Geistliches, Schneeflocken und Helden

Wir wachen um 9 Uhr auf. Wie soll das bloß werden, wenn die Gottesdienste um halb zehn anfangen? Bleiben wir da chancenlos außen vor? Aber immerhin ist heute erst um 18 Uhr Beginn und den schaffen wir problemlos. Vormittags sinnieren wir in unserer kühlen, gut durchlüfteten Studierstube über den neuen Tempel bei Hesekiel. Nachmittags lassen wir uns aus Bremen über die rechte Dankbarkeit aufklären und am frühen Abend lauschen wir Ausführungen zur Jahreslosung. Es ist ein geistlich wohlgefüllter Tag und der tut gut. – Das Fernsehen belehrt uns später über Frau Holle, das Märchen und die möglichen Vorbilder der kissenausschüttelnd schneeerzeugenden, arbeitsamen Dame. Zu ihr gelangt man durch einen tiefen Fall in einen Brunnen und dennoch lässt sie vom Himmel die Flocken fallen. Wunder der volkstümlichen Phantasie! Im Anschluss setze ich mich – welch ein Kontrast zum übrigen Tag – noch einer klischeeüberladenen Einstiegsfolge einer amerikanischen Serie aus. O, ihr üblichen Strickmuster – durch unaufhörliche Wiederholung in wechselnden Rahmenhandlungen werdet ihr auch nicht besser! Die Mixtur typisch amerikanischer Alpträume zielt treffsicher auf die emotionale Ebene unter Umgehung verstandesmäßiger Vorprüfung. So ist sie halt die einflussreiche amerikanische Traumfabrik: Waffen, Selbstjustiz und kitschige, heldenhafte Gefühlsduselei. Das kommt an. Auch bei mir. Ick schäme mir. Echt.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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