Urlaubsfeeling

Münster gefällt uns. Ein nettes Städtchen mit mehr Radlern als Einwohnern – so kommt es mir wenigstens vor. ‚Rot heißt Tod‘, hört man überall, denn die Fahrradwege sind mit roten Klinkern gepflastert. Wehe man läuft achtlos darauf lang. Das kann böse enden. Sehr böse! Wir sind vorsichtig und bleiben verschont. Ein Bus-Tagesticket schont darüber hinaus meine Treterchen. So macht Münster Freude. Uns umgibt eine angenehme Atmosphäre, junges Volk überall und die früher Geborenen in den zahllosen Cafés, Bistros und Restaurationen. Nett, hier zu leben auch wenn die Sonne mal nicht so strahlt und ein wenig kühlere Luft uns umgibt. Wir genießen das. Nach dem eingesparten Lunch munden am Abend der Käse, das Baguette und die Oliven auf dem Dachbalkon. Urlaubsfeeling. Ach ja, nebenbei bemerkt, die Alarmanlage ist zwar on strike aber kaum gerät unser Freund beim Zurückbringen des Partyzeltes in die Optik einer Kamera, schon läuft eine Meldung bei mir auf. So soll es sein!

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Gewicht trifft auf Bewegung

Ein fulminantes Frühstücksbüffet wartet auf uns. Mir reicht ja Rührei und ein Croissant aber meine Reisegefährtin ist begeistert und weiß das Angebot zu schätzen. Angesichts der Nahrungsfülle begeben wir uns nach dem Internetgottesdienst per Pedes in die Münsteraner Innenstadt. Es ist ein ganz schöner Marsch. Hinzu komme ich gut damit klar. Nahezu null problemo. Das Herumlaufen in der City erhöht mein Pensum. Alte Erinnerungen stellen sich ein – die Optik mit und ohne Weihnachtsmarkt unterscheidet sich schon stark. Besichtigen im kurzärmligen Hemd ist viel angenehmer als gehüllt in Winterkleidung, ein Eindruck, der sich aufdrängt. Der Rückweg gestaltet sich für meine Schwerigkeit etwas humpelig. Der rechte Fuß sowie zwei Oberschenkel melden schwerste Bedenken an und gewisse hautnahe Kleidungsstücke scheinen irgendwie durchs Wasser gezogen zu sein. Nein, beschlossen und verkündet, ab morgen übernimmt der ÖPNV eine wichtige Rolle. – Abends speisen wir wieder balkanesisch mit jungen Verwandten und plaudern mächtig. Mein Magen dagegen kennt das schon und muckelt nur ein wenig rum, weil er den Tag über Ruhe hatte. Ein besinnlicher Abschluss.

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Technisches Chaos, nette Reise und ein üppiges Mahl

Unsere Alarmanlage fährt noch ihre Akkus runter aber wir fahren schon los. Kein Problem, denken wir, wir können der Anlage ja auch aus der Ferne wieder Saft zukommen lassen. Es geht heute nach Münster und wir wollen die Autobahnen tunlichst meiden. Frohgemut programmiere ich das Navi im Beetle und bin zutiefst gefrustet. Drei Routen werden mir angeboten und keine Routenführung lässt sich auf dem Display erkennen. Vergrößern? Keine Chance man rutscht ruchkzuck raus oder bestätigt unwissentlich eine Route oder fährt entnervt aus der Haut. Ein kurzes unabsichtliches Tippen auf dem Display verändert das Ziel ohne jegliche Zwischenfrage, kurz und schlecht, ein teures Mistteil. Irgendwann arrangieren wir uns, besser gesagt ich gebe auf und beuge mich der Technik. Entsprechend eigen ist die Route – immerhin kommen wir an und sehen einige bemerkenswerte Regionen. Bei der Erkundung der Hotelumgebung landen wir in einem Balkanrestaurant und schlagen uns abends die Bäuche voll. Das ist einerseits lecker andererseits ein großes Übel. Unsere Alarmanlage lässt sich diesmal nicht aus der Ferne aktivieren und so blieben Diebe unentdeckt. Wenn sie es wüssten. Zum Trost entdecken wir eine gemütliche Hotelbar, die uns ein wenig Erquickung bietet. Der Schlaf bietet davon nur wenig. Der Magen arbeitet schwer die Nacht durch. Der Arme.

