Planen, putzen, disputieren

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist die Urlaubsplanung. Heute widme ich mich wieder dieser Passion. Was machen wir im nächsten Jahr? Nun ja, zwei Reisen stehen schon fest aber da ist noch Raum. So sinnieren wir über eine Donaukreuzfahrt, eine Ostsee-Rundreise oder eine Atlantiküberquerung. Schön, wenn man seine Gedanken so spazieren schicken kann. Ganz nebenbei räumen wir endlich unsere Küche auf. Stark, was sich so alles angesammelt hat und welche Spuren der böse Staub hinterlassen kann. Ein gezielter Angriff mit Wasser, Spülmittel und Scheuermilch hellt erheblich auf und beseitigt die meisten unerwünschten Graunuancen. – Unser Hauskreis abends beleuchtet das letzte Kapitel des Hebräerbriefs. Es ist eine lebhafte Diskussion mit mancherlei gewünschten Ausflügen in Nebenthemen. Danach ist noch ein starker Plauderbedarf festzustellen. Es wird spät.

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Weihnachten im Schuhkarton

Meine Mum ist heute relativ gut drauf. Ich kann ihr die wiederhergestellte Seniorenuhr vorbeibringen, ein geniales Teil für leicht bis schwer demente Zeitgenossen, denn nicht nur die Uhrzeit ist zu sehen, auch der Wochentag, ebenso die Tageszeit (morgens, mittags, nachmittags, abends, nachts) und das Datum. Die Informationen sind groß genug dargestellt und rund um die Uhr hochaktuell 😀😉. Und danach liefern wir von meiner sozialen Mitfahrerin eine Vielzahl vollgepackter Schuhkartons ab für Weihnachten im Schuhkarton. Das ganze Jahr ist sie auf der Suche nach Schnäppchen, die sich dann kurz vor der Weihnachtszeit, im ausklingenden Herbst, in eigens bestellten Fußbekleidungsverpackungseinheiten wiederfinden. Schön, dass man so ärmeren Kindern weltweit eine Freude bereiten kann. Typisch deutsch, dass sich auch dagegen Kritiker melden, die mit ihren Bedenken andere nerven wollen. – Abends lassen wir den Kachelofen seinen wärmenden Job tun, schauen den Flammen beim Flackern zu und lesen gute und schlechte Bücher. Hauptsache Buchstaben, sinnvoll angeordnet und interessant gruppiert.

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Beruhigte Trommelfelle

Ich werde es nie lernen: nur mal schnell am Notebook etwas erledigen kann sehr lange dauern. Diesmal will die Bürgerstiftung einen kleinen Artikel veröffentlicht haben, aber mit vielen, vielen Links. Letztere werden tatsächlich nur mal schnell übernommen. Das wäre an sich sehr gut, wenn, ja wenn die Links in ein neues Fenster oder einen neuen Tab führen würden. Das tun sie natürlich nicht. Also heißt es jeden einzelnen anzupassen – nur mal schnell. – Endlich raffe ich mich auf und besuche ProChrist im CongressPark, kleiner Saal, die frühere Turnhalle. Ja, es ist eine Veranstaltung für jüngeres Volk und nicht so sehr für alte Säcke wie mich. Denn, „Musik wird störend oft empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden“, wie es schon Wilhelm Busch treffend formulierte. Und des Geräusches ist viel mit enormer Lautstärke in Frequenzbereichen, die ältere Ohren gefühlt in ihren Grundfesten multiplizierend erbeben lassen. Dann kommen noch Lobpreislieder hinzu, deren Texte nachfragebedürftig sind. Das war’s aber schon mit der Kritik. Der äußere Rahmen ist sehr ansprechend, die Video-Animationen bei der Musik und der Ansprache hochprofessionell. Die Tonaussteuerung ist klasse – selbst die brutalsten Tonstärken kommen klar und sauber rüber. Doch auch die leisen Töne des Interviews und der Moderation sind klar und verständlich. Das Interview ist übrigens durchaus hörenswert. Der Vortrag schließlich spricht an, stimmt nachdenklich und macht Mut. Selbst meine Trommelfelle signalisieren inzwischen „klar Schiff“ und Freude. Was will man mehr?

