Auslandserfahrungen

Beim unvermeidbaren Getränkeeinkauf stellt sich die immer wiederkehrende Frage: Was werden die Gäste wohl trinken wollen? Unvorhersehbarerweise ist in einem Jahr Bier völlig in, ein Jahr später Weißwein, es kann auch mal Rotwein sein oder Rosé – wer weiß das schon? Mal findet alkoholfreies Weizen einen riesigen Zuspruch, dann mal wieder Wasser … Also bleibt nur eins, nämlich einkaufen nach Gutdünken und die lieben Gäste dürfen aus dem was da ist auswählen. Is‘ wie is‘. Abends hören wir einen hochinteressanten Vortrag über einen Einsatz mit OM in Irland. So ein einjähriger Auslandsaufenthalt kann junge Menschen sehr festigen, die Persönlichkeit ausbilden und das Abnabeln vom Elternhaus stark unterstützen. Die missionarische Arbeit in einem fremden Land mit einer anderen Sprache bringt vielerlei Segen und bereichert bei weitem nicht nur das eigene Leben. Ich bin fasziniert. Schade, dass das zu meiner Zeit so noch nicht gab. Mich hat es nur mal für eine Woche nach Polen mit der Aktion Sühnezeichen verschlagen. Doch selbst dieser kurze Einsatz hat mich sehr geprägt. Lang, lang ist’s her.

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Weise oder Narren?

Wieder sind wir mit den Vorbereitungen unserer Fete voll beschäftigt, nun ja, relativ voll beschäftigt, denn wir lassen uns viel Zeit. Ein wenig stärker räumen wir auf, ein wenig schwächer verbessere ich die Elektrik, richte die Tische im Zelt aus und schleppe schwere Stühle. Zwei Stunden Mittagspause sind reichlich, tun aber gut. Unser Zelt übersteht am Abend – Gott sei Dank – ein mächtiges Gewitter mit starkem Regen und selbst die Außenbeleuchtungskettenkonstruktion steht fest. Danke. Abends ringen wir uns durch, werfen ein wenig Geld in die Bestellglückstrommel und ordern zum Superpreis eine Kühl-Gefrier-Kombination. Es kommt mir arg suspekt vor, doch es gibt so viele günstige, verdächtig günstige Angebote bei Amazon und so riskieren wir einen Einsatz in der Hoffnung auf eine Lieferung. Ich bin gespannt. Hinterher sehe ich erst, dass die Firma in Alicante sitzt. Das kommt mir zwar spanisch vor aber wir ziehen das jetzt durch. Möglicherweise klappt alles. Alternativ zieht vielleicht die vielbeworbene A-bis-Z-Garantie. Und wenn nicht müssen wir schweren Herzen den Posten unter Lehrgeld abbuchen, was ich nicht hoffe. Hoffen und harren …

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Anti-Auster-Syndrom

Es gibt Arbeiten, denen widme ich mich mit Akribie, mit vollem Einsatz – und es gibt andere. Erstere beschäftigen mich am Vormittag. Nachdem das Zelt angemessen beleuchtet ist, mache ich mich an die Wegkennzeichnung mittels Lichterketten. Da kann ich fummeln, ausprobieren, Kabel ziehen – ganz famos. Die Lösung ist nicht perfekt aber gut. Ich bin recht zufrieden. Ein nächtlicher Test zeigt: sie weist den Weg, erhellt ihn aber nicht völlig, so wie ich es wollte. Perfekt. Nachmittags besuchen wir per eBike einen mit dem Fahrrad gestürzten Freund, der gerade seine Knochen verheilen lässt. Er hat zwar noch Schmerzen, ist aber auf dem Weg der Besserung und wird mir eine stete Mahnung bleiben mit dem Helm auf dem Kopf zu radeln. Niemals wollte ich mit so einem Teil mein Haupt belasten. Doch nach dem ersten Versuch, nach mancher Unsicherheit beim Auf- und Absteigen (die inzwischen nicht mehr zu verzeichnen sind aber mir das Gefahrenpotenzial vor Augen geführt haben), trage ich ihn gerne. Die befürchteten Schweißausbrüche durch den Kunststoff-Hautkontakt sind völlig ausgeblieben. Auch im Alter kann man Ansichten noch ändern. Anti-Auster-Syndrom. Das erregt Hoffnung.

