Palme oder Kaktus

Zum Internetgottesdienst schaffen wir es gerade so mitten beim Frühstück. Es geht um Geduld, geduldig sein und auf Gottes Eingreifen warten bei geistlichen Dingen. Nun kann Geduld auch im täglichen Leben hilfreich sein jedoch gegebene Rechte sollte man wahrnehmen. – Ich spüre eine Erkältung in mir hochsteigen, bin zwar ziemlich sicher, dass es mangels Ansteckungsmöglichkeiten nicht Covid-19 ist, doch selbst ein simpler Infekt ist lästig So verzichte ich auf den Besuch des abendlichen Gottesdienstes meiner Gemeinde. – Der gute alte Fruchtenbaum verschafft mir höchst spannende Einblicke aus damaliger jüdischer Sicht über Tod, Grablegung und Auferstehung Jesu. Faszinierend. Ein schlichter Krimi sorgt für Entspannung und ein paar YouTube-Videos für Kurzweil. Diese dunklen Tage und Abende sind halt nicht mein Ding und so träume ich von einem abendwarmen Sessel in einer südlichen Bar, ein Mojito (mit oder ohne Alkohol, egal) vor mir samt dem unverzichtbaren Schälchen mit Knabbereien daneben, ein Pfeifchen in der Hand und Freunde links und rechts. So will ich meine Abende verbringen, wiewohl ein Kaminfeuer schon ein winziger Trost ist. Seufz. Ja, ja, arg verwöhnt bin ich schon, andererseits egal ob Palme oder Kaktus – am besten gedeiht unsereins mit viel Sonne. Besser im Schatten schwitzen als in der Sonne frieren.

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Ausbruch

Der Tag beginnt wunderbar mit angenehm langem Ausschlafen. Das tut wohl. Frühstück, Zeitung, Andacht – die traditionelle Dreiheit des Pensionärsmorgens und plötzlich ist es fast zwölf. Meine Zeit, die Zeit! Da bleibt wenig übrig für effektives schuften und schaffen. Ein guter Freund ruft an und spontan beschließen wir ein corona-konformes Treffen: Zwei Haushalte, vier Personen, merkelgerecht. Und so wird es nach einem späten Mittagspäuschen, seniorentypischen Cappuccino und Kuchen noch ein äußerst angenehmer Abend. So eine legaler Ausbruch aus unserer Spahnzelle fühlt sich echt gut an. Die Indienbilder aus längst vergangenen Tagen heben die Stimmung und leckere süße Kürbiskerne senken den Altherrendrang zur Porzellanabteilung, sagt man. Man muss es nur glauben. Zu meinem allergrößten Bedauern fällt für mich leider der alkoholfreie Samstag einem überaus gutem Angebot zum Opfer. Okay, dann beginnt die alkoholfreie Woche eben am Sonntag. Flexibilität im Alter ist wichtig. Und wieder wird es spät.

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Plätscher-Tag

Wieder plätschert so ein Corona-Einschränkungs-Tag vor sich hin. Ich erledige dies und das, hole ein wenig Brennholz für den Kachelofen, nehme ein Paket mit gebranntem Apfelsaft, den die Franzosen Calvados nennen, entgegen und schaue der Zeit beim Vergehen zu. Ich könnte den Keller aufräumen, könnte Sport treiben, könnte Holz spalten oder unser Grundstück mit weiteren Lichterketten quälen. Ich könnte … aber ich will nicht. Ich schwinge mich auf das Ergometer um fünf Minuten später völlig erschöpft aus dem Fahrradsitz zu rutschen. Puh, das ist also Bewegung – ganz schön anstrengend. Dann doch lieber eine wohl temperierte Badewanne (leider ohne Quietscheentchen). Das entspannt auf wohltuende Weise. Dazu passt der anheimelnde Abend am Kaminfeuer mit exzellent veredeltem Traubensaft. Es wird spät.

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Vortragstag

Es wiederholt sich jeden Monat, erst sträube ich mich innerlich gegen das Staubsaugen in der Gemeinde und kaum hole ich das Gerät aus dem Schrank stellt sich eine positive, leicht beschwingte Stimmung ein. Das mag ja durch den parallel gehörten Vortrag (per YouTube) gefördert werden, ist aber auch ohne diesen präsent. Ich lausche heute auf zwei sehr einfühlsam gestaltete Vorträge von dem mir sehr geschätzten Helmut Blatt (‚Wie wir den Geist Isebels überwinden‘ und ‚Wie Gott aus Bösem Gutes wachsen lässt‘) fürchte aber dabei, sehr schnell wieder ein Großteil davon zu vergessen. Alter schmälert das Speichervolumen. Das Reinigen geht fix von der Hand und hat sich, wenigstens im Foyer, sogar gelohnt. – Ein freundlicher Elektriker schaut sich gegen Abend die Vor-Ort-Lage an um ein (hoffentlich günstiges) Angebot erstellen zu können. Gegen günstig spricht allerdings seine hervorragende Auslastung. Abwarten. Mehr per Zufall stoße ich auf einen Vortrag von Johannes Hartl ‚Wollen wir so leben‘ zum Thema Angst, Toleranz, Verschwörungstheorien. Stark. Da muss ich gleich zwei Kapitel Krimi hinterherlesen um nicht zu aufgewühlt schlafen zu gehen. Das hilft. Wirklich!

