Abenteuer Deutsche Bahn

Die Kabine übergeben wir zeitgerecht dem Housekeeping. Unsere Nachnutzer stehen vielleicht schon in der Schlange im Cruise-Terminal. Sollen sie doch. Ich nutze die Gelegenheit um endlich mal wieder ohne Frühstück auszukommen, werde netterweise von meiner ‚Freundin eines gepflegten Tagesbeginns‘ mit einer Tasse Milchkaffee überrascht. Toll. Gegen zehn Uhr schiffen wir aus, ich leise seufzend, und lassen unser ach so fürsorgliches, schwimmendes Senioren-Domizil zurück. Die kalte Welt hat uns zurück und im Griff 😉. Ein Shuttlebus besorgt den Transfer zum Hauptbahnhof Bremerhaven. Mit Erstaunen sehe ich, dass dieser mit seiner Tristesse locker mit dem Wolfsburger toppt. Natürlich sind wir zu früh, es laufen nach und nach immer mehr Mitreisende vom Schiff auf, pärchenweise mit zwei, drei oder mehr Koffern. Nach der Wartezeit startet das berühmt-berüchtigte Bahnkundenballett. Durch den Tunnel hindurch nehmen wir (Rolltreppen: Fehlanzeige) Aufstellung auf Gleis 2. Zehn Minuten vor Abfahrt dirigiert man uns auf die andere Seite, Gleis 3. Dort fährt zwar ein Zug ein aber es ist der falsche. Noch drei Minuten bis zur planmäßigen Abfahrt. Die Bahn ruft nun zum Koffertanz: der Regionalexpress kommt auf Gleis 5! Wir sind dankbar, dass wir nur mit Handgepäck reisen, andere wuchten ihre Koffer durch den Tunnel zum Bahnsteig nebenan. Die Bahn sorgt eben für Bewegung. Immerhin finden wir im Regionalexpress Sitzplätze. Pünktlich erreichen wir Hannover, doch unser Gleis ist nicht frei und so „erwarten“ wir uns eine zehnminütige Verspätung, um den Anschlusszug auch garantiert zu verpassen. Das schafft die Bahn tadellos😠😩🤔. So gewinnen wir Zeit für ein Leberkäsbrötchen beim Wurst-Basar. Überpünktlich erwarten wir schließlich den nächsten Zug auf dem korrekten Bahnsteig. Die dortige Anzeigetafel ist zwar leicht verwirrend, das klärt sich aber später. Angekündigt ist der ‚Enno‘ für die Gleisabschnitte D bis F. Dort sehen wir ihm geduldig entgegen. Er fährt tatsächlich dort ein, hält aber erst im Bereich A bis D. So kommen wir Fahrgäste zu noch mehr Bewegung und besonderen sportlichen Herausforderungen an den Türen. Mit Müh‘ und Not ergattern wir Notsitzplätze. Ein Geschenk! Eine Stunde später als geplant kommen wir „pünktlich“ am Zielbahnhof an. Diese Fahrt transformiert alle meine Vorurteile über die DB zu Urteilen. Ist doch auch schon mal was. – Ein Freund holt uns ab. Unser Haus ist innen gar nicht mal so kalt. Der Heizölbestand hat sich dagegen trotz Abwesenheit deutlich reduziert. So entleeren wir unser Handgepäck, sehen die Post durch, weisen liegengebliebene Rechnungen an und gewöhnen uns langsam an die gewöhnliche Speise sowie an fehlende 7 Restaurantalternativen. – Für mich wird es endlich mal wieder spät. Der Schlaf hat ein Heimspiel und kehrt seine Stärken heraus. Das tut gut.

