Raumklimatisches

Die Ablage ist fertig. Einen äußerst netten Besuch dürfen wir am Nachmittag empfangen. Der Hauskreis ist interessant und themenreich. Was will ich mehr? Ach ja, ganz so nebenbei konnte mein Smarthome um eine Wetterstation ergänzt werden, die ich schnell und völlig problemlos einbinden kann. Perfekt. Jetzt weiß ich rund um den Globus wie das Wetter in meiner Heimat ist. Doof? Ja, natürlich!!! In Wirklichkeit will ich nur in jedem Raum die Außentemperaturen abrufen können und mir fehlte bislang die Messung der Luftfeuchtigkeit im Innenraum. Beides (und ein klein wenig mehr) ist jetzt für mich verfügbar. Ob meine Zimmerbrunnen auch objektiv hilfreich sind das Raumklima zu verbessern, bleibt abzuwarten. Ich bin gespannt.

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Unerfreuliche Aktionen

Am Vormittag schiebe ich völlig überflüssigen weißen festen Niederschlag zur Seite und sinke danach erschöpft auf mein Lager. Am Nachmittag ordne ich bedruckte Teile ehemaliger Bäume nach Zugehörigkeit und Datum um sie morgen gelocht und geheftet in Ordnern zwischenzulagern. Ältere Exemplare führe ich dem Schredder zu, der sie zu kleinen gekräuselten Schnitzelchen umgestaltet. Welch eine ätzende Tätigkeit! Da meint man seinen Beamtenjob hinter sich gelassen zu haben und dann verfolgen mich die Akten bis in meinen Traumjob hinein. Und dann werde ich noch nicht einmal fertig. Morgen geht’s weiter. Oje. Wie heißt es so schön: Von der Wiege bis zur Bahre …

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Viele Geschenke verderben die Freude

Der Saugerjob in der Stadtmission ist schnell erledigt. Wir haben eine tolle Aktion „Begegnungen“, die unseren kleinen Saal füllt und einen Teil des großen Saales gleich mit. Die Reinigung dort ist mehr für Feinmotoriker geeignet, mithin nicht für mich. Gut so. – Ich habe mir in den letzten Wochen etliche Wünsche zur gleichen Zeit erfüllt. Das war ein Fehler. Das nächste Mal, wenn ich wieder einmal in diese Versuchung komme, werde ich mir jeweils mindestens einen Monat Zeit zwischen den Wunscherfüllungen lassen. Wir Menschen (oder wenigstens ich) sind nicht dafür gemacht vielerlei Dingen gleichzeitig die nötige Aufmerksamkeit zu widmen. Da scheint auch ein Fehler von Weihnachten in unserer Zeit zu liegen. Früher wurde am Fest ein Wunsch erfüllt (wenn überhaupt) und es gab ein paar Kleinigkeiten dazu. Heute stürzen Wunscherfüllungen auf die Kids ein, die sie mental gar nicht bewältigen können. So geht es mir jetzt jedenfalls. Statt überschäumend steht der Pegel auf gedämpft – geteilte Freude mag meist doppelte Freude sein – aufgeteilte Freude ist dagegen nur eine halbe Sache. Nein, ich klage nicht, keinesfalls, no, nee, never – ich stelle nur meinen Gemütszustand fest. Möglicherweise, meine stille Erwartung, wächst jetzt das Vergnügen am Neuen so nach und nach und hält dafür länger vor. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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Gelassenheit, Geduld und Grauen

Es bedrückt mich wieder einmal – eigentlich immer wenn ich es spüre – wie meine Mum wieder im Kindheitsalter angekommen ist. Ich bin dabei das zu lernen und das zu akzeptieren. Es fällt sehr schwer. Mit einem Lächeln lässt es sich tragen aber wehe mir, wenn ich sie jetzt in allem ernst nehmen würde. Wehe mir, wenn ich mich über sich stellte und von oben herab behandelte. Das geht gar nicht. Ich muss lernen sie an die Hand zu nehmen und behutsam ihre Welt zu erforschen und den – eigentlich unmöglichen – Versuch starten sie dort abzuholen und dort zu begleiten – ohne mich in unserer realen Welt, die ja in Wirklichkeit auch noch ihre ist, zu verirren. Ich sehe Mitmenschen, die sich verzweifelt mühen ihre Altvorderen aus ihrer für uns verworrenen und verzerrenden Gedankenwelt herauszuziehen. Das kann nicht gelingen und macht die Ergrauten mürrisch und ihre Kids wirschig. Das Blöde ist: es gibt keine Rezepte, jeder ist anders und jede reagiert auf total neuartige Weise. Es entwickeln sich Seiten, die man früher an seinen Vorfahren nie kannte. Aber eins lerne ich: reg dich nicht auf, wer weiß wie du einmal sein wirst! Rolf, mir graut vor dir! Ja, wir waren heute mit Mutti zum Zahnarzt. Es lief alles gut. Geduld tut mir not. Ist wohl wahr!

