Habe nun, ach! Philosophie …

Jeder neue Monatsbeginn lässt mich zum Staubsauger greifen und in meiner Gemeinde alle möglichen Ablagerungen im und auf dem Teppichboden ins Staubbeutelgefängnis verfrachten. Sehr praktisch, dass ich dabei den versäumten Vortrag vom Dienstag nachhören kann. Diesmal bin ich nicht in allen Aspekten einer Meinung mit dem Referenten. Das macht aber nichts. – Meine Bankgeschäfte erledige ich noch auf dem alten Konto, ob, wann und wo es möglicherweise ein neues gibt, beschäftigt noch meine grauen Zellen. Die Hoffnung auf ein gut ausgebrütetes Resultat nimmt deutlich zu. – In dem gut durchschnittlichem „Alten“ verwirklichen sich leicht durchgeknallte Drehbuchautoren. Im Anschluss erläutert mir der Mann im Wald die Gründe weshalb die Wissenschaft vom menschengemachten Klimawandel ausgeht. Er ist sehr überzeugend. Ich lerne fast so nebenbei einiges über wissenschaftliches Arbeiten. Meine Meinung über die Evolutionslehre, vom Mann im Wald übrigens mit keinem Wort erwähnt, erfährt einen kleinen Wandel. Hinsichtlich des eher philosophischen Teils, also der Entstehung der Arten bleibt meine feste Überzeugung, dass das ohne bewusste, gesteuerte Planung nicht möglich ist. Doch die Konsequenzen, die man aus der darwinschen Philosophie zieht können eine gute Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit sein. Ich bin überzeugt, dass es eine Weiterentwicklung und Anpassung der Arten gab und gibt. Das hat Darwin recht gut beobachtet und dokumentiert. Selbstverständlich hat der Schöpfer enorm viel Flexibilität und Entwicklungspotenzial in seine Schöpfung integriert. Das zu erforschen lohnt sich zweifellos. Genau genommen bilden Beobachtungen mitten im Entwicklungsprozess die Basis der Evolutionstheorie. Die rückwärts gewandten Schlussfolgerungen über die Entstehung der Arten überzeugen mich nicht (müssen sie auch gar nicht 😉😇😀) doch der Blick in die „Gegenrichtung“ ermöglicht wunderbare Erkenntnisse. So gestärkt suche ich sehr spät meine nächtliche Zufluchtsstätte auf.

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Konflikte

Unser Gast verlässt uns nach einer langen wunderschönen Frühstücksplauderzeit – sein Dienst in unserer Gemeinde ist beendet, leider. – Meine Treterchen werden heute wieder verwöhnt, es wurde langsam Zeit. Jetzt wohne ich schon fast 30 Jahre hier und noch immer schätze ich die Anfahrtzeit bis zum Samtgemeindezentrum falsch ein und komme viel zu früh an. Werde ich es jemals lernen? Ich befürchte: NEIN. – Die Kollision zwischen dem was in der Bibel steht (zur Homosexualität und zu Genderthemen) und gesellschaftlichen Positionen wird heftiger. Die Landeskirchen mogeln sich da raus indem sie die Bibel zunehmend als rein philosophisches Werk ansehen (mal de facto und oft schon de jure), das frei veränderbar ist. Pfarrer, die die biblischen Positionen vertreten geraten immer mehr ins Visier der Juristen. Trübe Zeiten stehen vor der Tür oder sind bereits angebrochen. Es wird noch heiter. Open Doors sollte Deutschland stark im Auge behalten. Seltsam nur, dass ähnliche Positionen der Moslems kaum kritisiert und mir kein Iman bekannt ist, der deswegen angeklagt wurde. Die Reaktion der islamischen Welt wäre wohl zu furchterregend. Kein Wunder, dass die Justiz eine Binde vor den Augen trägt 😉. – Wie dem auch sei, ändern kann ich nichts dran, ich komme immerhin mal wieder zu meiner Andacht und das ist sehr, sehr gut. – Abends lasse ich Inspektor Dupin auf der Großleinwand einen Fall aufklären wobei mich leider die Kontenproblematik nebenbei zu sehr beschäftigt. Schade eigentlich. Ein paar seltsame YouTube-Videos später geht es sehr spät in die Federn.

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Kontoführungsdschungelk(r)ampf

Heute bin ich kontobewegt und schwer auf der Suche nach einer neuen passablen Bankverbindung. Zum Schluss bin ich so verwirrt von den unterschiedlichsten Kontenmodellen aller möglichen Banken, dass mir der Kopf raucht. Am meisten stiftet die Bargeldbeschaffung Verwirrung, ob allein über die Kreditkarte, über eigene Bankautomaten oder im Rahmen eines Verbundes. Irre!!! – Der Gottesdienst am Abend geht um das Thema wie weit Gott über unser Leben verfügen darf. Räume ich ihm allen Platz ein, nehme auch das in Empfang was ich als Zumutung empfinden könnte – Beispiel ist der Bericht über die Opferung Isaacs, die Gott Abraham fast bis zum Ende durchführen ließ, der dadurch den Sohn auf dem die Verheißung seines Lebens ruhte, verlieren würde. Krass aber klar ausgelegt. Den restlichen Abend füllt noch ein wirres Kontovergleichen, ein Herumirren zwischen den Banken. Genug davon, beschlossen und verkündet: ich werde schnellstens eine Numbers-Tabelle erstellen von allen infrage kommenden Konten um einen Quervergleich zu starten. Anders geht das nicht, wenn etwas Gescheites herauskommen soll. – Nach ein paar Beruhigungsbemühungen wird es Zeit fürs Nachtlager. Bescheuerte Gebührenerhöhung meiner Sparkasse!