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Freude, Trauer und Anlage on strike

Heute sind wir, kirchlich betrachtet, exakt 39 Jahre verheiratet. Das ist eine ganz schön lange Zeit. Es ist Gottes Segen, dass wir es so lange miteinander ausgehalten haben, es ist sein Werk, bestimmt nicht unsere besonderen Fertig- oder Fähigkeiten. Danke, HERR, für dieses ganz besondere Geschenk. Verdient haben wir es uns nicht – um so mehr freuen wir uns darüber. DANKE!!! Ein Wermutstropfen trübt allerdings die Freude, denn heute wird ein Bekannter aus den Kindheitstagen meiner Frau beerdigt. Er ist 60 Jahre alt geworden. Nichtsahnend sitzt er in seinem Auto und urplötzlich landet ein anderer Wagen auf seiner Kühlerhaube und das führt sofort zu seinem Tode. So schnell kann ein Leben enden. Wir sind traurig. Hoffentlich kannte er Gott und Jesus und findet Gnade. Wir wissen es nicht, hoffen es aber für ihn. Uns ist das eine Mahnung, gerade auch angesichts unserer bevorstehenden Reisen. – Dennoch feiern wir am Abend ein wenig unser kleines Jubiläum. – Danach steigt, wie passend, unsere Alarmanlage aus, „hängt sich auf“, wie man so sagt und muss erst einmal ihre Akkus entladen.

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Freiheit

Ein sehr guter Bekannter verlässt heute seinen bewegten Job und tritt in den Ruhestand. Irgendwie klingt das als ob er abrupt in seiner Bewegung gehemmt würde und jetzt nur noch rumstehen müsste. Dieser Eindruck wird ja auch vielfältig von allen möglichen Medien verbreitet. Auch für ihn wird es voraussichtlich nicht leicht. Warum eigentlich? Man verlässt die Abhängigkeit von anderen und ist, oft erstmals im Leben, mal abgesehen von der Zeit vor dem Kindergarten, richtig frei. So frei wie der vormals viel öfter zitierte ‚Vogel im Wind‘. Und was macht dieser Vogel? Er hüllt sich in seine Flügel, hüpft unbeholfen hin und her und klagt was das Zeug hält über seine Nutzlosigkeit. „Hey Vogel, breite deine Flügel aus und flieg los“, möchte man ihm zurufen, doch er verstopft seine Ohren. So wird er schnell Opfer einer Katze, indem er sich in neue (alte) Abhängigkeiten begibt. ‚Nur nicht fliegen lernen!‘, scheint das Motto ungezählter Rentner zu sein. Wenn es ihnen in der Legebatterie besser gefällt ist das okay. Sollen sie doch dort weiter Eier legen, kein Problem damit. Mich ärgert nur, wenn sie mich und andere überzeugen wollen wie viel besser das sei. Nein, danke, ich fliege lieber – sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Meine Freiheit ist ein tolles Geschenk. Jeder Tag ist wertvoll. Ich hoffe auf noch ganz viele Tage. Und wenn nicht? Auch nicht schlimm, dann erlebe ich die echte, ursprüngliche, unverfälschte Freiheit in der Nähe meines Gottes. Gute Aussichten!

