Reformationstag

Für Pensionisten verlieren die Feiertage ihr arbeitsbefreiende Wirkung und reduzieren sich auf ihren eigentlichen Anlass. Das muss gar nicht schlecht sein. Wir hören aus Bremen einen Vortrag über Paul Gerhardt. Erneut wird das Bild des armen, vielgeplagten Liederdichters gemalt, der allen Qualen zum Trotz wunderbare, aufbauende Lieder dichtet. Falsch ist das nicht aber nur die halbe Wahrheit. Ja, er hatte viel zu leiden, zweifellos, er hat aber auch viel Hilfe und Unterstützung erfahren, hatte neben den schweren auch gute Zeiten. Er war anerkannt und geachtet und seine Amtsenthebung war die Ultima Ratio seines vorher um mancherlei Kompromisse bemühten Landesherrn. Schade, dass immer so einseitige Bilder verbreitet werden nur weil sie ins pietistische Gottesbild passen, dass wer Großes im Reich Gottes schafft auch unendlich viel Leiden tragen muss. Das ist nicht ganz falsch, blendet aber die andere Seite, das Gute, das Aufbauende im Leben aus. Schade. – Am Nachmittag treffen wir uns in kleinem Kreis zu einem fast traditionellen Kaffeetrinken am Reformationstag mit Freunden. Ein feiner Nachmittag. Den Vortrag unseres ehemaligen Ministerpräsidenten in der Christuskirche lassen wir aus, obwohl, genau betrachtet, letztlich die Politik der Brennstoff der Reformation war, Glaubensfragen hin oder her. Erstaunlicherweise, Gott ist unfassbar, sind die Glaubensüberzeugungen dennoch das, was bis heute noch bewegt und zählt. – Den Abend verbringt meine Reformationsbewegte lobenswerterweise mit zwei Filmen, jeweils über Luther und Zwingli, während ich mich – großer Tadel – mit Jürgen von der Lippe, Fredl Fesl und einem Lied von Reinhard Mey bei YouTube vergnüge. Es wird spät aber die Nacht ist okay.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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