Erkenntnisse

Eine lang erwartete Bestätigung trifft heute ein. Ich lehne mich zufrieden zurück. Jetzt kann ich den Vorgang erst einmal abhaken und warte bis er irgendwann in ferner Zukunft wieder aktuell wird. Das wird mir hoffentlich leicht fallen. Was mir schwer fällt ist immer die Ungewissheit, selbst wenn sie nur winzig ist. Ich würde das durchaus als Charakterschwäche bezeichnen, vor allem in der Ausprägung, die mir eigen ist. Doch das ist jetzt mal wieder vorbei. Alles ist gut! – Die Situation in den USA hat etwas burleskes. Der polternde Noch-König intrigiert gegen den vor seiner Inthronisierung stehenden nonchalanten Thronfolger. Der Hofstaat weiß noch nicht recht ob oder ggf. wann er die Fronten wechseln soll und das Land jubelt je zur Hälfte dem einen oder dem anderen zu. Stoff für eine Oper oder eine Komödie, eventuell ein Drama – wer weiß das jetzt schon? – Und auch ich erfreue mich an einer inländischen Diskussion über einen von nur wenig Fachkenntnis getrübten Artikel, der arg nach Sponsoring – nur von wem? – riecht. In was für einer verrückten Welt leben wir? Es lebe die Herrschaft der Ahnungslosen, sie machen wenigstens bewusst keine Fehler. So langsam muss ich eingestehen einem Irrtum erlegen zu sein. Bisher habe ich Lobbyismus mit Korruption gleichgesetzt. Das war wohl falsch. Nehme ich mal an, dass Ahnungslosigkeit gut für eine politische Karriere sei, ergibt sich eine neue Perspektive: Man kann sich so reines Gewissens von den „richtigen“ Leuten (Lobbyisten) beraten lassen, nutzt ihr „Wissen“ und gründet darauf seine Entscheidungen*. Alle sind glücklich, abgesehen von ein paar wenigen Fachidioten. Doch die zählen nicht.

*Beispiele: EEG-Novellenentwurf, Zwangskredit von Urlaubern für Veranstalter (gescheitert bei EU!!!), Digitalisierung (Glasfaser, Verwaltung online …), Dieselmotorenskandal (Eigenbescheinigung der Autokonzerne) oder der historische Evergreen: Gebühr für Satellitenempfang, …

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Corona-Altenknast, Advent und ein Offshore-Hotel

Die Folgen von Corona sind total bescheuert aber wohl im Großen und Ganzen unvermeidbar. Dennoch sind sie bescheuert. Ich besuche meine Mum im Seniorenheim. Neuerdings gibt es ein besonderes Besucherzimmer, in der Mitte einen Tisch, mitten auf dem Tisch eine Plexiglasscheibe mit Durchreiche, links und rechts einen Stuhl. Ich bin natürlich voll maskiert, selbstverständlich mit „qualifizierter“ Maske, die ich nicht abnehmen darf. Wie im Knast wird meine Mutter hereingeführt und mir gegenüber platziert. Berühren ist nicht. Wie im Knast auch. Glücklicherweise ist sie nicht maskiert, was bei so alten Menschen (95 Jahre) unvertretbar wäre. Ach ja, ich vergaß, beide Fenster sind sperrangelweit geöffnet und es ist sehr arg frisch. Immerhin ein Unterschied zum Knast. 😉😭. Es bricht mir fast das Herz. Die Lösung erscheint mir, mit Verlaub gesagt, nicht recht ausgereift zu sein. – Ein völlig anderes Problem zeigt sich am Nachmittag. Wo, um alles in der Welt, kann ich in diesem Jahr unsere Adventsbeleuchtung anbringen? Die Hecke auf dem Steinwall ist verschwunden und die Ersatzbepflanzung nicht hoch genug. Solange ich nur solche Probleme habe, muss es mir wohl noch sehr gut gehen. – Den Abend beschließe ich mit einem ausgiebigen virtuellen Besuch einer Wartungsplattform mit neuerrichtetem „Büro- und Hotelkomplex“ für die auf See beschäftigten Mitarbeiter zweier Offshore-Windenergieanlagen. Spannend und eindrucksvoll.

