Schwebetierchen

Ich freue mich auf einen freien Tag zu Hause. Mein Blick fällt auf meinen virtuellen Termintreiber. Ein Zahnarzttermin? Heute? Wirklich? Ach ja! Merde!!! Was bleibt mir übrig? Mein Arzt und ich sind uns einig: einer von drei Zähnen puckert rum. Aber welcher? Alle drei anbohren und nachschauen wäre äußerst unkommod. Ein Röntgenbild von meinen drei letzten (oder drei ersten) Zähnen im Halbrund käme durchaus in Betracht. Theoretisch. Praktisch würde ich würgen, röcheln und schnaufen mit soviel Plastik im Mund. Abgelehnt. Doch da gibt es einen Zahnchirurgen in der Stadt, der ein modernes Panoramaröntgengerät hat, das angeblich die Belästigung des Rachenraums minimiert. Ich bin gespannt (mit Furcht vermischt). Nächste Woche soll ich vorbeikommen. Das wird lustig. – Was wird wohl aus der Zeitumstellung? Ob ich die Aufhebung der Zeigerschieberei noch erlebe? Oder eventuell tut sich auch gar nichts außer ein paar Wortklaubereien? Oder blockiert ein Land massiv jegliche Veränderung? The Show must go on! – Der Tanz der Alphatiere im Porzellanladen langweilt mich inzwischen sowieso nur noch. Ob Trumpeltier, Erdoganter oder Putierchen seid gewiss: „Schwebt man einmal über allen, kann man um so tiefer fallen.“ Isso.

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Futtern, staunen und plaudern

Und schon wieder hat uns die Straße zurück. Mit einer Gruppe mehr oder weniger, meist mehr, agiler Senioren lassen wir uns per Bus nach Salzwedel kutschieren. Auf mir ganz und gar unbegreifliche Weise landen wir in der falschen Baumkuchenbäckerei und „klauen“ einer verspäteten Gruppe deren Führung. Als die anderen endlich ankommen, sind wir schon halb durch. Äußerst professionell löst der Familienbetrieb dieses Problem. Beeindruckend. Diese Bäume aus Kuchenteig sind relativ einfach in der Herstellung, durchaus schmackhaft und unverschämt teuer. Eine echte Gaumenschmeichlerin ist die Rumkugel, die aus Baumteigresten und echtem Rum produziert wird. Gleichzeitig ist sie eine Geldbörsenerleichterin. Nichts ist perfekt. Kaum sind die Kugelreste im Magen angekommen, erreichen unsere Körper bereits den Ort der mittäglichen Fütterung. Von außen verbreitet die Stätte echten Barackenflair. Innen dagegen ist sie echt gemütlich. Die Wirtin begrüßt uns per Handschlag. Wir sind die ersten Gäste nach der Neueröffnung – Versuchskaninchen sozusagen. Dennoch (oder gerade deshalb) ist alles sehr gut und wir sind sehr zufrieden. Außen pfui und innen hui – damit kann man sehr gut leben. Zum Glück folgt jetzt ein Spaziergang, der zwar dringend nötig ist aber auf gebündelten Widerstand sowohl meines Verdauungsorgans als auch meiner Laufwerkzeuge trifft. Da muss ich jetzt durch. Die St-Georg-Kirche ist mehr als sehenswert und baut mich dadurch wieder voll auf. Leider gibt es schon wieder etwas zu essen. Die Seniorentreffhauptspeise steht an: Kaffee und Kuchen. Ersterer ist dringend nötig – ich brauche meine Droge zum Wachbleiben – und letzterer ist stark entbehrlich, wenn auch Zuckerkuchen vom Bäcker schon immer zu meinen Lieblingssüßspeisen zählte. Ein besonderes Plus dieser Reise sind die Plaudereien mit diversen Mitfahrern, weil man eben viel Zeit dafür hat. Toll. Übrigens ist die Kombination von Landeskirchlicher Gemeinschaft und Familienbildungsstätte höchst interessant. Und dann ist da noch die Tochter „unseres“ Missionars, die hier eine Halbtagsstelle inne hat. Eine hübsche junge Frau mit zwei süßen Kindern und einem sehr freundlichen Ehegatten. Irgendwie ist es ein Geschenk, wenn man als älterer Herr junge Leute am Beginn ihres Familienlebens sieht. Erinnerungen werden wach und Dankbarkeit stellt sich ein. Gut so.

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Heimwärts

Zum guten Ende bekommt unser süßes Cabrio seine erst Innendusche beim Beladen. Manche Stellen gleichen einer Tropfsteinhöhle, oft muss ich das nicht haben. Es war aber eine interessante Erfahrung. Ich sammle gute Erfahrungen beim Verstauen des Windschotts in seinem passenden Kästchen. Und irgendwann sind wir wieder „on the road again“. Zum Abschied lassen wir uns noch einmal kostenlos über den Kanal schippern. Nach einigen Fehlversuchen kommen mein Navi und ich endlich zu einem Konsens über die Route. Wir haben es miteinander nicht immer leicht. Endlich, endlich kommen wir wieder zu Hause an und sinken stante pede in einen erholsamen Nachmittagsschlaf. Das tut gut. Wohl dem, der die Zeit für solche ‚Sahnehäubchen‘ hat. Netter Tag.

