Gegen acht legen wir in Funchal/Madeira an. Damit endet die Atlantiküberquerung, denn wir sind in Europa angekommen, verkündet der Kapitän. Wir lassen es ruhig angehen, unser Ausflug soll erst um 13 Uhr starten. Also fotografiere ich Funchal erst einmal vom Schiff aus – sieht unerwartet groß aus. Das Wetter hat sich heute zu Sonnenschein entschlossen, der das Thermometer durchaus auf 20 bis 22 Grad hinauftreiben kann. Dem kühlen Wind scheint das gegen den Strich zu gehen. – Pünktlich zur Tour wollen wir vom Schiff – und dürfen nicht! Der Hafen ist zum Atlantik weit offen und der Wellengang bewegt das Schiff stark, so dass sich die Gangway deutlich auf und ab bewegt. Nur in den ruhigen Zeiten schickt die Crew eine Gruppe von uns an Land. So geht es langsam voran. Das macht nichts, denn unser Bus ist noch gar nicht da. Schließlich trifft er ein und wir starten endlich die Tour. Sie wird zu einer der schönsten Ausflüge unserer langen Reise. Madeira ist eine erstaunliche Insel, besitzt nur wenig (nahezu keinen) Strand, erfreut sich eines Klimas, das sich im Jahresverlauf zwischen 17 und 30 Grad bewegt, gut beregnet wird aber mit viel Sonne, wie heute, glänzen kann. – Wir steuern den ersten Aussichtspunkt an: die Bucht rund um Funchal präsentiert sich unserem Blick. Weiter geht es über Serpentinen ohne Ende vom Meeresspiegel bis hinauf in enorme Höhen, der Bus erklimmt steilste Straßen, bewältigt engste Kurven und stoppt unweit Churchills Balkon auf dem der Engländer sich der ihn enspannenden Malkunst gewidmet hat. Aha, nett zu wissen. Ein Höhepunkt ist danach der (die, das?) Cabo Girão, ein Skywalk in 590 Meter Höhe, auf dem man, auf durchsichtigen Bodenplatten stehend, bis tief unten auf die Meeresküste blicken kann. Rechts fasziniert eine enorm hohe Steilküste, die senkrecht ins Meer abfällt, zur Linken öffnet sich ein Panorama auf den südöstlichen Teil Madeiras. Atemberaubend! Allerdings zerzaust der Wind gewaltig die Haare und bläst kalte Luft in die Kleidung – wohl dem, der an Jacken und Langärmeliges gedacht hat! – Jetzt führt uns der Bus zur Markthalle Funchals, Fisch ist ausverkauft aber Obst, Gewürze, Lederwaren und Touristenkitsch gibt es noch reichlich – ein insgesamt empfehlenswerter Besuch. Nach ausreichender Wirtschaftsförderungszeit folgen wir unserer Reiseführerin quer durch die Innenstadt zu einer Weinprobe des Madeira-Weins. Zu meinem Erstaunen erhalten wir dort kompetente Erläuterungen in deutsch und können vier ausreichend große Proben konsumieren. Dazu werden Nüsse, Rosinen, Käse und süße Pralinen gereicht. Madeirawein, so erfahre ich, ähnelt dem Sherry oder Portwein (und schmeckt tatsächlich auch so). Es ist ein bemerkenswerter Aperitif. Er überzeugt uns und wir kaufen zwei Flaschen der „trockenen“ Version, die einem Medium-Sherry recht ähnlich kommt. Die Preise sind okay, wie ein Vergleich im Internet beweist (wir haben hier das europäische Netz). So beladen geht es zurück auf unseren großen Kahn. – Vor dem Ablegen muss noch ein Patient ausgeschifft werden, dann geht es los. Das letzte Ablegen auf der Reise. Noch fünf Seetage und wir sind daheim. – Schon beim Dinner schwankt es gewaltig. Die Wellen sind höher geworden, das Laufen funktioniert breitbeinig am besten. Eine Poolparty wird ins Schiffsinnere verlegt, alle drängelt sich. Die TUI macht Umsatz mit Poncha, dem Nationalgetränk Madeiras. „All“ ist eben nicht inklusive 🤔. Das Schiff wird jetzt deutlich von den Wellen bewegt und wir schlafen schlecht. Liegt es am Seegang oder am späten Dinner? Oder gar am Poncha? Wer weiß das schon?
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