Messie is back

Man könnte sagen wir haben gut erhaltene Möbel einer sozialen Einrichtung zum weiteren Gebrauch gespendet. Man könnte auch sagen wir haben unsere alten Möbel kostenlos entsorgen lassen. Beides ist irgendwie richtig und irgendwie falsch. Immerhin waren sie noch sehr gut erhalten und wir sind arg froh, dass sie noch anderen Menschen von Nutzen sein können. Natürlich sind wir auch sehr happy und Gott sehr dankbar, dass sie abgebaut und abtransportiert wurden. Win-win, hoffen wir. Was sich an Staub in vielfältiger Form und Erscheinungsweise im Laufe von Jahrzehnten hinter wandständigen Möbeln ansammeln kann ist erschreckend – die klare Sicht auf zwei nunmehr möbelbefreite Wände verleiht einem vorher sauberen Zimmer ruckzuck eine Grundeignung zur Umgestaltung in eine Geisterbahn. Faszinierend. Ein Raum ist leer, zwei andere mit seinen Ingredienzien gefüllt – das Messie-Feeling der letzten Renovierung ist wieder da. Unherzlich willkommen. Da müssen wir durch. – Zwei arg gedehnte Vorträge über die Offenbarung informieren und zermürben mich am Abend. Ich fliehe in kleine Videos über Kulturschocks von Amerikanern und Neuseeländern in Deutschland. Spiegeleffekt.

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Denkpausen

Es ist erfrischend und mutmachend wenn einer wie Roger Liebi einen klaren Weg durch die Offenbarung weist. Seine Argumentation ist eingängig, logisch und deshalb nachvollziehbar. So könnte es tatsächlich gemeint sein. Doch ist es wirklich so? Folgt seine Erkenntnis einer Theorie, wie bei vielen anderen vor ihm, oder hat die Erkenntnis erst aus dem Textstudium nach und nach Gestalt angenommen? Wer weiß das schon? Vermutlich noch nicht einmal er selbst. Das wird eine vertrackte Bibelstunde für mich am Dienstag, vermute ich mal. Aber da man mit Gott sogar ‚über Mauern springen‘ und sich über Nöte ‚wie ein Adler emporschwingen‘ kann, sollte das nicht mein größtes Problem sein. Vertrauen ist angesagt – und Spannung! – Zwischendurch muss ich meine überbordenden Gedankenwelten immer wieder mal beruhigen mit einem Rundgang durch die Aida Nova, einer Rheinkreuzfahrt, Empfehlungen von amerikanischen Touristen über Speisen in Deutschland sowie Tops und Flops bei Flügen in der Business-Class. So ein Spaziergang durch die unwirklichen Freizeitwelten und durch Probleme, die für 99% der Menschheit keinerlei Relevanz haben, versetzt die Hirnaktivitäten in einen entspannenden Ruhemodus. Der reißende Strom verwandelt sich sozusagen in einen plätschernden Bach. Fein.

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Clip-Abend

So gehen putzenderweise die Tage dahin. Doch heute habe ich fertig. Unsere Küche sieht echt noch gut aus aber keiner will sie haben. Oder doch? Vielleicht, warten wir es ab. So nebenbei fröne ich wieder meiner YouTube-Phase. Noch bin ich voller Energie dabei, doch ich merke schon nachlassendes Interesse. Lange wird sie in dieser Intensität nicht mehr dauern. Gut so. Immerhin schaue ich kleinen Schiffen, die von Wellen hin- und hergeworfen werden zu, begleite ein TV-Team bei seiner Flusskreuzfahrt, lerne den absolut noch steigerungsfähigen Service der TAP Air Portugal kennen und nicht lieben und begleite schließlich einen Binnenschiffer auf dem Mittellandkanal. Man kann viel Zeit mit diesen Reportagen verbringen und sich ziemlich stark von der Umwelt isolieren. Das ist gar nicht gut.

