Das zweite und letzte Mal auf dieser Reise beginnt ein Ausflug zu einer unwirtlichen Zeit. Um kurz nach sieben ist das Verlassen des Bettes angesagt, damit wir pünktlich zum Gruppenaufruf in der Schau-Bar auflaufen können. Natürlich klappt alles wunderbar, fast wie bei einem eingespielten Team 😇. Wir liegen im Containerhafen von Bridgetown/Barbados, der eine ideale Kombination mit dem Cruise-Terminal eingegangen ist. Hier findet für die mit Flugzeug anreisenden „Kurzurlauber“ der Passagierwechsel statt, hier werden die Depots der Schiffe aufgefüllt und auch unser Kahn wird mit allerlei Verbrauchsartikeln für die Ozeanüberquerung von morgens bis abends beladen. Da wir, so bilde ich es mir ein, keine neuen Mitfahrer aufnehmen liegen wir ganz hinten am Kai und müssen einen langen Marsch absolvieren bis zur Abfahrt unseres Kleinbusses. Munter trotten wir durch die Hitze, dann durch die Halle, passieren etliche Geschäfte und stellen uns endlich in einer Reihe wie im Kindergarten auf. Die Bordkarten werden gecheckt und in kleinen Gruppen entern wir unsere Fahrzeuge. Unser Fahrer bringt in englischer Sprache etliches Wissenswertes zu Gehör. Ich muss meine mangelhaften Sprachkenntnisse wieder mühsam hervorkramen. Schließlich kommen wir an einem Bahnhof für eine Kleinbahn an und dürfen die historischen Waggons besteigen. Mit heftigem Schnaufen, beißenden Rauch ausstoßend 😉 sowie etlichen kesseldruckerzeugenden Stopps bringt uns die winzige Lok einen Hügel hoch zu einem bekannten Aussichtspunkt. Wir bestaunen von oben wie der Atlantik auf Barbados trifft. Ein paar Mitreisende helfen die Lok auf einer Drehscheibe mit Muskelkraft zu drehen, damit sie auf dem Nebengleis an den Waggons vorbeifahrend mittels traditioneller Weichentechnik wieder die Führungsposition einnehmen kann. Nachdem wir genug gestaunt haben, geht es wieder zurück, sogar ein bisschen weiter zu einer alten Villa der Sklavenhalter, eingerichtet im Stil des 18./19. Jahrhunderts. Interessantes Interieur. Am Esstisch hatte das Familienoberhaupt ein kleines Glöckchen stehen – wohl um wichtige Ansagen anzukündigen 😉🤨. Wir besichtigen die Destillerie mit ihren uralten Maschinen, in der, salopp gesprochen, Zuckerrohr in Rum verwandelt wird und begeben uns schließlich zu einer Rumprobe. Dort warten ein bis drei Tröpfchen des edlen Gesöffs auf uns: ein fünf Jahre alter dunkler Rum, kratzig im Abgang und ein süffiger weißer Rum mit Bananenaroma (oder so ähnlich). Die Preise kommen mir exorbitant hoch vor im Vergleich zur Qualität des genossenen Tropfens. Aber keiner wird zum Kauf gezwungen. Gut so. Dann geht es zurück zum Schiff und wir nehmen Abschied von der Karibik. Gegen 19 Uhr verlässt Mein Schiff 3 den Hafen von Barbados und damit diese ganzjährig wunderschön temperierte Region in der selbst der Regen warm herunterkommt. „Adieu“ und „Auf Wiedersehen“ liebe Inseln – ich blicke euch mit einem Glas Wein in der Hand vom Balkon aus leicht schwermütig nach. Von nun an geht es wieder der Kälte entgegen. Seufz!
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