Um sieben Uhr morgens (!!!) heißt es sich abmarschbereit zu machen. Um acht Uhr fünfzehn werden die Kleinbusmitfahrer zusammengestellt und es geht gruppenweise vom Schiff in die größtenteils recht betagten Gefährte. Immerhin sitzt man ganz ordentlich und der Driver fährt sehr rücksichtsvoll. Die Kapverden entwickeln sich enorm. Die Hauptverkehrsadern sind alle asphaltiert und in gutem Zustand. Dafür helfen stark die Chinesen, die viel Geld in Afrika investieren. Der EU ist, meiner bescheidenen Meinung nach, ihr moralischer Zeigefinger demgegenüber arg im Weg. So prescht die chinesische Sprache als attraktive Fremdsprache spürbar nach vorn, sagt unser Guide. Wir sehen ärmlichste Behausungen und Prachtvillen fast nebeneinander liegend. Ich lerne, dass ein paar Eimer Farbe ein hässliches Gemäuer ruckzuck in ein ansehnliches Domizil verwandeln können. Offensichtlich fahren wir alle sehr stark auf Äußerlichkeiten ab. 😉😀. Die Landschaft ist beeindruckend, steil aufragende Lavafelsen mit bizarren Abbruchkanten, tiefe Täler dazwischen und überall an den Hängen kleben Wohnhäuser, Bauernhöfe und undefinierbare Steinkonstruktionen 🤔 (Ställe, Scheunen, Unterstände?). Faszinierend. Von der Urtümlichkeit her erinnern mich die Kapverden an das Griechenland der sechziger/siebziger Jahre – und natürlich, ganz stark, an die Karibik. Ähnlichkeiten sind unverkennbar. Wir bewundern einen fünf- oder sechshundert Jahre alten Baum, ein mächtiger Geselle. Ich forsche da nicht weiter nach – was sind schon hundert Jahre😀? Der Weg zum Baum über serpentinenreiche, enge, steile Wegstrecken mit abgefahrenem Basaltpflaster ist abenteuerlich. Nur gut, dass unser Driver zahllose Querrillen und sonstige Absenkungen in der Pflasterung äußerst vorsichtig bewältigt. Mein Rücken spricht ihm dafür seine tiefempfundene Dankbarkeit aus! Eine ähnliche Stoßdämpferprüfungsstrecke führt zu einem Aussichtspunkt auf den höchstens Inselgipfel empor. Nicht ganz 1.400 Meter über dem Meeresspiegel erhebt sich dessen wolkenumkränzter Gipfel. Wir erhalten als „Lohn“ für die spannende Auffahrt ein Getränk unserer Wahl in einem Hotel gegenüber des Wipfels. Am Rande bemerkt, wenn sich rund 400 Kreuzfahrttouris in Kleinbussen mit jeweils 16 bis 20 Personen zu den gleichen Zielen auf den Weg machen, hat das allein schon Erlebnischarakter. Auf den weitgehend knapp über busbreiten Wegen begegnet man sich, die wenigen Parkplätze sind zugeparkt und die Busse müssen kunstvoll entwirrt werden. Und dann fehlen auch noch ab und an ein oder zwei Touris, deren Fotosession länger dauert. Starke Sache. Bis auf ein oder zwei auf steilen Pfaden gestürzte Mitreisende kommen wir gut wieder an Bord an. Sogar mit dem Lunch hat man auf uns gewartet. Service pur. – Gegen 18 Uhr legen wir ab und beginnen die Überquerung des Atlantiks, auf Brasilien zu, mitten hinein in die schier endlose Weite. – Unser Show-Ensemble holt die Flower-Power-Generation zurück auf die Bühne, an der Phoenixbar flower-powert es weiter bis schließlich das Silvesterfeuerwerk auf hoher See abgebrannt wird. Unsere zweite Silvesterfeier. Dann ist das so. Wir schauen dem Trubel diesmal noch lange auf Deck 5 bei leichter Brise und frischem Riesling zu. Meine Erkältung schöpft dabei neue Kraft. Immerhin tut der Schlaf dann was er kann. Ein prächtiger Tag.
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