Schlechte Aussichten

Ein Roman nimmt mich mit in ein Zukunftsland, das nur auf den ersten Blick attraktiv erscheint. Das „unter-den-Teppiche-kehren“ wurde in der Phantasie des Autors zum Prinzip. Statt Fassadenrenovierung wird sie mit einem holographischen Bild verkleidet. Statt mit seinem echten Aussehen läuft man als holographischer „Clown“ seiner selbst herum. Von den weiteren phantastischen Illusionen des Schreiberlings schweige ich besser. Immerhin greift er konsequent unser Streben nach Täuschung und Tarnung auf. Und nach Entlarvung derselben, denn jede neue Technik bringt auch eine Anti-Technik hervor, die sich gegenseitig aufheben oder vernichten können. Besser man bleibt wer man ist. Keine schlechte Erkenntnis.

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Jesaja 40, Vers 31

Heute bin ich einerseits froh über unsere persönliche Situation, ein nahezu perfektes Mittagessen, die gelungene Internetredaktionsarbeit und sogar den Besuch bei meiner Altvorderen mit recht wenig Klage. Andererseits nerven mich die politischen Zänkereien, die Zumutungen arglistig-naiver blauäugiger Täuschungsversuche und Trump sowieso. Es nervt mich der Umgang den etliche mit unserer Gemeinde pflegen, ihre Ablehnung alles Neuen und die Darstellung unseres großen Gottes als Erbsenzähler. Das ist er wahrhaftig nicht, wohl aber ein allmächtiger Herrscher, der unsere Motive bis in den letzten Winkelzug hinein kennt. Warum fällt es uns so schwer ihn einfach nur zu lieben und ihm aus vollem Herzen zu vertrauen? Wir wollen es ihm recht machen und kritisieren an den eingebildeten und tatsächlichen Fehlern unserer Mitchristen herum anstatt diese in Liebe anzunehmen, dann zu ertragen und schließlich zu tragen. Und es sind (leider??) nicht nur die anderen, die so handeln, ich bin nicht anders. Warum bin ich so? Das lege ich bewusst, mein Herr und mein Gott, in deine Hand. Mit dir kann ich, können wir, uns aufschwingen mit Flügeln wie Adler. Da gewinnt man Übersicht. Flügel raus und los …

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Fallera!

Im Frühtau nach Hause wir ziehn, fallera – oder so ähnlich, jedenfalls machen wir Station in Uetersen. Dort feiern wir einen starken Gottesdienst mit Blick auf Paulus, der erfahren musste, dass Gott in den Schwachen mächtig sein will. Außerdem lernen wir so ganz nebenbei die künftigen Schwiegereltern unseres ehemaligen Pastors kennen. Nette Leute. Auf der zweiten Station unserer Rückreise begegnen uns entfernte Verwandte von der Schwägerinnenseite und natürlich Schwager, Schwägerin und Neffe. Auch dort erfährt meine Hüftweite eine Vergrößerung, wie an fast jedem Urlaubstag. Das wird heiter. Unbeschädigt treffen wir in unserem Zuhause endlich ein und stimmen uns zünftig auf die für uns morgen beginnende persönliche „Fastenzeit“ ein. Auch das kann heiter werden. Offensichtlich stehen uns amüsante Zeiten bevor. Wohl wahr. Seufz.

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Erinnerungen

Der letzte Tag glänzt mit milden Temperaturen aber bedecktem Himmel. Viele Schiffe flanieren heute an unserem Balkon vorbei. Nett von ihnen! Außerdem entdecke ich die neue Live-Webcam der Schleusen des Kanals, so dass mir der Abschied morgen leichtfallen wird. Heute tagt unsere Jahresmitgliederstunde und ich bin nicht mit dabei. Schade. Ein wenig wehmütig erinnere ich mich an die Jahresberichte, die ich halten durfte und wie gern ich dabei war – sobald ich das erste Wort gesprochen hatte. Doch alle Wehmut wird von meiner Erinnerung an die elendig lange Vorbereitungszeit, die Bildersuche, die Gliederungsüberlegungen und die schier endlosen Auseinandersetzungen zuerst mit Powerpoint und später mit Keynote ruckzuck vertrieben. Ja, es war eine gute Zeit aber sie ist vorbei und Neues hat ihren Platz erfolgreich eingenommen. Dennoch bin ich in Gedanken bei meinen Geschwistern im Glauben, die sich – hoffentlich nicht – die Köpfe heißreden. Ich wünsche uns ein gutes Wahlergebnis und eine gesegnete halb neue Gemeindeleitung. Gott segne Euch!