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Packtag

Der letzte Tag an Bord bricht an. Wir frühstücken auf der Kabine, denn im SB-Restaurant ist es rappelvoll. Das hatten wir in den letzten fünf Wochen nur ein- oder zweimal. Im Bedienrestaurant waren wir nicht, vielleicht hätte es dort noch eine Möglichkeit gegeben, denn eigentlich gibt es mehr als genug Restaurantplätze. Egal. Ich jedenfalls genieße das reduzierte Mahl – endlich mal wieder! – Ein wenig später, in der Schau-Bar, ergänze ich mein Online-Tagebuch und wir schlendern danach zu einem Vortrag über die Künstliche Intelligenz ins Theater. Selbiges ist gut besucht obwohl es „nur“ eine ergänzte Wiederholung des allerersten Vortrags zu diesem Thema ist. Erstaunlich was so alles in ein paar Tagen in den Tiefen der grauen Zellen verschwindet (oder sie gar verlässt?). Nun ja, so isses halt. – Packtag hin oder her, die Mittagsruhe muss sein! Danach erfreut sich meine Allerliebste an den wunderbaren Klängen des Adagio-Quartetts während ich in aller Ruhe mit musikalischen Grüßen aus den 70er-Jahren mich der Koffer widme. Ich kommen gut voran. Nach dem Konzert stemmen wir Demnächst-Abreisende noch den Rest, bringen die Versandkleber für den Zustelldienst an und stellen gegen Abend die Gepäckstücke in den Gang: gute Reise! – Wir lassen uns den Abend durch die Seekartenverlosung samt Showprogramm und Mannschafts-Ade im Theater versüßen. Der fünfjährige Theo zieht die Lose, darf dann das Klatschen der Gäste auf sein Kommando starten und stoppen. Er ist voll begeistert. Am Ende der Show marschiert die Crew fahnenschwenkend auf die Bühne und nach herzlichen, warmen Dankesworten unter stehenden Ovationen der Gäste wieder aus dem Saal. Ein echt gelungener Abschluss. Mit zwei Glas Wein aus der Bar verziehen wir uns in unsere Kabine zu einem privaten Abschiednehmen nach 35 Tagen samt 23 Seetagen. Schön war’s. Endlich lassen wir den Schlaf seines Amtes walten, was er relativ gut erledigt. Die Koffer sind währenddessen bereits auf dem Weg in die Laderäume.

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Vorletzter Seetag

Das Ende der Reise führt uns durch den Ärmelkanal. Das avisierte Ziel kündigt sich schon mal durch ungewohnt niedrige Temperaturen an (jedenfalls für uns niedrig). Heute ergattern wir wieder einen Platz unter dem Diamanten. Offensichtlich lösen viele Mitreisende irgendwelche Gutscheine ein oder gönnen sich ein Selbstzahlerfrühstück (bei uns ist es in einer gebuchten Option inkludiert) kurz vor dem Ausschiffen. Jedenfalls war es während der gesamten Reise noch nie so voll wie in den letzten Tagen. Sei’s drum. – Im Anschluss führe ich mein Tagebuch, lese einen Krimi vor mich hin (und in mich rein😉😀). So ist für mich der vorletzte Tag entspannt wie auch hektikbefreit. Morgen wird irgendwann gepackt, heute wird noch einmal relaxed. Meiner energiegeladenen Mitreisenden ist das zu lahm und so entfernt sie sich zu einem Vortrag über die Normandie. Das sie ihr von Herzen gegönnt. – Im Laufe des Tage schließe ich ein Buch über die Zeit ab, eine Reise-Leihgabe eines Freundes. Wenn ich nur all das beherzigen könnte, was ich über die Zeit, ihren Charakter, ihr Kommen und Gehen samt aller ihrbezüglichen🤔 einsteinschen Erkenntnisse lese. Faszinierende Lektüre! Am Abend freuen wir uns, dass wir uns das Theater erspart haben, denn ein kurzer Blick in die TV-Übertragung zeigt es wäre nicht unser Ding gewesen. Dagegen trifft ein Konzert des Klassik-Quartetts am (nicht im!!!) Innenpool genau unseren Nerv. Es tut wohl ihnen zu lauschen und dabei einem Paulaner zuzusprechen. Eine Stunde ist für beiderlei Genuss eine gute Zeit. Beeindruckt bin ich von der „Klassik-Version“ des Sinatra-Songs ‚My Way‘. Hoch beschwingt suchen wir gegen 23 Uhr unsere Kabine auf – nur den Schlaf haben wir zwischendurch offenbar verloren. Wo isser nur? Erst gegen Morgen schaut er mal kurz vorbei. Dann ist das eben so. Seufz.

