Pfingstsonntag

Dem Festtag angemessen suchen wir heute den Gottesdienst in unserer Gemeinde auf. Selbst mit der gebotenen Distanz ist es toll mal wieder mit alten Bekannten zu sprechen und die – wenn auch arg eingeschränkte – Atmosphäre eines Live-Gottesdienstes mitzuerleben. Fraglos doof bleibt es nicht singen zu dürfen, weit auseinander zu hocken und die Maske im Gesicht zu spüren aber immerhin bin ich vor Ort dabei. Im Anschluss lassen wir uns ein wenig toten Lachs munden und frönen des Mittagsschlafes. – Nachmittags kommen unerwartet Freunde vorbei – welch ein Geschenk kann ein niedriger Inzidenzwert sein! Es gibt eine breite Palette an Themen zu erörtern und die Zeit rauscht einfach so vorbei. Soll sie doch! Der Abschied zieht sich hin und es ist fast wie vor der Pandemie, einfach wunderbar. – Ich vertiefe im Laufe des Abends ein erörtertes Thema durch einen Beitrag des BR. Leider ist die journalistische Qualität eher grenzwertig, denn das Thema wird recht einseitig beleuchtet doch das ist keine neue Erkenntnis über unsere Medienschaffenden. Das Positive breit auswalzen und alles Negative (wenn überhaupt) kurz streifen und so als nebensächlich deklarieren. Es geht um einen angeblich revolutionären elektrischen Antrieb, der Methanol in Wasserstoff verwandelt und direkt oder für höhere Leistungen über eine Batterie einen Elektromotor antreibt. Kurz erwähnt ein Professor, dass grünes Methanol ganz einfach in Nordafrika hergestellt werden könnte. Punkt. Kein Wort zu Transportproblemen (Tankschiffe mit Schweröl betrieben), zur hochexplosiven politischen Situation vor Ort oder zu Investitionen in Milliardenhöhe. Genialer Journalismus 😉. – Da stürze ich mich lieber auf den Gerichtsmediziner, der in Südfrankreich einen sauguten Job macht. Liest sich bestens. Es wird natürlich nicht sehr früh.

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Plaudereien am Abend

Die Spinnen in unserem Keller sind dieses Jahr besonders eifrig. Ich laufe gegen einen fetten Faden, der sich quer durch den Raum zieht. Wie kriegen diese kleinen Monster das hin? Okay, ich lasse ihnen im Prinzip im Keller durchaus Raum aber irgendwann ist eine Grenze erreicht. Übrigens haftet dieses hartnäckige Garn hervorragend an Baumwolle, wie ich später feststellen muss. Ich befürchte diese mehrbeinigen Wesen haben durch ihre Grenzüberschreitung demnächst eine umfangreiche Netzzerstörungsaktion zu befürchten. Sorry aber Duldung heißt nicht Rückzug, wie ihr merken werdet. – Mittags trifft unser neuer Rosenbogen ein, der unseren beiden Weinstöcken Halt geben soll. Ich bin sehr gespannt auf den Zusammenbau. Hoffentlich ist er stabiler als sein Vorgänger, das wäre gut für ihn, gut für uns und gut für die Weinstöcke. Abends sind wir bei Freunden zu Gast. Es tut einfach wohl mal miteinander zu essen, zu plaudern und Wein zu genießen, selbst wenn ich diesmal mit Fahren dran bin. Ein klein wenig roter Saft zum Kosten tut es auch. Es wird ebenso spät wie es nett war. Klasse.

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Wer jault denn da?

