Vielfalt

Gestern ruft mich der Staubsauger und heute der Rasenmäher. Ich scheine vielbegehrt zu sein. Tatsächlich springt der durch einen guten Bekannten reparierte Motor sofort an, als wäre nichts gewesen. Der Radantrieb zieht mich fast über die Lichtung hinweg und ich bin in neuer Rekordzeit fertig. Ein wenig staubbedeckt, um nicht zu sagen dreckig, in jedem Fall duschbedürftig, aber schnell. Immerhin. Das ebenfalls nötige Kärchern der Restflächen hebe ich mir für morgen auf. – Serienmäßig begeistere ich mich neuerdings für ‚Shakespeare & Hathaway‘ die BBC produziert hervorragende unterhaltsame Serien, nicht so abgedreht, lebensfern und fingerhebend wie ARD und ZDF. Ich kann es eben nicht mehr ab, wenn in jeder Folge ein homosexuelles Pärchen, ein versoffener oder gescheiterter oder irgendwie abgedrehter Kommissar auftaucht, der ausländische Mitbürger vor inländischen Idioten beschützt. Mein Alltag gestaltet sich da völlig anders. Von ersteren treffe ich nur sehr wenige, ein so gearteter Zweiter ist mir noch nie über den Weg gelaufen und ausländisch aussehende Menschen sehe ich zwar sehr oft jedoch von rechtsnationalen Chaoten weiß ich – zum Glück – nur aus den Medien. Offensichtlich leben die Fernsehmacher und ich in unterschiedlichen Ländern. Vielfältiges Deutschland.

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Unheilvolle Schonzeit

Schon wieder ist ein Monat vorbei und der Staubsauger in meiner Gemeinde lauert auf meine Ankunft. Also mache ich mich auf den Weg und schwinge das Gerät durch das Erdgeschoss. Dabei höre ich einen Vortrag über die Jesus-Prophezeiungen im Alten Testament. Hochinteressant. Direkt aus der Nordsee kommt mein Mittagsmahl, ähem, nicht aus dem großen Wasser, wenigstens nicht direkt, sondern vom Imbiss. Lecker. Wir sind einfach so mit dem Cabrio unterwegs und ich frage mich, weshalb ich nicht auf die Idee kam mit dem eBike zu fahren. Die Schonung der Glieder habe ich wohl tief verinnerlicht. Das ist nicht gut. Nach der ausgiebigen Mittagspause motiviert mich meine gartenerfahrene Mitbewohnerin zu einer kleinen Hilfestellung. Ich bin entsetzt, dass mein Rücken nach dieser winzigen Kleinigkeit rummosert und schmerzhaft protestiert. Ich fasse es nicht. Unbeweglichkeit pur. Das ist noch weniger gut. Ich müsste dringendst tätig werden. Aber wie? Und wie überliste ich meine Schonsucht? Das wird nicht leicht. Überhaupt nicht leicht.

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Staat sucht Knete

Wir fahren offen zu der Steuerberaterin meiner Mum. Es ist schön warm doch der Himmel droht uns mit finsterer Miene. Ob das ein Bild der Fahrt zum Finanzamt ist? Passend dazu fängt es während des Gesprächs ganz wild an zu regnen. Glücklicherweise habe ich rechtzeitig das Dach des Cabrios geschlossen. Ähnliches erwarten wir insgeheim von der Steuerberaterin: ein schützendes Dach vor der Ausplünderung unserer Rentnerin durch den Staat.🤑. Was machen hilflose alte Menschen, die keine Kinder oder nette Nachbarn haben? Es ist eine unverschämte Zumutung jenen eine Steuererklärung aufzubürden. Offensichtlich sind Politiker mental ganz weit weg von Seniorenheimbewohnern oder anderen Pflegebedürftigen. Schade aber nicht ungewöhnlich. – Bei uns unterm Dach findet ein weiterer Kühlschrank seine Heimat. Was tun wir nicht alles für unsere Gäste. So langsam entsteht eine komplette Ferienwohnung. Zum Glück ohne zahlende Gäste – so bleibt das Finanzamt außen vor. Gut.

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Geduld

Ein neuer Kühlschrank kommt per Post. Ich helfe beim Reintragen. Dann schleppen wir das Teil nach oben. Das Auspacken ist ein Erlebnis. Der Schrank ist rundum mit Folie beklebt. Eine herausfordernde Fummelarbeit vor allem entlang der Kanten. Doch irgendwann steht dieser kühlende Aufbewahrungsort in seiner ganzen schwarzen Schönheit vor uns. Nach kurzer Suche finden wir das gut versteckte Anschlusskabel und selbiges findet seine Steckdose. Ich sinke in den Sessel und lese die Bedienungsanleitung: „Der Kühlschrank muss vor Inbetriebnahme 12 Stunden aufrecht stehen sonst könnte der Kompressor leiden und Garantieansprüche verfallen.“ Ups. Also raus mit dem Stecker und in den Wartemodus zurückfallen. Geduld tut euch not.