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Crew-Show

Wir schlafen wunderbar aus, begeben uns wohlgestimmt zum Frühstückscafé und sind schockiert: alles voll und noch zwei Paare vor uns. Mittelkleiner Frust, verbunden mit mittelgroßer Freude, dass mir diese morgendliche Mahlzeit erspart bleibt 🤔😉. Ich nehme eigentlich nur wegen der entzückenden Aussicht die täglichen Proteste meines Magens hin und bleibe nicht unfroh dann in der Schau-Bar zurück. Meine Frühstücksfreundin dagegen begibt sich auf das 12. Deck zum SB-Restaurant, findet dort aber ebenfalls keinen Platz und frühstückt zwangsläufig in unserer Kabine. Total netterweise bringt sie mir dann einen Pott Kaffee samt Croissant mit. Das ist vielleicht lieb!!! – Der zweite Teil des Vortrags über die Kreuzfahrthistorie nimmt uns mit in die Entwicklungen dieser Form des Reisens. Wer hat es erfunden? Die Deutschen waren es, die die erste Kreuzfahrt im heutigen Sinn als Rundreise starteten. Die Engländer sind dagegen die Namensgeber und bezeichnen sich deshalb ebenfalls als Erfinder – trotzdem waren sie nur die Zweiten, beweist unser Lektor😇. Im Krieg waren die Passagierschiffe meist als Truppentransporter, Lazarettschiffe o.ä. eingesetzt. Ein Norweger realisierte die Idee des Massentourismus auf See und jetzt sind Monsterkähne mit über 7.000 Passagieren unterwegs, in der Mehrzahl US-Bürger. Für die Europäer stehen die unterschiedlichen Häfen mit Landausflügen im Mittelpunkt, für die US-Gäste ist dagegen die Kreuzfahrt selbst das Wichtigste. So unterscheiden sich auch die Schiffe (riesige Wasserlandschaften, große Spielcasinos, mehrere aufwändige Shows und zahllose, hochwertige Shopping-Angebote prägen die US-Cruiser). – Nachmittags erfreut uns wieder die klassische Musik, genossen bei einem Glas heißer Schokolade. – Wir dinieren im SB-Gosch bei Fischsuppe, Lachssteak und Milchreis zum Dessert. – Heute gastiert die Crew-Show vor „ausverkauftem“ Haus im Theater. Es ist sehr schön und erfreut uns auch sehr, jedoch scheinen die Talente dieser Besatzung deutlich hinter denen der uns bekannten Phoenix-Crews hinterherzuhinken. Dennoch sehr unterhaltsam. Im Atrium motiviert ein Shanty-Chor, ebenfalls aus der Besatzung zusammengestellt, die Gäste bekannte Seemannslieder von „Wir lagen vor Madagaskar“ bis zur „Nordseeküste“ gemeinsam lautstark durch den Kahn zu schmettern. Fast alle machen mit, ein Pärchen präsentiert dazu seine Tanzkünste mitten auf dem Flur. Stimmung pur. Ich ergattere noch meinen Schlaftrunk und wir begeben uns hinterher in unser Domizil auf Deck 10. Der Schlaf fällt sehr durchwachsen aus, meint meine Watch.

