Tay

Da stürzt einfach so eine Autobahnbrücke in Italien ein. Vier Fahrbahnen knallen auf 100 Meter Länge 40 Meter tief auf ein Gewerbegebiet. Nicht zu fassen. Die Bilder sind schrecklich und es ist kaum vorstellbar in einem Auto zu sitzen und der Untergrund sackt weg. Oder auf die Abrisskante zuzurasen und nicht mehr bremsen zu können. Welch eine Tragödie – und niemand hat es gemerkt oder hat es jemand vertuscht? Kaum glaublich. Ob es in Deutschland auch so marode Brücken gibt oder so inkompetente Prüfer? Auszuschließen ist das sicher nicht. Da kommt noch etwas auf uns zu. Auf die Diskussion bin ich gespannt. Im Fernsehen hat sich ein Experte schon so geäußert, dass oftmals ein Schuldiger nicht auszumachen sei. Aha. „Wann treffen wir drei wieder zusamm‘? Um Mitternacht, am Bergeskamm. Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm. Ich komme. Ich mit. Ich nenn euch die Zahl. Und ich die Namen. Und ich die Qual. Hei! Wie Splitter brach das Gebälk entzwei. Tand, Tand,Ist das Gebilde von Menschenhand.“ (Theodor Fontane, Die Brücke am Tay).

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Heimfahrt

Die Zahl der Miniaturbaustellen bis Kamen und meine Lust an Landstraßen lassen uns den autobahnfreien Weg bis Arnsberg nehmen und erst in Hamm auf die A 2 einfädeln. Die Fahrt dauert natürlich viel länger ist aber viel interessanter. Ich lasse meinem Navi freie Hand und es führt mich durch enge Gassen, steile Pässe und kurvenreiche Abfahrten. Erstaunlich welche Vielfalt das bergische Land bietet. Ich bin zum ersten Mal in Lüdenscheid, wenn auch nur kurz, lerne, dass es Brügge nicht nur in Belgien gibt und dass mein Navi echt entdeckerfreudige Schaltkreise hat. Auf der A 2, kurz vor Hannover, geraten wir in einen Stau, so einen echten mit nervigem Stillstand. Mein Navi rät mir schon lange vorher zu einer Ausweichstrecke – was ich ignoriere – und beim Stillstand fordert es eindringlich das Verlassen der Autobahn ein. Mutig wag ich einen Schritt des Vertrauens und werde nicht enttäuscht. Elegant und schnell überwinden wir die gesperrte Strecke und können uns eine zeitlang an einer halbleeren Rennstrecke erfreuen. Klasse. Auf der Gegenfahrbahn in Höhe Watenbüttel werden wir Zeuge einer Vollsperrung mit Verkehrsableitung auf die Umleitungsstrecke. Der Stau ist gigantisch. Hinterher erfahren wir, dass es mehrere Tote gegeben hat. Schrecklich.

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Zwei Gottesdienste und eine Seniorenfeier

Eigentlich wollten wir good old Olaf predigen hören. Stattdessen dringt pünktlich zu Gottesdienstbeginn ein infernalisches Rauschen aus den Lautsprechern. Das war wohl nichts. So versetzen wir uns nach Bad Blankenburg und erleben einen festlichen Gottesdienst mit Posaunenklängen und Hartmut Steeb. Sehr schön. Gegen Mittag spazieren wir zu einer Familienfeier. Es ist ein runder Ehrentag, der achtzigste Geburtstag. Nach einer ausführlichen Plauderei beginnen wir gegen 14 Uhr mit einem Gottesdienst. Die Predigt ist sehr ansprechend, denn ich werde trotz Mittagsruhezeit nicht schläfrig. Ein gutes Zeichen! Ansonsten entwickelt sich die Fete in der üblichen Weise, nur dass wir die meisten Gäste schon längere Zeit nicht mehr gesehen haben. Das fördert die Themenvielfalt. Nach einer Abschiedsgulaschsuppe begeben wir uns zur seniorenfeiertypischen Zeit wieder in unser Appartement zurück wo ich die leicht windbewegte Dachterrasse testen kann. Dort ist gut sein. Die Wohnung ist sehr geschmackvoll renoviert und dekoriert. Mir erschließt sich nur nicht weshalb man so viel Aufwand betreibt und dann zwei uralte leicht abgängige Zimmertüren nicht erneuert. Das ist zwar ein winzigkleines Manko, nur halt sehr augenfällig. Wir fühlen uns dort sauwohl. Prima.

