Papierwüstenwanderung

Der Tag beginnt mit einer erwarteten Buchungsbestätigung. Das ist prima. So können wir unsere Schiffsreise an Land verlängern. Wunderbar, natürlich sub conditione Jakobaea. Okay, ich wiederhole das vielleicht viel zu oft aber es steht mir halt mit zunehmendem Alter immer stärker vor Augen. – Mein letztes Sträuben mit Macht überwindend setze ich endlich die Ablage fort. Früher hatten wir diverse Kategorien in diversen Ordners, jetzt kommt alles in einen Ordner, wird aber per Notebook erfasst und kann dort aufgespürt werden. Und das dazu nötige Procedere geschieht erneut heute. Seufz. Zwischendurch gibt ein Freund Ratschläge für die Neuverlegung loser Fliesen im Außenbereich. Ich merke dabei überdeutlich meine völlige Ahnungslosigkeit bezüglich handwerklicher Arbeiten. – Am späten Abend sind alle Belege erfasst und das Jahr 2025 ist abgeheftet. Feierabend – 2026 bis heute ist erfasst und wandert morgen in einen eigenen Ordner. Mir reicht’s. – Nebenbei habe ich mich schon in den Freitagskrimi akustisch und „mit einem Auge“ optisch eingeklinkt. Jetzt schaue ich in ganzer Konzentration. Durchschnittskost, finde ich. – YouTube spricht mich im Anschluss kaum an und so wende ich mich normal spät meinem Seniorenbett zu. Der Schlaf ist ganz okay, 79 Punkte behauptet die App. Aha, soso.

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Schön ist es auch anderswo …

Nach der Morgenandacht machen wir Nägel mit Köpfen. Ein letzter Blick ins Internet und meine Telefoniebegabte ruft das Reisebüro unseres Vertrauens an. Ich staune: Im Internetangebot des Veranstalters gab es nur noch auf einem Deck Kabinen in mittelmäßiger Lage (für 2027!!!), das Reisebüro ortet dagegen auf jedem Deck freie Räume, viele freie Räume. Welche Taktik verfolgt damit der Reiseveranstalter? Ich bin ziemlich baff. So fällt natürlich eine Entscheidung deutlich leichter. Nur nebenbei beteilige ich mich an der leicht lockeren Plauderei meiner Telefoniemeisterin mit dem Expedienten. Wer kann, der kann. Wir vereinbaren erst einmal eine Optionsbuchung, da hält man fest was man evtl. haben will und gewinnt genügend Zeit zum Überlegen. Gut so. Festbuchen können wir sowieso nur ’sub conditione Jakobaea‘ (unter dem Vorbehalt des Jakobus). Es ist ein Zitat aus dem Jakobusbrief in der Bibel: „so Gott will und wir leben“. Trefflich formuliert. – Ein gutes Stück näher liegt natürlich unsere diesjährige Reise und so schnüre ich, wo ich schon einmal dabei bin, ein Paket rund um die Tour. Auch hier läuft alles wie am Schnürchen. Von uns aus ist nun nahezu alles geregelt, schauen wir mal was, wie und wann noch so kommt. – In einer plötzlichen Entscheidung überwinde ich mich und installiere eine neue Bridge, die die Fernsteuerung der Beleuchtung deutlich verbessern soll. Es geht relativ problemlos vonstatten aber ich bin viel zu erfahren um nicht mit nachträglichen Klopfern, unerwartet, zum ungünstigsten Zeitpunkt, wenn es peinlich wird, zu rechnen. Da wird es dann heißen: Cool bleiben. Ich bleibe voll gespannt. Aha, die Switches funktionieren schon mal nicht – ein Job für den morgigen Tag. Es wird normal spät. Der Schlaf ist sehr gut. Feine Sache.

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Suchen ohne buchen

Meine Liebste turnt und ich drücke mich weiter davor. Ganz zart macht sich inzwischen erneut mein Rücken bemerkbar. Selbst schuld, ich weiß. Statt zu gymnastizieren will ich eine Reise für 2027 buchen, doch ich schwanke wie ein Ast im Winde und suche erneut an anderen Zeitpunkten, denn wäre es nicht schön den 75. auf einer Reise zu feiern? Was ist denn so auf dem Markt? Aida offeriert eine schöne Kreuzfahrt, doch in den Ferien gleichen deren Kähne eher schwimmenden Kindergärten als Erwachsenendomizilen, quasi das schiere Gegenteil von Phoenix. Andererseits ist Phoenix unverschämt teuer: 12.000 Euros für 16 Tage (für wenig mehr waren wir 35 Tage mit ‚Mein Schiff 3‘ unterwegs). Offensichtlich ist Altenpflege aufwändiger als Kinderbetreuung 😉😀. So langsam zieht der Frust bei mir ein. Schließlich zerschießt meine Allerliebste noch mit äußerst trefflichen Argumenten meine letzten übriggebliebene Reisen. Sie hat zwar völlig recht aber ich bin dennoch gefrustet. Dazu kommt mein Alter und die zunehmende Ungewissheit ob ich 2027 überhaupt noch auf dieser Erde krauchen kann. Den 75. Geburtstag zu erreichen ist keineswegs selbstverständlich. So stimmt mich eine Planung anderthalb Jahre im voraus schon ziemlich nachdenklich. – Unter dem unberechtigt vorhandenen Frust hat auch die Ablage zu leiden, sie bleibt liegen. Immerhin starte ich meine Abendandacht wieder, das tröstet mich ein bisschen. Es wird nur mittelspät und das führt zu einem anfangs festen, später mittelmäßigen Schlaf. Ist schon recht.

