Es gibt so Tage da macht es einfach „Klick“ und eine neue geistliche Erkenntnis ist da. Fachkundige würden sagen, dass der Heilige Geit gewirkt hat. Sie haben recht. Heute ist so ein Tag. Meine Einstellung zu Maria, der Mutter von Jesus, hat sich sehr stark verändert. Nein, die katholischen Auffassung, sie fast in eine Ebene mit Gott zu heben, liegt mir nach wie vor fern. Auch sehe ich überhaupt nicht ein, sie zu bitten für eines meiner Anliegen bei Jesus ein gutes Wort einzulegen – warum auch, da ich Jesus sehr gut persönlich kenne. Nein, ich habe aber die Überzeugung gewonnen, dass sie einzigartig unter uns Menschen ist, weil sie Gott selbst neun Monate in sich getragen hat. Das kann unmöglich ohne Folgen geblieben sein. Normalerweise prägen Eltern ihre Kinder, hier aber muss es umgekehrt sein: wer den lebendigen Gott in sich trägt, der wird, ob er (sie) will oder nicht, von IHM geprägt. Maria wird dadurch verändert worden sein, anders ist das gar nicht denkbar. Ja, sie ist zu einer herausragenden Persönlichkeit geworden, davon bin ich jetzt überzeugt. Selbst wenn das besungene Ereignis in „Maria durch den Dornwald ging“ so nicht bezeugt ist, hätte es aber zweifellos sein können, denn es zeigt beispielhaft die Kraft, die in ihr gewirkt hat. Die Konsequenzen für mich? Ich denke ehrfurchtsvoller von Maria, ähnlich wie von Henoch, Mose und Elia. Und eine zweite Erkenntnis überfiel mich außerdem noch: schon immer haben mich Predigten gestört, die uns die Belohnungen („Preisgericht“) vor Augen malen, die die erwarten, die Jesus von Herzen dienen. Da spielt auch das Gleichnis der anvertrauten Pfunde mit hinein. Theologisch sind diese Predigten sicherlich okay. Doch, wie ich gerade in Luthers Schrift zum Magnificat gelesen habe, kommt es andererseits darauf an Jesus selbstlos zu lieben ohne auf eine Belohnung zu schielen. So will ich es halten, auch wenn die biblische Botschaft andere Interpretationen zulässt. Andererseits kann ich wollen was ich will – ohne Gottes Hilfe geschieht hier nichts. Das weiß ich wohl.
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