Einblicke

Ich bin fest überzeugt, dass das Kontoänderungsverfahren mich noch lange beschäftigen wird. Das zieht sich, Kaugummi ist ein unbeweglicher Stoff dagegen. Aber wir haben es so gewollt, getrieben von einer unsäglichen Geschäftspolitik unseres Kreditinstituts. Schade. – Nachmittags besuche ich meine Mum und sie ist stark in sich gekehrt. Demenz ist ein arges Übel, denn sie verstärkt die Einsamkeit, Besuche und Gespräche fallen unheimlich schnell der Vergesslichkeit anheim. „Ich bin so allein und niemand besucht mich“, ist die ehrliche Meinung obwohl in drei Tagen in Folge immer jemand vorbeischaute. So wird das Negative verstärkt und das Positive verblasst ruckzuck. Das tut nicht gut. – Die Andacht fällt mir heute etwas schwer, baut mich aber dennoch auf. Hiobs Klagen gehen mir durch und durch, denn sie sind menschlich allzu verständlich. Hellmuth Frey schenkt mir besondere Erkenntnisse über Gottes Gesetzgebung für die Juden, ihre Systematik und Hintergründe. Die Biografie über Wilberforce eröffnet mir Einblicke in die damaligen Wahlen zum englischen Unterhaus, deren Umstände heutzutage stark irritieren würden. Krass. – Den Krimi im Ersten verlasse ich fluchtartig nach den ersten Minuten und begebe mich lieber auf die Insel Kreta wo die Kommissare Michalis und Koronaios allerlei Übeltätern auf den Leib rücken. So soll es sein. Zwischendurch, wenn mir nach Flimmeranten zumute ist, werfe ich ein oder zwei Blicke auf YouTube. Doch so richtig überzeugend ist da eigentlich nur mein ‚Spiel und Zeug‘-Experte. Lesenderweise wird es spät. Eventuell wäre das Schmökern entspannter wenn ich zuerst den Schluss lesen würde aber so recht will ich auf diesen Zug nicht aufspringen. Ich liebe die Spannung wohl zu sehr. Mit und in ihr begebe ich mich zur Ruhe. Morgen ist auch noch ein Tag. Buenas noches, amigo!

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Analog ever – digital never!

So einem Kontowechsel folgt eine arge Informiererei aller möglichen Geldempfänger. Immerhin gestaltet sich manches per Internet effektiver als mit der Schneckenpost. So hat sich mir unsere neue Kontonummer nach und nach eingeprägt. Das ist doch ein echter Fortschritt. Behörden und behördenähnliche Institutionen fordern brutal ein per Post zugesandtes Originalschreiben ein, andere Institutionen wagen die ersten Schritte zu Digitalisierung und sind mit einem PDF-Dokument samt Unterschrift zufrieden. Armes Deutschland. Bei den meisten Wirtschaftsunternehmen geht das dagegen ratzfatz online. Jahrzehntelang hat mich die Ankündigung, immer und immer wieder enthusiastisch vorgetragen, begleitet in ein oder zwei Jahren wäre nahezu alles bei der Verwaltung online möglich. Pustekuchen – bis heute können wir Abgabengebeutelte noch nicht einmal unser neues Konto online mitteilen. Ich werde wohl in diesem unserem Lande keine digitalisierte Administration mehr erleben. Von Einheitlichkeit will ich gar nicht reden – das ist eine illusionäre Phantasie-Seifenblase. – Nachmittags befreie ich, es ist höchste Zeit, Mr. Shorty von nassen Grasresten bevor er in sein wohlverdientes Wochenende eintritt. Der Mai beglückt uns bisher gut mit Regen. Vielleicht könnte er ein klein wenig wärmer daherkommen aber ich will nicht unbescheiden sein. – ‚Der Alte‘ am Abend glänzt mit einem fast normalen Plot und natürlich mit einer verliebten Lesbierin (ohne Genderinhalte kommt kein Drehbuch durch). Ich bin inzwischen recht gut im Erkennen der Täterin, nein, nicht weil ich kriminalistisch gut drauf wäre, sondern weil ich inzwischen Drehbuchautoren besser durchschaue. Im Anschluss kommen die starren Lettern zu ihrem Recht. Es wird spät, denn das Ende des Buches ist nahe. Jetzt abbrechen? Keinesfalls! Als wenn der Schluss mir weglaufen würde. Die Neugier plagt zu gewaltig.

