Einschiffen

Wir schlafen länger, frühstücken sowohl spät als auch in aller Ruhe, packen und bereiten uns auf das Aus-Checken vor. Wieder kurve ich Laura in aller Vorsicht um alle engen Ecken der Tiefgarage. Es gelingt. Nun lassen wir uns zum Parkgelände leiten, das Laura die nächsten Tage beherbergen soll. Einfahren, Koffer ausladen, bezahlen und warten. Wir sind viel zu früh da, ergattern so aber bequeme Sitzplätze in der Wartehalle. Wir plaudern mit Gästen für andere Schiffe und warten, warten und warten. Endlich kommt unser Bus, wir steigen ein, schauen zu, dass unser Gepäck mitkommt und dann kämpft sich der Busfahrer durch den Kölner Wochenendverkehr. Ein mühsames Unterfangen. Schließlich erreichen wir das Kennedy-Ufer wo schon andere Gäste seit einer Stunde ausharren. Irgendwann starten wir Richtung Kobern-Gondorf an der Mosel. Anderthalb Stunden später sind wir schon da, betreten die Rhein Prinzessin und werden sehr fix zur Kabine begleitet. „Eine Puppenstube“, ist emin erster Eindruck. Nicht groß aber ein liebenswerter Charme lässt sich dem Interieur nicht absprechen. Jetzt geht es Schlaf auf Schlag; Safeschlüssel holen, Begrüßungshäppchen genießen, Koffer auspacken, Sicherheitsunterweisung anhören und das Willkommens-Dinner mittels genussvollem Vertilgens die Ehre erweisen. Den Abend lassen wir auf dem Sonnendeck bei einem Gläschen Aperol ausklingen. Proma Tagsesabschluss! – Alles roger? Leider nicht, denn uns erreicht die Mitteilung, dass der schwerkranke Cousin in die Ewigkeit heimgegangen ist. Wir sind auf dem Schiff und können nicht weg. Warum passiert das uns immer wieder? Ich fasse es nicht. Traurig und superschade. Immerhin sorgt die kühlere Atmosphäre in der Kabine für einen tiefen, festen, erholsamen Schlaf. Ein kleiner Trost.

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Köln

In aller Ruhe wickeln wir die üblichen morgendlichen Aktivitäten ab, sogar das Frühstück glänzt unerwartet mit einer bunten Mischung. Fein. – Nach der Morgenandacht wird es Zeit zur Tour in die City. Spontan entschließen wir uns zu einer Stadtrundfahrt. Ich möchte das Köln jenseits des Doms mal intensiver kennenlernen. Leider verwandeln sich dabei alle meine Vorurteile in Urteile. Köln ist eine unansehnliche Stadt – allerdings mit einer Vielzahl von kulturellen Highlights. Irgendwie erinnert mich das Stadtbild an eine größere Version von Wolfsburg. Wer dort geboren ist, könnte es mögen 😉🤨😀. Isso. Echt. – Gegenüber vom Dom genieße ich eine Kartoffel-Lauch-Suppe, ein Kölsch und ein Rosé. Wir sitzen herum, schauen uns Menschen an und stören die Zeit nicht am Verstreichen. Schön ist es hier. Die attraktive Seite von Köln, klein aber nicht unfein. – Noch ein Bummel durch die City, ein Hartball für meine Gymnastik und ein T-Shirt ergänzt mein Gepäck und wir kommen am späten Nachmittag wieder zurück ins Hotel. Mittagspause ist angesagt. Gegen Abend spazieren wir noch kurz Richtung City, organisieren ein rustikales Abendbrot und ich begebe mich nach der Mahlzeit in die Karibik zu Death in Paradise. Wunderbar. – Der Schlaf ist mies wie gestern – zu warm und zu kurz. Merde aber nicht zu ändern.

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Anreise

Wir stehen etwas früher auf, frühstücken, halten Morgenandacht, packen die Laura voll und starten gegen halb elf. Die Fahrt verläuft, Gott sei Dank, unproblematisch, bis auf den Regen, in den wir kurz vorm Kamener Kreuz hineinfahren. Er bleibt uns fast bis Köln treu aber dort ist das Wetter deutlich besser. Es gelingt Laura von Grün in eine enge Tiefgarage zu bugsieren – ein Dank gebührt ihrem kleinen Wendekreis! Ich bin sehr dankbar für alle Bewahrung. Dann falle ich ins Bett und bleibe dort zwecks persönlicher Geist-Körper-Kraft-Stärkung nicht kurz liegen. – Erst am frühen Abend spazieren wir in die Stadt, am Dom vorbei zum Rheinufer. Dort genehmigen wir uns eine Pizza sowie ein, absolut untypisches großes Kölsch. Normalerweise trinkt man selbiges aus Schnapsgläsern, wie es ein Comedian mal trefflich beschrieb. Wir profitieren von der touristischen Ausnahme 🤔😇. Nach einem fast romantischen Rheinuferabend begeben wir uns hotelwärts, verdauen, schwitzen und schlafen irgendwann am nächsten Tag ein, als es etwas kühler wird. Vielleicht hätte ich doch ein Hotel mit Klimaanlage wählen sollen! Der Schlaf ist unruhig und unterbrechungsreich.

