Autokratensehnsucht

Immerhin erfahre ich beim sich hinziehenden Zählmarathon einiges über das amerikanische (besser gesagt jeweils staatenbezogene) Wahlrecht. Während bei uns das Wahlrecht stärker auf ein schnelles Ergebnis ausgerichtet ist, zielt es in den Staaten, wenigstens in Pennsylvania, mehr auf die Rechte des einzelnen Wählers (wie bei der Heilung einer vergessenen Unterschrift bei der Briefwahl; der Poststempel statt des Eingangsstempels als Kriterium usw.). Interessant. Mein Pastor und meine Lokalzeitung rufen zu Mäßigung beim Urteil über das Wahlverhalten der Amerikaner auf. Allerdings fällt es sehr schwer angesichts eines Präsidenten, der nicht jede Wählerstimme zählen lassen will, der Auszählung dann stoppen möchte, wenn er in Führung liegt, ohne jegliche Beweise von Manipulation spricht und darin von etlichen seiner republikanischen Freunde kräftig und monetär unterstützt wird. Nein, das ist nicht akzeptabel. Wenn die Hälfte eines Volkes (und zu meinem übergroßen Entsetzen darunter meine dortigen Geschwister im Glauben) – gleich aus welchen Gründen – einem notorischen Lügner ihre Stimme gibt (das bezieht die Vorwahlen mit ein), merkt man, dass das Demokratieverständnis eher Makulatur als Fundament ist. Ähnliches überfällt mich immer, wenn ich bei uns lese, dass die Bundeskanzlerin „ein Machtwort“ sprechen soll. Wo sind wir denn? Auf der Suche nach einem Führer? Demokratie heißt unterschiedliche Meinungen, heißt Diskussionen und hartes Ringen aber auch Kompromisse und Zugeständnisse. Die benötigen nun einmal Zeit. Wo ist das Problem? Die Sehnsucht nach charismatischen Autokraten frisst uns anscheinend auf. In den USA hat sie offenbar viel Raum gewonnen. Schade. Schauen wir mal was das charismatische Wutmännchen bei seinen Jüngern noch so verzapft. Ich bleibe skeptisch.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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