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Himmelfahrtstag

Natürlich hören wir den Gottesdienst aus Bremen, meine Gemeinde bietet traditionell zum Himmelfahrtstag keinen Gottesdienst an, man kann sich höchstens im Frühtau auf den Weg zum zentralen Godi machen. Der ist diesmal zweigeteilt mit Anmeldung. Das ist nicht mein Ding (Ausrede). So kommt diesmal das Gottesdiensterleben bei mir viel zu kurz, obwohl ich viel Zeit habe und das Wetter zum innerhäuslichen Leben motiviert. – Einer langen Mittagsruhe folgen ein paar „schnelle“ Jobs im Internet und so geht der Tag dahin. Immerhin halte ich meine Andacht und da ich mir viel Zeit und Ruhe nehme ist sie sehr ergiebig. Das sollte ich mir mal merken, ach ja, ach ja. – Abends lasse ich endlich mal wieder die bewegten Bilder links liegen und wende mich den starren Buchstaben zu. Ich stelle erneut fest, dass es auch mit lesen spät werden kann. Schnell noch ein Kapitelchen, das nächste könnte ich auch noch …

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Muskelspiele und Showeffekte

Es gibt ein neues Update für meine Macs. Der Telekom-Mobilnetz-Router eröffnet für mich neue Dimensionen im Download und der neue M1-Chip scheint den Erneuerungsprozess deutlich zu beschleunigen. Das ist sehr schön. – Draußen fällt der notwendige Regen behutsam, Tropfen für Tropfen, und doch kommen 5 mm zusammen. Das ist eine ganze Menge für diese leichten Schauer. Dem Boden tut es gut. – Abends besuchen wir Freunde. Noch ist ihre Stadt nicht abgesperrt doch es gilt möglicherweise die 1-Personen-Besuchsregel, eine der unverständlichsten Coronaregeln überhaupt. Ja, ich beuge mich gern um des lieben Gesundheitsschutzes willen allen mehr oder auch weniger logischen Anordnungen, doch irgendwann ist Schluss. Wenn es nur noch, typisch deutsch, ums Prinzip geht, dann könnt ihr mich mal … Ich habe zu lange im Leben Behördenquatsch erdulden und vertreten müssen um jetzt noch unsinnige Spielchen mitzumachen. Sorry. So haben wir einen schönen Abend und kurven mitten in der Nacht durch die fast autoleeren Straßen. Gilt hier etwa die seltsame Ausgangssperre noch? Es ist etwas gruselig aber alle Ampeln stehen auf ‚Grün‘. Weshalb die Teile trotz Automangel noch laufen, bleibt eines der großen ungelösten Geheimnisse der Stadtverwaltung, die hier von Lichtsignalanlagen oder LZAs spricht. Typisch. Immerhin kommen wir gut durch, wenn es auch spät ist.

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Motivation gekappt

Ein kleines Strahlen erhellt meine Gesichtszüge. Es ist mir gelungen unsere Zweitbank, die nun Erstbank wird, in die Banking-Software zu integrieren. Zugegeben, es war sehr wenig Aufwand, ganz leicht und ich hätte es längst schon erledigen können. Aber das Aufraffen, das fällt mir so, so schwer. Egal, jetzt ist es geschafft. Prima! Da ich mitunter sinnentleerte Aufgaben liebe, teile ich alle Buchungen bestimmten Kategorien zu. Ich könnte ja mal wissen wollen was wir wofür ausgeben, ist ja nicht völlig ausgeschlossen. So vergeht der Vormittag: Vollbeschäftigung mit rein optischem Gewinn. Okay, man muss ein Beamten-Gen haben, um das zu verstehen 😉😀! – Das Wetter ist prächtig und so befreie ich den Regensensor von seiner Hülle und beginne voll motiviert die Rasenkanten zu schneiden. Die gute Absicht zerplatzt mit dem viel zu schnell leerlaufenden Akku, dem die Winterzeit offensichtlich Ladung geraubt hat. – Meine E-Mail wegen des zerschossenen Zeitungszugangs entbehrt jeglicher Reaktion und so rufe ich an. Hätte ich gleich machen sollen! In wenigen Minuten ist alles erledigt durch meinen sehr freundlichen Gesprächspartner. Exzellenter Direktservice! – Fernsehen ist heute nicht, Sky, Prime und Netflix bieten nichts für meinen seltsamen Geschmack und in YouTube zappe ich gelangweilt hin und her. Das einzig Vernünftige an diesem Abend scheint meine Andacht gewesen zu sein. Immerhin. – Vor dem Einschlafen beende ich noch einen Krimi an dem ich schon lange herumlese. So richtig fesselnd war er wohl nicht. Durch ihn wird es wieder spät.