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Comeback der Heimatzeit

Heute ist wieder Raum für ein feudales Frühstück unter dem Diamanten. Die Wellen sind hoch, das Wetter unbeständig aber die Sicht bleibt einwandfrei. Nicht sehr viel später besuchen wir den Vortrag unsere Lieblingslektors über die Entwicklung der Passagierschifffahrt, die – voll erschreckend – genau genommen mit dem Sklavenhandel begann. Passagiere als menschliche Fracht, zusammengezwängt und wenn lästig einfach über Bord „entsorgt“. Eine furchtbare Schande in der Geschichte der Menschheit. Später, zur Zeit der Auswanderung von Europa nach Amerika, wurden Zwischendecks eingezogen in denen auf der Hinreise die Auswanderer eng gedrängt (aber mit viel mehr Raum als die Sklaven) die sechswöchige bis dreimonatige Passage (je nach Wetterlage) wagten. Auf der Rücktour dienten diese Decks als Warenlager. Mit Aufkommen der Dampfschifffahrt konnten die Passagen schneller bewältigt wurden. Journalisten machten einen Wettbewerb daraus („das blaue Band“, das es de facto nie gab). Der Rekord lag wohl bei drei Tagen. Ein faszinierender Vortrag. – Heute wartet wieder ein volles Programm auf uns, denn wenig später startet ein Vortrag über die vier Grundtypen menschlichen Verhaltens und was die KI dazu ausführt. Ich sei der rote Typ mit blauem Einschlag, also lila, meint meine geliebte Mitreisende und ich ordne sie dem grünen Typ zu. Wir sind uns da sehr einig. Stark. – Die Uhr wandert wieder eine Stunde nach vorn und wir sind zurück auf dem deutschen Zeitniveau. Fein. – Heute lassen wir uns das Klassik-Konzert in der Schau-Bar nicht entgehen und genießen die Töne bei einem Glas heißer Schokolade. Perfekt. – Während nun meine Unermüdliche sich in der Abendschau über die Unterkünfte der Crew samt deren Bar informiert, nutze ich die Zeit für mein Tagebuch und ein gepflegtes Weißbier. Noch drei Tage und der Rest von heute. Seufz. Das Abendprogramm gestalten Künstler, die auf einer anderen Wellenlänge als wir funken – das müssen wir uns nicht antun. Mein Barbedarf ist inzwischen reichlich gedeckt – ich muss daheim meinen Alkoholkonsum deutlichst reduzieren. Allerdings stelle ich fest, dass „all-in“ für mich keine größere Verlockung ist als die Reisen mit Einzelabrechung der Getränke. Die „Versuchung“ liegt halt in der Reise, der Kreuzfahrt, selbst. Der Tag klingt mit einem Glas vergorenen Traubensaftes aus. Der Schlaf ist wenig überzeugend.

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Noch vier Tage und der Rest von heute

Mein Frühstück beschränkt sich heute auf eine Scheibe trockenes Artesan-Brot. Es tut gut, dem Magen am Morgen ein wenig Entspannung gönnen. Ich lasse alles in Ruhe angehen, schließlich sind es nur noch vier Tage und der Rest von heute bis zum Ziel. Entspannt begebe ich mich in die Schau-Bar, gönne mir dort einen Milchkaffee und stürze mich auf mein Tagebuch. Gut Tagebuch will Weile haben. Danach kämpfe ich mich erfolgreich durch ein Sachbuch und staune über die vielen Aspekte der Zeit, über mein Zeitempfinden sowie über die vielen Komponenten die im Körperinneren selbiges managen. Sagenhaft! – Das Mittagessen fällt heute aus, Hunger ist halt ein Fremdwort an Bord und selbst Appetit gehört zu den eher seltenen Empfindungen. Allerhöchstens spürt man wenn die Füllstandsobergrenze des Magens kurzzeitig unterschritten wird, welches auch nur ab und an geschieht 😉. Ein tiefes Aufatmen durchströmt den Leib. – Die Außentemperaturen sind auf dem Weg in den Keller, eingehüllt in eine dicke Jacke vernichte ich trotzdem ein letztes Mal auf dem Balkon ein Zigarillo. Rauchen ade, scheiden tut gar nicht weh. – Am Nachmittag merken wir, dass uns auf der Reise ein Highlight entgangen ist. Das Klassik-Quartett in der Schau-Bar lässt uns im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen. Schade um die Auftritte, die wir versäumt haben. Vielleicht auf einer anderen Kreuzfahrt 😉😇🤔😁 wieder. – Im Theater lassen wir uns erneut verzaubern von unserem Magier. Er präsentiert eine tolle One-Man-Zauber-Show und bezieht das Publikum bestens mit ein. Es ist überraschend, verblüffend und wundervoll unterhaltsam. Gut aufgelegt organisieren wir uns noch ein Glas Wein, jonglieren es im schwankenden Schiff sicher zur Kabine und lassen dort den Tag ausklingen. Der Schlaf fällt relativ zufriedenstellend bis gut aus. Ist schon okay.

