Winwin

Die Sendung ‚Die Tricks der Lebensmittelindustrie‘ könnte sich zu einer meiner Lieblingssendungen entwickeln. Ich finde es faszinierend, wie leicht wir zu täuschen sind um so ein paar Konzernen einen guten Ertrag zu garantieren. Dass Produkte ihre namengebende Zutat nie sehen, stattdessen mit drei Tropfen Aromastoff auskommen, ist nicht neu. Aber dass sie uns besser schmecken als ihre original zubereiteten Kumpels, ist verblüffend und spart der Industrie viel Geld. Veganer Käse ist viel teuerer als herkömmlicher Käse. In der Produktion ist ersterer dagegen deutlich günstiger. Hoher Preis und geringe Kosten – die Lieblingskombination aller Produzenten. Die vegane Lebensweise ist ihnen lieb und teuer, da bin ich sicher. Offensichtlich sind wir auf dem Weg natürliche Speisen durch industriell gefertigte Kunstprodukte zu ersetzen. Mich erschreckt das. Unerwartete Folgen werden mit großer Wahrscheinlichkeit eintreten – völlig unvorhersehbar trotz gründlichster Forschung, wie man uns dann versichern wird. Zur Eindämmung dieser vollkommen überraschend auftretenden Nebenwirkungen sind – ich spekuliere – Medikamente nötig, die der Gesundheitsindustrie großen Profit verschaffen. So hilft ein Industriezweig dem anderen. Solidarität pur.

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Gia maV

Drei Vorhaben stehen morgens an und drei Vorhaben sind abends prachtvoll erledigt. Welch ein großer Erfolg, denken wir. – Abends jedoch klären uns Freunde auf, dass wir die ausersehene Fensterverhüllung statt für knappe 500 Euro auch für gute 100 Euronen erwerben könnten. Tief durchatmen, möglicherweise ist das Design im Baumarkt nicht so ausgefeilt wie im Fachhandel. Mag sein. Doch selbst das schlichtere Outfit vertickt der Innenausstatter zu Profipreisen. Ist das wirklich nötig? Wir werden es kritisch prüfen. Außerdem buchen wir einen Fahrzeugtraum im fernen Lande und hoffen auf eine künftige Realität, die ihn nicht zur Fata Morgana herabstuft: Gorbi stirbt zuletzt oder so ähnlich. Zorbas Dance, mancherlei griechische Weisen, griechische Oliven und griechischer Wein stimmen uns auf in der Zukunft liegende, ferne hoffnungsbeladene Zeiten ein. Gia maV – ausgesprochen: Jamas!

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Reiche unter sich

Ein sehr ansprechender Gottesdienst zum Bibelsonntag. Ich erfahre im Anschluss manches interessante Detail über die St-Michaelis-Gemeinde in Fallersleben. Im Gegenzug darf ich dem Botschafter der Gemeinde unser Gemeindehaus zeigen. Es ist richtig nett. So ein Austausch ist eine wirklich gute Idee. Ansonsten gestaltet sich der Sonntag in der üblichen Weise. Wir erfahren Beruhigendes aus den Frankfurter Zoos und lassen danach in uns Begehrlichkeiten auf Andalusien wecken. Finanziell nicht attraktiv ist dagegen die dort vielgelobte Bahnfahrt im Luxuszug – sie entlockt selbst meinen recht großzügigen pekuniären Beurteilungen nur ein mildes bedauerndes Lächeln. Für eine Woche Bahnfahrt in Spanien mit ein paar Ausflügen knapp 5.000 oder gut 6.000 Euro pro Person hinzublättern entstammt einer mir fremden Welt. Da passe ich nicht hin. Mucho gusto los ricos!

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Kalt und nass

Ein Tag zum Wegschauen. Das Wetter holt den fehlenden Sommerregen kontinuierlich nach. Ein Wetter zum Drinnenbleiben. Das sind so Tage zum Nachsinnen mit einer Stimmung in Bodennähe, Tage, die man besser verschläft um nicht beim Online-Shopping sein ganzes Geld zu verbraten. Man stöbert im Netz herum, findet Dinge, die verheißen aus trüben Gedankenwelten hinauszuhelfen. Was sie aber niemals tun werden. Man weiß das, es stört dennoch nur wenig. Andere schauen sich miese Filme an, lesen schlechte Bücher oder spielen ungeliebte Spiele. Charaktersache.

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Arbeitseifer

An mir „bewundere“ ich die Fähigkeit Sachen liegen zu lassen, selbst wenn sie wichtig erscheinen, bis mich die Lust packt sie anzupacken. Dann geht es meistens schnell. Dennoch ist mein Beharrungsvermögen in gewissen Angelegenheiten enorm. Andere, mitunter viel unwichtigere, führe ich unverzüglich einer perfekten Lösung zu. Ist das Spontanität? Gelassenheit? Geduld? Faulheit? Angesichts meines Erscheinungsbildes umschreibt möglicherweise das physikalische Gesetz der „Trägheit der Masse“ das am besten 😉🤨😇. Immerhin löst sich das Dilemma meistens irgendwann positiv. Irgendwann – und das ist das Problem. Heute rieseln weiße Flocken von oben und vereinen sich am Boden zu einer weißen Schicht. Meine bienenfleißige Lebenslangpartnerin ergreift sofort den Besen, um sie zur Seite zu kehren. Ich hätte ja gewartet in der Hoffnung, dass sich alles von selbst auflöst (was es die Nacht über auch tut). So kann abwarten eben mancherlei Arbeit ersparen. Wie lautet doch eine alte Verwaltungsweisheit: ‚Kein Vorgang ist so eilig, dass er durch langes Liegen nicht noch eiliger werden würde.‘ So isses.

