Stempellust

Die Wärme motiviert mich, vertreibt ganz allmählich meine Kältestarre. Ein wohliges Gefühl macht sich breit. Wir nehmen unseren Audi und begeben uns zum Friedhof zwecks Grabarbeiten. Sowohl Kompost als auch Werkzeug, dazu Geranien und eine Sackkarre führen wir mit uns. Nur den Sand gibt es auf der Anlage. Ich mühe mich redlich abgesackte Begrenzungsplatten höhenmäßig an die anderen anzugleichen. Die Mühe bleibt nicht ohne Erfolg, leider wird der Zahn der Zeit die eher laienhafte Unterfütterung wohl bald wieder attackieren. So ist das eben. Es geht auf und ab 😀. – Neulich kam ein von uns gestellter Antrag zurück, weil ein Stempel fehlt – wir hatten die fast erotische Lust der Bürokraten am Stempel(un)wesen unterschätzt. Bürokratenlust ist Bürgerfrust. Auf der Rückfahrt wollen wir das mal schnell nachholen. Pustekuchen, ein Fortbildungs-Shutdown bremst unseren Eifer aus. Immerhin können wir so am Nachmittag, diesmal im Cabrio mit offenem Himmel über uns, die Stempellust befriedigen. – Abends erweist sich das extrem überhöhte Zwangssponsoring der Öffentlich-Rechtlichen erneut als Fehlinvestition. So geht es nun einmal zu in diesem unserem Lande. Es wird früh.

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Rosé und Tabak

Der Gottesdienst aus Bremen ist heute exzellent. Es geht um den Brustbeutel der Priester in der Stiftshütte, ein Text, den man in seiner Detailverliebtheit leicht überliest. Erwartet hätte ich eine Auslegung, die den Text zum Ausgangspunkt nimmt um dann fix zu anderen Themen überzuleiten. Weit gefehlt! Es geht sehr konkret um den Bibeltext und die Übertragung auf die heutige Gemeinde ist schlüssig und passend. Ja, Gott hat sich bei seinen Anordnungen viel gedacht. In unserem Gottesdienst dagegen geht es um genaues Hinhören und Hinschauen. – Im Vertrauen auf die Zukunft lade ich schon einmal prophylaktisch zur ersten (Bibel-)Studierstube in diesem Jahr ein. Mal schauen, was in sieben Tagen möglich ist. – Abends sind wir bei Freunden auf der Terrasse. Es wird recht frisch, meine Bekleidung dicker aber es geht. Schön, endlich mal wieder draußen zu sitzen und zu plaudern mit einem Gläschen roséfarbenen Saft in der Hand. Den Tag vor dem Nichtrauchertag gönne ich mir zwei Zigarillos – nach langer Zeit mal wieder ein bisschen schmöken. Ich mag es gar nicht mich zu etwas zwingen wollen natürlich nur zu meinem Besten. Das behaupten übrigens auch alle Diktatoren. Überzeugung gern und ja – Zwang provoziert mich. Auch wenn verbiesterte Nichtraucher es vehement bezweifeln: es gibt eben nicht nur Kettenraucher. Aber was soll’s, hebt doch ruhig die Tabaksteuer an – die Auswirkungen bei meinen Tabakkonsum sind marginal. Netter Abend.

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Mancherlei Kram für verspielte Leute

Eigentlich wollten wir heute zum Friedhof und ein Grab richten, also neu bepflanzen und abgesackte Steine höher legen. Eigentlich, aber wie kalt ist das denn draußen? Die vormittägliche Kühle hält uns ab. Nachmittags ist es ganz passabel aber zeitlich ungünstig. Also Montag – unbedingt! – Ich krame im Büro ein wenig herum, installiere wieder mal ein Update auf zwei Macs und bestelle (un)nötige Kleinigkeiten wie ein Weltmeister. Ja, man könnte herrlich streiten ob die Halterungen für die AirTags schon jetzt oder erst später nötig sind, ob die neue Hülle meines iPhones, die das induktive Laden im avisierten Auto unterstützt tatsächlich sein muss oder ob die Wasserfilter für den Kaffeeautomaten erst in einem Monat bestellt werden sollten. Diese Gedanken, die mich umtreiben, zeigen, dass ich wohl keine großen Probleme habe und das ist zurzeit tatsächlich so. Gott sei Dank! – Zu allem Überfluss ziehe ich mir noch die virtuellen Bedienungshinweise unseres neuen fahrbaren Untersatzes rein – in vier Jahren hat sich in diesen Fortbewegungsmitteln unheimlich viel zusätzliche Technik eingenistet. Deren vollständige Beherrschung fordert viel zu viel Raum auf meiner körpereigenen Festplatte ein. Da muss ich wohl Mut zur Lücke zeigen und ein paar gar „schreckliche“ Kompromisse eingehen. Es bleibt spannend und wird spät. Natürlich.