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Hamsterkäfig und Gänsebraten

Evangelist Lutz Scheufler singt und predigt in Bremen. Das Thema liegt einem professionellen Pensionisten ein wenig fern, denn es geht um ein Leben im Hamsterrad. Das kann zwar für ein paar Rentner auch zutreffen aber es gibt halt überall ein paar schwarze Schafe. Dennoch ist es interessant zu hören wie schnell man im Leben falsche Akzente setzen kann, die das eigene Leben am wirklichen Leben vorbeiführen. Krass, denn  dabei kommt nicht nur das Hamsterrad ins Spiel. An Gott lebt man fix vorbei, wenn man nicht auf ihn hören will. Wenn das Geschöpf weiser sein will als sein Schöpfer sind Irrwege voraussehbar. Schade. – Mittags sind wir wieder im Heidekrug zu Radenbeck um Gänse- und Entenbraten versammelt. Mein Schwager hat zum Geburtstagsfestessen eingeladen. Nett von ihm. Es mundet hervorragend, der Magen fordert massiv Überstunden und Verstärkung ein und so versetze ich meinen Körper in den Ruhezustand und gewähre ihm Zugriff auf freiwerdende Ressourcen. Das funktioniert relativ gut. Ein Pfeifchen oder ein Zigärrchen hätten ihn zweifellos ideell unterstützt aber dafür ist es mir draußen zu kalt. – Abends geht es kurz nach Kamerun und später in irgendeine amerikanische Wildnis mit seltsamen Typen und ein Cosy-Romänchen lässt den Abend ausklingen. Ob mein Verdauungsorgan durcharbeitet und mir den Schlaf raubt? Hoffentlich nicht!

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Brunch, Gewöhnung und Gedankenwirbelei

Auf zum Brunch in der Alten Mühle in Weyhausen. Das Hotel-Restaurant zählt zu den führenden in unserer Region. Das Frühstücksbüffet ist ansprechend und sehr vielfältig – aber im Vergleich zu unserem Hotel in Kreta echt mager. Mir ist das sehr egal, denn mit ein wenig Rührei, gebratenem Schinken und zwei kleinen Bratwürstchen bin ich erstens voll zufrieden und zweitens – nach dem Verzehr – sehr satt. Ich werde nie verstehen, wie sich Menschen so früh am Tag den Bauch vollschlagen können aber das ist wohl mein und nicht ihr Problem. Immerhin ist zur späten Mittagszeit noch Platz für ein Hochzeitssüppchen. Danach geht aber nichts mehr. So ganz nebenbei werfe ich einen Blick auf die Karte der Alten Mühle. Die Preise sind akzeptabler als ich erwarte. Einen Versuch wäre es später mal wert. – Nachmittags macht sich meine diakonisch sehr bewegte Mitbewohnerin noch zu einem Geburtstag einer älteren Dame auf den Weg. Ich studiere meine amerikanische Serie. So langsam tritt Gewöhnung ein und die Folgen werden langsam fad. Nach diesen konzentrierten TV-Tagen kommt nach und nach der Lesewunsch wieder hoch. Ich müsste eigentlich mehr geistliche Literatur studieren. Aber dabei müsste ich mich konzentrieren und nachdenken. Bei den Romanen dagegen können meine Gedanken sogar nebenbei noch spazieren gehen, verlockend aber trotzdem nicht besser. Soll ich lesen und nicht verstehen oder auf flachen Pfaden wandeln? Nachdenken ist angesagt.

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Altes Sensibelchen

Wir packen unser Auto voll. Sogar ein Kinderbett können wir unterbringen. Auf dem Weg zum übervollen Zwischenlager überbringen wir noch einen Geburtstagsgruß. Dann erreichen wir Kunrau. Die Scheune ist so voll, dass man zwei große Laster rappelvoll auf den Weg nach Rumänien schicken könnte. Leider reicht das Geld nur für einen LKW-Transport. Das ist sehr schade. Zu Hause ziehe ich mir noch ein paar Folgen der bereits erwähnten Serie ins Gemüt. Erstaunlich wie ein so empfindlicher Mensch wie ich übersensibel reagieren kann. Das geht beim tränenreichen Mitleiden beim Zuschauen los (die Emotion überwältigt den Intellekt) und hört bei einem lebhaften Traumleben nicht auf. Ich muss mir da ausreichend Disziplin verordnen. Ich schaue zunächst in eine DVD eines englischen Kommissars hinein. Als dort eine Familie von zwei bestechlichen Cops per Molotowcocktail eliminiert wird, schalte ich aus. Zu brutal. So schaue ich stattdessen einen sehr bekannten Actionfilm, der mich inzwischen weniger bewegt. Die Gewöhnung bezwingt die Emotionen. Das ist gut so. Meine interessierte Mitchristin besucht heute eine Evangelisation, den hoffentlich erfolgreichen Versuch Menschen mit Jesus bekanntzumachen. Diese Veranstaltung ist hörbar auf jüngere Menschen abgestimmt – warum auch nicht?! Ich will am Montag mal vorbeischauen. Ich gehöre ja, erwähnte ich es bereits 😀😉(?), zur älteren Generation. Auch eine Ausrede.

