Weise lächelnde Naturgewalten

Fette Schneeflocken werden mit voller Windwucht waagerecht durch die Luft gejagt. Wir überlegen lange, mümmeln uns ein und trotzen den Sturmgewalten. Zuerst bin ich froh, dass ich keine Brille mehr brauche, denn dadurch bleibt meine Sicht frei. Denke ich. Doch jetzt haben die Flocken freie Bahn und nehmen meine Äuglein ins Visier. So eine fetter eiskalter in wunderschöner Form erstarrter Tropfen der auf das Augenlid trifft, ist eine Erfahrung, die ich nicht brauche. Also lerne ich die korrekte Position meiner Kapuze in Kombination mit der besten Neigung meines Hauptes. Man lernt nie aus. Mittelschwer tropfend erreichen wir unser Heim. Weise lächelt die Natur uns zu und wenig später klart es auf, der Himmel hüllt sich in ein klares Blau und die Sonne strahlt vom Himmel. So verläuft wenigstens der Nachmittagsspaziergang kalt aber trocken. Kaum unterwegs, leicht angekühlt, kommt eine WhatsApp von Freunden an. Sie sonnen sich in Eilat. Auch gut.

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Ostsee statt Eilat

Ein ganz besonderer Gottesdienst legt mir noch einmal die Diakonie als wichtige Aufgabe jeder Gemeinde ans Herz. Das bewegt mich ja schon länger. Welcher Weg steht uns offen, vielleicht sollten wir alle noch intensiver hinschauen. Nun gibt es in Uetersen wieder einmal Baupläne. Sie favorisieren eine sehr funktionale Lösung, inhaltlich sehr schön, äußerlich, nun ja, ich schweige. Die Fahrt nach Laboe ist gemütlich und Kiel ist unübersichtlich. Aber wir kommen gut durch. Zur Begrüßung hinterlässt eine blöde Möwe ihre Verdauungsstörungen auf unserem fahrbaren Untersatz. So geht es zu an der Küste. Ansonsten schauen wir Schiffe. Es ist einfach stark vom Sessel aus draußen die Fähren, Containerschiffe und kleine Kümos vorbeiflanieren zu sehen. So habe ich mir das vorgestellt. Es ist zwar kalt und stürmisch aber damit haben wir ja gerechnet. Wer im Februar an die Ostsee fährt, dem ist das egal. Nur, dass ich einem Freund etwas wehmütig hinterhersehe, der sich in Eilat die Sonne auf die Haut scheinen lässt, ist ein anderes Thema. Man kann nicht alles haben. Ahoi. Moin. Oder so.

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Nice Meeting

In aller Gemütsruhe lassen wir uns von unserem Audi nach Haselau bringen in ein beschauliches Landgasthaus. Landluft empfängt uns – der Pferdemist wird gerade auf einen landwirtschaftlichen Anhänger gestapelt. Ländlich, sittlich. Unser Zimmer ist schön und weitgehend von der Landluft unbehelligt geblieben. Gegen Abend wollen wir im Restaurant unseren Ex-Pastor empfangen, betreten dasselbe und -wow- ist das voll, zwei große Säle belegt, nahezu alle Tische besetzt und die Serviererinnen eilen geschäftig hin und her. Glücklicherweise haben wir einen Tisch reservieren lassen. Es folgt ein absolut toller Abend mit plauderhaftem Austausch und Kennenlernen der supernetten Verlobten. Leider, leider ist das Essen zu reichlich und mein Zugriff nicht maßvoll genug. Mein Magen lässt mir umgehend eine gepfefferte Protestnote zukommen. Recht hat er.

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Mysterien

Ich, Idiot, habe mich über Berlin ereifert? Ich, Blödmann, habe mich über die SPD aufgeregt? Was geht denn da ab? Da wir man weit über 65 Jahre alt, meint abgeklärt urteilen zu können – und dann ist alles anders, alles neu, alles total verrückt. Geil! Oder bescheuert? Egal, meine Sehnsucht nach Gran Canaria entwickelt sich extrem stark. Dann springt mir da auf einmal die Bibelstunde heute in der Stadtmission ins Blickfeld. Ich bin völlig verblüfft, überrascht, absolut erfreut und beschämt. Eine tolle Truppe! Danke, Herr! – Kurz darauf passiere ich die Tankstelle und der Spritpreis schwebt in extremen Höhenlagen. Die absolut aufmerksame Fahrerin unseres temporären Zweitwagens kommt an diesem Ort wenig später vorbei und der Preis ist inzwischen ins Erdgeschoss spaziert. Die Fiebersprünge der Tankstellenpreise haben etwas flohartiges. Immerhin können wir jetzt unser Erstmobil relativ kostengünstig auffüllen. Prima.

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Fluchtgedanken

Gute Freunde bereiten sich auf einen Flug ins warme Eilat vor und ich mich auf eine Polarexpedition ins eiskalte Laboe. Welch ein Kontrast! Das kann ja heiter werden. Meine Stimmung ist sowieso schon auf der Kellertreppe und ich bin mir eines Grundes dafür noch nicht einmal ansatzweise bewusst. Ich bin missgestimmt. Zu allem Überfluss informieren mich abends noch gewöhnlich gut unterrichtete Kreise, dass eine Bekannte die Gemeinde bei einer Bestattung eines jahrzehntelangen und geschätzten Mitglieds ausschließt. Wir sollen nicht Abschied nehmen dürfen. Das bessert meine Stimmung auch nicht. Ich würde gern hingehen doch ich habe einfach Angst vor dem Konflikt. Und vor meiner Reaktion angesichts dieser „Bekannten“. Angsthase. Auch diese Erkenntnis lässt meine Laune in das zweite Kellergeschoss sacken. Ihr könnt mich mal… Ich will nach Gran Canaria! Sofort!!!!