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Madeira

Gegen acht legen wir in Funchal/Madeira an. Damit endet die Atlantiküberquerung, denn wir sind in Europa angekommen, verkündet der Kapitän. Wir lassen es ruhig angehen, unser Ausflug soll erst um 13 Uhr starten. Also fotografiere ich Funchal erst einmal vom Schiff aus – sieht unerwartet groß aus. Das Wetter hat sich heute zu Sonnenschein entschlossen, der das Thermometer durchaus auf 20 bis 22 Grad hinauftreiben kann. Dem kühlen Wind scheint das gegen den Strich zu gehen. – Pünktlich zur Tour wollen wir vom Schiff – und dürfen nicht! Der Hafen ist zum Atlantik weit offen und der Wellengang bewegt das Schiff stark, so dass sich die Gangway deutlich auf und ab bewegt. Nur in den ruhigen Zeiten schickt die Crew eine Gruppe von uns an Land. So geht es langsam voran. Das macht nichts, denn unser Bus ist noch gar nicht da. Schließlich trifft er ein und wir starten endlich die Tour. Sie wird zu einer der schönsten Ausflüge unserer langen Reise. Madeira ist eine erstaunliche Insel, besitzt nur wenig (nahezu keinen) Strand, erfreut sich eines Klimas, das sich im Jahresverlauf zwischen 17 und 30 Grad bewegt, gut beregnet wird aber mit viel Sonne, wie heute, glänzen kann. – Wir steuern den ersten Aussichtspunkt an: die Bucht rund um Funchal präsentiert sich unserem Blick. Weiter geht es über Serpentinen ohne Ende vom Meeresspiegel bis hinauf in enorme Höhen, der Bus erklimmt steilste Straßen, bewältigt engste Kurven und stoppt unweit Churchills Balkon auf dem der Engländer sich der ihn enspannenden Malkunst gewidmet hat. Aha, nett zu wissen. Ein Höhepunkt ist danach der (die, das?) Cabo Girão, ein Skywalk in 590 Meter Höhe, auf dem man, auf durchsichtigen Bodenplatten stehend, bis tief unten auf die Meeresküste blicken kann. Rechts fasziniert eine enorm hohe Steilküste, die senkrecht ins Meer abfällt, zur Linken öffnet sich ein Panorama auf den südöstlichen Teil Madeiras. Atemberaubend! Allerdings zerzaust der Wind gewaltig die Haare und bläst kalte Luft in die Kleidung – wohl dem, der an Jacken und Langärmeliges gedacht hat! – Jetzt führt uns der Bus zur Markthalle Funchals, Fisch ist ausverkauft aber Obst, Gewürze, Lederwaren und Touristenkitsch gibt es noch reichlich – ein insgesamt empfehlenswerter Besuch. Nach ausreichender Wirtschaftsförderungszeit folgen wir unserer Reiseführerin quer durch die Innenstadt zu einer Weinprobe des Madeira-Weins. Zu meinem Erstaunen erhalten wir dort kompetente Erläuterungen in deutsch und können vier ausreichend große Proben konsumieren. Dazu werden Nüsse, Rosinen, Käse und süße Pralinen gereicht. Madeirawein, so erfahre ich, ähnelt dem Sherry oder Portwein (und schmeckt tatsächlich auch so). Es ist ein bemerkenswerter Aperitif. Er überzeugt uns und wir kaufen zwei Flaschen der „trockenen“ Version, die einem Medium-Sherry recht ähnlich kommt. Die Preise sind okay, wie ein Vergleich im Internet beweist (wir haben hier das europäische Netz). So beladen geht es zurück auf unseren großen Kahn. – Vor dem Ablegen muss noch ein Patient ausgeschifft werden, dann geht es los. Das letzte Ablegen auf der Reise. Noch fünf Seetage und wir sind daheim. – Schon beim Dinner schwankt es gewaltig. Die Wellen sind höher geworden, das Laufen funktioniert breitbeinig am besten. Eine Poolparty wird ins Schiffsinnere verlegt, alle drängelt sich. Die TUI macht Umsatz mit Poncha, dem Nationalgetränk Madeiras. „All“ ist eben nicht inklusive 🤔. Das Schiff wird jetzt deutlich von den Wellen bewegt und wir schlafen schlecht. Liegt es am Seegang oder am späten Dinner? Oder gar am Poncha? Wer weiß das schon?