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Rosenbogen, Wein und Kollateralschäden

Der Regen fällt in diesem Monat sehr reichlich. Wir erreichen voraussichtlich fast das Niveau der Jahre 1981-2010. Das ist sehr ordentlich. Ich bin echt gespannt, wie es in diesem Jahr weitergeht. – Der Kontowechsel nimmt Fahrt auf. Die ersten Lastschriften präferieren schon die neue Bankverbindung. Das lässt hoffen. – Heute ist endlich der Rosenbogen dran. Die Endmontage geht völlig problemlos von der Hand. Leider ist das Gelände bei den Weinstöcken sehr abfällig, so dass eine Seite tiefer zu legen ist. Die Verankerung mit den mitgelieferten Zeltnägeln ist wenig überzeugend und ich bin froh vier massive Anker extra bestellt zu haben. Sie erfordern doch ein paar kräftige Hammerschläge mehr um sie im Boden zu versenken. Letztendlich steht der Bogen mit sehr viel gutem Willen betrachtet gerade. Nun gilt es die Weinranken einzuklinken, zu befestigen und von ihrem neuen Rankglückshelfer zu überzeugen. Abgesehen von ein paar kleineren Kollateralschäden gelingt das prächtig. Jetzt ist es am Wein zu beweisen ob er Überlebenswillen zeigen will oder nicht. Nur Mut ihr Weinstöcke! – Fernsehen, Laber-Videos und lesen – mit rotem Saft ‚versüßt‘ plätschert der Abend so vor sich hin. Mein Rücken dankt es mir und so lasse ich ihn früher als sonst in seine nächtliche Ruheposition fallen. Buenas noches.

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Nass und kalt freut den Wald

Unser Kfz-Leasingvertrag läuft demnächst aus. Es steht die Trennung von unserem geliebten Q2 an. Er hat uns vier Jahre lang treu zur Seite gestanden und mir beim Fahren immer Freude bereitet. Jetzt ist der Abschied in Sicht. Sein Nachfolger steht bereit und wartet auf seinen Dienstantritt. Für mich ist es ein Geschenk diese Prozedur nur alle vier Jahre vollziehen zu müssen. Heute legen wir die Termine fest und sind gespannt ob der Neue sich genauso oder gar besser – hoffentlich nicht schlechter – schlägt als sein Vorgänger. Wir werden es bald wissen. – Draußen stürmt und regnet es, ich sehe das mit Wohlgefallen denn unser Garten freut sich massiv über die Feuchtigkeit von oben. „Ist der Mai kühl und nass füllt’s dem Bauern Scheun‘ und Fass“, heißt es im Sprichwort. Ben, der Mann im Wald, genießt das kalte und nasse Wetter ebenfalls, denn so ganz langsam fangen die überlebenden Bäume im Forst wieder an sich ansatzweise zu regenerieren. Für sie bedeutet Urlaub viele sanfte Schauer bei frischen Temperaturen. Für die allermeisten meiner Freunde eher nicht. Die Interessenlage ist halt nicht immer kompatibel. Pandemie hin oder her, wir Pensionisten können im Notfall fast immer in wärmere Regionen flüchten – jedenfalls so lange uns Gebrechen und Krankheit nicht gewaltsam hierorts bannen. Dieses Schwert schwebt allezeit über unseren Häuptern. Es wird nur von einem arg dünnen Faden gehalten. – Nach dem höchst informativen Bericht von Ben und ein paar Videos von nervigen Laberköpfen, fange ich endlich an zu lesen. Das tut gut! Freilich wird es spät.