Rolf allein zu Haus – dummdreiste Einbrecher muss ich zwar nicht abwehren aber herausfordernd ist es schon: Nichts ahnend genieße ich tiefenentspannt meine unverdiente Mittagsruhe und mit einem Mal ein Jaulen, als ob in unserem Garten eine Kreissäge sich mit einem Trennschleifer und einer Kettensäge vereinigt hätte und nun in Schwerstarbeit an etwas sehr Hartem abarbeitete. Verträumt taumle ich auf die Terrasse. Tatsächlich das ohrenbetäubende Jaulen hat seine Quelle auf unserem Grundstück. Der sonst so gutmütige Mähroboter, Mr. Shorty, hängt fest und jammert ohrenbetäubend. Er ist in eine Kuhle abgeglitten und schwebt ein wenig in der Luft. Ich eile ihm zu helfen, doch bis dahin hat er sich schon wieder befreit und mäht munter weiter. Wenn das sein Diebstahlsalarm war, wehe dem Räuber! Shorty schnurrt nun vor sich hin, sicherlich zur Freude meiner armen Nachbarn (und ebenso meiner). Noch schnell die Kuhle vorläufig mit Holzblöcken gesichert, die Shorty zur Umkehr motivieren sollen. – Nachmittags nerven zwei oder drei Unternehmen, die die SEPA-Lastschrift per Post einfordern, die sie online bereits erhalten haben. O, diese fiese Seuche namens ‚Bürokratie‘! Politiker, die sie bekämpfen sollten, mästen sie stattdessen. Soll ich im Herbst wählen gehen um diese Saurier zu wählen, die sich ihre Parteien als Abgeordnete halten? Menschen im Rohrpost-Fax-Zeitalter lebend? – ‚Der Alte‘ am Abend führt natürlich wieder in die Welt der Reichen und charakterlich hässlichen. Der Plot ist interessant abgründig aber die Dialoge sind grausam ohrenbeleidigend, also ein völlig normaler Krimi. – Wieder wird es nicht früh und ich lese meinen angefangenen Kriminalroman bis zur letzten Seite durch. Ich lerne dabei, dass einem wirklich guten Krimi selbst eine arg konstruiert wirkende Auflösung nicht schaden kann, wenn er vom Inhalt und nicht nur vom Ende her lebt.

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Erfreuliche Kürzung und feine Interviews

Eine Hausfriseurin hat ihre Vorteile. In gemütlicher Atmosphäre – ohne vorher draußen warten zu müssen – sich einer allgemeinen Kürzung zu unterwerfen, tut gut. Eine der wenigen Kürzungen, die wirklich Freude bereiten. Im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert schwebe ich nach Hause. Perfekt. – Um die Übersicht nicht zu verlieren erstelle ich einen Investitionsplan. Unser „Barvermögen“ könnte sich signifikant vermindern, was nur teilweise durch ein Wachstum beim Anlagevermögen ausgeglichen würde. Ich freue mich riesig auf unsere Flusskreuzfahrt, eine Absage hätte immerhin laut Plan nicht nur negative Folgen (was aber nur ein kleiner Trost wäre). Ich stelle erneut fest, dass solche Zahlenspielereien mir irgendwie doch Freude bereiten. Der Beamte tief in mir lässt sich halt nicht ganz verleugnen. 😀😇! – Abends informiere ich mich über die neue First-Class der Lufthansa, die für die Langstrecke ihren Weg in den neuen Airbus A 350 finden soll. Ich werde nie in den Genuss kommen so zu reisen aber interessant ist es doch. Ein Interview von Phoenix mit Dieter Nuhr ist hochspannend und sehr unterhaltsam, wogegen das mit Mathias Richling mich nur zum schnellen Abbruch motiviert. Um so interessanter gestaltet sich das Gespräch mit Wolfgang Thierse, ein tiefsinniger Mensch mit wohl durchdachten Ansichten. Sehens- und Hörenswert. So bleibt mir nur wenig Zeit zum Lesen und es wird wieder spät. Ich kann wohl nicht anders.

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Die Schnecke siegt!

Hat das denn nie ein Ende? Wieder belästigen mich ausgeklügelte Instrumente, die einzig und allein das Ziel verfolgen digitales Handeln gegenüber dem Postweg extrem zu verzögern. Sie sollen offensichtlich den zeitlichen Vorteil so ausbremsen, dass die Schnecke den Ferrari überholen kann. Bürokraten nennen das dann Fortschritt. Armes Deutschland. – Die Soko Wismar wärmt eine alte Folge auf und nimmt das brisante Thema Gewalt gegen Männer auf. Was es nicht so alles gibt! – Die Politiker tun voll überrascht, dass von arabischstämmigen Migranten so viel Judenhass ausgeht. Ihr Heuchler, genau diese Scheinheiligkeit begründet euren schlechten Ruf. Redet Klartext – akzeptiert das Verhalten und bekennt euch dazu oder lehnt es ab und trefft Maßnahmen dagegen. Eure Entscheidung – aber entscheidet bitte und lasst die Schwafelei. Das würde der politischen Landschaft sehr gut tun. – Es folgt wieder ein gemischter Video- und Leseabend. Das ist nicht ganz so toll. Den exakt richtigen Müdigkeitspunkt nutze ich zum Retirieren. Das ist gut.

