Wer eine Reise tut …

Deutlich unerholt verlasse ich mein Seniorenbett, frühstücke heute mal wieder (das soll in dieser Woche zur Gewohnheit werden, seufz), packe alles für die Reise in Lauras Kofferraum und wir fahren planmäßig los. Die Fahrt macht Spaß, ich liebe Nebenstraßen und gegen Mittag kommen wir bei Schwägerin und Schwager an. Eine superleckere Kürbissuppe wartet schon auf uns, wir spachteln und plaudern, ich löse zwei Tickets für die Bahn und rechtzeitig vor der Abfahrt transferiert uns mein Schwager zum Bahnhof. Der Zug soll auf Gleis 3 einfahren. Es ist auf dieser Station ein langer Weg dorthin, denn dieser Bahnsteig liegt etwas abseits, hinter zwei Durchfahrtgleisen ein wenig versetzt – aber per Tunnel gut zu erreichen. Wir warten geduldig. Zwei Minuten vor der Ankunftszeit wechselt klammheimlich, ohne Ansage, die Anzeige auf Gleis 1. Alles stürmt los, mitten auf dem Weg kommt der Regionalexpress an. Ich bin mit meiner sofa- und altersgeschädigten Kondition zugegeben nicht der Schnellste, erreiche dennoch die Waggontür, doch lässt sich nicht mehr öffnen. Der Lokführer will weg, sperrt uns aus und haut ab. Merde!!! Keuch, keuch, schwitz, schwitz … Nur acht Minuten später soll ein anderer Zug in diese Richtung eintreffen – auf Gleis 4 (neben 3), verheißt die Anzeige. Was tun? Darauf vertrauen und wieder reinfallen oder auf Gleis 1 spekulieren? Schweren Herzens, voller Zweifel, wählen wir das Vertrauen. Schwerer Fehler, das Spiel wiederholt sich, doch diesmal sind wir schneller oder der Zug wartet ein wenig länger, völlig durchgeschwitzt dürfen wir mitfahren. Die derzeitige Bahn und ich werden keine Freunde mehr, das ist ziemlich sicher. Irgendwann kommen wir in Hamburg an und nehmen ein Taxi zum Hotel – mein Bedarf am ÖPNV ist gedeckt. – Das Hotel ist okay, gefällt uns gut, ich hüpfe aus den klatschnassen Klamotten direkt unter die Dusche. Das tut wohl. Große Pause ist angesagt. – Schließlich tapern wir per pedes zur Elbe, wandern bis zu den Landungsbrücken zu einem Restaurant direkt am Wasser. Bei einem Aperol passiert uns die ‚Mein Schiff 2‘ in voller Größe, um Richtung Westen die Küsten abzuklappern. Sie scheint seht gut besetzt zu sein. Ich gönne mir noch einen Burger, ein wahres Monstrum, kämpfe ihn gemeinsam mit einem kleinen ‚Flens‘ nieder und stapfe dann, Schritt für Schritt, dem Hotel entgegen. Mitten auf dem Weg meldet sich mein Smartphone. Mein Cousin ruft an. Er ist mit seiner Frau auch in Hamburg. Dritte haben unsere Status (Plural von Status ist Status, nicht Stati oder Statusse belehrt mich der Duden – finde ich blöd und verwirrend) mit jeweils der Mein Schiff 2 gesehen und ihn darauf aufmerksam gemacht. Wir verabreden uns für morgen. Endlich komme ich, erneut schweißgebadet, im Hotel an – die Dusche kennt mich schon. Welch ein Tag! Gute Nacht!!!

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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