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When will we ever learn …

Endlich sind sie sich einig! Nach schier endlosen Wochen, Gelaber, Statements, Aufgeregtheit, Scheingefechten und Spiegelfechtereien liegt ein Ergebnis auf dem Tisch. Man muss politisch schon sehr engagiert sein um diese Spielchen überhaupt noch ernst zu nehmen. Aber so ist sie halt die von uns gewählte Truppe. Wenn die SPD-Fuzzis das jetzt ablehnen, reihen wir uns nahtlos in die Brexitfans, Erdogansultanatsbefürworter, in die weltweit aktiven Trumpisten („SPD first“) ein. Aber warum nicht? Lassen wir’s krachen und hoffen auf ein Wunder. Ist ja nicht völlig auszuschließen. Mein Fazit: uns allen scheint es einfach zu gut zu gehen. Aber wir arbeiten dran das zu ändern. Sieht gut aus. Gestern standen wir mit dem Rücken zum weit entfernten Abgrund. Höchste Zeit umzukehren. Kehrt marsch und kräftig voran. Auf einer Insel im Norden sind die BSE-Folgen unübersehbar, im Westen verwirrt der FN-Wahnsinn die Köpfe, im Osten basteln sie sich ihre eigenen Wahrheiten und walzen die Gewaltenteilung platt, im nahen Süden drohen die braunlackierten Egoisten und im fernen Süden droht die Pleite. So fügt es sich gut ein, dass bei uns die Braunen auf ein Förderprogramm der beiden vormals großen Parteien lauern. Dieser nationale Wahnsinn hat vor gar nicht so langer Zeit Millionen von Menschen das Leben gekostet. Lernfähig? Wir Menschen? Niemals!

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Bibel-Mord-Mixtur

Die Situation ist da. Alles Gejaule hilft nichts, heute muss die Bibelstunde gehalten werden. Und sie geht recht gut von der Hand, wird aber zur Klagerunde über so empfundene fehlende Konsequenz in unserer Gemeinde. War wohl mal nötig. Es folgt ein Aufatmen meinerseits aber es verbleibt bei einer gespannten Erwartung auf Freitag. Mit einer ebenso mörderischen wie betrügerischen Chefin in einer der Mordzentren Deutschlands (Rosenheim, ländliches Umfeld aber jede Woche mindestens ein Mord) schließt der Abend. Eine Vorbereitung. Eine Bibelstunde. Ein Mord. Seltsame Mischung.

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Fünfe gerade sein lassen

Bei so einer Vorbereitung zur Bibelstunde muss man sich durch so manches theologische Gestrüpp kämpfen. Und dann geht es auch noch um die Zurechtweisung wegen eines Fehlverhaltens. Da hat einer seine Stiefmutter geheiratet, irgendwann im ersten Jahrhundert in Korinth. Das ist nach jüdischem Gesetz äußerst übel und nach dem damaligen römischen Recht völlig verboten. Und heute? Darf man, so man hat, seine Stiefmutter ehelichen? Eine interessante Frage auf die ich keine wirklich eindeutige Antwort gefunden habe. Also, wenn die Stiefmami einen adoptiert hat, geht das gar nicht. Das ist verboten. Aber wenn nicht? Dann müsste es eigentlich erlaubt sein, sagen die einen. Andererseits gibt es auch so ein Verbot, dass man in gerader Schwagerlinie auch nicht heiraten darf. Ob das hier zieht? Und ich merke, dass mich die aktuellen Fragen mehr in Beschlag nehmen als die paulinischen Gedanken. Das ist nicht gut für die Vorbereitung. Die hatten damals kleine Gemeinden, ein paar Leute, die kamen zusammen, sprachen über das Fehlverhalten und legten fest wie der Fall für die Gemeinde zu lösen sei. Aber heute? Kommen heute alle unsere 160 Mitglieder zusammen oder gar alle zwei- bis dreitausend in den Kirchengemeinden und palavern endlos alle über einen? Ja, ich weiß, das hat man fix auf den Pastor oder den Vorstand delegiert. Aber das ist bei weitem nicht dasselbe. Wenn alle beschließen haben „wir“ das beschlossen. Im andern Fall „die da oben“. So läuft das nicht richtig rund. Und damals gab es eine Gemeinde am Ort und zur nächsten war man tagelang unterwegs. Heute wechselt man einfach den Laden, geht nach nebenan, wenn man Anstoß erregt. Wer nur bei Menschen aneckt, dem ist damit geholfen. Wenn man aber bei Gott ins Kreuzfeuer seiner Kritik gerät, ist Wechsel keine Lösung. Außerdem ist Sünde ansteckend, lässt man „Fünfe gerade sein“ ist auf einmal Geiz normal. Oder Klatsch und Tratsch. Oder die Heirat seiner Stiefmutter. Es ist kompliziert. Und ich soll die Stunde moderieren. Armer Rolf! Da kann nur Gott helfen. Bitte!

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