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YouTube-Faszination

Wenig neues unter der Sonne, muss ich feststellen. Putzen, YouTube und ein wenig Banking – schon ist der Tag gegessen. Obwohl die U-Boot-Fahrten mit einem entspannten Kapitän bei Windstärke 12 und mehr in Kombination mit acht Meter hohen Wellen im ersten konventionellen U-Boot und einem hochkonzentrierten übereifrigen Newcomer-Kapitän im zweiten ultramodernen U-Boot bei ruhiger See schon sehr typisch für gängige Chef-Konstellationen war. – Die Passage eines großen Containerschiffs durch den Nord-Ostseekanal mit Seitenblicken auf aussterbende deutsche Besatzungen, Navigatoren in der Steuerzentrale des Kanals sowie ‚freiberuflichen‘ Lotsen war sehr informativ. Ach ja und der Blick hinter die Kulissen von der Landung eines Flugzeugs in Hannover, kommend von Kreta, bis zum Weiterflug Richtung Kanaren eine Dreiviertelstunde später, offenbart die Hektik der heutigen Luftfahrt. Traumberuf? Ich habe Zweifel.

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Offenbarung und U-Boot

Ein Faultier-Tag kann so etwas von entspannend sein, dass es kaum zu beschreiben ist. Lange schlafen, einen Gottesdienst im Internet hören, denn es gibt heute keinen in unserer Gemeinde. Ich lasse mich durch ein paar YouTube-Videos auf ein riesiges Kreuzfahrtschiff entführen (WDR-Reportage), fliege mit einem Jumbo-Jet in der First-Class, nehme an einer A-Rosa-Flusskreuzfahrt teil und springe genüsslich von einem Bericht zum anderen. Nett. Welch ein friedvoller Tag – am Abend sparen wir uns auch noch den ProChrist-Besuch, ich befürchte dort einfach zu viel Betrieb. Dafür gönnen wir uns einen langen Vortrag von Roger Liebi über die Offenbarung, der mir erstmalig die Zusammenhänge aller Kapitel schlüssig ohne Fisimatenten aufschließt. Okay, er kann sich irren aber durch seine umfassenden Sprachkenntnisse, seinem historischen Wissen und den tiefgegründeten Einblicken in die jüdische Religion und Kultur ergeben sich sehr nachdenkenswerte Aspekte. Ob er alles richtig erkannt hat, weiß aber allein der HERR. So soll es auch sein. Zum Ausklang des sehr späten Abends begebe ich mich per YouTube tief hinein in ein deutsches U-Boot auf einer Nordseereise und durchlebe Ansätze klaustrophobischer Schrecken. Nein, dort leben mit so vielen Menschen auf so engem Raum, eingesperrt in eine fensterlose Stahlflasche, würde mich schwer aggressiv oder zutiefst depressiv stimmen. Besser nicht ausprobieren!!!

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Meine Hosen und ich

Küchenarbeit bestimmt meinen Vormittag, ich finde es gut jeden Tag nur ein wenig – dafür aber stetig – voranzukommen und sich über jedes Teilergebnis freuen zu können. Zeit spielt ja Gott sei Dank nur eine Nebenrolle. Im Laufe des Tages treffen die Zutaten eines Menschenversuchs am eigenen Körper ein. Und wieder, wie oft muss ich das eigentlich wiederholen, spielt dabei das Alter eine fette Rolle. Zurückhaltend, ein wenig gschamig, mit einer leichten Röte im Angesicht starte ich meinen Hosenträgerversuch. Und, was soll ich sagen, Scham hin oder her, die Dinger sind arg praktisch. Kein Hochziehen der Hose alle Nase lang und keine bauchbedrängender Gürtel mehr, irgendwie genial. Gefühlsmäßig völlig daneben, finde ich, aber gebrauchstechnisch wahnsinnig wertvoll. Ich werde mich zweifelsohne überwinden, die Altersscham dem Vergessen anheimgeben und die Früchte der Praxis lächelnd mitnehmen. – Abends schwinge ich mich auf die bodenbewegenden Bässe und reite den gehörbedrängenden Tönen davon – dem Liedtext entgegen. Es funktioniert mehr oder weniger, ist aber dennoch beeindruckend. Kurz und gut der ProChristabend ist mitreißend und überzeugend – vor allem nachdem ich eine Toiletten-Odyssee erfolgreich absolviert hatte. Es war arg knapp. Die Ausschilderung ist nicht Rolf-sicher. Danach treffen wir uns mit Freunden auf das eine oder andere Glas Traubensaft, welcher einen umfangreichen Reifeprozess durchlaufen hatte. Es wird nicht früh.

