On Tour

Das Aufstehen bekomme ich heute besser hin. Der Müdigkeitsgrad ist akzeptabel. In Deutschland ist Himmelfahrt – hier ist nur Donnerstag. Die erste Autotour führt uns nach Leptokarya, im Sommer, so sagt die Reiseleiterin, ein überlaufener Ferienort, zurzeit ein verschlafenes Nest beim Aufwachen. Es wirkt ein wenig schmuddelig – die Morgenwäsche fehlt wohl noch. Wir schauen uns das Nestchen an und fahren durch. Frei nach Schnauze, also ohne Karte, schleichen wir durch die ginstergelbe Landschaft, alles grünt und blüht. Wir folgen winzigen Gassen, passieren Bauernhöfe, werden von Hofhunden verbellt, weichen faul sich sonnenden Katzen aus,  bis der asphaltierte Weg sich in zwei Feldwege spaltet. Wir kehren wohlweislich um, finden einen niedlichen Fischerhafen mit Ein-Mann-Booten, begegnen wieder einmal einem in Deutschland geborenen Griechen, der so halbwegs vom Fischfang lebt. Er kommt aus Essen. Mutige Entscheidung ins Land der Hellenen zurückzukehren! Einem Cappuccino im Hotel folgt ein feudales Abendessen (puuuh). Es ist kühl draußen. Relativ kühl.

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Folgenreiche Zeithopserei

Die erneute, zweite, Sommerzeitumstellung hat mich voll erwischt. Die weitere geklaute Stunde hier in Griechenland lässt mich zum Frühstück schlappen, wirft mich gegen Mittag mit sanfter Gewalt aufs Lager, bindet mich anderthalb Stunden schnorchelnd in Morpheus‘ Arme fest und entlässt mich erst danach zögerlich in die Realzeit. Schauder! Zwischendurch, so ganz nebenbei, umspült mich wortreich ein Vortrag unserer Reiseleiterin und erlange irgendwie den Zugriff auf einen Mietwagen. Ein Cappuccino an der Bar nach der Zwangsruhe, ein lauschiges Balkonplätzchen mit einem Pfeifchen und einem Rotweingläschen, untermalt von Livemusik, die aus der fernen Bar herüberklingt, runden diesen Tag ab.

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Griechischer Charme und Bauchspeck

Unser Hotel direkt im Hauptbahnhof hat neben der perfekten Lage für Durchreisende auch noch angenehme Preise, zwar ohne Frühstück aber das Kaffeeangebot im Bahnhof ist sowieso besser als in jedem Hotel. Eurowings kann lange Schlangen schnell abarbeiten und das macht Freude, selbst die nervige Durchsucherei geht problemlos vonstatten und mein neuer Superzoomknipser bleibt mir treu. Griechenland begrüßt mich in vertrauter Weise – an einem Gepäckband werden gleichzeitig drei Flüge abgefrühstückt, so schont man die anderen Kofferrundkurse. Typisch und charmant, man mag es oder man ist hier falsch. Die Fahrt zum Hotel ist lang aber da wir offensichtlich die einzigen Gäste in diesem Flieger sind, kommen wir in den Genuss eines Individualtransports. Nett. Unser Hotel ist voll okay, hat aber schon bessere Tage erlebt, jedoch wer, wenn nicht wir, sollte Verständnis für die Probleme des Alterns haben? Beim Dinner erfüllen sich die allerschlimmsten Befürchtungen es ist zu reichlich, zu lecker und wird mein Gewicht schädlichst beeinflussen. Da kommt was auf mich zu!

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Flanierschau

Mit dem Milchkannenexpess – hält an jeder Milchkanne aber wie er das macht wo es doch heutzutage keine mehr gibt, entzieht sich meiner Kenntnis – begeben wir uns nach Hannover und entern den ICE Richtung Düsseldorf. Ich liebe es bei strahlendem Sonnenschein am Rhein zu sitzen, Altbier und danach einen Rosé zu genießen, Menschen beim Flanieren, Schiffe beim Passieren und Flugzeuge beim Einschweben zuzuschauen. Zum Abschluss einen Burger á la Blockhouse und ein Altstadtbummel zum Hotel. Perfekt.