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Geburtstag

Die Situation ist da. Ich nehme heute nicht nur an Gewicht, sondern auch an Jahren zu. Fast noch im Tiefschlaf meldet sich mein Telefon, der erste Gratulant, den aber meine schon aktive Lebenslanggefährtin vertröstet. Später wird mir deutlich wie groß das Unverständnis zwischen Frühaufstehern und Langschläfern ist. Ein unüberwindbarer Graben, scheint es. Meine Verwandten wirken vergrätzt, weil sie mich nicht an den Hörer bekommen und ich kapiere überhaupt nicht warum man schon um halb neun anrufen muss. Ganze drei Anrufer wollen mich unbedingt vor dem Aufstehen und Duschen sprechen. Wunderliche Welt morgenaktiver Bettflüchter. Immerhin ist mir das Wetter recht freundlich gesinnt. Außerdem gelingt es völlig problemlos die heruntergeladenen Karten im Auto zu installieren. Darüber bin ich ganz schön baff. Unerwartet viele liebe Grüße erreichen mich per Telefon, Karte, SMS, WhatsApp, Facebook und ich bin arg gerührt. Abends schauen sogar noch sechs Gäste persönlich vorbei und erfreuen mich mit ihren guten Wünschen und netten Plaudereien. Deutlich nach Mitternacht darf ich leicht beschwingt in meine Federn sinken. Fein.

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Schneckennetz und kärgliches Leben

Der Download von Kartenmaterial für unseren Audi klappt wunderbar. Keine vier Stunden gehen ins Land bis wir die gut 13 GB heruntergeladen haben. Ob die Installation klappt, ist ein anderes Thema. Ich habe intelligenterweise das Update in den Ordner mit dem vorhergehenden Update speichern lassen. Ob ich jetzt dem Auto die korrekten Daten präsentiere, wer weiß? Ich lasse mich überraschen. Übrigens sind wir für das Glasfaserkabel nicht vorgesehen, weil wir bereits das schnelle Internet haben. Schnelles Internet mit 4 Stunden für ein Update! Unsere Politiker scheinen von einer großen Ahnungslosigkeit befallen zu sein. Bei dem Geld, das wir ihnen monatlich überweisen, sollten wir eigentlich etwas mehr Kompetenz erwarten können. Aber was rege ich mich auf? Ändern kann ich ja leider gar nichts, egal welche Partei ich wähle. Wie stellte Douglas Adams in seinem Werk „Per Anhalter durch die Galaxis“ doch treffend fest: Irgendwann merkte man, dass die Begabungen, die man braucht um gewählt zu werden, den Begabungen, die man benötigt um zu regieren, diametral entgegengesetzt waren (sinngemäß zitiert). Vom Lernen aus dieser Erkenntnis sind wir leider noch weit entfernt. Schade. – Abends sind wir wieder in Namibia bei den Namibs, den Pferden in der Wüste. Prächtige Aufnahmen, noch prächtiger auf unserer Leinwand von dieser kargen und doch eindrucksvollen Landschaft. Und mittendrin die Pferde, die in dieser für sie eigentlich lebensfeindlichen Umgebung überleben und sich irgendwie durchbeißen. Es ist eindrucksvoll ihnen zuzusehen und so nebenbei ein wenig von der Geschichte Namibias, quasi als Wiederholung, mitzubekommen. Ich denke gern an diese Reise mit ihren vielfältigen Eindrücken zurück.

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Altersfrost

Es ist gefühlt eiskalt und wir feiern im Freien gegen Abend einen Geburtstag. Der Jubilar – oder soll ich besser sagen Delinquent – muss Kronkorken fegen, zuerst mit der Zahnbürste und mit Aufgabe zu Aufgabe, mit Schnaps zu Schnaps, werden die Kehrinstrumente größer. Es dauert lange, sehr lange, bis eine Jungfrau sich zum Freiküssen bestechen lässt. Interessante volkstümliche Gebräuche hierorts. Währenddessen kühlt mich ein eiskaltes Bier auch innerlich durch, so dass ich mich trotz warmer Mahlzeit immer mehr zu einem Eisklotz entwickle. Irgendwann ergreife ich die Flucht und taue zu Hause ganz langsam wieder auf. Gut isolierte Häuser sind ein Segen, für den ich mich in der Vergangenheit viel dankbarer hätte zeigen müssen. Meine kältegestählte Begleiterin hält es dagegen viel länger aus und bleibt fast bis zum Ende der Feier. Respekt.

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