Wohlfühlesel

Mit mäßigem Interesse verfolge ich die Debatte über Grenzwerte und Fahrverbote. In jedem Fall hätte unser Haushalt keine Chance auf eine blaue Plakette bei der Kerzenliebe meiner Feuerwerkerin. Eine Kerze setzt also mehr Stickoxide frei wie erlaubt. Von unserem Kachelofen schweige ich. Ja ticken wir alle noch richtig? Offensichtlich nicht. Also lege ich noch einen Scheid nach und zünde zwei Kerzen an. Stummer Protest. Wenn eine Generation keine wesentlichen Probleme mehr hat, schafft sie sich welche. Soll sie doch. Kinder werden behütet wie chinesische Vasen aus der Ming-Dynastie aber dafür nicht erzogen, die Fitness wird strapaziert bis zum Herzkasper und das Niveau der Fernsehproduktionen verabschiedet sich in unfassbare Welten. Ich klage nicht, ich staune. Im Trumpcountry soll demnächst 12-Uhr-mittags nachgespielt werden, allerdings in einer modernen Version: ein Lehrer mit Colt steht einem ausgerasteten Schüler mit einer Knarre mit MP-Schussfolge gegenüber und zwischen ihnen irren Schüler umher. Die spinnen, die Amis. Wie war das nochmal mit dem Esel, der sich zu wohl fühlt? Ach ja, irgendwas mit Eis. Passt ja.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Immer feste druff

Was für ein Akt war es früher einen neuen Rechner einzurichten. Das Betriebssystem ließ sich nur schwer zu überzeugen seine Arbeit überhaupt aufzunehmen. Programme mussten vom Datenträger aufgespielt werden, Treiber wurden verzweifelt gesucht, Computerinnereien schärfstens kontrolliert und dann fuhr evtl. die Maschine nach dem fünften Neustart selbständig hoch. Unser neuer Mac kommt aus der Kiste, Netzkabel, Netzwerkkabel einstecken, Maus und Tastatur einschalten und siehe da, er startet. Null problemo. Schnell noch weitere Programme heruntergeladen, gesicherte Dateien aufgespielt und relativ fix ist alles fertig. Entspannend. So ganz nebenbei erledige ich flott meine anderen – ein wenig verschobenen – Aufgaben und alles ist gut. Außerdem ist es sehr zu begrüßen, dass ich bei dieser Eiseskälte drinnen wirbeln kann. Man, ist das kalt draußen. Ich säge zwar – tief eingemümmelt – ein paar Anzündbretter für den Kachelofen und rette mich danach, leicht angefroren, ins mollig warme Häuschen. – Demnächst dürfen die Politiker also Innenstädte sperren. Zunächst für Dieselfahrzeuge, das ist der Einstieg, möglicherweise später auch für Benziner. Nur die neuesten Fahrzeuge und damit alle, die sie sich leisten können, dürfen weiterhin hinein. Soso. Verteilung von unten nach oben, nenne ich das. Die Armen sind wieder einmal gekniffen. Typisch. Ich halte es für vollkommen verkehrt und unsozial Maßnahmen anzustreben ohne die im Blick zu haben, die es im wesentlichen trifft. Berufspolitiker sind das übrigens meistens nicht, Bundesrichter auch nicht und ich bin es ebenfalls nicht. Doch die Einkommensschwachen zahlen wieder einmal die Zeche. War ja klar.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Wirtschaftskreislauf

Ein paar Spielereien treffen per Post ein. Sie beschäftigen mich den ganzen Tag und werden mich auch noch länger auf Trab halten. Noch immer prägen mich meine uralten Erfahrungen mit elektronischen Produkten aus der PC-Steinzeit und so kann ich es nicht lassen über die weitestgehend zickenfreie Installation der heutigen Erzeugnisse zu staunen. Stark! Der einzige Stolperstein scheint mein oberflächliches Lesen zu sein – die Einbildung alles bereits zu kennen. Nur so gelingt es mir immer wieder flüchtige Misserfolge zu produzieren. Im Zuge dieser Selbstbeschäftigung bleiben alle anderen Aufgaben liegen. Das „Morgen“, „mañana“ oder „schau’n mer mal“ lebe ich kaltherzig aus. So ist das Leben. Außerdem lerne ich, dass manche gekauften Gegenstände dazu neigen lautstark weitere „Kleinigkeiten“ einzufordern ohne die sie nur schwerlich oder gar nicht zu gebrauchen wären, als da sind: Speicherkarten, Transporttaschen, Ladegeräte, Kabel aller Art und dergleichen Schnickschnack mehr. Das schafft Arbeit in Fabriken, im Handel und bei den Postdiensten. Rolf, der Wirtschaftsförderer hat zugeschlagen. Armer Geldbeutel!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Sonntagsfreuden

Der Gottesdienst unterstreicht mir, wie entscheidend die Beziehung zu Jesus ist. Es geht um das Sendschreiben an die Gemeinde in Smyrna, das (wie ich erfahre) heutige Izmir. Der Bischof Polykarp, der noch den Apostel Johannes persönlich kennengelernt hatte, wurde im hohen Alter von 86 Jahren noch zum Märtyrer. Das, was uns unser Lebensumfeld bietet, kennen wir zur Genüge – was uns in der Ewigkeit erwartet stützt sich einzig und allein auf unser Vertrauen zu Gott. Polykarp vertraute Gottes Zusagen voll und ganz. Beeindruckend. Nachmittags ermutigt uns eine weitere Predigt Jesus festzuhalten, wie Jakob, der mit ihm kämpfte. Interessant an einem Sonntag zwei geistliche Akzente zu setzen. Die bittere Kälte draußen und die mit meinen Vorlieben nicht synchronisierten TV-Programme machen mir diese Entscheidung leicht. Ansonsten schnökere ich nur ein wenig bei Amazon und im Internet herum, lese ein Buch zum dritten Mal und schaue mir das Flammenprogramm im Kachelofen an. Beruhigend.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Seniorentellerreife