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Wolfsburger Fanartikel

Meine gesellige Mitbewohnerin ist zu einem spontanen Frühstückstreffen unterwegs. Ich darf meiner Ausschlafleidenschaft frönen, was länger klingt als es in Wirklichkeit ist. Die von mir georderten Wolfsburg-Fan-Artikel (Wolfsburg n i c h t VfL!) treffen ein. Ich bin jetzt stolzer Besitzer dreier Wolfsburg-Mund-Nasen-Schutzmasken, zweier Leichtrucksäcke für den Urlaub (seufz!!!) und eines von mir wirklich geliebten T-Shirts mit dezentem Logo-Aufdruck. Auf einen kleinen Gruß meiner Ex-Kollegen hatte ich vergeblich gehofft – jedoch bin ich wohl schon zu lange draußen, was ja auch seine Vorteile hatte und hat. Abends treffen wir uns unter strenger Beachtung aller Corona-Regeln (das ist die offizielle Version) mit Freunden zu einem reichlichen Dinner wie es im deutschen Kulturkreis üblich ist. So ein Austausch baut und muntert auf in diesen starren virusverseuchten Zeiten. Es wird spät.

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Jammerlappen, Chaoten und Amerikaner

Es geht in die neue Woche hinein. Ich bin recht lustlos und unmotiviert. Ein wenig fege ich die Terrasse doch etliche Blätter sind bereits am Holz festgeklebt. Außerdem bin ich sehr erkältungsgefährdet – alter Jammerlappen erst Rücken und dann Sorge um Hals, Rachen und Nase. Immerhin fehlen mir, Gott sei Dank, die Kontakte, die eine Covid-19-Gefahr in sich bergen würden. Wenigstens etwas. In der Zeitung lese ich von den Chaoten in Leipzig, die mit allen Kräften danach streben sich selbst anzustecken und – das muss man wohl aus ihrem Gehabe schließen – danach möglichst viele andere. Macht ja nichts, ist ja nur eine leichte Grippe (mit bis heute 500.000 Todesfällen allein in den USA, Indien und Brasilien). Wie blind muss man sein? Doch ich bleibe ruhig so schwer es fällt. Den Mantel des Schweigens hülle ich ebenfalls über die Wahl in den USA und gewissen rechten deutschen YouTubern, die verzweifelt versuchen eine Wahlfälschung zu belegen und sich damit nur lächerlich machen. Obwohl es schon putzig ist wie einem von Republikanern regierten Staat unterstellt wird zugunsten der Demokraten zu manipulieren. Idiotisch! So schaue ich versöhnlich zwei Folgen einer netten amerikanischen Serie. O, ihr Amerikaner, ich mag euch, vor allem mit Zuckerguss und ein wenig Zitronenaroma. Lecker.

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Winterschlaf?

Der neue Frühgottesdienst in meiner Gemeinde stößt mir bitter auf, besonders als ich konstatieren muss, dass dieser heute beim Wachwerden bereits begonnen hat. Plattdeutsch ist nicht mein Metier aber es hört sich so an: Langesläper Uhlenkopp steiht erst clocke neune opp (oder so ähnlich). Wie man das auch immer schreibt, es ist noch untertrieben. Zum Gottesdienst aus Bremen schaffe ich es gerade mal so und höre eine nachdenkenswerte Predigt über die Frau von Lot, die letztlich als Salzsäule endete. – Ein besonders feudales Lunch bereichert zusätzlich den Tag und eine ausgiebige Mittagsruhe verstärkt meinen Eindruck für einen Winterschlaf gerüstet zu sein – das dafür nötige Gewicht habe ich mir ja schon angefuttert. – In Amerika sucht ein arg frustrierter Präsident die Schuld für seine Niederlage bei allen anderen nur nicht bei sich selbst und verschafft Heerscharen von Juristen respektable Einkünfte. Auch eine Art der Arbeitsbeschaffung. Wir dagegen begeben uns mit den Hurtigruten auf eine Fahrt entlang der norwegischen Küste und rufen so Erinnerungen an den Start meines Lebens als Privatier wach. Damals waren wir mit der Polarlys auf dieser Route unterwegs. Beeindruckend.

