Fisch will schwimmen

So ein Seniorenheim in Corona-Zeiten ist keine gute Sache. Der Wegfall von spontanen Besuchen, Anmeldefristen und lange Testzeiten sind nicht nur für Besucher ätzend sondern noch viel mehr für die Bewohner. Es fehlt das spontane Vorbeischauen bei Gelegenheit. Meine Mum habe ich noch nie so innerlich zerrüttet erlebt wie heute. Sie schien mir anfangs völlig von der Rolle zu sein. O wie traurig. Den Besuch nicht in ihrem Zimmer empfangen zu dürfen ist eine weitere Zumutung. Dort ist nämlich die Keramikabteilung nur ein paar Schritte entfernt und nicht anderthalb lange Gänge weit. Das ist für Ältere keine Komfortfrage mehr sondern eine existentielle Herausforderung, die überdies die Besuchszeit verkürzen kann. Das normale Geplauder über den Alltag, über Fehlendes im Zimmer oder nicht gefundene Kleidungsstücke entfällt völlig, denn jeder Schritt zum Empfangszimmer reduziert ihr Erinnerungsvermögen fatal. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist hier eine bittere Wahrheit. Sehr, sehr traurig. – Draußen scheint der Frühling den Winter überrollen zu wollen und das Ende Februar. Normal ist das nicht. Mein Heuschnupfen meldet sich wieder mit dem Versprechen mich bis Juli zu nerven. Er hat halt Freude daran. – Der leckere Fisch zum kalten Dinnermahl hält meinen Magen den ganzen Abend auf Trab bis ich kapituliere und ihm Hochprozentiges bewillige. „Fisch will schwimmen“ heißt es und es scheint zu stimmen, denn bald kehrt Ruhe ein. Antialkoholiker werden mich belehren, dass der Erfolg auch so eingetreten wäre, weil mein Verdauungstrakt sowieso kurz vor seinem schwer erkämpften Feierabend stand. Sie mögen recht haben. Ich streite mich nicht. Eins weiß ich aber: es wird sehr spät.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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