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Alarmanlage wieder voll fit

Am späten Vormittag wird unsere Alarmanlage mit einer SIM-Card neu bestückt. Die alte hat sich beim letzten Geräteupdate irgendwie verabschiedet. Seltsam aber wohl wahr. Es ist nicht leicht die Anlage in den Wartungsmodus zu versetzen aber der Techniker ist ‚fix bei‘, wie man so sagt. – Am Nachmittag beginne ich mit der Ablage. Ich sortiere die Papiere, ordne sie nach Ablageort und Datum, bilde Häufchen – das alles bis der Abend kommt. Morgen oder übermorgen soll es weitergehen. Daneben fällt mir eine Reise ins Auge, die ich gerne buchen würde. Mein Gegenüber ist einverstanden aber wir vertagen das dann doch bis morgen. Schließlich steht jetzt ‚Bibel und Brot‘ an mit der nächsten Seligpreisung. Es kommen doch einige Interessierte zusammen. So entsteht eine durchaus als lebhaft zu bezeichnende Diskussion. Schließlich schaffen wir wieder nur diesen einen Vers. – Zurück daheim wird es für mich spät. Es ergibt sich einfach so. Der Schlaf ist ganz okay, die Unterbrechungen dagegen nicht. Es ist wie es ist. Seufz.

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Faulheit kommt vor dem Rücken

When will I ever learn? Never vermutlich. Doch es gelingt aufzustehen. Wenn man nach einem promillehaltigen Abend etwas länger schläft, tut das sehr gut. Ich hole ein paar Tagebucheinträge nach, kontrolliere die Konten zum Monatsanfang und bestätige einen Termin bezüglich unserer Alarmanlage. Außerdem ist die Anzahlung für unseren Sommerurlaub fällig und, schwups, beweist das Konto wie schnell abnehmen gehen kann. – Nach der Mittagsruhe geht es zur kleinen Montagsrunde. Wir palavern über Photovoltaik, den Iran, alte Zeiten, eingesperrte Fluggäste und noch manches private mehr. Ich merke seit langer Zeit mal wieder meinen Rücken und es drängt sich die Erkenntnis auf, dass die unterlassenen morgendlichen Übungen ihr Recht massiv einfordern. Lange geht es so nicht mehr gut, befürchte ich. – Wieder daheim notiere ich mir meine neu zugeteilte allgemeine Krankenversicherungsnummer, die nicht mit der Versicherungsnummer meiner Krankenkasse identisch ist, und eröffne eine elektronische Patientenakte. Wenn diese dereinst funktionieren sollte, wäre sie eine ganz praktische Sache – ja sogar schon heute hat sie ein paar bemerkenswerte Vorteile. – Nach ein paar Informationen über die festliegenden Kreuzfahrtteilnehmer in Dubai und Doha sowie zahlloser rückflugsuchender Touristen wird es Zeit ans Seniorenbett zu denken. Schnell noch ein oder zwei „Storys“ reinziehen und auf Bruder Philipp hören – dann ist es eins und schon wieder viel zu spät. Der Schlaf reagiert etwas zwiespältig und der viele Tee am Nachmittag tut ein übriges. Dann ist das so. Seufz.