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Zeitraffer, Abfallverwertung und ein grummelnder Präsident

Was lange währt wird endlich Biden. Typisch Amerika wird das Ergebnis traditionell von TV-Sendern verkündet, weit bevor irgendein Wahlleiter sich zu Wort meldet. Krass. Über die Reaktion des amtierenden Präsidenten schweige ich lieber, sie ist einfach peinlich. – Ich sitze zu Hause rum und die Zeit rauscht, einem Sturmwind gleich, an mir vorbei. Morgen ist der drittletzte Sonntag im Kirchenjahr und gestern haben wir – gefühlt – Silvester gefeiert. Dazwischen hatte jemand den Zeitraffer eingeschaltet. Ich kann mich nur wundern. – Abends gibt es bei Freunden eine superleckere Suppe, Plaudereien, Traubensaft (vergoren) und flüssige intensiv behandelte und gebrannte Abfallprodukte der Weinherstellung, kurz Grappa genannt. Es wird spät.

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Autokratensehnsucht

Immerhin erfahre ich beim sich hinziehenden Zählmarathon einiges über das amerikanische (besser gesagt jeweils staatenbezogene) Wahlrecht. Während bei uns das Wahlrecht stärker auf ein schnelles Ergebnis ausgerichtet ist, zielt es in den Staaten, wenigstens in Pennsylvania, mehr auf die Rechte des einzelnen Wählers (wie bei der Heilung einer vergessenen Unterschrift bei der Briefwahl; der Poststempel statt des Eingangsstempels als Kriterium usw.). Interessant. Mein Pastor und meine Lokalzeitung rufen zu Mäßigung beim Urteil über das Wahlverhalten der Amerikaner auf. Allerdings fällt es sehr schwer angesichts eines Präsidenten, der nicht jede Wählerstimme zählen lassen will, der Auszählung dann stoppen möchte, wenn er in Führung liegt, ohne jegliche Beweise von Manipulation spricht und darin von etlichen seiner republikanischen Freunde kräftig und monetär unterstützt wird. Nein, das ist nicht akzeptabel. Wenn die Hälfte eines Volkes (und zu meinem übergroßen Entsetzen darunter meine dortigen Geschwister im Glauben) – gleich aus welchen Gründen – einem notorischen Lügner ihre Stimme gibt (das bezieht die Vorwahlen mit ein), merkt man, dass das Demokratieverständnis eher Makulatur als Fundament ist. Ähnliches überfällt mich immer, wenn ich bei uns lese, dass die Bundeskanzlerin „ein Machtwort“ sprechen soll. Wo sind wir denn? Auf der Suche nach einem Führer? Demokratie heißt unterschiedliche Meinungen, heißt Diskussionen und hartes Ringen aber auch Kompromisse und Zugeständnisse. Die benötigen nun einmal Zeit. Wo ist das Problem? Die Sehnsucht nach charismatischen Autokraten frisst uns anscheinend auf. In den USA hat sie offenbar viel Raum gewonnen. Schade. Schauen wir mal was das charismatische Wutmännchen bei seinen Jüngern noch so verzapft. Ich bleibe skeptisch.

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Amerikanischer Zählmarathon

Und sie zählen immer noch. Um zu begreifen warum man so wenig Helfer einspannt, muss man wohl Ami sein. Das ungeduldige Wutmännchen tobt, zetert und akzeptiert nur Stimmen für sich – alle anderen sind manipuliert, falsch, aus dem Hut gezaubert. Es kann doch nicht sein, dass ihn, den Besten aller Besten, Menschen nicht wählen. Völlig ausgeschlossen. Ganz großes Schauspiel. – Ich sauge derweil den Teppichboden meiner Gemeinde, höre Helmut Blatt und freue mich in Deutschland zu leben. Wir haben hier auch etliche Spinner aber (noch) nicht so viele wie in den USA. Warten wir es ab, denn offensichtlich greift Covid-19 auch das Gehirn an und setzt das logische Denkvermögen außer Kraft. Diese Nebenwirkung ist noch gar nicht so recht untersucht worden. Da tut sich ein weites Feld auf. Immerhin geht in Corona-Zeiten das Saugen schnell, denn die (maximal) zwei Krümel pro Quadratmeter sind schnell entfernt. – Zu Hause erwartet mich das IOS-Update 14.2, das – außer bei den HomePods, denn mangels Anzeige am Gerät weiß ich immer nicht so genau woran ich bin. – Abends probiere ich noch eine französische Serie aus. Ganz nett.

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