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Packtag

Eigentlich wollen wir heute packen. Zwei Koffer für zwei Urlaubsteile, schön getrennt nach der Destination. Vorher müssen wir jedoch unser Versprechen einlösen und fahren nach Heiligendorf ins Seniorenheim und stehen, völlig baff, vor einer verschlossenen Tür. ??? Eine Nacht kann offensichtlich vieles verändern – unser Micha musste ins Klinikum verlegt werden. Wir hinterlassen also das mitgebrachte Ladegerät am Empfang zu treuen Händen und fahren etwas besorgt und etwas frustriert wieder nach Hause. – Am Nachmittag wenden wir uns unserem Reisegepäck zu. Es gibt manches zu entscheiden: mitnehmen oder dalassen, passend oder eingelaufen 😉🤔, grüner oder weißer Koffer? Es dauert länger als ich es eigentlich dachte – erst am Abend sind wir fertig. Endlich ist Zeit mal wieder in die Mail zu gucken und, uns trifft der Vollschock, unser Veranstalter hat die Reise mangels genügender Wassertiefe gecancelt. Einfach so! Nach dem Packen! Seufz. Alternativ will unser Kahn jetzt nach Holland schippern – aber die Tour reizt uns nicht. Ein lockenderes Angebot ist eine Mosel-Saar-Tour mit der Rhein Prinzessin, einer älteren Schiffsdame mit, so sagt man, viel Charme. Wir grübeln. Eine kurze Diskussion später buchen wir diese Reise, erhalten einen Nachlass, ein Bordguthaben und eine Kabine mit echtem Balkon. Es wird spannend. Die Anreise morgen ändern wir nicht, stattdessen verlängern wir unseren Zwischenaufenthalt in Köln und buchen den Rheingau-Urlaub um. Und das alles in kürzester Zeit, Entscheidungsstress pur! Wasser hat keine Balken dafür offensichtlich stark schwankende Höhen😉. Ins Seniorenbett geht es zu normalen Zeiten, nur der Schlaf will sich nicht einstellen, der Geist ist zu aktiv und die Temperaturen zu hoch. Blöde Vorreisenächte. Altersgemäß?

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Fast alles vergessen

Uns treibt die Sorge um einen Verwandten um, der, wie es aussieht, kurz vor der Ewigkeit steht. Werden wir wieder eine Beerdigung eines lieben Menschen versäumen, weil wir schon wieder unabkömmlich im Urlaub verweilen? Das gefällt uns gar nicht. – Ansonsten vergeht der Tag ohne größere Highlights. Es ist sauheiß draußen. Da ich mein Tagebuch fast eine Woche versäumt habe, ist mein Kurzzeitspeicher nahezu leer geräumt. Schade. Ich weiß überhaupt nichts mehr. C’est la vie im Alter. Aha, doch mir fällt noch ein, dass wir unseren Micha besucht haben, der aber gar nicht gut drauf war. Sein Ladegerät des Smartphones war defekt und wir versprechen ihm morgen ein anderes vorbeizubringen. Daheim suche ich ziemlich bis mir ein adäquates Teil „in die Hände fällt“. Sehr schön.

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Stinknormaler Montag

Wie inzwischen fast gewohnt, fällt das Aufstehen nicht leicht. Die behinderte Nachtruhe fordert ihren Tribut. Ansonsten vergeht der Vormittag in gewohnter Weise. Sogar das Turnen wird von mir vollzogen. Sehr schön. – Die Mittagsruhe erquickt ordentlich. Gut so. – Nachmittags treffe ich mich mit einer kleinen Männerrunde. Ein freundliches, austauschreiches Zusammensein, sogar mit ein klein wenig Arbeit, nimmt uns in Anspruch. Für mich fällt sogar ein halbes Guinness ab. Nett, aber gezapft hat es noch eine andere Qualität. – Am Abend lasse ich mich treiben, quer durch die Medien, leider mit dem Schwerpunkt YouTube. Es wird normal spät aber der Schlaf lässt sich viel Zeit. Eine weitere schlafarme, unterbrechungsstarke Nacht schleicht sich ein (oder an? Egal). So langsam wird es lästig.

