Adventsmusik

Nein, nicht schon wieder Räumstories. Heute steht ein Adventskonzert des Reislinger Chores auf der Tages-, resp. Abendordnung. Zu Beginn erwartet uns ein Harfenstück, begleitet durch die Raschelsinfonie des Publikums. Leise Harfentöne zur Hintergrundakustik einer Menge, die das Stillsitzen verlernt hat. In mir schleicht sich der Gedanke empor, ob man zu einem solchen Konzert nur Besucher mit Schwimmshorts und in Bademäntel gehüllt zulassen sollte. Doch ich befürchte, dass selbst dann die Zuhörerschaft Möglichkeiten finden würde, Geräusche zu erzeugen. Schön, dass der Chor danach stimmkräftig genug ist um solcherlei Störungen zu übertönen. Und dann überkommt es mich doch. Beim nächsten Harfenstück muss ich einfach einen Druckknopf schließen. Plonk! Nicht laut und dennoch perfekt eingefügt in den Backgroundchor. Faszinierend. So ganz nebenbei bemerke ich, dass der Chor seine Krise völlig überwunden hat, die Stimmen sind wohlausgewogen, es gibt keine Kreischlaute bei hohen Tönen mehr, die Männerstimmen sind gut wahrzunehmen und die gesungenen Texte sind einwandfrei zu verstehen. Toll! Der Jazzchor der Musikschule, der einen Part gestaltet, ist sicher gut doch für mich teilweise recht gewöhnungsbedürftig. Eine gute Idee, ihn als kleinen Kontrast einzubinden, das spricht mich an, doch dieser Musikstil agiert bei mir eher in den Grenzregionen meines Wohlbefindens. Resümee: ein bestechendes Konzert – gut, dass wir dabei waren.

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Vorabend

Das neue Schlafzimmer kommt. Die Aussicht wieder in die gewohnten Räumlichkeiten zu ziehen bekommt einen kräftigen Schub. Vier Stunden dauert der Aufbau aber er lohnt sich. Nachmittags wird um- und eingeräumt und wieder einmal bin ich verblüfft wie viel Sachen trotz säckeweiser Entsorgung immer noch auf einen Platz im Schrank warten. Ich staune. Mein Büro füllt sich derweil mit Kisten deren Inhalte ebenfalls ein Plätzchen in den Regalen begehren obwohl das Angebot dort sich zunehmend spärlicher gestaltet. In welch einem Überfluss leben wir bloß? Das merkt man vor allem bei Umzügen oder umzugsähnlichen Aktivitäten. Noch einmal schlafen wir im Obergeschoss und morgen geht es zurück. Komme was da wolle!

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Pensionistenstress

Wieder einmal ein Stress-Sonntag mit drei Terminen – das ist nicht otiumlike. Die Studierstube am Morgen, eine halbe Stunde früher und mir fehlt meine zweite Tasse Kaffee. Dankenswerterweise haben die Gastgeber für 11 Uhr eine Pause mit der Koffeinbrühe vorbereitet und gewähren mir großzügig vorab Zugang zu einem energieweckenden Becher. Sehr nett von ihnen! Gegen elf Uhr bin ich dann wirklich aufnahmefähig. Der nachmittägliche Besuch meiner Mum gestaltet sich ebenso notwendig wie einseitig und das ist sehr schade. Ich lerne für mich, dass das Altwerden nicht nur mit natürlichen Schwierigkeiten gepflastert ist, sondern darüber hinaus von uns mit selbstgemachten Nöten noch komplizierter gestaltet werden kann. Alter mir graust vor mir. Ich schreibe diesen Eintrag zwei Tage später und erinnere mich gut, dass ich den Gottesdienst am Abend sehr ansprechend und anregend fand. Aber worüber hat er gepredigt? Es war der erste Advent, ehemals eine Fastenzeit, ein Text aus einem Kalender, der von oben nach unten gelesen einen völlig anderen Sinn hatte als von unten nach oben rezitiert. Perspektivwechsel war das Thema. Es geht doch … so schlimm kann es mit mir noch nicht sein! 😉😇

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Fundiertes Weihnachtswissen und kleiderlose Fotos

Bei Elektrik bin ich immer noch ganz gut drauf – nach einigen Überlegungspausen gelingt eine Montage recht problemlos. Gut zu wissen. In der Mittagspause stelle ich fest, dass die Kenntnisse über Adventsmusik bei Siri äußerst dürftig sind. Man muss sie mit ihrer virtuellen Nase auf Titel stoßen, sonst produziert sie Blödsinn. Nun ja, christliche Botschaft und vollelektronische Rechenknechte sind wohl auch weit entfernte Welten. – Im Büro stelle ich fest, dass optisch nett gestaltete Kabelschächte, oberhalb der Fußleisten, sehr gut aussehen können. Ich bin überaus angetan. Trotzdem fehlt mir der Drive alle per Säge anzupassen. Nö, das mache ich später. Irgendwann. Außerdem wandern etliche Bücher ins Regal und so langsam reift das künftige Bild des Zimmers heran. Bei all dem vergesse ich nicht unsere Lichterketten pünktlich zu aktivieren. Sie wirken viel besser, als ich es ursprünglich befürchtet hatte. Mangels überzeugendem TV-Angebot lasse ich mich dazu hinreißen Roger Liebis Ausführungen zu den geschichtlichen und religiösen Hintergründen der Weihnachtsgeschichte vor Ohren und Augen zu führen. Sie dauern zwei ganze Stunden. Eigentlich wollte ich nur mal reinschauen, doch er argumentiert schlüssig, nachvollziehbar und offenbart eine Fülle von Detailwissen. Ich lerne viel. Faszinierend. Ach ja, so ganz nebenbei ist meine Keynote-Präsentation zum Namibia-Urlaub endlich fertig. Fehlen nur noch die Notizen, die die nackten Fotos bekleiden sollen. Kommt Zeit, kommt Kleid.