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Großer Gott

Heute kommt die Erkenntnis, dass ich mich von der „Wege-Theologie“ gelöst habe und inzwischen der „Klammer-Theologie“ zuneige. Eine wichtige Erkenntnis. Was das bedeutet? Ich weiß es und das genügt. Wirklich. Ansonsten verfolgen wir in der Studierstube mit großem Interesse wie der Prophet Hesekiel die falschen Fuffziger seiner Berufsgruppe brandmarkt und die Folgen ihrer selbstherrlichen Prophezeiungen äußerst bildhaft beschreibt. Wir alles sind äußerst leichtgläubig in Glaubensfragen, die sich gegen den einzigen und wahren Gott richten und tun uns viel zu oft zu schwer in seiner Anbetung und Nachfolge. Vielleicht fällt es uns einfach zu schwer zu akzeptieren, dass da einer über uns ist, der uns total über ist. Mag sein. Im Gottesdienst am Abend geht es auch um den unfassbar großen Gott, der sich unserem Verständnis und auch unserer viel zu begrenzten Logik entzieht. Einem allwissenden und liebenden Gott kann und soll man ganz und gar vertrauen – rechtfertigen wird er sich gegenüber uns kleinen Menschlein, die noch nicht einmal so einfache Dinge wie Unendlichkeit und Ewigkeit begreifen können, nicht. Wie auch?

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Blumenkiller und Partystress

Mit dem Rasenmäher rücke ich unserer Lichtung zu Leibe. Im Eifer des Gefechts vernichte ich gleich eine frisch gepflanzte Zierblume und meine leicht gartenaktive Dauermitbewohnerin guckt etwas kritisch und ist gärtnerisch frustriert. Solche Kollateralschaden sind bedauerlich aber schwer vermeidbar für ein Wesen, das das Rasenfressermonster auf alles zubewegt was frisch grün und lang ist. Sorry. Fast frustrierend fällt auch eine meiner Online-Aktivitäten aus, bis ich kurz vorm Frust bemerke, dass mir eine entscheidende Fehleingabe unterlaufen ist. Alles ist gut. Abends gibt es wie jedes Jahr den Kampf ob ich mich zu einer Geburtstagsfeier begebe – dort ist es zwar sehr nett aber es ist wieder einmal die Dritte in kurzer Folge. Ich lasse mich drauf ein und so soll es sein. Prima.

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Mamas Dreiundneunzigster

Wir haben sehr einfühlsame Handwerker im Haus. Einfühlsam? Ja, sie tauchen erst nach dem Frühstück auf und nicht mitten in der Nacht. Klasse! Außerdem arbeiten sie ordentlich und sichern unsere Badezimmer gegen von außen hereindrängende Quälgeister, welche sich künftig ablenkungsfrei ihrem Lebenszweck als Nahrungsquelle für Flattermänner zuwenden können. Daneben wird der Wind- und Regenschutz im Vorfeld unseres Hauses der Weg geebnet. Dafür muss leider unser bewährter Briefkasten weichen. Der neue steht schon bereit und wird von mir höchstpersönlich am Boden gesichert. Hätte ich mir kaum zugetraut, funktioniert aber dennoch. Und die erste Post findet heute eine neue Unterkunft. Gut so. Nachmittags feiern wir in kleiner Verwandtenrunde Mutters Geburtstag Nummer 93. Gratulation!!! Das SB-Cafépersonal erheitert uns mit staunenswerter Inkompetenz und Geruhsamkeit. Doch irgendwann steht alles auf dem Tisch. Geduld tut uns eben not. Außerdem kann ich wunderbare Touren unter offenem Himmel im Cabrio genießen. Perfekt.

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Ein Friseur, ein Schließfach und ein Krimi

Mutti beim Friseur ist immer wieder ein köstliches Erlebnis. Wir freuen uns mit ihr. – Eine meterdicke Stahltür mit x-facher Edelstahlschließung, Zugang per EC-Karte, viele kleine Fächer im Untergeschoss und vielerlei Papierkram – was ist das? Richtig, die Bankschließfächer der Sparkasse mit der Möglichkeit alle halbwegs wertvollen Kleinigkeiten auszulagern. Ich bin ein klein wenig fasziniert vom imposanten Anblick und von der Tatsache, dass alles dort grundsätzlich nicht versichert ist. Eine perfekte Kombination von gesicherter Unsicherheit oder etwa unsicherer Sicherheit, egal, irgendetwas in dieser Richtung. – Außerdem erfreuen mich meine Kenntnisse der englischen Sprache, die ausreichen einen Krimi, inclusive seiner ironischen Anmerkungen, zu verstehen. So kann ich eine weitere Folge ein gutes halbes Jahr vor dem Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe lesen. Hat doch was!

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