Schiffe gucken und Muße lernen

Rendsburg ist ein kleines Städtchen mit verzweigter, also von mir präferierter, Fußgängerzone. So richtig Charme hat jedoch das Schiffsbegrüßungsrestaurant gleich neben der zurzeit in Reparatur befindlichen Schwebefähre. Vom Parkplatz aus wirkt es leicht barackenmäßig und vom Kanal aus wie ein besserer Biergarten. Ein Conférencier stellt die großen Pötte vor, gibt Informationen über ihre Herkunft, ihre Werft und Reederei, erläutert ihren derzeitigen Tiefgang, ihre Ladung und ob ein Lotse und Kanalsteuermann an Bord sind. Schließlich erfahren wir in welchem Land sie registriert sind und hören die Nationalhymne dieses Staates. Dafür sind Essen und Getränke ein wenig teurer und Wespen gibt es gratis dazu. Wenn Schiffe den Ort passieren, ist es gut dort zu sein. Ich genieße es. Danach drehe ich ein Runde auf dem Cityring bis ich ein geöffnetes Parkhaus finde und wir können die besagte Fuzo kennenlernen. Ich erstehe eine Outdoor-Uhr für die Gürtelschnalle und habe so ein adäquate Alternative zu meinen Taschenuhren. Wow. Heim geht’s im Cabrio zu unserem lebenswerten Urlaubsdomizil: Muße lernen.

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Ländliche Reiserei

Unser nächster Trip jenseits der Rasestraßen. Und wieder geht es über abenteuerliche eineinhalbspurige Nebensträßlein, übervolle Bundesstraßen und zum Schluss sogar per Fähre über den Kanal. Es macht richtig Spaß. Unser Haus ist ein Nurda-Haus mit dem Dach als Seitenwand. Es ist komfortabel eingerichtet mit einem kleinen Garten. Total nett. Unser Dorf ist winzig, hat eine Kirche, etliche Ferienhäuser und ein großes Freizeitheim – das war’s dann. Dass es hier auch Einheimische geben könnte ist nicht ganz auszuschließen. Wir werden es vielleicht bemerken. Zum Einkaufen geht es in den Nachbarort, mittendrin eine vielbefahrene Bundesstraße, links und rechts Geschäfte sowie viele Häuser und Wohnungen. Auf den ersten Blick fällt es sehr schwer Sympathie auch nur zu heucheln. Aber möglicherweise sind dort gut versteckte innere Werte zu finden. Viel Vergnügen beim Suchen! Daheim machen wir uns ortskundig und suchen das Freizeitheim auf, das am Freitag und Samstag im Mittelpunkt einer Hochzeit stehen wird. Wir laufen dem dort stationierten Prediger über den Weg, der uns gleich eine sachkundige Führung zukommen lässt. Es ist schon beeindruckend welch ein harmonisches, sich in den Ort nahtlos einfügendes „Dörflein“ hier entstanden ist. Besonders die Grillhütte ist stark. Auf dem Rückweg finden wir sogar die Kirche und haben damit alle „Sehenswürdigkeiten“ mit unserer Gegenwart beglückt. Fast alle. Die größte, den Wittensee heben wir uns für morgen auf. Nur nicht übertreiben – morgen ist auch noch ein Tag.

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Autobahnen meiden und Landschaft bewundern

Auch ohne nervige Autobahnen kann man gut vorankommen. Wie wir heute. Wir durchqueren Ostfriesland – mittendurch – und unterqueren die Weser. Wir begegnen friedlichen Kühen, einsamen Gehöften und einem wildgewordenen LKW-Fahrer. Wir passieren schmalste Nebenstraßen fast ohne Verkehr, vollgestopfte Bundesstraßen, umgehen einen Stau per Navi aber nicht weil es ihn uns gemeldet hat, sondern weil ein Blick auf die Karte einen Ausweg aufzeigt. Ich liebe mein Navi weil es mir so tolle Nebenstraßen erschließt und ich hasse es weil es gesperrte Straßen nicht kennt und mich blöd dastehen lässt. Licht und Schatten, nein kein Zwielicht, sondern knalle Sonne und finsterste Nacht dicht nebeneinander. Stark. Resümee: Es dauert ein wenig länger, ich habe viel mehr interessante Eindrücke sammeln können und komme einerseits entspannter andererseits doch ein wenig müder an. Letzteres liegt wohl an der Mittagspause unterwegs, denn ein vollgepfropftes Cabrio lässt keine entspannte Liegeposition zu. Am Ziel gibt es den Rohbau eines imposanten Fachwerkhauses zu bewundern und gilt es einem kraulbedürftigen Hündlein ein paar schöne Minuten zu bereiten. Schöner Abschluss.