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Voluminöses

Ich bin als Patient so hilflos. Meine Medizinkenntnisse bewegen sich auf Grundschulniveau. Mein Interesse an möglichen Krankheiten, gefährlichen Symptomen (auch an ungefährlichen Symptomen) oder innenkörperlichen Funktionalitäten beschränkt sich auf „es geht mir gut“ oder „mir tut etwas weh“. Zugegeben, ich wäre ein lausiger Arzt. Wie vermeldet, hat sich bei meiner Hand die zweite Funktionalität bemerkbar gemacht. Der medizintechnische Aufwand wegen eines kleinen Knubbels ist enorm. Ich mache das alles mit – aber ist es wirklich nötig? Keine Ahnung, wie ein treudoofes Schaf lasse ich die Spezialisten an mir herumwerkeln. Irgendwann werde ich Klarheit erlangen. Oder auch nicht. Wer weiß das schon? – Am frühen Abend quäle ich mich durch ein überfülltes Foyer, verzichte sehr zum Bedauern meiner Begleiterin auf das mitbezahlte Popcorn, weil ich den Thekennahkampf hasse und erlebe einen hochinteressanten Vortrag über das südliche Afrika. Ein wenig pervers ist es schon, dass ich für Werbung bezahle, wenigstens ist sie gut gemacht und sogar recht informativ. Es sei mir daher verziehen. Die Vorteile der Gesellschaft samt der angepriesenen Reisen werden überzeugend dargestellt, die Preise dagegen darf man nur aus dem Prospekt entnehmen. Aus gutem Grund, wie ich daheim feststelle. Edle Preise, alle Achtung, dennoch nette Reisen. Preis-wert oder teuer? Eine Frage des Füllstands des Portefeuilles. Oder der Größe der Spendierhosen. Ansichtssache.

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Erhoffte und unwillkommene Defekte


Im von mir viel zu oft zitierten Frühtau verlasse ich mein wärmendes Nest und begebe mich quer durch die heimische Arktis in eine Praxis. Der dortige Garderobenständer sieht so nach moderner Kunst bzw. undefinierbarem Deko-Element aus, dass Besucher sich zieren dort ihre Mäntel zu platzieren. Krass. Ich erfahre, dass ich morgen wohl einen netten Chirurgen kennenlernen werde. Das kann ja heiter werden. Der Fernseher meiner Mum rührt und rappelt sich nicht mehr und ich frage mich, warum immer die falschen Geräte sich per Defekt verabschieden. Bei meinem alten Röhrenfernseher hatte ich damals auf einen Defekt gehofft, um ihn mit gutem Grund gegen einen Flachbildschirm austauschen zu können. Er dachte nicht daran mir die Sache so leicht zu machen. Doch die Dominanz technikaffiner Wunschprojektionen bezwang das Beharrungsvermögen vorhandener Substanzobjekte. Oder so ähnlich, jedenfalls machte er Bekanntschaft mit dem Sperrmüll. Dagegen hätte das Gerät meiner Mum noch lange Zeit Dienst tun dürfen aber es will wohl nicht. Schade. – Mittags verschlägt es mich, dank einer netten Einladung, zu Lou’s Restaurant in Vorsfelde. Wäre der Koch dort etwas verliebter gewesen, wäre ich hochzufrieden heimgefahren. So fuhr ich nur zufrieden nach Hause. Auch noch gut. Es folgt ein perfekter Mittagsschlaf. Wellness pur. Und als sich gegen Abend dann noch ein auf unserer Vermisstenliste als verschollen geführter Vertrag einstellt, macht uns das froh. Prima.

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Schein und Sein


Heute beschäftigt mich eine Schnittwunde am Handballen. Es gibt keine Narbe, sondern es hat sich ein Knubbel gebildet, der herumpuckert. Die Arzthelferin ist nett und gibt mir gleich für morgen einen Termin. So ein fachlich geschulter Blick einer Ärztin ist wohl nötig. Sollte alles harmlos sein, okay, dann lebe ich eben mit der Beule. Aber wenn sie aufgeschnitten werden muss, würde ich das doch recht gern frühzeitig wissen, wobei der Begriff ‚frühzeitig‘ hier nicht so ganz greift. In meinem Alter stimmen mich völlig neue Gebilde am Körper halt misstrauisch. – Viel zu wenig kritisch bin ich dagegen bei Tütensuppen. Heute erfahre ich, dass sie meist aus Kartoffelstärke und Aromastoffen bestehen. Der Anteil ihrer namensgebenden Zutat ist dagegen verschwindend gering. Schokoladenkekse, die keine Schokolade enthalten aber voll danach schmecken, butterähnliches Streichwesen mit 60% Wasser, kurzum die Verführbarkeit meiner Geschmacksknospen ist verblüffend. Und sie wird kräftig ausgenutzt. Ernüchternd.

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