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Harmonie und Störung

Der Tag verläuft toll. Wir packen Kiste um Kiste aus, Bücher wandern an ihren neuen Platz und das Büro gewinnt langsam Profil. Noch ist unklar, wo ich all die Kleinigkeiten unterbringen will, die sich bislang in den nun nicht mehr greifbaren Schubladen herumgetrieben haben. Das muss mir wohl noch einiges einfallen. Gefühlt Hunderte von Videokassetten warten im Zwischenlager auf eine freie schwarze Tonne – seufz – und meine in mehrjähriger, offenbar geistiger Umnachtung, entstandene Briefmarkensammlung beharrt auf ihrem Asylrecht irgendwo bei uns. Das wird nicht einfach. – Die Bibelstunde am Abend überrascht mich wieder positiv, wenn auch die „ewigen“ Unterbrechungen wegen umzuparkender Autos nerven. Irgendwie muss meine Gemeinde, müssen wir, das in den Griff bekommen. Insofern ist es schade, dass uns sowohl ein Konzept als auch das Geld für den Erwerb des Nachbargrundstücks fehlten – wenigstens die Parkplätze und die Entzerrung einiger Veranstaltungsorte wären von Vorteil gewesen. Vielleicht haben wir alle zu kurz gedacht. Aber „nice to have“ bewegt keine Spenderherzen und Gott schon gar nicht. Damit ich mir auf gut gelaufene Bibelstunden nichts einbilde, verpasse ich mir gleich darauf einen mächtigen Dämpfer, sozusagen ziehen kräftige Gewitterwolken vor dem Abendrot auf. Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen. Wirklich!

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Lichterketten und Kabelbinder

Die Sonderbeleuchtung zur Weihnachtszeit soll installiert werden. Ich habe Großes vor und schaffe Kleines. Angesichts unabweisbarer Realitäten gibt es in diesem Jahr nur eine kleine Lightshow. Schade. Vielleicht fällt mir noch etwas Gescheites dazu ein. Würde ich mir wünschen. Immerhin habe ich die Kabelbinder entdeckt, die die Montage doch stark vereinfachen. Aktiv schalten will ich die Lichter am Samstag, sozusagen zum Silvesterabend des Kirchenjahres. Ich bin überrascht wie fertig ich nach einer durcharbeiteten Mittagspause bin. Das gefällt mir gar nicht. – Drinnen lasse ich mich ein wenig vom neuen Lautsprecher beschallen, er (oder besser sie) hat doch einen sehr guten Klang. Das ist okay. Die Anbindung an das vorhandene System ist aber ein wenig holprig. Bei den Apfelanern muss man sich künftig wohl darauf einstellen: die Preise gehen hoch und die Qualität kann so doch nicht mithalten, positiv gesprochen. Sehr schade.

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Stets zu Diensten

Die Dachrinnen sollen heute von Unrat befreit werden. Aber sie wollen nicht und haben sich über Nacht mit einer gefrorenen Masse bewehrt. Gewaltsam geht gar nichts, denn das zerreißt die Folie darunter. Also scheitert das Bemühen. Das ganze Jahr über ist es heiß, aber wenn wir nur ein paar winzige Plus-Temperatürchen brauchen … nun ja, so isses halt. – Ich spiele blindes Huhn und hoffe auf ein Korn in meinem übervollen Macken-Mac. Fast vergeblich, nur ein wenig mehr Freiraum im Speicher, jedoch kein Durchbruch. – Als Ausfluss meines Kaufrausches stellt sich dann auch noch so ein Plauderlautsprecher ein, der glücklicherweise nicht auf Alexa hört. Doch er ist ebenfalls eine „sie“, die bei der Installation nur ein klein wenig rumzickt. Schnell nimmt sie Kontakt zu allen relevanten Geräten und sogar zu mir auf. Ihr Klang kann mir gefallen und eine Bestätigung, die statt „ich habe das Licht im Esszimmer eingeschaltet“, jetzt kurz und knapp lautet: „Stets zu Diensten“, kann mir schon gefallen. Ich bin gespannt. Wie es sich für frommes Volk gehört, lassen wir sie zum Einstieg eine Predigt abspielen. Es geht um versteckte, unbemerkte Sünden. Ob der Kauf eines exquisiten – wenn auch sonderpreisigen – Lautmalers darunter zu subsumieren wäre, lasse ich mal dahingestellt. Man soll ja nicht alles hinterfragen.

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Der alte Text lebt

Mit einem Mal entfaltet sich vor mir der Bibeltext für heute Abend in seiner ganzen Schönheit. Nach kurzer Zeit wird aus dem gestrigen Manuskript eine runde Vorbereitung. Ich bin froh und Gott sehr dankbar. So kann ich es ruhig angehen lassen am Nachmittag. Das ganz Besondere erlebe ich dann am Abend. Der Bibeltext strahlt in mir – wie soll ich es sonst beschreiben, mir fehlen da irgendwie die Worte – noch einmal ganz neu auf und wir sprechen intensiv über damals und heute. Die Verbindung zwischen der Zeit des Paulus und unseren zeitgeistigen Erfahrungen stellt sich wie von selbst her und wir staunen wieder einmal wie der alte Text heute noch aktuell ist, wenn man ihn nur recht versteht. Christen wissen, dass das der Heilige Geist bewirkt. Recht beschwingt fahren wir heim und lassen den Abend in aller Ruhe ausklingen. Welch eine mitreißende Erfahrung.

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