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Vom Ferienhaus zum Lighthouse

So ein Ferienhaus ist eine echte Oase der Ruhe und bestens geeignet zum Ausschlafen, Entspannen und Durchatmen. Wir lassen es sehr betulich angehen und werden eigentlich erst nach der Mittagsruhe so recht munter. Bei Freunden lasse ich genussvoll den Ostfriesentee meine Zunge erfreuen und meinen Magen durchwärmen. Hier schmeckt er am besten. Abends fahren wir ins nahe Berumerfehn um eine echte Zeltevangelisation mitzuerleben, die zwar nicht mehr so heißt – sie nennt sich ‚Lighthouse‘ – aber dennoch voll eine ist. Nun ja, die Lieder sind moderner, das Ambiente des Interviews ist kreativer und die Ansprache ist etwas moderater in der Wortwahl – doch konzeptionell hat sich nur wenig geändert. Immer noch wird Klartext geredet. Gott sei Dank! Der Redner kennt unseren heimischen Pastor aus Wolfsburg recht gut – die Welt ist ein Dorf. Den angebrochenen Abend lasse ich geruhsam im Haus ausklingen. Gute Wahl!

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Adler und Pferde

Dem Goldenen Adler in Emden ist mir eine besondere Empfehlung wert. Ein tolles Zimmer (leider nicht behindertengerecht), ein vorzügliches Restaurant und ein einwandfreies Frühstück gefallen mir gut. Heute sind wir per Planwagen unterwegs. Eine Geburtstagstour der besonderen Art und dazu noch eine gelungene Überraschung für das Geburtstagskind. Feike und Blacky ziehen uns gemütlich durch das ostfriesische Land. Das Catering ist einwandfrei und für die Unterhaltung sorgen wir alle selbst. Ich sitze, wenn auch nicht auf dem gelben Wagen, so doch fast beim Kutscher vorn und erfahre viel über das Planwagengewerbe, die Tierhaltung und die Empfindlichkeiten der Pferde untereinander. Wir passieren eine Kirche deren Mittelportal exakt auf der Gemeindegrenze von zwei Gemeinden errichtet wurde. Nach langen Jahren des Streits steht nun der linke Flügel des Gebäudes in einem Ort und der rechte Flügel im anderen. Hinein müssen alle durch das eine Tor direkt auf der Grenze. Die Kanzel steht natürlich auch in der Mitte zwischen beiden Gemeinden. Raffinierte Lösung. Hervorragend finde ich die gute Stimmung trotz des geringen – von jedem frei gewählten – Alkohollevels auf der Tour. Leicht beschwingt und doch ohne messbaren Promillewert erreichen wir unser Quartier. Schön nach vielen Jahren wieder einmal hier zu Gast zu sein. Nett ist es.

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Birthdaytour

Das Bepacken eines Beetle-Cabrios für eine Reise ist eine ganz besondere Kunst. Der Platz ist arg begrenzt und wenige Zentimeter entscheiden ob es passt oder nicht. Nur wenn die Rückbank als Stauraum nutzbar ist, hat man eine Chance. Ansonsten empfiehlt sich die 3-Tages-Wechselgarderobe T-Shirt, Shorts, Hose, Turnschuh, Waschpulver. Wir kriegen alles unter: Sieg auf ganzer Linie. Unglaublich. Und wir reisen offen bis zu den ersten Regenwolken. Ansonsten nervt der Verkehr. Unser Navi rät zur Flucht vom Autobahnstau in das Innenstadtchaos. Ob das wirklich etwas gebracht hat? Wer weiß das schon?! Zum unguten Ende schleichen wir auf einspuriger Autobahn kilometerweit hinter einem Schilderfanatiker her. Die City von Emden belohnt uns mit strahlendem Sonnenschein in einer formidablen Fußgängerzone. Ich beschließe den Abend mit Ostfriesenbruschetta, Fischfilets und Vanilleeis mit frischen Blaubeeren. Netter Dauerlebenspartnergeburtstag. Glückwünsche!

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Trauer und Hoffnung

Ich höre eine recht beeindruckende Trauerrede anlässlich des Todes eines Freundes meiner Eltern. Die Rednerin macht ihre Sache sehr gut. Und doch – welch ein großer Graben tut sich auf zu einem Heimgang in Christus. Pastoren können immer noch diese Hoffnungslosigkeit überbrücken in freundlichen christlichen Wortspielen. Heute hören wir Worte des Fortlebens in Gedanken, in Erinnerungen, Worte des Trostes in Rückblick auf ein erfülltes Leben und das ist wahrlich schon viel. Und doch – was ist das gegen ein ewiges Leben bei Gott, eine ewige Gemeinschaft mit unserem Herrn und Heiland? Ich werde so froh, dass Christus uns gefunden hat und wir dereinst hinüberwechseln dürfen in die Ewigkeit zu ihm. Ob Gott dem Ludwig gnädig ist? Hoffentlich – Jesus wird gerecht urteilen. Das ist gewiss.

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Strahletag

Mein Augenarzt strahlt mich an. Sein ohnehin schon dunkler Teint glänzt noch ein wenig dunkler mir entgegen. Ihm geht es offensichtlich gut. Mir auch. Wir passen heute gut zusammen, nur nicht einkommensmäßig. Immerhin sind wir beide anscheinend mit unserem Netto zufrieden, wenn auch auf divergierendem Niveau. Bei meinen Augen hat sich nichts zum Negativen verändert und so kann ich – nach einer gewohnt langen Wartezeit – zufrieden meines Weges gehen. In meinem Alter ist das schon was wert. Darauf ein etwas zu warmes Bier im Biergarten, nett ist es dort trotzdem, schließlich ist bekanntermaßen keiner perfekt. Nice Day.

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