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Seifenblasen

Jetzt beginnt der Ernst des Lebens mit dem Kontowechselkrimskram. So ganz traue ich der angebotenen Wechselautomatik nicht aber mir wird nichts übrig bleiben als diese auszuprobieren. Die Einzelfummelei wäre doch arg hart. Wenn allein schon der Wechsel der Daueraufträge reibungslos funktionieren würde, wäre viel gewonnen. Ich schiebe es vor mir her und habe noch die Zeit dazu. Zunächst werden unsere Geldquellen neu justiert per Brief mit persönlicher Zustellung. Dann sammle ich erste Erfahrungen mit den diversen Änderungsmöglichkeiten per Internet, zerschieße dabei meinen Zugang zu einer der örtlichen Zeitungen und lerne viel wie man derartige Anliegen möglichst kompliziert gestalten kann. Wir Deutschen scheinen darin recht gut zu sein. – Am Nachmittag lasse ich mich über das Photovoltaikangebot aufklären. Wider Erwarten scheint das Thema doch noch nicht erledigt zu sein. Übersehen hatte ich „damals“, dass der Speicher preislich gewaltig „reinhaut“ und ohne ihn ein nicht inakzeptabler Rest seinen Reiz entfaltet. Wie dem auch sei, uns erwartet ein neues konkretes Angebot auf spezifisch örtlicher Grundlage. Werde ich doch noch zum Grünbewegten? Wohl eher nicht. Ich bleibe ein Pragmatiker, der einfach nicht einsieht, dass wir wertvolle Ressourcen wie Erdöl einfach verkokeln, wenn es bessere Alternativen gibt. Außerdem bleibe ich der große Zweifler, dass Steuer-, Gebühren- oder Preiserhöhungen die Umwelt verbessern. Solche Dinge, die die Grünen zu lieben scheinen, lohnen sich nur für einen: den Staat. Und Versprechungen von Politikern zusätzliche Einnahmen in voller Höhe und auf Dauer wieder in anderer Form zurückzuzahlen waren, sind und werden Seifenblasen sein. Es wird natürlich spät.

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Sommerprobe

Ich bin eine Schlafmütze par excellence. Den Bremer Gottesdienst kann ich daher anfangs nur am Frühstückstisch verfolgen. Später sehen und hören wir ihn wie gewohnt per TV und HomePods. Es geht am Beispiel des Berichts über Mose, Aaron, das Volk der Juden und dem goldenen Kalb um den Gebetsdienst, um das Gebet selbst. Nachdenkenswert. Der Gottesdienst meiner Gemeinde funktioniert im Live-Stream, Glückwunsch Technik-Team, wir hören vom blinden Barthi und seinem Erleben mit Jesus. Widerstände können (und sollen) überwunden werden. – Draußen probt die Sonne mal den Sommer. Es ist sehr warm und gemütlich in unserer Lounge. Ich liebe schönes warmes Wetter und bin recht begeistert, umso mehr weil unsere Windschutzfolienwände einen echt guten Job abliefern. Draußen weht ein heftiges Lüftchen. Dennoch ziehen wir uns abends zurück, um einen Segeltörn rund um Mallorca zu begleiten und anschließend uns dem Golfstrom zuzuwenden. Nach zwei hochinteressanten Reportagen bin ich allerdings schwer geschafft. Noch ein paar leicht verdauliche YouTube-Spots konsumieren, mein schlechtes Gewissen wegen mangelndem Lesens pflegen und ab geht es ins Seniorenbett. Früh ist es nicht.

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Zu viel Bewegtes – zu wenig Starres

Heute ist der Tag unserer Lounge. Wir wuchten das – zugegeben – leichte aber unhandliche Sofa auf die obere Terrasse, fügen Sessel und Tisch hinzu, suchen unzählige Polster zusammen, verlegen die bodennahe Balkenkonstruktion, bringen die Windschutzfolienwände an und hängen den „Schutzkäfig“ gegen Insektenbelästigung auf. Dann werden die Seitenwände heruntergelassen und an den Balken befestigt. Fertig ist die Sommer-Lounge. Wir sind etwas spät dran aber das Wetter war zu lang zu kühl. Doch morgen will der Sommer mal kurz reinschauen. Wir sind vorbereitet! – Ich informiere mich über erste kleine Macken des ID.4 bei YouTube, einer ergiebigen Quelle für mancherlei Lob und jegliche Meckerei. Dort finde ich so ganz nebenbei ein wirklich schnuckeliges Wohnmobil, klein, wendig und doch voll ausgestattet – sieht aus wie ein Würfel – damit kommt man selbst durch enge Städtchen. Fein. Außerdem gebe ich dem Mann im Wald Raum für den vierten und letzten Teil zum Thema Klimawandel. Es geht um Irrtümer früherer „Wissenschaftler“, die fast alle völlig daneben lagen und erst viel später widerlegt wurden. Auch hier argumentiert er offen, ehrlich und emotional wobei diese Kombination arg sympathisch wirkt. Auch wenn ich seine „Euphorie“ zur Wissenschaft nicht völlig teile – deren ausgeprägtes Schielen nach Fördermitteln in leider viel zu häufiger (nicht nur finanzieller) Bindung an den Auftraggeber bleibt leider etwas unterbelichtet – lässt er mich doch sehr nachdenklich zurück. Imposante Videos. Zum Ausgleich setze ich mich danach seltsamen Schadenfreudefilmchen aus. Recht bald überkommt mich das Empfinden viel zu viel bewegte Bilder zu konsumieren und viel zu wenig starre Buchstaben zu begehren. Keine gute Entwicklung! Es wird natürlich sehr spät.

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