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Vergewaltigte Gnade

Der Schnee ist weg. Völlig, total, ganz und gar! Der Himmel strahlt uns an und irgendwann schlappe ich in Richtung Heikendorf. Beim ersten Blick auf den marineeigenen Landungskai verlässt mich mein Entdeckersinn und ich ordne für mich einen taktischen Rückzug an. Die Zweifel an meiner körperlichen Fitness scheinen nicht vollkommen unangebracht zu sein. Wie soll das in Bad Harzburg werden? Oder in Florenz? Oder in Namibia? Die Warnzeichen flimmern so vor sich hin. Irgendwann erreicht mich die News, dass Deniz Yücel zuerst frei und am Abend schon zurück in Deutschland ist. Ein Diktator zeigt sich gnädig. Immerhin wenn man in einem Unrechtsstaat schon keine Gerechtigkeit erwarten kann, bleibt nur noch Gnade. Welche eine Vergewaltigung der Wortes „Gnade“ wenn sie vorgeschoben wird um offensichtliches Unrecht kurzzeitig zu unterbrechen. Schade für die Türken. Nicht immer ist man seines Unglücks Schmied. Aber manchmal doch. Wer Erdogan zujubelt begibt sich freiwillig unter seinen Hammer. Und er wird zuschlagen. Wie jeder Diktator, immer und überall wo man sie ans Ruder lässt. Das ist voll tragisch aber absehbar. Wer Politikern vertraut gibt sich in ihre Hand. Nur Mut wäre der falsche Rat.

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Zufriedene Erwartungen

Es hat doch etwas, wenn man sich seine Traumwohnung in einer Traumlage wenigstens in der Vorvorsaison erfüllen kann. Nun ja, Traumlage okay aber Traumwohnung – ich habe da meine Zweifel. Alles ist wohl nie beieinander und eigentlich ist das ganz gut so. Ein erfüllter Traum mag zunächst nett sein, zieht aber unweigerlich neue unerfüllte Wünsche, Träume oder Hoffnungen nach sich. So sind wir Menschen. Insofern – meine alte Erkenntnis – sind nur teilweise erfüllte Träume im Grunde genommen besser als ganz erfüllte. So kann man weiter träumen ohne unverschämt werden zu müssen. Andererseits können natürlich erfüllte Träume starke Emotionen hervorrufen – das ist auch klasse. Das „Patentrezept“ ist wohl volle Zufriedenheit auf der einen Seite und hohe Erwartungen auf der anderen. Wer dieses Unkombinierbare vereint, wird beeindruckende Erfahrungen machen. Manchmal klappt das tatsächlich – leider viel zu selten. Wie dem auch sei, das Wetter heute korrespondiert weder mit meiner Zufriedenheit noch mit meinen Erwartungen, eiskalt, Regen, Schnee, Sturm und abends fette Flocken. Mal abwarten, wie dat Janze morgen bei Tageslicht ausschaut. Gegen neun Uhr. Gleich nach dem Aufstehen.

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Sonne und Tretminen

Der zweite Sonnentag – mitten im Februar. Stark. Inzwischen kommen mir etliche der Schiffe sowohl vom Namen her als auch vom Aussehen sehr bekannt vor. Das kann ja eigentlich nicht sein. Sollte die Gewöhnung so rasch voranschreiten? Ich sehe mich morgen bereits auf der Couch liegen und nur ab und an ein Auge auf die Förde zu werfen und übermorgen meinen Sessel mir dem Rücken zum Fenster drehen. Nein, so wird es nicht kommen!!! Immerhin gleitet heute ein riesiger Autotransporter aus Finnland vorbei. Autos aus Finnland? Das gibt Rätsel auf! Meine App klärt mich zwar über Herkunft und Ziel jeglicher Schwimmkörper (größer als eine Nussschale) auf, verschweigt aber alle wesentlichen Details des Transportgutes. Immerhin lerne ich viele mir bis heute völlig unbekannte Hafenstädte in Schweden, Finnland und Lettland (oder Litauen? Egal!) kennen. – Übrigens döst unser Nachbarort noch friedlicher vor sich hin und es regt sich kaum ein Auto, geschweige denn ein Fuß. Dagegen residieren wir fast in einem quirligen Zentrum. Am Strand tobt das Leben, was man halt in der Vorvorsaison so unter lebhaftem Treiben versteht. Auf jeden Fall sieht man viele Hunde. Und Tretminen. Vorsicht ist geboten!

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Winterzeit

Der größte Himmelskörper in unserem Sonnensystem lässt das Blau des Himmels leuchten. Herrlich! Im Hafen warten etliche Kutter auf die Ankunft des Frühlings, ein Fischdelikatessenverkaufslaster steht stark verriegelt und verrammelt herum und harrt der Ankunft größerer Touristenscharen nach der Winterkälte. Dieser im Sommer so lebhafte Touristentummelplatz ist offensichtlich in den Winterschlaf gefallen, der nun von ein paar winterharten Besuchern bestaunt und kaum gestört wird. Mithin treten wir leise auf, lassen uns von den phantasievollen Erklärungen der „Leider-Geschlossen-Schilder“ inspirieren und in unsere Sessel fallen. Draußen ziehen die Schiffe vorbei und drinnen erkläre ich mich mit dem Winterschlaf der einheimischen Bevölkerung solidarisch. Schnorch, schnorch …

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