Anlaufhigh- und Lowlights

Die griechische Super-Sommerzeit ist Vergangenheit, die Uhr tickt wieder eine Stunde später und kein Frühstücksraum muss kurz vor Toresschluss angeschlichen werden! Endlich ausschlafen – das ist supertoll! So lange schlafen wie man kann, ganz langsam wach werden und schließlich aufstehen und Frühstück wann man will. Es gibt keine Spiegeleier mehr, dafür aber Wurst, keine überbordende Auswahl aber die reizt mich zu früher Stunde sowieso nicht. Mittags steht ein köstlicher Eintopf auf dem Tisch und ich bin hin und weg. Bleibt mir mit der feinen Küche vom Acker – ich genieße sie durchaus, muss sie aber nicht haben. Und abends entfaltet sich ein Sky-Chaos. Eigentlich erwarte ich, dass ich den Receiver einschalte und dann kommt das Bild. Heute kommt gar nichts. Es dauert eine ganze Zeit bis ich merke, dass dieser Sky-Schrott Daten lädt, die ich nicht brauche. „Bitte haben Sie Geduld bis die Programmdaten … Systemdaten … was weiß ich nicht alles … geladen sind.“ Wie doof! Ich muss heute ein sehr geduldiger Mensch sein, was mich sehr verblüfft, denn erst nach einer guten Stunde habe ich die Faxen dicke und wechsle zum Streamen. Hole ich mir halt den seltsamen Professor T aus dem Internet. Erstaunlicherweise können wir, mein „Kohle-für-Kitsch-Fan“ und ich, trotz grausamer Datenrate heute gleichzeitig unterschiedliche Sendungen ohne sichtbaren Qualitätsverlust streamen. Stark. Nachdem ich mir den Krimi mit dieser Kunstfigur im Zentrum, konzipiert von einem überkandidelten Drehbuchautor, zu Gemüte geführt habe, schaue ich wieder bei Sky vorbei. Dort läuft jetzt tatsächlich wieder das Fernsehprogramm. ‚Sky – das Bezahlprogramm mit nervtötenden Ladezeiten‘ wäre zwar ein trefflicher aber ebenso fataler Werbespruch. Ich gehe spät ins Bett mit einer prima Aufwachperspektive. Daheim ist daheim!

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Back Home

Mitleidlos reißt uns das Smartphone um 6:15 aus der unruhigen Nachtruhe. Pünktlich steht ein Taxi für den nichtgebuchten aber dennoch gern angenommenen Individualtransfer vor der Tür. Klasse. Die Arbeitsabläufe auf dem Airport sind, anders kann ich’s kaum ausdrücken, arg griechisch. Ich hebe den ersten Koffer auf das Band neben dem Schalter. Er wird gewogen. Soweit okay. Doch dann muss ich ihn wieder herunterasten und mit Koffer Nummer 2 dasselbe Spiel spielen. Völlig baff schaue ich ziemlich verblüfft die Schalterdame an. Aha, mit dem Gepäck vor den Schaltern entlang, erneut anstellen bei der separaten Abgabe, dann Koffer aufs Band und endlich sind wir von deren Last befreit. Immerhin müssen wir sie nicht zum Flugzeug tragen! Wie gut! Unser Fluggerät wird übrigens in Rekordzeit be- und entladen. Kaum sind die ankommenden Passagiere im Gebäude angekommen, werden wir schon in die Busse verfrachtet. Sozusagen Urlauber-Roll-on-Roll-off. Zeit ist Geld. Der Rest ist „Business as usual“. Nur die sechs Stunden Aufenthalt in Düsseldorf spare ich mir beim nächsten Mal. Es ist extrem schön am Rhein aber sechs Stunden …

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Pooltag

Ein Sonnentag mit einem milde die Haut kühlenden Wind vermittelt uns zum Abschluss am Pool ein typisches Urlaubsfeeling. Das hatte uns noch gefehlt, wir waren ja viel auf Achse und heute ist der wärmste Tag im Urlaub. Noch einen Cappuccino auf der Barterrasse, ein feudales Essen und davor eine nicht unerwartete, in ihrer Höhe leicht überraschende, Endrechnung. Gutes ist eben nicht billig. Leider. Jetzt flugs die Koffer gepackt und ab auf den Balkon, die Abendwärme aufnehmen. Der frühe, gutgemeinte Einschlafversuch endet zwar nicht im Fiasko, wohl aber unbefriedigend. Wiesollte es anders sein?

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Winterschlaf, Bärentanz und Bildungsbürger

In Pori reiben sich die Hoteliers den Winterschlaf aus den Augen und reparieren mehr oder weniger eifrig ihre Quartiere. Ladenlokale entstehen neu oder werden erneuert. Einige wenige Touris verlieren sich am Strand, eine griechische Schulklasse scheint ihre Abschlussfahrt hierher geführt zu haben, einige Shops und etliche Restaurants warten lustlos auf Kundschaft. Pori ist ein sehr mächtiges aus dem Boden gestampftes Feriendomizil mit einer schier unglaublichen Fassungskapazität. Hier passen noch viele Urlaubswillige rein. Heute herrscht allerdings noch gähnende Leere. Gut so für uns. Im bekannten Platamonas dagegen tanzt der Bär. Kein Parkplatz an der Promenade frei. Ich bin baff. Spontan schlagen wir den Weg Richtung Larissa ein, löhnen brav die knapp zwei Euro Wegelagerermaut auf der Nationalstraße und passieren mächtige Felsformationen auf beiden Seiten längs des Wegs. Als die Landschaft flacher wird kehren wir um und kommen bald nach einem weiteren Mautinkasso beim Hotel an. Tschüss, kleines Auto, du hast uns gut getragen. Eine deutsche Bildungsbürgertruppe, unterwegs von Ruinenfeld zu Ruinenfeld mit Museenbereisung, bereichert heute unseren Speisesaal. Jedem das Seine. Ich wähle heute einen Rosé. Auch gut.