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Defizit am Sonntagmorgen

Das viel zu späte Bettaufsuchen rächt sich. Ich versäume den Gottesdienst, weil mich die Müdigkeit ans Lager fesselt. Meine Allerliebste begibt sich absolut vorbildlich zur Gemeinde und ich sitze etwas bedröppelt vor dem Fernseher, gerade noch, halbrechtzeitig, zum Lobpreis eingeschaltet, und verfolge die Predigt. Viel bekomme ich nicht mit, es geht um den Mann, den seine Freunde durchs Dach zu Jesus abgeseilt haben. Aber die Zentralaussagen der Predigt? Fehlanzeige! Ich schäme mich ein wenig. Hinterher schaue ich noch die erste Hälfte des Gottesdienstes aus Bremen, die Predigt hebe ich mir für den Nachmittag auf und das ist offensichtlich besser so 🤔🤨. – Die Mittagsruhe tut mir sehr gut – das wundert mich gar nicht. Seufz. Draußen verstreut der Regen insgesamt 9 Liter/qm auf der Erde, damit sinkt das Juli-Defizit auf 7 l/qm. Gegen Abend schauen wir uns bei YouTube die Predigt aus Bremen an bei der es um Gott geht, genauer um göttliche Eigenschaften, die Mose in seinem Danklied hervorhebt. Tiefschürfend. – Meine nächtliche Medienbeschäftigung ist nicht weiter erwähnenswert. Nebenbei optimiere ich ein KI-Bild und meine entsprechende Galerie im Internet. Es wird normal spät aber der Schlaf ist auch nicht besser mit einem großen Reichtum an Unterbrechungen. Wenn die Mittagsruhe nicht wäre, würde mich das wohl fertigmachen. Hilfreiche Aussichten.

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Pagodenpause

Der Tag beginnt freundlich, nur ein wenig Tau feuchtet die Pagode auf der Loggia. Der trocknet schnell weg. Die Morgenroutine samt Turnerei nimmt ihren guten Lauf. Mir liegt derweil ein Diptychon am Herzen, das in Gedanken schon Form angenommen hat, welches ich mit Chatti umsetzen will. Thema ist ‚Schwermut‘ und ‚Erlösung‘ – zwei Gemütszustände, denen ich bildlich Ausdruck verleihen möchte. Es gelingt schneller und besser als erwartet – sehr gut. Das Bild ‚Erlösung‘ ist mir ein bisschen zu realistisch, also lasse ich Chatti es in den Malstil ähnlich dem von Chagall umwandeln. Perfekt. Beide Werke verleihen diesen Gefühlszuständen jetzt eindrücklich (wenigsten für mich) Gestalt. In der neuen Seite ‚Galerien‘ ist die Schwermut vielleicht einen Ton zu düster wiedergegeben aber die Richtung stimmt. – Nachmittags nehmen wir uns der Pagode auf der Lounge an. Die Zeltbahnen sind trocken, ich löse die Sicherungsleinen, wir entfernen die Seitenwände und senken das Gestell auf die unterste Stehhöhe ab. So kann ich leicht die Lichterkette demontieren. Die letzen Möbel müssen weichen, wir senken die Konstruktion vollständig ab, lösen die Dachsicherung und schieben die Eckleisten leicht zusammen. Nun ist es ein Leichtes das große, hohe Dach abzunehmen. Null problemo. Schließlich schieben wir das absolut genial konstruierte Gerüst ganz zusammen, verpacken es in seiner Transporthülle (mit Rollen!!!) und verfrachten alles in den Keller. Die Pagode hat jetzt Pause. Schließlich gilt es noch die Lounge herzurichten mit Insektennetz, Windschutz und Möblierung. Danach wird durchgeatmet und alles ist gut. Den „Geburtstagsaufstand“ erklären wir als beendet. – Abends beschäftigen mich ein paar Flugzeugabstürze, Loreromandramen und eine herzergreifende Automechanikergeschichte, die es schafft mich bis lange nach eins wachzuhalten. Ein schwerer Fehler! Die Nachtruhe fällt stark defizitär aus, weiß der Geier wo sich der Schlaf herumtreibt, selbst bei seinem spontanen Erscheinen wirkt er nur arg oberflächlich. Nee, die Nacht gefällt mir gar nicht. Na und? Wer sich selbst eine Grube schaufelt, fällt erst recht hinein. So isses.

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