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96 Jahre

Meine Mum wird 96 – das Ereignis des Tages ohne die Pandemie. Das ist es zwar irgendwie immer noch wird aber völlig anders gelebt: keine Feier, eingeschränkte Besuche, kein gemeinsames Dinner, eben Corona-beschränkt. Immerhin ist im Vergleich zum letzten Jahr heute ein Besuch überhaupt möglich. Durch höchstseniorenheimliche Genehmigung dürfen sogar meine Schwester und ich gemeinsam (!) sie für eine Stunde besuchen. O Wunder aller Wunder! Der Tag startet zwangsläufig mit intensivstem Ausschlafen dem späten Zubettgehen geschuldet. Außerdem übe ich äußerste Zurückhaltung beim Frühstück, denn alle Abnehmerfolge stehen auf dem Spiel. Alles wird gut. Zu allem Überfluss ruft noch meine potenziell-zukünftige Bank an, verschiebt einen Termin und teilt mit, dass das avisierte Konto, anders als erwartet, nicht kostenfrei sei. Auf der Internetseite der Bank finden sich trotz intensivsten Recherchen keinerlei diesbezügliche Preisangaben. Diese Geheimnistuerei lässt Böses erahnen. So ganz, ganz langsam entwickelt sich in mir eine Abneigung zu Vor-Ort-Geschäften. Ist es nur Unachtsamkeit oder sollte sich dahinter Arglist verbergen? Möglicherweise suchen wir uns doch eine Internetbank. – Zurück zum Geburtstagskind. Nachdem interne Kommunikationsprobleme des Heimes beiseite gestellt wurden, dürfen wir nach Testung und Wartezeit vor der Tür tatsächlich eintreten. Dann wird es mit dem Geburtstagskind noch richtig nett, Gespräche sind gut möglich. Ein Heimaufenthalt ist in Pandemiezeiten zweifelsohne arg belastend. – Leider verpasse ich den heutigen Gottesdienst aus kulturellen Gründen – in Thailand, Italien oder Frankreich wäre mir das nicht passiert. Verspätung gilt bei uns als Offizialdelikt, das allgemeines Räuspern und Kopfschütteln hervorruft. Ich brauche das heute nicht. Der Abend verläuft somit mit grummeligen Mangelgefühlen. Schade eigentlich.

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Plaudereien und Schöpfungsgedanken

Im Gespräch mit unserem Gast wird Thailand in uns wieder lebendig, wächst die Sehnsucht dort noch einmal vorbeizuschauen. Die thailändische Kultur ist ganz anders als die unsere – wir ticken nicht so wie die Thais (und umgekehrt natürlich auch). – Wir staunen über ein Erlebnis mit der deutschen Botschaft in Thailand nach dem schrecklichen Tsunami als die Missionare sich anboten Seelsorge zu leisten, immerhin sprechen sie beide Sprachen fließend und kennen beide Kulturen. Jedoch nein, die Botschaft wollte lieber „Fachleute“ aus Bayern einfliegen, völlig ahnungslos über das thailändische Umfeld und belastet mit ihrem bayerischen Englisch, das so gar nicht mit dem thailändischen Englisch harmonierte. Die Unterschiede sind wirklich gravierend, wie ich selbst schmerzlich erfahren musste. Ja, die deutsche Bürokratie wird nur durch die Selbstherrlichkeit unserer Politiker übertroffen. – Ich schaffe heute nicht sehr viel, der Austausch mit unserem Gast ist viel anregender. – Der Gottesdienst am Abend greift die Schöpfung auf, setzt sie in Beziehung zur Glaubwürdigkeit Gottes und zu unserem Vertrauen zu ihm. Nachdem ich mich vorzeiten sehr der Evolutionstheorie zugewandt hatte, nähere ich mich, nach mancherlei Naturfilmen wieder stark der Schöpfungserzählung. Zu viele Fakten lassen sich eben nicht durch die Evolution, die Anpassung der Arten erklären, sie schreien förmlich nach einem hochintelligenten Konstrukteur. Im Anschluss treffen wir uns zu Hause mit Freunden – der Inzidenzwert erlaubt das gnädigerweise wieder. Es wird eine lange, sehr lange, Plauderei mit unserem temporären Mitbewohner. O, wie arg spät wird’s, fast schon wieder früh.

