Weiter geht es den Rhein hinauf. Auf der Annika erwartet uns am späten Vormittag ein Bayerischer Frühschoppen, den ich eigentlich ignorieren wollte. Meine überaus aufmerksame Mitreisende weist mich, sie kennt mich gut, freundlicherweise auf das Mittagsmenü mit ‚Königsberger Klopsen‘ hin. Das erweist sich als gutes Argument sich besser den Bayern zuzuwenden und völlig zu Recht. Die Weißwürste sind delikat, der Leberkäse schmackhaft und das Freibier eine vortreffliche Ergänzung dazu. Allerleichten Herzens lasse ich das normale Mittagsangebot links liegen – ohne jegliches Bedauern. – Am frühen Vormittag erwartet uns der Ausflug nach Colmar von Breisach aus. Wieder haben wir einen sachkundigen Guide, allerbestes Wetter und, wie der Fremdenführer betont, wenig Touristen in der Stadt. Uns kommt das Gewimmel schon mächtig vor doch wir müssten uns noch 12.000 Chinesen zusätzlich vorstellen – besser nicht. Wir werden wieder mit der elsässischen Geschichte konfrontiert, ein Leiden unter stets wechselnden Herrschaften mit absoluten Totalitätsansprüchen. Wir beginnen die Tour auf dem Lindenplatz (mit aus herrschaftspolitischen Gründen nur noch einer Linde) beim historischen Museum, das Isenheimer Altar beherbergt, den wir aber mangels Zeit und Kraft leider nicht betrachten können. Bei uns liebevoll-mächtig bestrahlender Sonne suchen wir die Sehenswürdigkeiten nur vom Schatten aus zu betrachten, sehen uralte Gebäude, das kleinste Haus mit nur 25 qm Wohnfläche, ein Haus in dem Voltaire gewirkt hat, das „Köpfe-Haus“ mit vielen unterschiedlichen Köpfen verziert und das Münster, das wegen einer Trauerfeier nur von außen zu betrachten ist. Interessant ist eine Sonnenuhr, die nur die Monate anzeigt – äußerst vielsagend. Das älteste urkundlich nachgewiesene Privathaus steht gleich nebenan. Kurz und gut ich bin ziemlich fertig vom Rumlaufen, da reichen selbst die Reize des Isenheimer Altar zu weiterer Aktivität nicht aus. – Abends quält ein Musikquiz meine Ohren – zu meiner Schande muss ich gestehen keine einzige Antwort gewusst zu haben. Mein Musikgeschmack läuft offensichtlich extrem konträr zu dem der Mitreisenden. Is wie is. Erstaunlich früh falle ich in meine Koje.
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