alles ihm anzuvertrauen. Das Thema verfolgt mich bis in den Schlaf. War wohl nötig.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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