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Ausklang

Das Klima sagt uns tränenreich adieu, doch noch sind wir da! Irgendwie ist es wohltuend keinerlei Verpflichtungen zu haben, in den Tag hinein zu leben und sich in einem Häuschen wohl zu fühlen – egal ob ed draußen dröppelt oder nicht. Endlich raffen wir uns auf zu einer kleinen Tour und kommen dabei zu einer Werft, die im „Nebenarm“ des Kanals Kriegsschiffe baut oder repariert. Es ist interessant zu sehen wie die Technik das Äußere des Schiffes verändert. Ein wenig weiter entdecken wir einen Trampelpfad direkt ans Kanalufer, ein wenig matschig aber arg urwüchsig. Ein Containerschiff versucht auf der Gegenseite abzulegen. Das scheint recht schwierig zu sein. Wir verlieren die Lust beim zentimetermäßigen hin und her zuzuschauen. Hoffentlich hat der Steuermann sein Boot noch auf Kurs gebracht – es sei ihm von Herzen gegönnt. Ahoi oder so. Langsam und bedächtig klingt unser Urlaub aus. So soll es wohl sein.

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Sommer ade! Schön war’s!

Der Sommer ist wohl endgültig vorbei. Schön war er, heiß und echt gut – für manchen Bauern wohl nicht, aber ich bin kein Bauer. Es ist ein Geschenk so einen Sommer als Privatier erleben zu dürfen, kein Büro, das nervt, kaum Verpflichtungen, die Aktivitäten in der Hitze erfordern – stattdessen Ruhe, Beschaulichkeit und Reiselust. Klasse. Am Nachmittag lugt die Sonne noch einmal zwischen den Wolken hervor, die Temperaturen ziehen moderat an und wir können ein paar große Schiffe auf dem Kanal bewundern. Es ist einfach stark, wenn so ein großer Pott nur ein paar Meter entfernt vorbeischleicht. Abends erfreue ich mich an unserem großen Fernseher und einem mittelmäßigen Tatort. Ich blicke auf einen Monat zurück, der uns fünf Familienfeiern an vier Wochenenden in drei Bundesländern beschert hat, uns mit Autobahnen, Bundesstraßen und kleinsten Nebenstraßen in Berührung gebracht und Gespräche mit vielen Menschen ermöglicht hat. Jetzt ist er fast vorbei und wir müssen vom Reise- in den Ausräummodus umschalten. Große Renovierungen werfen ihre Schatten voraus. Das wird heiter. Zweifellos.

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Hochzeit

Die Sonne wird heute von Regenwolken verhüllt. Vor Freude lassen diese Wasser. Erst am Nachmittag, kurz vor der Hochzeit, schiebt die Erde ihre Schleier zur Seite und lässt Braut, Bräutigam und die Hochzeitsgesellschaft durch unseren Zentralhimmelskörper ins rechte Licht rücken. Der Traugottesdienst gefällt uns allen in hohem Maße. Auch die sich anschließende Feier ist nicht von schlechten Eltern. Die Versorgung ist hervorragend, die Stimmung gehoben und wenn ich tanzen können wollen täte, dann wäre es perfekt. Nur dass die atemlose Helene mich schon wieder verfolgt, muss eigentlich nicht sein. Aber da stehe ich inzwischen drüber – mehr oder weniger. Programm, Musik und Pausen wechseln sich sinnvoll ab und irgendwann werfen wir das Handtuch und ziehen uns zurück. Zu Hause lasse ich meine Verdauung durch ein Zigarillo anregen und suche sehr zufrieden mein Nachtlager auf. Schön war’s.

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Pieseln, grillen und plaudern

Der Regen ist da. Unser Wintergarten bewährt sich heute. Lasst es doch draußen stürmen und die Luft durchfeuchten – die Erde hat es nötig. Am späten Nachmittag klart es auf und die Sonne lässt sich ab und an blicken, Dazwischen pieselt es immer wieder einmal und die gefühlte Temperatur sinkt in den Keller. Gegen Abend brechen wir zum Vorhochzeitsgrillen auf. Eine geschlossene Grillhütte hat große Vorteile, dürfen wir feststellen. Die Abwärme der glühenden Holzkohle, des Fleisches und der Bratwürstchen sorgen für ein angenehmes Innenklima. Und zum Durchatmen kann man sich unters Vordach begeben. Klasse. Tiefschürfende Gespräche mit Finn (8 Jahre) und Ciel (4 Jahre) bereiten mir eine besondere Freude. Dennoch ist es irgendwann entzückend sich abseits vom Freizeitheim in die eigenen vier Wände zurückziehen zu können. Alles hat seine Zeit.

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Straßenmathematik

Es sieht draußen recht murkelig aus. Die Temperatur ist noch angenehm, doch der Wind bläst recht kraftvoll aber nicht kalt. Im Laufe des Vormittags klart es ein wenig auf und wir spazieren um das Westufer des Sees herum. Der Weg führt an Villen betuchter Mitbürger, direkt am See gelegen, vorbei, wir passieren ein kleines Wäldchen am Ufer und den Hafen des Yachtclubs – eine Lichtung im Wald mit dort platzierten kleinen Jollen und einer Schräge zum Befördern derselben ins nasse Element. Urig. Dann muss ich feststellen, dass eine gerade Ebene am Ufer viel kürzer sein kann als eine winkelig von ihr ansteigende Strecke. Kurz gesagt: der Weg den Berg hinauf zum Freizeitheim ist länger als der Weg auf der anderen Seite am Ufer entlang. Dafür wären dann allerdings noch viele, viele Stufen zu überwinden. ‚Kraft mal Weg‘ oder so, diese uralte mathematisch-physikalische Erkenntnis. Schließlich klart es auf und wir fahren im offenen Cabrio einmal rund um den See. Nette Tour. Das avisierte kühle Wochenende gewährt am Abend schon mal Einblick in seine Kälteplanungen. Frische Aussichten.

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