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Studierstube und Moderation

Die Studierstube trifft sich wieder. Es geht um den Heiligen Geist und um den Segen. Eine spannende Diskussion entsteht und jeder schärft sein Verständnis neu, lässt sich bestätigen, korrigieren und ergänzen. So soll es sein. Die nächsten Male wollen wir uns der Bergpredigt zuwenden und zwischendurch den einen oder anderen Spruch aus dem Buch der Sprüche. Ich bin gespannt wann und wie es weitergeht. – Am Nachmittag buche ich noch schnell eine kleine Reise. Wir wollen in diesem Jahr die Mosellandschaft erkunden. Der Moselwein schlägt mir zwar immer auf den Magen aber die Landschaft ist spitzenmäßig. Ich freue mich schon darauf. Es wird gut – so Gott will und wir leben. – Die Moderation im Gottesdienst gelingt dank Gottes Hilfe, das ist jedes Mal ein Geschenk und darf nie zur Routine werden. Die Predigt über das fünfte Kapitel des Römerbriefes führt uns vor Augen, dass wir unsere Hoffnung an Jesus, an Gott festmachen sollen und weist einen Weg zu diesem Ziel . Sehr wichtig. Zum Abschluss singen wir noch das „Lied vom kranken Nachbarn“, wie es der Opa meiner Allerliebsten immer genannt haben soll. ‚Der Mond ist aufgegangen‘ mit den Schlussversen: „Verschon uns, Gott, mit Strafen und lass uns ruhig schlafen. Und unsern kranken Nachbarn auch!“ In aller Schlichtheit ist es ein ergreifendes Lied. – Später am Abend fahren wir noch zu einer kleinen Feier im erweiterten Familienkreis. Es wird spät aber nicht zu spät bis wir schließlich voll geschafft in unsere Seniorenbetten sinken. Der sich anschließende Schlaf ist ganz okay. Fein.

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Stab statt Trage

Zwei „Herausforderungen“ prägen diesen Tag. Zunächst muss ich meine Moderation für den morgigen Gottesdienst vorbereiten. Das dauert seine Zeit aber Gott ist gnädig und gibt mir dazu dir richtigen Ideen. Gerade noch rechtzeitig vor der zweiten Aktion bin ich fertig. Nun geht es zu unserer Gemeinde. Die Hauptmitgliederstunde mit Jahres- und Kassenbericht steht an. Außerdem werden zwei neue Mitglieder in die Gemeindeleitung gewählt, eigentlich drei aber es haben sich nur zwei Kandidaten gefunden. Gleich nach der Wahl stürzen wir uns auf das Mitbringbüffet. Es ist reichlich bestückt und es wird reichlich gespachtelt. Der Jahresbericht klingt gut, die Finanzlage eher schlecht. Wenn sich kaum Mitglieder zur Vorstandsmitarbeit bereit finden, lässt das wohl Rückschlüsse auf die Motivation und das Engagement von uns allen zu. So ist der finanzielle Einbruch erklärlich. Angeblich haben auch Mitglieder ihre Unterstützung eingestellt, weil wir deren strengen Moralvorstellungen nicht konsequent folgen – dass Gott die Arbeit dennoch segnet, scheint dabei unwesentlich zu sein. Gemeinde kann man nur mit viel Humor und Nachsicht ertragen – möglicherweise nennen wir uns deshalb auch eine Familie 😉. Über Mitmenschen den Stab zu brechen ist offensichtlich leichter als sie zu tragen. Schade. – Der restliche Abend daheim ist okay und der Schlaf hochbewertet von meiner App 😀 – und die muss es ja wissen 😉.

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Frühtau-Frühstück

Im Frühtau, um halb neun, fahren wir zum See. Dort steht ein Pavillon, der ursprünglich der Weltausstellung entstammt, die in vor Urzeiten in Hannover Station machte. Inzwischen findet man dort ein Café mit einem bemerkenswerten Frühstücksangebot. Freunde haben uns eingeladen. Ich genieße dort ein traditionelles Rührei, ein paar Hackbällchen und ein Croissant sowie einen Riesenpott Milchkaffee. Wir plaudern, erzählen und sind absolut guter Dinge. Schließlich bin ich sogar so gut, dass ich noch zwei Pancakes samt Marmeladenaufstrich verzehre. Jetzt bin ich pappsatt. – Die Mittagsruhe schwänze ich. Ein Freund ruft an und wir besprechen Möglichkeiten Fliesen im Außenbereich neu zu befestigen. Wir erörtern Chancen und Risiken. Wenn alter harter Kleber von den Fliese entfernt werden müsste, hätte ich total schlechte Karten, stellt er fest. Beim nächsten Treffen wollen wir uns den Schaden näher ansehen. – Irgendwann meldet sich dann doch ein Mini-Appetit und ich bereite mir ein Tüten-Süppchen samt Zusatznudeln zu. Nette Speise. – Meine Gartenaktive wirbelt draußen herum. Ich besehe mir den Fliesenschaden, außerdem gilt es eine Stellmöglichkeit für eine Leiter zu finden um eine gelöste Wasserablaufkette neu zu montieren. Handwerkerarbeiten sind absolut nicht mein Ding und mit jeder Leitersprosse würde meine Höhenunsicherheit steigen bis sie irgendwann zur Angst wird. Armer Tropf. – Der Abend gestaltet sich klassisch 😉 und es wird normal spät. Ich schlafe nicht schlecht. Geht doch.

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