Gelddruck im Ex-Kloster

Heute wollen wir bei schönem Wetter Eltville besuchen. Zweimal durchqueren wir das Städtchen ohne eine passende Parklücke zu finden. Dann eben nicht. Ich gebe auf. In meiner Karte finde ich ein anderes Ziel: Aussichtspunkt über Wiesbaden und Frankfurt. Das klingt interessant. Das Navi führt uns durch schmale Gassen, Hattenheim macht Gegenverkehr zum Abenteuer, und schließlich auf eine Art befestigten, asphaltierten, schmalen aber für Autos freigegebenen Waldweg. Es geht nur hinauf, mitunter durch überraschend auftauchende Straßenkuhlen bis das Navi stolz verkündet, dass wir unser Ziel erreicht hätten. Wir stehen auf einem Parkplatz von Wald umgeben ohne jegliche Aussicht. Nach einigen Erkundungexpeditionen finden wir den Punkt. Okay, wenn es nicht diesig wäre, wäre es möglicherweise nicht ausgeschlossen von hier aus Teile Frankfurts zu erblicken. Vermutlich sehen wir heute nur Stadtteile von Wiesbaden. Mag sein. Immerhin fällt mir mitten im Wald, auf eine Anhöhe von ferne ein Turm ins Auge. Ich lasse mich vom Smartphone belehren, dass es in dieser Einöde eine Restauration geben soll in der man Hochzeiten feiern und sogar übernachten kann (so Booking.com). Das erklärt unsere freie Zufahrt durch den Forst. Nachdem wir die eingeschränkte Aussicht genügend bewundert haben begeben wir uns zum Kloster Eberbach, das von einem Mönchsdomizil zu einer Gelddruckmaschine transformiert wurde. Man kann hier parken (6 Euro), übernachten (Normalpreis rund 200 € die Nacht), Wein kaufen (weit über 10 €/Fl. nach oben offen) oder das Kloster besichtigen (13 € p.P.). Ich finde einen tollen professionellen Korkenzieher für 10 €, von dem ich aber Abstand nehme, da ich beim Preislesen zu oberflächlich war: tatsächlich 60 € (Wahnsinn!). Dennoch nehmen wir eine Buddel Wein mit, knapp 17 € ungekühlt – aus der Kühlung im Ausschank locker 28 €. Unser Lunch holen wir uns von der Warmtheke des örtlichen Edeka. – Am Abend spazieren wir durch Mittelheim zum Rhein, finden eine Bank bei der Fähre und schauen dem Abendverkehr beim Uferwechsel zu. Sehr beruhigend. Nach nächtlichem Vergnügen ist uns nicht, satt sind wir sowieso und so lassen wir die Stunden auf dem Balkon vergehen, während meine App uns informiert welche Schiffe „im Anmarsch“ sind, welches Ziel sie ansteuern und mit welchen technischen Werten sie glänzen können. Dabei genießen wir den Eberbacher Edeltropfen. Netter Abend. Selbst der Schlaf fällt ganz gut aus. Geht doch.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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