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Shopping

Wir werden heute von Sendungen, zugestellt durch unterschiedlichste Dienste, zugeschüttet. Das kommt von der vielen Bestellerei. Ich muss unwillkürlich an die Zeiten denken, die mich in diverse Läden verschlagen haben – nie gab es genau das, was ich wollte. Das Kontingent war argst begrenzt. Und heute? Die ganze Angebotspalette und noch viele „Randprodukte“ stehen zur Auswahl. Ob Geschäfte vor Ort da noch eine Zukunft haben? Ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher. Neulich im Elektronikmarkt kam zu den deutlich geringeren und höherpreisigen „Sonderangeboten“ noch die Auslieferungspauschale hinzu, die Aufstellung vor Ort kostet noch einmal extra. Da kann ich mir ja gleich ein paar Helfer organisieren. Die Beratung war zwar total nett aber brachte so viel neue Informationen auch nicht. Neulich habe ich mir sogar Hosen online bestellt und sie passten perfekt. Immerhin war es noch ein Händler mit Geschäften vor Ort. Doch warum soll ich mich der trockenen Kaufhausluft aussetzen, die mich nach einiger Zeit schwindlig macht? Ganz zu schweigen von der Anprobiererei in einer engen, oft nicht sonderlich stabilen, Umkleidekabine. Nö, mit Leuten wie mir sieht es schlecht aus für die Händler vor Ort, die übrigens auf meine Größe kaum eingestellt sind. Doch eine Ausnahme gibt es: Schuhe. Bei meinem hohen Spann muss ich unbedingt anprobieren. Schuhläden haben bei mir eine Zukunft. Immerhin.

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Action ohne Folgen

Unser Gefrierschrank hat bereits zum zweiten Mal ein ernstzunehmendes Warnsignal gesendet und sich auf 13 Grad (minus natürlich) aufgewärmt. Danach berappelt er sich wieder und kühlt durch. Das ist dennoch sehr bedenklich. Daher machen wir uns auf den Weg zu einer Neubeschaffung. Ohne ins Detail zu gehen, gibt es sowohl bei der Art des Geräts (Kühl-Gefrierkombi oder nur Gefrierschrank) erheblichen Diskussionsbedarf insbesondere unter Einschluss des Gedankens den uralten Stromfresser im Keller gleich mit abzulösen. Im Media-Markt leiden wir unter Entscheidungsnotstand, der sich erst gegen Abend auflöst. Wir wissen jetzt, was wir wollen. Toll. Ich bestelle einen eindrucksvollen Kühlschrank für den Keller zu einem Superpreis. Bei dem anderen Gerät diskutieren wir so lange bis alle interessanten Sonderangebote bei Amazon vergriffen sind. Als Saure-Sahne-Häubchen folgt die Info, dass der bereits bestellte Kühlschrank nicht lieferbar sei. Schietkram. Alles zurück auf Null. Lasst mich doch alle in Frieden!