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Bürokratentücke

Die A 39 lässt mich stockend voranschleichen. Die A 2 ist bis hinter Hannover ein Gräuel. Es geht stockend voran. Erst nach und nach machen sich die Baustellen rar und Momo kann sich höheren Geschwindigkeiten zuwenden. Das geht gut bis zum Kamener Kreuz. Danach lerne ich die filigrane Vielfalt von Kurzbaustellen kennen. Gut, dass Samstag ist. Die Woche über dürften diese recht fatale Wirkungen entfalten. Den Heimweg sollten wir möglichst anders planen. In Dabringhausen erwartet uns eine sehr komfortable Ferienwohnung. Ein Friedhofsbesuch vermittelt mir den Eindruck kreativer Verwaltungshirne. Hier sind die Gießkannen wie Einkaufswagen gesichert – nur dass Chips nicht funktionieren. Allein echte Münzen sollen, so sagt man uns, das Kannenschloss lösen. Das hat drei Folgen. Erstens sinkt das Diebstahlsrisiko auf ein Minimum. Zweitens halten die Bewässerungselemente viel länger, weil sie mangels Kleingeld kaum genutzt werden. Und drittens findet man nach einiger Suche genug leicht versteckte Privatkannen. Ob irgendwann das Angebot gänzlich eingestellt wird, weil es zu wenig genutzt wird? Wer weiß? Bürokraten ist alles zuzutrauen. Ich weiß wovon ich rede.

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Tag des Altpapiers

Es überkommt mich plötzlich: schnell noch die Ablage erledigen, ehe sie wieder Unmengen von Zeit erheischende Ausmaße annimmt. Das „zu spät“ erkenne ich erst beim Sortieren. Und so verbringe ich meine Stunden mit alten Rechnungen, abgeschlossenen Verträgen und mancherlei papiergewordenen Aktivitäten. Immerhin ist die Zwischenablage jetzt leer. „Zwischenablage?“, höre ich es tönen von Ordnungsverehrern, „weshalb legst du eintreffende Nachrichten nicht gleich ab?“ Oh ihr Besserwisser, weil das eine wesenstiefe Gehirnwäsche mit unabsehbaren Nebenwirkungen voraussetzen würde. Und dazu bin ich nicht bereit. Never!

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Sturmvorsorge und ein smartes Heim

Sturm ist angesagt. Eventuell Hagel. Die Warn-Apps schlagen allesamt an und schicken uns furchterregende Ankündigungen von Starkregen und was weiß ich sonst noch alles. Gehorsam bauen wir die Lounge ab und sichern die Möbel mit Balken und Plane. Dann kommen Blitze, es donnert ein wenig und ein sanfter Landregen durchfeuchtet die Erde. Mehr nicht. Gott sei Dank. Um Hannover herum tobt sich der Sturm dagegen voll aus, uns erreichen nur kleinere Randgebiete. – Zuhause staune ich wieder einmal über die Innenleuchten, die sich anschalten, wenn ich mich nach Sonnenuntergang unserem Haus nähere. Okay, nicht ich, sondern mein Smartphone natürlich, denn noch wandle ich meine Wege ohne implantierten Chip. Und das soll auch so bleiben! Demnächst wird sich auch unsere Einfahrtsbeleuchtung auf mein Smartphone einstellen. Das hoffe ich, ob es tatsächlich funktioniert, bleibt abzuwarten. Schön wär’s schon.

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Teneriffa-Sommer

Die Teneriffa-Tage dauern an. Was für ein Sommer! Ja, die Landwirte sind in diesem Jahr mal die Verlierer, wenigstens teilweise, doch die Urlauber, die Im-Lande-Gebliebenen profitieren maximal von Sonne und Wärme. Was die Klimapropheten von sich geben werden, wenn wir im nächsten Jahr wieder einen Sommer wie im letzten bekommen werden, ist voraussehbar. Ich genieße den Sommer, der Erinnerungen an vergangene Jahre ein wenig verklärt. Wir sitzen bis spätabends auf der Terrasse, plaudern, lesen oder daddeln am iPad und fühlen uns sauwohl. Besser als in einem Hotelzimmer auf Teneriffa mit der wogenden Menschenmasse vor der Tür. Das eigene Domizil genießen, vor der Tür spanische Sonne, alle heimischen Utensilien griffbereit und das alles viele, viele Wochen lang. Toll. Danke! Super!

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Landregen

Mein neues Reifenluftdruckgerät liefert seltsame Ergebnisse. Ich frage mich, ob es an mir oder an der billigen Technik liegt. Irgendwie seltsam kommen mir vielfältigen Angaben für das Auto vor, irgendwie seltsam sind sie am unteren Bogen der Fahrertür zu finden und irgendwie seltsam funktioniert diese eigenartige Luftpumpe. Oder funktioniert sie nicht? Wer weiß das schon? Und dabei war sie so gut bewertet worden. Außerdem ist es sehr heiß außerhalb des Hauses. Abends sprenge ich wie immer – ein prachtvoller Sommer! Zum Lüften sind alle Fenster geöffnet, auch die Velux-Fenster im Dach, denn es soll ja trocken bleiben. Nichtsahnend lese ich auf der Terrasse so vor mich hin und plötzlich plätschert es los. Aus dem Nichts materialisiert ein Landregen und macht mir Beine um das Obergeschoss vor Durchfeuchtung zu schützen. Sport am Abend hat mir gerade noch gefehlt – aber alles wird gut, nur mein Vertrauen in die professionellen Wetterfrösche ist endgültig zerstört. Nach deren Prognosen konnte es bei und gar nicht pladdern, völlig ausgeschlossen. Und doch fallen viele kleine Tropfen herab. Schön für die Pflanzen. Ich freue mich.

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