Die Altvordere lädt ein, meine hochaktive Lebensdauerpartnerin organisiert und wir alle schlagen uns die Mägen bis zum Überlaufen voll. Puh! Das selbstauferlegte Hochprozenterverbot macht sich das erste Mal überhaupt bemerkbar aber ein Cohiba im Mini-Format lindert den inneren Druck. Ein ausgiebiger Mittagsschlaf fördert den Bauchumfang und ein lautstarker Anruf beendet die Verdauungsstarre. Ein wenig überrede ich das neu aufgesetzte iPad zur Kooperation, ein klein bisschen räume ich ein paar Microsoft-Apps Speicherplatz ein und ansonsten versuche ich cool meine inneren chemischen Prozesse nicht weiter zu stören. Irgendwie nähere ich mich wohl dem Alter für Sterne-Gastronomie: großer Teller, wenig drauf und volle Beweglichkeit nach dem Essen. Das wäre schön. Die Alternative ist der Seniorenteller. Das wäre weniger schön.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Isso

Ein paar neue Elemente treffen ein und ich versuche die Bridge zu überzeugen mit ihnen zu kommunizieren. Sie ist ein wenig störrisch weil ihr offensichtlich eine Apple-App quer im virtuellen Magen liegt. Okay, ihr Wille ist mir Befehl, also lösche ich erst einmal diese App und schon agiert die Bridge souverän. Aha. Danach installiere ich die andere wieder und es herrscht ein wunderbares miteinander. Komisch, dass inzwischen schon Kleinprogramme sich typisch menschlich aufführen. Das lässt nichts Gutes für die Zukunft erwarten. Hoffentlich bleibt es mir erspart als simpler Mitfahrer den Streit zwischen einer Audi- und einer Mercedes-App ausbaden zu müssen. Weitere programmatische Differenzen zwischen zwei iPads, die unter der gleichen Kennung agieren, beseitige ich durch eine klare Trennung kombiniert mit einer Familienfreigabe. Ich ahne manches Gute aber bin durchaus nicht blind für dräuendes Unheil aus der Apple-Dimension. Auf jeden Fall wird meine Technikskeptikerin morgen ein Klagelied über die vielerlei Veränderungen anstimmen. Ich kann sie verstehen. Jedoch gilt: is‘ wie is‘!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Kaufrausch

Das Parken am Klinikum ist besonders am Vormittag eine mittlere Katastrophe. Man benötigt eine zweite Person zum Autohüten und viel Gelassenheit. So ganz nebenbei erfahren wir, dass unser Seniorenheim das gesamte Personal ausgewechselt und durch Zeitarbeiter ersetzt hat. Die Alarmglocken schrillen – viel Qualität ist da nicht zu erwarten. Wir müssen neu nachdenken. Es geht mies zu in der Pflegebranche. – Anschließend bewundere ich einerseits die Freundlichkeit des Sparkassenpersonals und staune andererseits über die Papierfülle, die dieses Haus produziert. Für ein Kleinigkeit werden mehrere Seiten Papier von oben bis unten mit Buchstaben vollgestopft. Irgendwie bescheuert aber notwendig um zu Hause für eine bestimmte Aktivität loslegen zu können. Morgen wird alles wieder zurückgedreht – glücklicherweise ohne weiteren Formularkram. Geht doch. Hoffentlich. Am Nachmittag gebe ich für meine Verhältnisse viel Geld aus, bestelle nach Herzenslust – nur der erwartete Kaufkick bleibt völlig aus. Cool betrachte ich die Bestätigungen des Versandhandels. Es muss echt unbefriedigend sein, wenn man sich alles sofort leisten kann. Man sieht, kauft und hat – na und? Wo bleibt die Spannung, das Entgegenfiebern, die Vorfreude auf jedes endlich beschaffbare Teil? Da fehlt etwas Wesentliches vorher und wohl ebenso in der Wertschätzung des Erworbenen hinterher. Ob manche Reiche so geizig sind um im Einzelfall sich dieses Gefühl zu bewahren? Wohl eher nicht.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Niveau halten

Geld übt eine seltsame Faszination auf mich aus. Nein, nein, nicht das gewöhnlich gierige Lechzen nach immer mehr. Dazu fühle ich mich einfach zu alt. Was soll ich mit dem Schotter wenn das Ende des Lebens sichtbar ist – selbst wenn es sich hoffentlich noch zehn, zwanzig oder maximal dreißig Jahre hinauszögert? Dreißig klingt zwar lang doch die Aktivitäten jenseits der 80 sind in aller Regel eher verhalten als überschäumend – zurückhaltend ausgedrückt. Faszinierend ist eher wie sich Menschen unter seinem Einfluss verändern. Einige starren wie gebannt auf immer höhere Kontosalden, andere fetzen jeden verdienten Euro sofort doppelt aus dem Fenster und weitere lässt dieser ganze Trubel kalt, sie leben ihren Stiefel egal wie viel sie haben – Moneten interessieren sie einfach nicht. Zugegeben, wenn es ums Überleben geht, dann ist die Situation anders – doch auch da zeigen sich gewichtige Unterschiede im Verhalten. Weshalb mich das gerade heute so beschäftigt? Mir könnte eine kleine Einnahme ins Haus stehen und ich bin schon stark am Nachdenken, wie ich meinen derzeitigen Kontensaldo an unnatürlichem Wachstum hindere. Die magische Wandlung des Immateriellen ins Fassbare. Unglaublich.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar