Postalische Probleme

Die DHL schickt mir eine Info, dass eine bestimmte Sendung angekommen sei. Aus unserer Box fischen wir aber nur eine Rechnung und Werbung. Wo ist das Päckchen geblieben? Unterschlagen? Gestohlen? Geraubt? Ehe ich mich völlig echauffiere, schaue ich doch selbst noch einmal nach. Unser Briefkasten ist leer. Was tun? Ich suche nach einer Kontaktadresse bei der DHL, will mich über die irreführende Mitteilung beschweren, es stellt sich leichte Vorpanik ein … Nun gut, es geht um einen relativ kleinen Betrag, aber wie kann so eine Fake-Meldung in die Welt gesetzt werden? Letztlich öffne ich zur allerletzten Kontrolle noch das obere Fach unserer Briefsäule, was eigentlich Blödsinn ist, denn einen Zwischenboden gibt es nicht mehr. Es poltert. Wie das? Der steife Maxibrief hatte sich im oberen Teil verkeilt und harrte in luftiger Position so lange aus bis die Türbewegung ihm einen Schubs verpasste. So geriet der Zusteller in einen völlig falschen Verdacht. Mea culpa. Welch ein Glück, dass ich mich noch nicht beschwert hatte – so bleibt mir der Gang nach Canossa erspart. Uff!

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Schrankinspektion

Es ist verwunderlich wie viel Klamotten sich so im Laufe der Jahre ansammeln, wenn man genügend Lagerkapazität hat. Ich finde Pullover von denen ich nur noch ansatzweise wusste, dass ich solche besitze. Aus den Tiefen meines Schrankes tauchen Strickwaren auf, die mir zwar irgendwie bekannt vorkommen aber seit undenklichen Zeiten zu mir keinerlei Körperkontakt mehr pflegten. Mutig reduziere ich den Bestand. Danach finde ich Westen aus den längst vergangenen Zeiten in denen mein Korpus noch erheblich weniger Luftwiderstand erzeugte. Teilweise wird es nach der Nutzung des ersten Ärmellochs so eng, dass der andere Arm zu äußerst unbotmäßigen Verrenkungen gezwungen wäre, wollte er den anderen Durchlass nutzen. Es füllen sich die Säcke für unsere rumänischen Nachbarn, für das soziale Kaufhaus oder für kommerzielle Kleidersammlungen. Zum furiosen Tagesfinale entleere ich eine Resteschublade mit Jacken geschmückt mit Anstrichfarbresten, defekten Gürteln, einem Kaninchenfell und allerlei Absonderlichkeiten. Faszinierend. Ach ja, fast hätte ich die Heerscharen von Plastikbügeln vergessen, die offensichtlich einer Vermehrungsrate unterliegen, die die bereits erwähnten Kaninchen vor Neid erblassen ließe. – Die Fahrt zum abendlichen Rotwein-Hauskreis bietet dagegen die perfekte Möglichkeit meine neue smarte Außenbeleuchtung zu testen. Und – o Wunder – sie tut was sie soll: sich ausschalten wenn ich mich vom Haus entfernt habe und sich einschalten wenn ich im Dunkeln ankomme. So soll es sein.

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Geduldsproben, ein smartes Home und ein milder Whiskey

So ein Besuch beim Optiker, besonders bei dem überlaufenen Massenoptiker mitten in der Stadt, erfordert viel Gelassenheit und Disziplin. Ich habe zwar noch nie so schnell meine Brillengestelle ausgesucht, doch bis das alles ins System und schließlich auch noch zu Papier gebracht wird – das dauert. Schon vorher war Geduld beim Harren aufs Personal gefordert. Ein Mann beklagt sich über eine Stunde Wartezeit – die Nervenkraft hätte ich wohl nicht. Nach dieser Erfahrung wende ich mein Antlitz vom Asiaten spontan der Nordsee zu, als ich die Schlange vor dessen Theke sehe. Fisch schmeckt auch und kommt viel schneller auf den Teller. Lecker. Nach einem erholsamen Mittagsschlaf in unserer Lounge raffe ich mich auf, demontiere unsere Garageneinfahrtsbeleuchtung und installiere die neue smarthomefähigen Leuchten. Kaum dass die letzte Schraube sitzt, das Werkzeug im Keller provisorisch angehäufelt rumliegt, muss ich schon wieder eilends los zu einer Geburtstagsfete im senioralen Rahmen. Selten hat mir das erste Bier so gut gemundet und selten war es auf einer Party so schnell vernichtet. Das tut gut. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang ein lieblich milder irischer Whiskey, der wohl nicht sehr teuer war aber gut bei mir ankommt. Sollte ich bei den Mälzsäften wie schon beim Wein das große Finanzlos gezogen haben, dass mir das sensorische Feingefühl für die Teuerschmecker fehlt? Wäre ja nicht schlecht, monetär betrachtet. Nun gut, ich könnte in keinen Genießerkreis dieses Trankes vorstoßen – aber will ich das? Nö, eher nicht.

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Niente Gummi-Puck

Es ist schon wahr – ein in sich auf den ersten Blick schlüssiger, wenn auch inhaltlich herausfordernder, Bibeltext verleitet zu einer extensiveren Vorbereitung als ein Text an dem man stundenlang knabbern muss, ehe er sich erschließt. Und so ging dankenswerterweise die verschleppte Beschäftigung mit dem Wort dennoch gut von der Hand. Ich liebe solche aussagekräftigen zugänglichen biblischen Aussagen. Welch eine Tiefe in manchem schlichten Vers schlummert kann mich nach so vielen Jahren immer noch überraschen. Es gibt ja Mitmenschen, die halten die Bibel für ein Buch mit vielen Vorschriften und Verboten – in Wirklichkeit ist sie ein Spiegel unserer Eigenarten, Dummheiten und kruden Gedanken. Sie ist mithin keine einfache Lektüre, kein Cosy-Roman, vielmehr eine stetige Herausforderung an den Leser. Um sie auszuhalten sollte man schon von der Erlösung durch Jesus wissen, denn sonst könnte sie sich als arg belastend entpuppen. Insofern wundert es mich nicht, dass gelehrte Geister sie so „entmythologisiert“ haben, bis aus einem würzigen Camembert ein kalorienarmer geschmackloser Gummi-Puck wurde. Doch das nützt nichts. Die Bibel lebt, weil Jesus lebt!

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Privatpatient mit Gerontenunlust

Es macht doch richtig Freude als Privatpatient einen Arzt aufzusuchen. Zwecks Zahnröntgen treffe ich in einer Praxis ein. Der Doktor hat eine Röntgenmaschine, die sich mein Leib-und-Magen-Zahnarzt noch nicht geleistet hat (oder leisten konnte, wie auch immer). Auf ein kleines Stäbchen beißen, den Kopf leicht neigend anlehnen, schon dreht eine Kamera eine Halbrunde um den Kopf und fertig ist die Panoramaaufnahme. Perfekt. Nach kurzer Zeit könnte man mir das Bild in die Hand drücken – doch jetzt kommt erst einmal die Rechnungsaufbesserungseinlage: der Doktor will mich sehen. Aha. „Ausführliche Beratung“ oder so ähnlich nennt sich wohl die Fakturaposition. So werden die knapp 50 Euro für die Dienstleistung noch einmal kräftig aufgeblasen. Wie kräftig? Keine Ahnung, ich werde es merken. Oh, ihr Schlawiner! Meine durch eine Maschine arg verstärkten Saugtätigkeiten entfalte ich in der Stadtmission. Dort hat eine äußerst nette junge Dame sogar den kleinen Saal freigeräumt, so dass der Job schnell von der Hand geht. Phantastisch – danke vielmals, ich bin begeistert. Erst nachmittags beginne ich mit meiner Bibelstundenvorbereitung. Der Text ist sehr gut aber ich muss mich dennoch zur Arbeit quälen. Weshalb bloß? Altersfaulheit? Gerontenunlust? Versagensängste? Von allem etwas. Ich bin erschüttert.

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Heilig

In der ‚Studierstube‘ quälen wir uns mit Worten aus dem Hesekielbuch herum und ein Freund macht geheimnisvolle Andeutungen ohne sie näher zu erläutern. Ich mag beides nicht, klare Erkenntnisse und klare Worte sind mir lieber – aber, ich weiß, das Leben ist anders. Seufz. Meine Mum ist ganz gut drauf – nur das Erschrecken in mir bleibt, wie echtes Altern den Geist verändern kann. Bei vollem Verstand alt werden wäre wünschenswert aber mit zunehmender Krankheit sowie abnehmenden kulturellen und geistigen Fähigkeiten zu altern ist eher die Regel. Tragisch. – Im Gottesdienst versucht sich unser junger Pastor an der ‚Heiligkeit Gottes‘, die sich, wie er korrekt feststellt, weder erfassen noch erklären lässt. So laviert er recht geschickt durch dieses Thema und kommt tatsächlich am wesentlichen Punkt an: Jesus hat uns, allen die es wollen und ihm vertrauen, durch seinen Tod am Kreuz die Heiligkeit erworben. Diese erst macht uns fähig in der Ewigkeit dem unfassbar heiligen Gott zu begegnen. Welch ein Geschenk!

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Plankenweiß

Ich schlüpfe in meine ältesten Jeans und verhülle mich mit einer ausgedienten Werbejacke. Mit der Schleifmaschine löse ich verbissen abgeplatzte Farbe. Ein staubiger Job und definitiv nicht mein Ding. Nachmittags übertünche ich halbnackte Bretter mit einem weißen Kleid. Ich bin kein Handwerker und in Anbetracht dieser Tatsache stellt mich das Ergebnis durchaus zufrieden. Andere können ruhig stolz sein auf ihrer Hände Werk, ich freue mich einerseits über den Abschluss der Arbeiten und andererseits über einen Kollateralschaden in vertretbaren Dimensionen. Außerdem werden mich weiße Partikel auf meinen Greiferchen wohl noch tagelang an diese Aktion erinnern. Heimwerkerschicksal.

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Alles roger

Mein Neffe lässt sich heute vom großen Currywurstkonzern jenseits des Kanals testen. Die Gedanken schweifen zurück zum Anfang meines Berufslebens. Damals gab es einen eintägigen Psycho-Test in Hannover. Den muss ich wohl bestanden haben. Heute schwitzt jedenfalls unser großer Kleiner dreieinhalb Stunden lang. Was er so von den Fragen berichtet lässt in mir die Überzeugung wachsen, dass ich wohl nur eine Pensionärsempfehlung erhaschen würde, sollte ich teilnehmen. Also bin ich der richtige Mann am richtigen Fleck. So soll es sein.

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