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Leben, leuchten, schauen

Total müde wälze ich mich aus meiner Schlummerhöhle, tappe ins Bad, verschlinge ein Frühstück und werfe mich aufs eBike. Der Gegenwind reißt meine Lider auf und erzeugt so etwas wie eine Aufwachatmosphäre, ich meine natürlich innerlich, äußerlich bin ich voll da. Kaum habe ich mich am Ziel vom Rad geschwungen beginnt meine äußere Hülle mit einer Feuchtigkeitsproduktion, die es in sich hat. Arg durchfeuchtet und innerlich stark abgespannt falle ich auf einen Stuhl in meiner Gemeinde und starte mühsam mein Recyclingprogramm. Rechtzeitig vor der Predigt bin ich endlich wieder voll da und aufnahmefähig. Okay. Wir leuchten als Christen, sagt der Prediger, und wir sollen unser Licht nicht verbergen. Ich leuchte? Ähem. Gut zu wissen. Irgendwie leuchten heute erst einmal meine Defizite hell auf. Ich zweifle an mir – und auch wieder nicht. Zurück radeln wir durch den Wald und ich lasse den Motor etwas stärker arbeiten. Tut not! Nachmittags komme ich langsam wieder zu mir, schaue vom Balkon auf das Partyzelt, das Freunde gestern mit uns zusammen aufgebaut haben und freue mich, dass wir nicht allein sind. Abends lasse ich mich auf unserer Leinwand die Saar entlang – von den zwei Quellen bis zur Mündung – führen, tauche in Geschichte und Gegenwart dieses Flusses ein und bin sehr begeistert über den hochinteressanten und kurzweiligen Beitrag. Der stetige Wandel meiner Sehinteressen überrascht und irritiert mich immer wieder. Das nennt man wohl Leben. Faszinierend.

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CO2- und Stummelsäue

Die Säue, die unsere Politiker und Medien durch die Städte jagen, werden immer putziger. Da wird allen Ernstes behauptet, dass man den CO2-Ausstoß durch höhere bzw. neue Abgaben reduzieren könnte. Als ob 30, 50 oder 100 Euro zusätzliche Steuer im Monat oder gar im Jahr Menschen zum Umdenken veranlassen könnten. Das schädigt schlimmstenfalls Mitbürger mit geringen Einkommen, bringt dem Staat aber insgesamt gut Knete und darum geht es wohl letztlich. Noch amüsanter ist die Feststellung von Wissenschaftlern, dass die Zigarettenkippen die Gewässer vergiften, das Grundwasser verseuchen und was weiß ich nicht alles für Schäden anrichten. Welch ein Schwachsinn! Wenn das so wäre, wären wir alle längst tot, denn die Kippen, die heute auf dem Boden oder im Wasser landen sind ein Nichts gegenüber denen, die seit meiner Kindheit bis zu den ersten erfolgreichen Anti-Raucher-Kampagnen die Umwelt verschandelt haben. Damals hat nahezu jeder sich in Rauch gehüllt. Entsorgung war in diesen Zeiten überhaupt kein Thema. Außerdem zischte es so toll, wenn die Stummel ins Wasser geschnippt wurden. Ja, es ist, ohne Frage, eine Schweinerei Kippen einfach auf den Boden zu werfen. Doch daraus ein Gesundheitsthema in den Hauptnachrichten zu machen wirkt doch eher wie ein Angriff auf die Intelligenz der Zuschauer, die man möglicherweise nicht niedrig genug ansetzen möchte. Sind wir wirklich so leichtgläubig? Offensichtlich.

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Wasser marsch aber gebündelt

Heute wird gekärchert. Ich sorge für spritzfeste Kleidung mit viel Haut – die lässt sich am besten reinigen, Shorts und ein uraltes T-Shirt. Perfekt. Nun noch das Gerät einschalten, es rappelt ordentlich doch der Wasserstrahl plätschert eher kraftlos dahin. Ich mache und tue und bleibe erfolglos. Merde. – Leicht gefrustet verzehre ich mittags zwei proße Pizzastücke, was man völlig zu Recht als Großangriff auf mein Endgewicht betrachten muss. Ein Freund hilft mir dann doch noch aus der Kärcherpatsche, es gibt einen Trick, der ist einfach, man muss nur drauf kommen. So rücke ich mit viel Wasser extrem fokussiert dem fiesen Terrassenbelag auf den Leib. Das Wasser siegt bravourös. Gut so. Dann fällt auch noch Regen vom Himmel, besser heute als morgen, denn dann wollen wir unser Partyzelt aufbauen. Die Hoffnung … und so weiter. Die englische Serie vertreibt meine pessimistische Stimmung am Abend. Alles wird gut.

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