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Götzenopfer und Schwarzarbeit

Unsere sichtlich ausgedünnte Studierstube dreht sich um „kluge“ Sprücheklopfer, die Gottes Handeln infrage stellen, Zweifel wecken und alles besser wissen wollen sowie um Gott, der die Zweifler infrage stellt und es tatsächlich besser weiß. Ich werfe einen Blick auf die sich mächtig brüstenden Zeitgeistverkündiger zu Hesekiels Zeiten und bin gar nicht erstaunt, dass sich fromm aufplusternde Propheten der aktuellen Version dieses Ungeistes gar nicht so wesentlich von ihnen damals unterscheiden. – Im abendlichen Gottesdienst bringe ich es fertig statt auf die Hauptaussagen der Predigt zu hören, mich an den gegenwartsnahen Beispielen gedanklich festzubeißen. So führe ich mit mir eine harte Diskussion über die vielfach willkürliche Beschilderung deutscher Straßen und eine fundamentale Erörterung über Schwarzarbeit. Die wesentlichen Punkte der Verkündigung verblassen dagegen zusehends. Offensichtlich bewegt mich meine Fahrpraxis mehr als die Frage was der Verzehr von Götzenopferfleisch mir heute zu sagen hat. So ist das Leben. Am Abend erliege ich nicht den Verlockungen abgelagerter Traubenprodukte. Erstaunlich.

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Lichtblicke

Ich lerne, dass eine Webcam mit Nachtlicht nur dann nachts gut einsetzbar ist, wenn keine Fensterscheibe vor ihrer Linse steht. Ansonsten reflektiert das Glas das Nachtlicht und die Kamera nimmt einen großen hellen Punkt vor einem schwarzen Hintergrund auf. Das sieht ein wenig aus wie ein modernes Kunstwerk, hat aber ansonsten wenig Aussagekraft – doch das soll wiederum bei modernen Kunstwerken auch ähnlich sein. Deaktiviert man dagegen das Nachtlicht und sorgt für einen nachtdunklen Raumhintergrund, ist das übermittelte Bild durchaus akzeptabel, wenn draußen irgendwo im näheren Umfeld die Straßenbeleuchtung aktiviert ist. Man lernt nie aus. Leider werden wir am Abend von einem (von mir) relativ heiß ersehnten Termin ausgeladen. Die blöde Erkältungs- und Grippewelle hat wieder einmal fatal zugeschlagen. Mist, aber nicht zu ändern. So verbringe ich meinen Abend zu Hause und eröffne mir die Chance am gesamten Wochenende auf einen schädlichen aber dennoch köstlichen Stoff verzichten zu können, also abstinent zu leben. So fühlt sich Leberschonzeit also an. Faszinierend.

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Zähne, Konflikte, Sehnsüchte

Alte Menschen und ihre Zahnprothesen sind ein Thema für sich. Ob sie verschluckt werden, in Toiletten landen oder verloren gehen (???) – alles ist möglich. Wir beglücken unseren Zahnarzt mit einem zerbrochenen Exemplar und er will versuchen eine feste Verbindung wiederherzustellen. Wenn der Kiefer schrumpft geraten die dort platzierten Ersatzteile gefährlich unter Druck, lernen wir. Einerseits juckt es mir gewaltig in den Fingern eine Reise in warme Regionen zu buchen, andererseits fühle ich mich hier sauwohl wenn nur der Frost nicht wäre. Ein typischer Pensionistenkonflikt, schwer lösbar und in seiner Brisanz der arbeitenden Bevölkerung kaum vermittelbar. Altersschicksal! Also heize ich den Kachelofen kräftig an, solange ich noch darf, freue mich an den lodernden Flammen und tröste mich am späten Abend mit „Death in Paradise“ indem ich zuschaue wie der Hauptakteur unter dem Sternenhimmel vor seinem Strandhaus an ein Boot gelehnt aufs Meer hinausblickt. Sehnsucht lodert auf.

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Wechselhaft

Wir sind ein Problem los. Das mütterliche, ihr jahrzehntelang treu dienende, Domizil hat den Besitzer gewechselt. Ab sofort tangieren uns die dortigen Hausprobleme nur noch äußerst peripher. Wunderbar. Im Austausch der Nöte wird uns offenbart, dass Mutters Zahnprothese zerbrochen ist. Auch das noch – auf zur fröhlichen Zahnarztsuche, denn wie ihr bisheriger hieß hat sie natürlich völlig vergessen. So wird es im Alter, da können wir uns ja schon mal drauf einstellen. Doch unser Dentist erweist sich als sehr hilfsbereit und so zeigt die Hoffnung meiner Altvorderen auf feste Nahrung wieder zunehmende Tendenz. Das ist gut. – Abends tummeln wir uns bei einer Geburtstagsfeier. Wenn Menschenmassen miteinander feiern, drischt der Geräuschpegel heftigst auf meine armen Ohren ein. Glücklicherweise hält die zwar noch arbeitende aber dennoch ältere Bevölkerung bei Feiern in der Woche nicht mehr lange durch. Sie suchen für meine Verhältnisse früh das Weite und meine Hörorgane können Stress abbauen. Auch das ist gut. Wir sind die letzten Gäste, kommen dennoch leicht angeheitert noch vor Mitternacht daheim an und fallen zur üblichen Zeit in unsere Schlafstätten. Perfekt.

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