Mit Interesse lese ich, dass etliche Wirtschaftswissenschaftler, vor allem aus den USA, die These vertreten, dass sparsame Haushaltsführung des Staates nicht geboten sei, sondern es viel besser wäre wenn dieser Schulden mache und dieses Geld investiere. Das sei die herrschende aktuelle Ansicht der Fachleute. Aha. Natürlich profitiert die Wirtschaft von Investitionen, ist ja klar. Aber wo bleibt der Staat? Wenn Milliardeninvestitionen irgendwie ursächlich für mehrere hunderttausend Euros Steuermehreinnahmen sein sollten, könnten damit vielleicht die Zinsen der Kredite erwirtschaftet werden. Doch komisch, ich dachte bislang, dass man irgendwann auch mal tilgen müsste. Es kommt mir sehr seltsam vor immer neue Schulden anzuhäufen bis man dann immer schneller alte durch neue, höhere ersetzt – bis die Blase einmal platzt. Und diese „Erkenntnis“ ist so neu nicht. Ich lese gerade eine Lutherbiographie und damals schon, liehen die Landesherren mehr Geld als sie einnehmen konnten. Manche wurden dadurch zu unangenehmen Zugeständnissen an neue Geldgeber gezwungen, andere brachten ihre Gläubiger um (heute praktiziert man das etwas humaner als „allgemeinen Schuldenerlass“, denn natürlich sind die Banken schuld, wenn Staaten zu gierig sind). Oder liegt der Sinn der „neuen“ Philosophie darin noch leichter die Politik „nach seiner Pfeife tanzen zu lassen“? Wundern würde es mich nicht. Egal wie niedrig der Zinssatz, irgendwann wird unausweichlich abgerechnet. Dann sind die Verursacher voraussichtlich nicht mehr im Amt. „Nach mir die Sintflut“ beschreibt dieses Verhalten sehr treffend. – Für mich ist es ein ruhiger Tag, ich darf ein wenig mit Tiger spaziererfahren und informiere mich abends ausführlich über die Waldwirtschaft wie sie ein Peter Wohlleben fordert und den fachkundigen Kommentaren eines Forstwissenschaftlers dazu. Ich merke wieder einmal wie leichtgläubig ich ohne spezifisches Fachwissen sein kann. Erschreckend. Bei einem so interessanten Stoff wird es natürlich spät.
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