96 Jahre

Meine Mum wird 96 – das Ereignis des Tages ohne die Pandemie. Das ist es zwar irgendwie immer noch wird aber völlig anders gelebt: keine Feier, eingeschränkte Besuche, kein gemeinsames Dinner, eben Corona-beschränkt. Immerhin ist im Vergleich zum letzten Jahr heute ein Besuch überhaupt möglich. Durch höchstseniorenheimliche Genehmigung dürfen sogar meine Schwester und ich gemeinsam (!) sie für eine Stunde besuchen. O Wunder aller Wunder! Der Tag startet zwangsläufig mit intensivstem Ausschlafen dem späten Zubettgehen geschuldet. Außerdem übe ich äußerste Zurückhaltung beim Frühstück, denn alle Abnehmerfolge stehen auf dem Spiel. Alles wird gut. Zu allem Überfluss ruft noch meine potenziell-zukünftige Bank an, verschiebt einen Termin und teilt mit, dass das avisierte Konto, anders als erwartet, nicht kostenfrei sei. Auf der Internetseite der Bank finden sich trotz intensivsten Recherchen keinerlei diesbezügliche Preisangaben. Diese Geheimnistuerei lässt Böses erahnen. So ganz, ganz langsam entwickelt sich in mir eine Abneigung zu Vor-Ort-Geschäften. Ist es nur Unachtsamkeit oder sollte sich dahinter Arglist verbergen? Möglicherweise suchen wir uns doch eine Internetbank. – Zurück zum Geburtstagskind. Nachdem interne Kommunikationsprobleme des Heimes beiseite gestellt wurden, dürfen wir nach Testung und Wartezeit vor der Tür tatsächlich eintreten. Dann wird es mit dem Geburtstagskind noch richtig nett, Gespräche sind gut möglich. Ein Heimaufenthalt ist in Pandemiezeiten zweifelsohne arg belastend. – Leider verpasse ich den heutigen Gottesdienst aus kulturellen Gründen – in Thailand, Italien oder Frankreich wäre mir das nicht passiert. Verspätung gilt bei uns als Offizialdelikt, das allgemeines Räuspern und Kopfschütteln hervorruft. Ich brauche das heute nicht. Der Abend verläuft somit mit grummeligen Mangelgefühlen. Schade eigentlich.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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