Das Schiff wird erschüttert. Es rappelt, summt und brummt. Ach, die Schiffsmotoren – wir haben sie die ganzen Tage überhaupt nicht vermisst 😉. Der Trip führt von der Columbuskaje zum Kaiserhafen. Ich schaue aus dem Fenster, nichts zu sehen wir liegen am Ufer. Also schnell waschen und Beißerchen bürsten sowie Kleidung überwerfen. Der nächste Blick aus dem Fenster überrascht: Wir fahren in eine enge Schleuse ein. Es bleibt wenig Raum zwischen den Mauern und dem Schiff. Außerdem ist Mein-Schiff-1 so lang, dass beide Schleusentore geöffnet sein müssen, damit es hindurchfahren kann. Und das geht eben nur bei einem Tidenstand der Weser in gleicher Höhe wie im Innenhafen. Das Zeitfenster dafür ist wohl sehr klein. Kaum hat das Heck das äußere Tor passiert, schließt sich dieses bereits wieder. Ein Scheinwerfer am Heck beleuchtet die Schleusenwand und kaum ist unser äußeres Ende daran vorbei, dreht sich der Kahn langsam um die kleine Kurve zum Kaiserhafen zu nehmen. Irgendwie faszinierend. – Das Frühstück nehmen wir anlassbezogen früh ein. Eine kurze Ruhepause später wollen wir samt Gepäck den Kahn verlassen doch die Bürokratie schlägt noch einmal zu. In Bürokratie ist die TUI echt gut. Meine Bordkarte muss mir irgendwann entglitten sein. Ohne Bordkarte komme ich aber nicht vom Schiff. Eine neue wird eine Etage über uns ausgedruckt, heruntergebracht (nett), mir ausgehändigt, ich gebe sie sofort wieder ab, sie wird gescannt und eingezogen. Verrückt! Wer denkt sich so ein Verfahren bloß aus? – Die Fahrt nach Hause gelingt sehr gut – unser Freund bringt uns sicher heim. Sehr schön. Es folgt eine ruhige, fast beschauliche zweite Tageshälfte. Das Gepäck verwandelt sich wieder in Alltagszubehör, die Nachrichten lassen mit Abscheu nach Russland und größter Sorge nach der Ukraine blicken. Ein paar YouTube-Videos über E-Autos, den saumäßigen Mercedes-Service und die Vor- und Nachteile des e-Up sowie eine Talkrunde vom Abend der Invasion begleiten mich bis zur Nachtruhe. Der Schlaf kommt bald.
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