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Virtuelle Plagegeister

Drei Plagen unserer Zeit fallen heute über mich her. Nummer eins: das Internetformular. Mein SIM-Card-Vertrag läuft Ende Dezember aus. Endlich haben die nervigen Edge-Verbindungen ein Ende. Doch vorher muss ein neuer Kontrakt her, natürlich per Internet abzuwickeln. Meine alte Nummer will ich behalten, old school eben. Rufnummernmitnahme heißt das und kostet bei 1&1 knapp 30 Euro Abzockgebühr. Dann ist das eben so. Bei der Telekom muss ich mich entscheinden: Mitnahme zum nächstmöglichen Zeitpunkt oder zum Vertragsablauf. Ich entscheide mich natürlich falsch. Glücksspiel, da es keine Erläuterungen gibt. Prompt kommt nach Vertragsabschluss die Info: Rufnummernmitnahme geht nicht. Toll. Es folgt Plage Nummer zwei: die Callcenter. Bei der ersten übermittelten Service-Nummer scheitere ich total, denn keine der abgefragten Alternativen passt. Wenig später trifft eine E-Mail mit der wirklich „zuständigen“ Rufnummer ein. Ich wähle, warte nur ein wenig und schon bin ich dran. Erstaunlich und das bei der Telekom! Das Missgeschick ist schnell geklärt, ich soll aber jetzt sicherheitshalber bei 1&1 anrufen. Das dortige Callcenter ziert sich viel länger bevor sich eine Lebende meldet. Die ist zwar sehr nett, will aber die Plage Nummer drei von mir: eine Service-PIN. Was’n das? Freundlich informiert sie mich, dass ich vor einem Jahr eine Mail erhalten hätte, die mir den Weg zur Auffindung jener unverzichtbaren PIN gewiesen habe. Soso. Immerhin erbarmt sie sich meines Unwissens und irgendwann kommen wir zum Thema. Formulartrauma, Callcenterlust und PIN-Pest – welch ein Tag! – Der Abend gehört einem Krimi handelnd inmitten etlicher Weinkellereien. Nettes Ambiente, wunderbare Schreibe und leicht verdauliche Story – genau das Richtige. Entspannend.

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Manipulationen

Es ist nicht zu fassen: ich führe zwei längere Telefongespräche, plaudere vor mich hin und bin danach ganz erschöpft. Dagegen bringt meine Mitbewohnerin die Kommunikationseinrichtungen fast zum Glühen. Leider kann sie nicht zwei Gespräche gleichzeitig führen – das wäre noch ein echtes Highlight für sie. Aber vielleicht bin ich nur neidisch, was nicht völlig auszuschließen ist. Morgen will ich eigentlich wieder saugen und stelle fest, dass eine soziale Institution die Räume gebucht hat. War wohl nichts, da muss ich auf den Donnerstag ausweichen. Schade. – In Trier macht ein geistig Gestörter mit einem geliehenen SUV in der Fußgängerzone Jagd auf Menschen und tötet etliche, darunter ein knapp zehnwöchiges Baby. Da bleibt mir die Sprache weg, versagt das Denken. Welcher Teufel bewegt solche Menschen – ich fasse es nicht. Wir Menschen sind wohl sehr anfällige Wesen für vielerlei Einflüsse. Wäre mal interessant zu wissen wem ich schon alles auf den Leim gegangen bin – Gott sei Dank hatte das bislang offensichtlich nur geringere Folgen. Abends übermannt mich wieder die YouTube-Flut aber immerhin greife ich dann doch noch zum Lesestoff. Die Wirkung von Bild, Sprache und Musik, gekonnt eingesetzt, kann uns schon ziemlich manipulieren. Das gefällt mir gar nicht.

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Lichtblicke

Es wird ein produktiver Tag, der vielerlei Kleinigkeiten der Erledigung zuführt. Und das macht sogar Spaß. Erstaunlich. Der erste Tag, an dem ich meine neue Schutzbrille sinnvoll einweihen könnte – und ich merke das erst während der Arbeit. So wird das nichts mit dem Schutz der Augen. – Ich kontaktiere einen Elektriker per Kontaktformular und dieser antwortet unerwartet schnell. Da tut sich eine hoffentlich gute Perspektive auf. Eine weitere Anfrage wird ebenfalls sehr zeitnah beantwortet was mich sehr freut und Hoffnung weckt. – Endlich, endlich lese ich wieder und habe den YouTube-Bann etwas überwunden, noch nicht ganz, gewiss nicht, aber in Ansätzen. Fein.

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Aufblicken

Adventsgottesdienst in unserer Gemeinde – welch ein schönes Erlebnis! Nicht so eindrucksvoll wie in den vergangenen Jahren, weil man viel zu weit auseinander sitzt, nicht singt und alles so steril wirkt, aber immerhin ein Gottesdienst! Gott loben in diesen so ganz anderen Zeiten baut auf und ermutigt. Vielleicht sollte ich die Adventszeit nutzen um meine Mäkelei an der Kirche zur Seite zu stellen, die Kindereien in der Politik großzügig zu übersehen, Corona-Leugnern ihren Illusionen zu überlassen und einfach nur der Freude an Gottes heilendem Kommen in diese Welt Raum zu geben. Einen Versuch wäre es wert. Ob er gelingt? Sorry, ich bleibe skeptisch, weil ich mich ein wenig kenne. Andererseits hat uns unsere Schwägerin ihr „Geheimnis“ zur Verfeinerung einer schönen Tasse Cappuccino „verraten“. So etwas gehört zweifelsfrei zu den schönen Seiten des Lebens, die die Pandemie völlig in Ruhe gelassen hat. Die Konzentration auf diese wohltuenden Aspekte meines Seins würden mich erheblich mehr fördern als das ewige Stolpern über Ärgernisse. Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt die Konsequenz (oder so ähnlich). Seufz?!?

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