Ab sofort läuft ’spät‘ unter ‚wie immer‘, ich kann daran offensichtlich nur wenig ändern. Durch ein Wie-Immer-Aufstehen bin ich zu spät dran für den zentralen Allianzwochenabschlussgottesdienst in der Nachbarkirche meiner Gemeinde. So bleibt mir wieder einmal nur das Fernsehen. Die Predigt aus Bremen, die ich mir vorab zuführe, schert diesmal alle Zuhörer über einen Kamm, kurz gesagt sie fordert alle Christen auf, unbedingt jedermann ein Gespräch über ihren Glauben aufzudrängen ob der nun will oder nicht. Es ist eine Grundschwäche des Pietismus, dass kontaktstarke Verkündiger diese Begabung von allen anderen einfordern. Für mich hört sich das immer so an als ob kontaktschwache oder -gestörte Menschen nie richtige Christen werden können. Das ist grundfalsch. Nach meiner Erkenntnis geht es vor allem darum Gott zu lieben, ihm zu vertrauen, keine Götzen anzubeten und die Begabungen, die Gott uns anvertraut hat, zu nutzen. Dazu kommt natürlich die Nächstenliebe, die aber eine Entscheidung ist, die von mir erwartet wird. – Zu meiner großen Freude kann ich trotz eines viel zu späten Einstiegs den Allianzgottesdienst in voller Länge sehen, denn sowohl der Rahmen als auch die Predigten über Gründe zur Freude in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart sprechen mich sehr an. Traurig nur virtuell dabei sein zu können bin ich nicht, denn die Bänke dieser Kirche gehören zu den unbequemsten ihrer Art in der gesamten Stadt😀😇. – Mittags wirble ich als Ober-Chefkoch😉 durch die Küche, brate Wurstreste in der Pfanne an, verquirle ein paar Eier und produziere Rührei, intensiv scharf gewürzt, zum Lunch. Dazu gibt es wirklich leckeres Kartoffelpüree, aus der Tüte angerührt. Zum Dessert Joghurt aus dem Becher. Strohwitwerküche halt. – Nach der Mittagsruhe entfache ich ein Feuerchen im Kachelofen, wodurch die Raumtemperatur eine angenehme Wohlfühlhöhe erklimmt. Und jetzt streamen was das Zeug hält! Es wird so extrem spät, dass ein ‚wie immer‘ eine völlig haltlose Untertreibung wäre. Das Alleinsein verführt mich schädlicherweise zu Zeitkapriolen, mir fehlt einfach die ordnende Gegenwart meiner Mitbewohnerin. So isses.
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