Zwei Gottesdienste, drei Predigten, ein Geplätteter

Früh am Morgen verlassen wir unser Hotel und kommen zur Kirche des von mir vielfach zitierten Pastors. Der erste Eindruck: die Menschen sind freundlich und die Bänke sehr hart. Mein erster Schock: wir werden in der ersten Reihe platziert. Das ist nicht meine Welt. Der Geistliche erklimmt die Kanzel und blickt uns alle fürchterlich grimmig an – immerhin lächelt er später ein wenig freundlicher und hält eine bemerkenswerte Predigt. Sehr spontan nehme ich nicht am Abendmahl teil. Warum? Ich komme ins Grübeln. Vermutlich liegt es an den zwei Sichtweisen von Jesus, die mich vom Pastor trennen. Beide sind, davon bin ich fest überzeugt, richtig – es ist eine Frage der Betonung. Er sieht vor allem, scheint mir, den fordernden Charakter des Glaubens (lies täglich zwei Kapitel der Bibel, jeder Christ ein Missionar, wenn ich meinem Nachbarn nicht zu bekehren versuche, trage ich Mitschuld an seiner Verlorenheit). Ich sehe die liebende Seite des Glaubens (weil ich Jesus so liebe, lese ich die Bibel, mit meinen von Jesus geschenkten Begabungen übe ich aus Liebe zu ihm meinen Dienst für ihn aus – Liebe statt Zwang). Beides passt, menschlich gesehen, nicht zusammen und doch sind es die zwei Seiten einer Medaille. Nun ja, ich bekomme heute beides nicht zusammen und retiriere. Da muss ich wohl noch lernen. – Danach entfaltet sich immerhin eine kleine Zuneigung zur besuchten Kommune durch ein sonniges Flanieren am Weserufer mit Freiluftmittagsmahl. Das hat schon was. Gleich darauf absolviere ich auch noch das Erntedankfest des Gebetsvereins. Zwei Predigten, kein Kaffeetrinken (blödes Virus) und etliche fernbleibende Verwandte, auf die wir gehofft hatten. Danach bin ich mental groggy und verpasse so die Chance einer möglichen liebevollen Erkundung der Hansestadt. Schicksal.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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