Löwenkönig

Die Hotelbettmatratze hat leicht abfallende Tendenz aber mein Gewicht stabilisiert mich sicher 😀. Mein übliches Hotelfrühstück (Croissant, Rührei, gebratener Schinken) muss ohne Fleischzusatz auskommen. Dann ist das so, ansonsten ist alles schwer okay. Wir vereinbaren einen Treffpunkt mit mit meinem Cousin und seiner Frau für den Nachmittag. Jetzt spazieren wir erst einmal durch St. Pauli, nicht die „verruchten“ Straßen, die sind vormittags sowieso öde, nein, durch die kleinen Einkaufsstraßen im Viertel mit noch richtigen winzigen Shops. Die Wohnhäuser stellen optisch die meisten Neubauten in den Schatten – man kann eben schön bauen, wenn man nur will. Jetzt noch fix Ohropax besorgen, falls es am Abend zu laut wird. Auf einem Spielplatz legen wir eine Pause ein und gleich strömt eine Schar Kinder auf meine Allerliebste zu. Sie unterhält sich prächtig während ich durchschnaufe. Zurück zum Hotel geht es an der „Großen Freiheit“ vorbei, die weder groß ist noch Freiheit bringt. Die Davidwache ist wenigstens optisch ein kleines Schmuckstück. – In der Mittagszeit erwerben wir online ein Tagesticket für die Öffis und machen uns auf den Weg zum Treffpunkt. Leider beginnt es zu regnen, wir treffen unsere zwei Verwandten am Café. Wir freuen uns sehr über das Miteinander. Die Zwei begleiten uns freundlicherweise im Anschluss zu den Landungsbrücken, dem Anleger der Musicalfähre. Ich ziehe mir noch ein Fischbrötchen rein, dann betreten wir das Schiff zum anderen Ufer der Elbe. Wir sind früh dran, die Tore des Theaters sind noch geschlossen. Als es dann nach kurzer Zeit so weit ist, können wir uns die bequemsten Sessel für die Wartezeit aussuchen, gönnen uns beiden ein Glas Wein und eine Brezel für insgesamt über zwanzig Euros. Der König der Löwen ist nun einmal kein Sparkommissar, eher eine Gelddruckmaschine. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille, denn die Atmosphäre ist beeindruckend, das Ambiente gefällt und ich fühle mich rundum pudelwohl. Sehr schön. Schließlich belegen wir unsere Plätze, freuen uns über den Ausblick und staunen über den nach 25 Jahren ständiger Wiederholung immer noch wohlgefüllten Zuschauerraum. Stark. Das Stück selbst ist inzwischen ja wohlbekannt. Ich habe bislang nur den Film gesehen und finde, obwohl ich kein überzeugter Musicalfan bin, das Stück bestens umgesetzt. Beeindruckt hat mich die der Natur angenäherte Bewegung der Tierdarsteller. Ärgerlich wenn man Texte nur schwer oder gar nicht verstehen konnte – mein Ohropax erst in der zweiten Hälfte eingesetzt, war erstaunlicherweise gerade dabei eine große Hilfe. Insgesamt eine prächtige Inszenierung mit vielen Höhepunkten, tränendrüsenreizend im zweiten Teil sowie mit der Kunst einen wohlbekannten in tausend Varianten millionenfach ausgelutschten Handlungrahmen in einer herzergreifenden Weise zu präsentieren. Die „Standing Ovation“ am Schluss kann ich zwar nicht so recht nachvollziehen aber zweifellos war es eine sehr gute, den Besuch reichlich lohnende Aufführung. Chapeau. – Die Rückfahrt läuft zu meiner Überraschung perfekt ab, keinerlei Kritik, echt gut organisiert. Wieder ein wunderbar gefüllter Tag. Stark.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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