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Dreiviertelherziges Bekenntnis zur Band

Ich vervollkommene meine Schubladenreinigungsfähigkeiten indem ich durch effizienten Wechsel von Spülmittel und Scheuermilch zur Sauberkeit noch ein wenig an Schnelligkeit hinzufüge. Fast perfekt. – Abends geht es wieder zu ProChrist in den CongressPark. Diesmal sind statt der Band Posaunen auf der Bühne. Sie machen ihre Sache zweifellos sehr gut – und doch. Ich muss mich revidieren. Mein Urteil vom Montag kann so nicht stehen bleiben. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich, trotz ohrenfeindlicher Lautstärke, die Band vorziehen. Ihr Stil passt einfach besser zu den Liedern – das ist für mich keine leichte Erkenntnis! Die Lobpreislieder „glänzen“ dazu noch durch die Sprache Kanaans, die außerhalb der frommen Zirkel keiner versteht. Wie sollen wir einfache, schlichte Menschen Gott erheben? Das mache mir mal einer vor, den Gott anheben, für den die Völker wie „ein Tropfen am Eimer“ sind. Mag ja sein, dass engagierte Lobpreisler unter ‚erheben‘ etwas anderes verstehen, doch selbst mir bleibt die Bedeutung verschlossen. Das Eingangsinterview war übrigens interessant, die Moderation professionell und der Vortrag stimmt mich recht nachdenklich, vielleicht weil ‚Überfluss‘ durchaus mein Thema ist. Den anschließenden Lobpreisliederabend habe ich trotz meiner neuen Einsicht dennoch vermieden. Schon außerhalb der Halle, auf dem Vorplatz des CongressParks war die Musik in eindrucksvoller Dezibelstärke zu vernehmen. Offensichtlich liegen meine echten Präferenzen irgendwo zwischen Posaunen und Band. Wie dem auch sei, höchstwahrscheinlich schaue ich morgen wieder vorbei und sei es nur um meine Ohren erst ein wenig herauszufordern und dann durch die erwartete gute Botschaft wieder zu beruhigen. Das Auf und Ab des Lebens, sozusagen.

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Buchen und schrubben

Heute kommt meine absolute Lieblingsbeschäftigung zum Zuge: Reisen buchen. Nächstes Jahr wollen wir – so Gott will, wir leben und gesund sind – die Donau hinunter bis zum Schwarzen Meer und wieder zurück cruisen. Die Kabine ist schnell vorbestellt. Der Reiseveranstalter kommt aus dem christlichen Bereich, bietet also Reisen mit geistlichem Nebenprogramm an – das gefällt mir gut – er scheint aber leider computermäßig arg konservativ zu sein. Das heißt konkret ein Formular, handschriftlich ausfüllen und per Post (!!!) abschicken. Was sich da allein bei der Pass-Nummer für Lese- oder Erfassungsfehler einschleichen können – nicht auszudenken! Aber da muss ich jetzt durch. Schnell noch ein Zimmer in Passau per Internet dazugebucht und fertig. Ob wir allein reisen oder mit Freunden? Wer weiß, wait and see. – Im Anschluss verfeinere ich meine Technik zur Küchenschubladenreinigung und bin recht zufrieden mit den Erfolgen. Die Fertigkeiten lassen sich problemlos ebenso bei Schränken und Regalen verwenden. Prima. Welch ein Geschenk, wenn man derlei Aktivitäten auf beliebig viele Tage strecken kann. Man geht alles ruhiger an und kann die Reste auch beruhigt abends zurücklassen. Morgen geht’s weiter, oder übermorgen, je nachdem wie es passt. Super.

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