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Maronenbäume

Und wieder schwinge ich den elektrischen Feudel in meiner Gemeinde während ich Roger Liebis Vortrag über die Rückführung Israels seit dem 19. Jahrhundert lausche. Es ist spannend wie Gott seine Verheißungen erfüllt und Juden aus allen Himmelsrichtungen in ihr verheißenes Land zurückbringt. – Eine Baumfällfirma begutachtet unseren vielgeliebten Nadelbaumbestand und erklärt ihn für abgängig. Die Borkenkäferarmee hat ganze Arbeit geleistet. Wir sind schwer erschüttert. Das Angebot allerdings wird uns wohl noch stärker bewegen. Wenn ich mir den künftigen Blick in die kahle Landschaft vorstelle, wird mir voll übel. Übrigens empfiehlt er uns zum Nachpflanzen Maronenbäume, die ihre Wurzeln in große Tiefen hinabbohren. Inzwischen gedeihen sie hier prächtig obwohl sie ursprünglich das südlichere Klima präferierten. Der vielerwähnte Klimawandel bringt das mit sich. Ach ja, der Klimawandel, wir wissen was passiert aber wir spekulieren warum es so ist. Eine große Zahl von Wissenschaftlern ist sich über die Ursache völlig sicher und erklärt eine Theorie zur Tatsache. Nein, ich will die Theorie nicht bezweifeln, ich mag es nur, wenn man Theorie auch Theorie nennt und Beweis eben Beweis. Ich gehöre nun einmal, es ist nicht mehr zu ändern, zu der Generation, der der BUND weismachen wollte, dass der Barnbruch in 10 Jahren völlig überdüngt den Abgang machen würde, wenn die Abwasserverregnung nicht eingestellt wird. Heute, vierzig Jahre später, wird immer noch verregnet, angebaut und geerntet. Außerdem haben die Experten dieser Organisation behauptet, dass Singvögel Nistkästen in Nadelbäumen nicht annehmen würden. Der Kasten in unserer Schwarzkiefer war unter ihnen sehr begehrt. Diese und andere Erfahrungen haben mein Vertrauen zu sogenannten Experten leider völlig erschüttert. Ich bin skeptisch geworden. Sehr skeptisch wenn mir Leute mit dem Brustton tiefster Überzeugung die Welt erklären wollen. Schau’n wir mal.

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Russlandreise und Hochbegabtenabenteuer

Meine Mähne wird gestutzt. Beim Friseur komme ich fast sofort dran – ich weiß gar nicht wie mir geschieht. Nur die Stimmung beim Personal scheint mir etwas angespannt zu sein. Sie sind alle freundlich aber nicht fröhlich wie sonst. Mit spürbar leichter gewordenem Kopf kann ich mich dagegen sehr erfreut nach Hause begeben. Fein. – Nach Russland – ganz, ganz weit im Osten wo Russland an Japan und China grenzt – genauer nach Wladiwostok und in die nähere und weitere Umgebung führte unseren Altprediger eine Reise in winzige lutherische Gruppierungen. Einst blühende Gemeinden sind durch Auswanderung und Überalterung ausgedünnt und geschwächt. Von dieser interessanten Reise hören und sehen wir heute einiges. Selbst sehr fern von Moskau stellen sich Städte modern und aufgeschlossen dar, die Kleidung ist modisch-europäisch und das kirchliche Leben orthodox geprägt. Ich staune über ein Russland, das ich in dieser Gestalt nicht erwartet hätte. – Zu Hause fasziniert mich eine Serie bei Netflix über eine Gruppe von Hochintelligenten, die etwas unrealistische aber dennoch sehr spannende Abenteuer durchstehen. Das Leben mit überragender Intelligenz, umgeben von Normalos, ist recht interessant dargestellt, ob es tatsächlich so ist weiß ich, als von Intelligenz dieser Art unbeleckter Zeitgenosse, natürlich nicht. Vier Folgen ziehe ich hintereinander durch. Es wird spät. Sehr spät.

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