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Bemerkenswerte Gottesdienste

Ein eindrucksvoller Gottesdienst ereilt uns aus Bremen. Ich bin sehr überwältigt wie liebevoll Gott uns umgibt und behütet, eine mutmachende, tröstende Predigt. – Nachmittags trifft ein lieber Bekannter ein, langjähriger Missionar im fernen Thailand, den wir einmal vor Jahren dort besucht hatten. Es gibt massig viel zu erzählen. Wir haben gerne Gäste und schon manches spannende Thema mit ihnen erörtert. Er ist dienstlich hier zur Predigt in vier Gottesdiensten unserer Gemeinde. Heute obliegt mir die Moderation, ein Dienst, den ich sehr gern absolviere. Der Gottesdienst hat eine Ausdrucksstärke, die sich nicht auf komplizierte Formulierungen oder abstrakte Bilder gründet, sondern aus einer schlichten, leicht eingängigen und doch äußerst tiefsinnigen Predigt aufleuchtet. – Während unser Gast anderswo zu Gast ist, lasse ich den Tatort aus Münster an mir vorbeirauschen, ansehenswert ohne zu glänzen, mit einer intensiven Tendenz zum Krimi-Einerlei der öffentlich-rechtlichen verwaltungsstarken Anstalten. Selbst die „Exoten“ werden dort immer mehr ihrer Eigenarten beraubt bis sie zunehmend den Duft des Einheitsbreis annehmen. Schade eigentlich. Ein paar niveaubefreite YouTube-Videos später falle ich dorthin wo ich meistens, während er Pandemie fast immer, meine Nächte verbringe. Es ist nicht früh.

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Kind im Manne

Der 1. Mai – Tag der Arbeit – was hat er mir als Pensionist zu sagen? Nostalgischer Erinnerungstag? Gedenktag zu Ehren meiner Pensionsgaranten? Fanal gegen meine Couch? Möglicherweise von allem etwas und so gedenke ich nostalgisch an ein Fanal oder so ähnlich. Mit der fehlenden Zeitung stört dieser arbeitsfreie Arbeitsgedenktag jedenfalls meine tägliche Routine. Pensionisten brauchen so etwas, darin sind wir den Autisten nicht ganz unähnlich 😉😀. – Dann scheitern alle meine Versuche eine defekte Dusche im Gästebereich zu reparieren. Das Mistding widersetzt sich allen meinen Bemühungen. Sie sprüht immer noch dort wo sie soll, doch hat sich das erfrischende Nass einen zusätzlichen Weg beim Schlauchanschluss gebahnt. Möglicherweise ist eine Dichtung defekt. Das Wissen ehrt mich, ohne Dichtring hilft es aber nicht weiter. Deprimierend. – Meine Vorbereitung für die Moderation im sonntäglichen Gottesdienst ist, Gott sei Dank, recht schnell fertig. So kann ich mich wieder den unwichtigen Dingen des Lebens zuwenden. – Am Abend schaue ich erneut den weitgehend beruhigenden Verfolgungsjagden von sogenannten „Rasern“ durch amerikanische Polizeitruppen zu. Die Jungs düsen mit unvorstellbaren 160 km/Std. über die Freeways. Der schiere Wahnsinn 😉😇! Ein müdes Lächeln kriecht auf mein Antlitz. Wenn ich nicht bald zu niveauvollerer Kost übergehe, sehe ich dunkle Wolken meinen Verstand umhüllen. Andererseits muss man auch mal das Kind im Manne rauslassen um nicht zum intellektuellen Wasserkopf zu verkümmern. Es wird spät.

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Knollennasenmännchenmentalität

Die Woche rast ihrer Vollendung entgegen. Der Monat ebenso. Ich bin sehr traurig über das Unglück in Israel, die Panik mitten in der Feststimmung und die vielen Verletzten und Toten. Erinnerungen an Duisburg 2010 kommen hoch, zu schmale Zugänge bergen Todesgefahren in sich. Eine Lehre, die wir Menschen offensichtlich nicht beherzigen wollen. Schade. – Mein Tagesmanagement stellt sich nicht gerade überzeugend dar, viel verschwendete Zeit – andererseits wer sagt denn, dass wir immer hetzen und jagen sollen? Ist es nicht toll, einfach in den Tag hinein leben zu dürfen, wie Loriots Knollennasenmännchen einfach mal nur hier sitzen können? – Aus meiner Abendandacht kann ich wieder einmal innere Kraft schöpfen – welch eine gute Entscheidung, was für eine Führung Gottes, ihr eine Struktur zu verpassen. Danke!!! – Der Alte am Abend stimmt mich traurig, weil Lenny ausscheidet. Die Folge ist recht gut gemacht bis auf die üblichen lebensfremden Dialoge. Drehbuchautoren scheinen mit ihrem Umfeld sehr seltsam zu kommunizieren. Gegen Mitternacht finde ich die Bestätigung unserer Garagenbuchung im Spamordner, ich habe mich schon gewundert weshalb die fixe Dame so lange braucht. Ein bisschen verwundert es mich schon wie zielsicher der Spamfilter wichtige Mails herausfiltert und jede Mende Werbung durchlässt. Wunder der Programmiertechnik. Es wird spät.

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