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Allersee, USA und die Niederlande

Per eBike, beladen mit Nudelsalat und Dessert, radeln wir zu unserer Gemeinde. Die Kühltasche tut was sie soll und so erreichen die kulinarischen Köstlichkeiten mit uns unbeschadet ihren Verzehrort. Es ist ein chinesischer Gottesdienst, nur dass heute ein deutsche Diakonisse in chinesisch predigt und ein chinesischstämmiger junger Mann übersetzt. Interessante Konstellation. Wir hören von Gefangenen, die sich im Gefängnis Jesus zuwenden und die schon vor ihrer Entlassung ihr Leben neu ordnen, einer wirdkt nach seiner Freilassung sogar als Pastor. Gott tut Wunder. Zweifellos. – Anschließend laben wir uns am Grill und am Büffet. Es wird viel geredet, ein wenig gespielt und auch die Sonne spielt mit. Ein schöner Tag. Am Nachmittag schwingen wir uns wieder auf die Räder, bewältigen ohne viel Mühe den Klieversberg und besuchen meine Ahnfrau sowie den fahrradunfallgeschädigten Freund. – Zurück geht es um den Allersee – mit einer Pause im kolumbianischen Pavillon – und dann stracks heimwärts. Knapp dreißig Kilometer sind wir geradelt, am meisten gefehlt hat mir komischerweise meine Mittagsruhe. So sinke ich fix auf mein Lager und hole sie nach. – Der Abend beginnt mit einer Reise zum Ochotskischen Meer auf der Großleinwand. Anschließend lasse ich mich dank YouTube auf dem kleinen Bildschirm von Walter Sedlmayr nach New York, per Auto durch die USA und quer durch die Niederlande nach Belgien entführen. Starke Kommentare. Wieder wird es spät.

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Kein Schoßhund

Die Steuererklärung für meine Mum steht an. Ich durchwühle also die Ordner mit ihren Rechnungen, sortiere alles was ich für wesentlich halte heraus und hefte es separat ab. Die Steuerberaterin kann sich dann da durchkämpfen. Am Montag stehen noch die Kontoauszüge an und am Dienstag werde ich die Unterlagen wieder los. Dann heißt es warten und hoffen. – Unseren Freunden sehe ich per Webcam bei ihrer Kreuzschiffdurchfahrt der Kieler Schleuse zu und mache davon ein paar Screenshots. Dann geht es zu einem Treffen mit der bereits erwähnten Diakonisse, die in Taiwan wirkt. Die Bekannten servieren Spaghetti in einer leckeren Sauce und so nebenbei plaudern wir munter drauflos. Etwas später darf auch deren Rottweiler dazustoßen. Wow, ist das ein Muskelpaket mit furchteinflößenden Beißerchen. Ein Schoßhund ist er wahrlich nicht. Ansonsten entpuppt er sich als lieber Kerl mit nur ein wenig zu viel Kraft. Beim Streicheln kann man kräftig zupacken. Später als gedacht sind wir in unserem Domizil zurück und sind froh über den Komfort der Mediendatenbank. Es wird spät.

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Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder …

Eine Diakonisse, die jahrzehntelang in Taiwan in einem Heim für behinderte Kinder, inzwischen auch für Erwachsene, tätig ist, berichtet aus ihrer Arbeit. Sie schildert den Glauben der Kinder, ihr festes Vertrauen auf Gott und seine Antworten auf ihre Gebete. Ich werde ganz klein. Alle meine Mühe, alles Bemühen um regelmäßige Gebetszeiten, all mein Vertrauen in Gott, das mir groß schien, wird in diesem Licht ganz winzig. Einerseits freue ich mich riesig mit den Kids, könnte jubeln über ihre enge Beziehung zum Herrn aller Welten und sehe wie Gott sich gerade durch diese Kleinen verherrlicht. Andererseits leuchten meine Defizite hell auf und stellen mir viele Fragen. Gut, ich weiß, dass es zweifellos dort in Taiwan auch etliche negative Erfahrungen gibt, Enttäuschungen und bestimmt manchen Frust. Dennoch strahlt der Glaube dieser Kinder (und Erwachsenen) hell auf. Möge er mir zum Vorbild dienen. Großer, herrlicher Gott, dir sei Lob, Preis und Ehre. Halleluja!

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Bolzenschneider. Langfinger, Phantasielose und Heimkehrer

Der bestellte Bolzenschneider trifft ein. Er macht einen äußerst kräftigen Eindruck und schneidet den etwas dickeren Draht wie Butter. Man merkt es kaum. Die Mechanik ist für mich Laien beeindruckend, denn sie nutzt auf kleinem Raum die Hebelwirkung voll aus. Ich halte also erstmals ein Standardinstrument des Fahrradklauvolks in meiner Hand. Wir Menschen sind echt gut darin sinnvolle Erfindungen für kriminelle, eigensüchtige, schadenspendende Interessen zu nutzen. So viel zu der Behauptung der Mensch sei gut von Geburt an. Wenige Behauptungen werden so oft mit Inbrunst verkündet obwohl jeglicher Augenschein dagegen spricht. Wir Menschen sind offensichtlich auch gut im Ausblenden von Erkenntnissen, die uns nicht behagen. – Bei der täglichen Bibellese kämpfe ich mich gerade durch die kapitellangen Anweisungen zum Tempelbau, zur Gestaltung der Priestergewänder und dem Lob der Handwerker, die sich dabei auszeichneten. Die Augen wollen mir dabei immer wieder zufallen aber ich mühe mich die verschwimmenden Zeilen zu separieren. Ein gravierender Mangel an diesbezüglicher Phantasie hindert mich die vielfältigen Details zu einem Bild zusammenzufügen. Manchmal macht es die Bibel einem schwer. – Abends schaue ich im Flughafen Frankfurt vorbei. Der Bericht über die Diakoniestation dort stimmt sehr nachdenklich. Dort landen unter anderem Heimkehrer, also deutsche Auswanderer deren Pläne sich vor Ort zerschlagen haben (oder durch widrige Umstände zerschlagen wurden) und die nun gezwungen sind hier wieder bei Null anfangen müssen. Erschütternd.

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