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Gier killt Wachstum

Mutti erhält einen neuen Look und erlebt die Hürden, die Pandemiebekämpfer davor errichtet haben. Mit dem Impfpass zum Coiffeur, die Begleitung, meine Lebenslanggefährtin, muss draußen bleiben und hinterher verordnen die Politiker meiner 96-jährigen Mum noch einen Test. Natürlich haben wir Bösen Mutti wochenlang, ihrer Erinnerung zufolge, nicht besucht. Sie registriert exakt jeden Tag, die Besuchstage jedoch nicht – auch ein unerwünschtes Altersphänomen. Offensichtlich leiden nicht nur die Betroffenen unter dem Altwerden, sondern kaum weniger ihr Umfeld. – Ich suche derweil meine Arbeitshandschuhe, die ebenso auf der Flucht sind wie die Gartenarbeit vor mir. Oder bin etwa ich der Flüchtige? Wer weiß das schon so genau? Egal, dann entwirre ich eben unbehandschuht die Ranken unserer zwei Weinstöcke – in einer engen Umarmung miteinander verwoben. Die „Montage“ im Rosenbogen wird noch lustig, hoffentlich haben die beiden eine gute Überlebensstrategie. – Mit verhaltener Freude registriere ich, dass Firmen bereits auf unsere Kontoumstellung reagiert haben, ein wenig früh aber besser früh als nie. – Abends beschäftigt mich die Preiserhöhung von EnBW, die Laternenparker von Elektroautos schockiert und für die Langstrecke das Manko langer Ladezeiten durch hohe Ladekosten noch verstärkt. Ob das den zarten E-Auto-Boom ausbremst? Wer schon in der Aufbauphase der Ladestruktur satte Gewinne einstreichen will, statt diese nach und nach in der Nutzungsphase zu generieren, muss preislich stark zuschlagen. Schade. Gier killt Wachstum, so isses und bleibt es – wobei EnBW noch eine der „Guten“ unter all den Gierigen ist. – Erst viel zu spät greife ich zum eBook und verpasse glatt eine vormitternächtliche Ruhezeit.

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Ein simpler Mord genügt

Unser neuer Rosenbogen, der zur Stütze unserer Weinstöcke vorgesehen ist, lässt sich leicht zusammenbauen. Ich setze, schraube und verbinde die Einzelteile zu drei Konstruktionselementen, die wir morgen (oder übermorgen, je nach Wetterlage) vor Ort zusammenfügen und platzieren wollen. Es geht alles einfach von der Hand, wenn auch die Schrauben und Muttern optisch schön, funktionell aber kritisch wirken. Nobody is perfect. Sicherheitshalber bestelle ich stabilere Schrauben und Muttern für den Fall der Fälle oder zur nachträglichen Verstärkung. Die Weinstöcke draußen sind derart ineinander verwoben, dass sie eine echte Herausforderung darstellen. Ich hätte sie wohl früher gründlich beschneiden sollen. Vorbei ist vorbei, seufz. Draußen ist es kalt und nass und ich stelle wieder einmal meinen Frostbeulencharakter fest. Ich liebe eben Temperaturen ab 20 Grad aufwärts in Kombination mit einer frischen aber wohl temperierten Brise und nicht diese regenfeuchten Polarwinde. – Die Tricks des Einzelhandels, um mir mein Geld für sinnlose Einkäufe aus der Tasche zu ziehen, erheitern mich ebensowenig wie mein immer brutaler werdender Krimi, der meine Phantasie zu fiesen Turbulenzen anregt. So wird es noch später weil ich eine weitere Lektüre beginnen muss, die meine Nerven zur Ruhe bringt. Warum reicht nicht ein simpler schneller Mord um drum herum eine lesenswerte Story zu entwickeln? Ich verstehe es nicht.

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Guter alter Zinker

Wir hören die, in der Tonqualität stark schwankende, Pfingstpredigt aus Bremen. Ich winde mich wie ein Aal um einer Radtour zu entgehen, denn ich fühle mich sehr unfit und den Gegenwind als zu stark. Meine hochaktive Mitbewohnerin willigt zähneknirschend ein, kein Wunder, denn sie ist echt gut drauf. So fahren wir per Cabrio zu zwei Baugebieten, spazieren dort durch die Baustraßen, die fast fertigen Neubauten fest im Blick. Ich staune über die aktuelle Architektur, die annehmbare Grundstücksgröße auf dem Lande und die handtuchartigen Flächen im städtischen Bereich – aber möglicherweise sind dort nur die Häuser zu groß für die ihnen zugestandene Fläche. Wie dem auch sei: die Proportionen passen nicht so recht – glücklicherweise ein Problem anderer Leute. – Wie an Sonn- und Feiertagen üblich nehmen wir unseren Lunch sehr spät ein und so kommt der Abend schnell herbei. Während ein Teil der Familie einen Gast empfängt, bin ich im Salon sehr autark mit dem uralten Edgar-Wallace-Film „Der Zinker“ samt der alten Garde und einem der damaligen Moral adäquaten Ende. Herrlich. Ich zappe mich so durchs Programm und verweile bei den letzten 10 der 30 schönsten Landschaften im Osten der Republik, wobei Dresden natürlich den ersten Platz belegt. Wie könnte es anders sein? Dann wird es lesenderweise wieder spät.

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