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Dicke Ringe

Die Umsetzung der griechischen Schriftzeichen in lateinische scheint arg problematisch zu sein. Die Schreibweise einzelner Ortsnamen variiert verblüffend. Auf einer Karte schreibt sich ein Dörflein völlig (oder wenigstens ein klein bisschen) anders als auf der nächsten. Das offizielle Ortseingangsschild fügt oft eine weitere Schreibweise hinzu. Wir sollen wohl griechische Lebensart lernen, alles nicht so eng zu sehen, ein weites Herz zu haben und mehr zu lächeln als zu meckern. So soll es sein und so ist es gut. Beim Dinner halte ich mich zum ersten Mal sehr zurück und begnüge mich mit einer leicht größeren Vorspeise. Das ist die Theorie. In der Praxis kommt leider, leider ein ausgedehnter Dessertteller hinzu. Und das ist gewichtsmäßig fatal. Die innere Verarbeitung der Süßspeisen verleitet zur Anreicherung meiner ungeliebten Ringstruktur bäuchlicherseits. Das ist nicht gut.

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Ruhetag

Heute ist Ruhe angesagt. Zugegeben es ist nicht das Poolwetter, das man sich wünscht, es ist eher der kühlste Tag im Urlaub. Dennoch fehlt mir die Lust zum Cruisen. Immerhin können wir im Internet einen Gottesdienst hören und der ist recht ordentlich. Auf dem leicht windgeschützten Balkon lasse ich mir dann die spärliche Sonne auf meinen Bauch scheinen, lese ein mittelmäßiges Buch und frage mich wie der VfL mit den torgeilen Kielern fertig werden will. Ich befürchte gar nicht. Ansonsten heißt es futtern wie immer, Verdauungshilfsangebote der Bar nicht auszuschlagen und mächtig zu entspannen. Muss ja auch mal sein. 

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Richtung Süden

Die Sonne lacht und wir nutzen unseren fahrbaren Untersatz, um das Land Richtung Süden zu erkunden. An Leptokarya vorbei kommen wir, ins Blaue hinein steuernd, zum Platamonas-Schloss, einer gut erhaltenen Burgruine, die hoch auf dem Küstenberg gegenüber dem gleichnamigen Städtchen thront. Zu seinen Füßen legen wir am Strand eine kurze Pause ein. Weiter geht es ein gutes Stück Wegs bis zu Stranddependance von Platamonas, einem hübschen Ferienörtchen. Typisch griechisch, jedoch mit vielen Sitzbänken an der Promenade, Restaurants mit den althergebrachten und doch arg unbequemen küchenstuhlartigen Korbsitzmöbeln sowie touristisch gestylte Polyrattansofas beim Nachbarn. Dort speisen Griechen, hier Touris. Alles ist urtümlich und strahlt eine einladende Gemütlichkeit aus. Wir nehmen uns Zeit für eine ausgiebige Pause mit Frappé und Schokolade, natürlich mit der üblichen Wasserbeigabe versehen – hier in einer hübschen bauchigen Flasche serviert. Irgendwann geht es weiter über schmale Sträßchen, unterbrochen von jäh auftauchenden Stoppschildern vor wellenartig in Längsrichtung (!) geformten Querstraßen. Ich staune. Unser Trip führt uns bis Paralia, einem verschlafenen Ferienvillendörfchen. Die Rücktour nutzen wir für einen kurzen Blick ins Urlauberleben von Leptokarya, der aber nur unsere ersten Eindrücke bestätigt. Abends gibt es durchschnittliche Livemusik in der Bar und einen für mich sehr leckeren Rosé beim Dinner. Es ist höchste Zeit für einen Ruhetag. Unbedingt.

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Von Litochoro nach Katerini

Heute führt uns die Tour nach Litochoro, am Fuße des Olymps. Eigentlich gehört ja unser Hotel auch zu diesem Ort, es residiert aber in der Strandfiliale. Wir besuchen die Hauptstelle am Berg. Es ist ein niedliches Städtchen mit einem süßen Kern aus bestaunenswerten Häusern, einer Kirche mit separatem Glockenturm und einem sprudelnden Brunnen, um den sich der Verkehr dreht. Die betuchteren Rentner sitzen im Kaffeehaus und die anderen gegenüber im Park. Trotz mancherlei Fahrzeugen strahlt dieses Zentrum eine wohltuende Ruhe aus. Der Olymp hüllt sich heute ganz in Wolken. Das ist nett von ihm, denn wenn die Wolken an ihm hängenbleiben hat die Sonne am Strand freie Bahn. Wir fahren weiter durch Dion, vorbei an den berühmten Ausgrabungsstätten, die eine Vielzahl von Bussen samt Touristen angelockt haben. Bloß weiter! Die Provinzhauptstadt Katerini fordert mich mit engen Gassen heraus. Interessant sind die Ampeln, die die Sekunden bis zu nächsten Schaltphase exakt anzeigen. Gute Idee! Auf Nebenstraßen, über löcherreiche Feldwege, spannenden Bahnunterquerungen und zweimaligem erfolgreichem Umkehren, finden wir unser Hotel wieder. Den Cappuccino habe ich mir verdient! Nach einem überreichlichem Dinner, einem adäquaten Metaxa, ein wenig Traubensaft, schwer durchgegoren und einem Pfeifchen lockt das Lager. Bonne nuit.

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