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Papierne papierlose Verwaltung

Der Kontowechsel geht in die nächste Runde und das ist nicht die letzte. Heute kommen per Post die Zugangsdaten für das Wobcom-Konto. Ich warte noch auf eine ADAC-PIN, eine ERGO-Bestätigung und bin überrascht wer mir alles postalisch die Online-Änderung bestätigt. Krass. Deutschland: Schneckenpostfördergebiet – ob es dafür Bundeszuschüsse gibt? Fast könnte man es meinen. – Abends höre ich von Schwierigkeiten sich auf einen europäischen digitalen Impfpass zu einigen. Ob da mein Heimatland wieder seine bürokratieverhangenen Bedenken einbringt? Hoffentlich wird die Applikation nicht von SAP und der Telekom entwickelt. Dann käme sie frühestens in einem Jahr und wäre nur gut im Abstürzen (erst bei der übernächsten Pandemie würde sie perfekt funktionieren). – Und wieder ist der Abend ruhig und findet nicht auf Kreta statt. Seufz. Oder auf den Seychellen. Seufz, seufz. Und ich wollte doch nicht mehr klagen! Ach ja … Dennoch – oder gerade deshalb? – wird es spät.

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Tückische Hürden. Schwafeleien und Albträume

Etliche Institutionen sind echt kreativ im Ersinnen von Hürden um eine Informationsübermittlung per Internet zu erschweren oder gar zu verhindern. Sie produzieren Tücken aller Art. Der ADAC erwartet gar eine Video-Identifikation nur um zu erfahren wo er meinen Mitgliedsbeitrag abbuchen darf. Zum Glück bietet er noch die Alternative, mir einen Code per Schneckenpost zuzusenden, den ich dann im Internet als Identifikationshilfe eingeben soll. Faszinierende Kombination, da muss man erst einmal drauf kommen. Welch ein Aufwand nur um mein Geld abzugreifen! Aber alles wird gut, kommt Zeit, kommt Rat. So ein Kontowechsel hat, wie ich konstatieren muss, einen hohen Unterhaltungswert. – Zwei für meine Verhältnisse lange Telefonate zeigen mir, dass ich wohl doch per Leitung kommunizieren kann. Die Sparkassenmitarbeiterin reagiert gelassen und sehr freundlich auf die Wechselfolgen. Wirklich schade, dass die Sparkassenleitung so piratenmäßig aufgestellt ist. – Der Abend gehört dem Lesen, das mich leider nächtens zu seltsamsten Träumen anregt. Mich wundert nur, dass der Reiz von YouTube so arg flüchtig ist. Die Erfolgsgarantie für Laberköpfe geht mir absolut auf den Geist – zehn Minuten nahezu inhaltsleere Schwafelei, schlimmstenfalls mit Lobeshymnen auf überteuerte Produkte, bevor die meisten Typen sich ganz langsam den interessanten Fakten nähern. Ätzende Wirkung auf meine Ungeduld. Aber man kann ja vorspulen oder ausschalten. Das ist gut. Noch vor zwölf finde ich mich im Nachtlager wieder. Wahnsinn.

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Knallhart oder bedachtsam?

Gerade so schaffen wir es unser Frühstück vor dem Bremer Gottesdienst zu beenden. Diesmal empfange ich denselben sogar über die YouTube-App im Apple-TV. Es geht um lebendiges Wasser also den Heiligen Geist, wer er ist, wie man ihn erlangt und was er bewirkt. Eine typische Latzel-Predigt. Danach schalten wir um zu unserer Gemeinde und hören dem Gastredner zu, der dasselbe Thema hat. Die Gegensätze könnten nicht größer sein: auf der einen Seite die knallharten Ansagen im Offiziersstil und auf der anderen den vorsichtigen, fast nach dem richtigen Wort ringenden, bedachtsamen Prediger. Es war nicht gut beide Predigten nacheinander zu hören. Wenn ich von einer Rede mit glasklaren Ansagen komme und dann auf einmal meinen Empfang auf nachdenklich und besinnlich umstellen muss, funktioniert das bei mir nicht so schnell. Das nächste Mal lasse ich dazwischen lieber etwas Zeit vergehen um besser folgen zu können. Man lernt nie aus. – Ansonsten ist heute wieder lesen angesagt und ich kann einfach nicht aufhören. Selbst wenn ich ein paar kleine Video-Spots dazwischenschalte geht es doch wieder zurück nach Kreta und ich folge den Spuren, die der Autor gelegt hat. Fernsehen schweigt für mich heute, selbst der offensichtlich interessante Bericht über Juist kann mich nicht locken. Der Krimi hat mich gepackt obwohl er, literarisch betrachtet, eher zur Durchschnittsware gehört. Hochnäsige Intellektuelle würden ihn ohne Zweifel naserümpfend ignorieren. Gut, dass wir so unterschiedlich sind – das sichert auch mittelmäßigen aber phantasiebegabten Autoren ihren Lebensunterhalt. Ich taste mich noch bis zur Verhaftung des Täters vor, breche ab und entschwinde viel zu spät ins Seniorenbett.

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