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KI in der Kunst

Es gibt den Jetlag aber gibt es auch den Shiplag? Heute könnte der von mir (für uns) entdeckt worden sein. Wir kommen nicht aus den Federn (in Wirklichkeit aus den Kunstfasern😉). Nicht nur, dass es am Aufstehwillen mangelt, nein, wir schlafen einfach lange, tief und fest. Erst gegen zehn ergreift uns der Wille in den Tag zu starten. Ich nutze die Gelegenheit das Frühstück endlich mal wieder zu schwänzen. Das entspannt den Magen und vermittelt innere Ruhe. Ich habe mein Tagebuch lange vernachlässigt und ergreife die Gelegenheit ein paar Tage aus dem Gedächtnis „nachzuvollziehen😀“. Meine Allerliebste hat keinerlei Motivation mir dabei zuzusehen und zieht eine Vortrag über Gauguin vor. Ein wenig hätte der mich auch interessiert, doch der Lektor ist mir zwar als faktenreich, jedoch ebenfalls als lahm und in der Schriftsprache sprechend bekannt, so dass der Verzicht nicht allzu schwer fällt. – Über Mittag erschließt sich uns die KI als Künstlerin, als Werkzeug einer neuen Kunstrichtung. Sie erstellt zwar die Werke, doch die inhaltlichen Vorstellungen muss der Künstler einbringen, er muss korrigierend eingreifen und den kreativen Prozess steuern. Dann kann Erstaunliches gelingen – ein mit der KI erstelltes Bild hat bereits einen Kunstwettbewerb gewonnen. Starke Sache. – Oben auf Deck 14, das eigentlich Deck 13 ist, präsentieren der Kapitän und etliche Besatzungsmitglieder Beweise der Kochkünste aus ihrer jeweiligen einheimischen Küche zum Probieren. Meine menschenmengenangstbefreite Mitreisende stürzt sich ins Gewühl und ist ziemlich angetan. – Den Theaterabend schenken wir uns alldieweil dort zwei Comedians agieren deren Humor sich weit jenseits des unseren befindet. – Wieder staune ich über meine Müdigkeit, die sich hierorts viel zu früh zu Wort meldet. Okay, dann gebe ich halt nach und pflege meinen unterbrechungsreichen Schlaf. Das Schiff schaukelt sich durch die Nacht, der Wellengang wird stärker. Europa, wir kommen!

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