Kann man Florenz besuchen ohne den Dom, die Uffizien und die Galleria dell’Accademia von innen gesehen zu haben? Mit einem aus tiefstem Herzen kommenden „JA“ antworte ich darauf. Jeweils stundenlang in drei verschiedenen Schlangen stehen um die unverschämten Preise zu berappen und sich dann mit den Massen durch die Räume schieben zu lassen? Never. Okay, mit erhöhten Entgelten und Voranmeldung wartet man meist kürzer aber der Überfüllungsgrad bleibt gleich. Sorry, seit meinem „Vatikantrauma“, mache ich da nicht mehr mit. Mit Schweißausbrüchen und Engephobie kann ich keine Kunstwerke in Ruhe betrachten. Eine unbedeutende Kirche mit herrlicher Deckenmalerei und andächtiger Stille tut es auch. Oder eine Messe mit einer Handvoll Gläubigen. Oder die prächtigen Nebenstraßen mit wenigen halbverrückten Vespafahrern. – Florenz bei Nacht lebt ganz neu auf. Frauen in Festgewändern streben der Eingangsschlange (die Schlange wäre ein treffliches Wappen für diese Stadt) eines zweifellos künstlerisch hochwertigen musischen Ereignisses zu und wir von ihr weg. Die Häuserfronten gewinnen durch das künstliche Licht und die Restaurants durch die Dinnerzeit. Bei einer guten Flasche Traubensaft (önologisch behandelt) lassen wir bei sommerlichen Temperaturen den Abend ausklingen. Perfetto.
Repetitorium: Den Dom, besser die Kathedrale von Florenz ziert eine achteckige Kuppel. Zu ihren Füßen blickt der Architekt Tag und Nacht mit kritischem Blick zu ihr empor und kontrolliert ihre Haltbarkeit. Selbige wird durch eine doppelte Kuppel gewährleistet sowie durch kleine Fenster, die zum Druckausgleich beitragen. Bei der Innenkuppel hatte man der Optik halber in späteren Jahren die Fensterchen zugeputzt um die Kuppel besser bemalen zu können. Als sich die ersten Risse zeigten, öffnete man diese fix wieder. Fachwissen schlägt Optik. So ist das nun einmal.