Entscheidungsschwäche

Mein relativ neuer Mac bootet wahnsinnig schnell. Mein älteres Notebook schneckenhaft langsam. Ich müsste es neu aufsetzen, wenn nicht die Sache mit den Programmlizenzen wäre. Ja, alle Programme sind ordnungsgemäß bezahlt und haben gültige Freischaltcodes. Doch der Software ist viel und der Verbleib mancher Codes könnte im Dunkel liegen. Weiß der Geier, wo ich die alle habe, Ordnung ist nun einmal nicht mein Leben. Und so zucke ich immer wieder zurück und nehme das Schneckentempo in Kauf. Aber irgendwann wird mir die Galle hochkommen und ich lege einfach los. Das wird lustig. Nur nicht für mich. Mutig voran oder furchtsam zurück? Meine Entscheidung. Leider.

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Schwarzseher

Eine junge Dekorateurin startet bei uns eine große Aufmessaktion für ein umfangreiches Angebot. Was ich so im Vorfeld an Katalogpreisen vernommen habe, lässt mich zweifeln, dass der textile Einzelhandel noch auf einem stinknormalen Preisteppich steht – vermutlich hat sich dieser bereits in ein fliegendes Exemplar verwandelt. Ich bin gespannt. Hey, Jungs und Mädels, aufwachen, es gibt Baumärkte, Internet und andere Konkurrenz! Ich zahle gern mehr für eine gute Beratung mit anfassbaren Ansichtsexemplaren aber bestimmt nicht das Doppelte oder das Dreifache. Sollte das eintreten, sehe ich schwarz für die örtlichen Händler. Sehr schwarz.

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Kulturdifferenzen

Gestern noch sinniere ich über das Anziehen einer neuen Sichtweise und schon heute falle ich damit auf den Bauch. Es klappt nicht. Der Praktikant in unserer Gemeinde versteht es mein Interesse für den Super Bowl ein klein wenig zu wecken. Genug, dass ich da mal reinschaue im besten Bemühen das Lieblingsspiel der Amis zu erforschen. Und dann stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, eine in weiß, die andere in blau, in martialischer Ausrüstung kampfbereit. Ich sehe einen Ball, besser ein Ei, nach hinten fliegen und ein Spieler rennt los. Offensichtlich geht es um Landgewinn, um irgendwelche Yards und Yardlinien. Das klingt kompliziert, typisch verquer englisch, also sympathisch. Leider bricht meine positive Grundeinstellung nach relativ kurzer Zeit völlig in sich zusammen. Die Jungs stellen sich auf, rennen irgendwann los, kurz darauf wird der Eierträger ausgebremst, läuft ins Aus oder wirft das Ei einem Mitspieler zu, den dann sein Schicksal durch den Gegner ereilt. Soweit so gut. Doch nach dieser recht kurzen Aktion folgt eine lange Pause. Die Jungs hocken zusammen und vereinbaren wohl eine neue Taktik. Dann stellen sie sich wieder auf und det Janze beginnt von vorn. Kurzer Spielzug, lange Pause, evtl. ergänzt um eine Auszeit einer der beiden Mannschaften. In jeder dritten oder vierten Pause rangeln sich diverse Unternehmen im Bemühen die Zuschauer mit grausigen Spots extremst zu nerven. Zunächst warte ich noch, ob mal einer der Spieler eine größere Distanz schafft. Nein, sie sind offensichtlich Kurzdistanzspezis. Okay, wer das Warten, unterbrochen von Kurzsprints mag, der soll sich daran vergnügen. Mich nervt es, aktiviert meine Gähnreflexe im großen Stil. Immerhin lerne ich, dass ich ein lausiger Ami wäre. Positiv reflektiert: Passt schon.

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Theorie und Praxis

Zur Dinnereinladung vom Vortag gibt es einen leckeren Nachklapp. Ein wunderbarer, scharfer, geschmacksknospenschmeichelnder Suppeneintopf findet den Weg in meine Verdauungsorgane. Superlecker! Im Nachsinnen über unsere gestrige Konversation lässt mich eine Erkenntnis über unsere auf Distanz gegangenen Freunde jenseits des Atlantiks nicht los. Ich habe sie wohl immer mit europäischen Augen betrachtet. Darin wirken sie recht skurril. Doch wenn ich mir ihre eigene Sichtweise versuche überzustülpen, dann verstehe ich ein wenig mehr von ihrer Art, auch wenn sie mir immer noch fremd bleibt. Möglicherweise sollte ich mehr versuchen, ganz allgemein gesprochen, alles was ich nicht verstehe erst einmal stehen zu lassen. Als zweiten Schritt sollte ich den ehrenwerten Versuch starten, den Blickwinkel zu verändern, Hintergründe zu verstehen und erst dann ein Urteil zu formulieren – wenn überhaupt. Das sind gute Vorsätze. Muss nur noch die Praxis dazukommen. Nur noch???

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Aufstand der Lemminge

Wir befragen einen US-Amerikaner über den Präsidenten Trump. Mir wird dabei klar, wie schnell die Kanzlerschaft eines streng nationalistischen Egomanen bei uns möglich wäre. Dazu ist nur ein allgemein unbeliebter (oder weithin unbekannter) Gegenkandidat nötig. Nun fehlen noch die volkstümlichen Sprüche, schlichte überzeugend klingende „Wahrheiten“ (die wahr klingen aber es nicht sein müssen) und eine allgemein kritische Wirtschaftslage. Hilfreich wäre, wichtige Wählergruppen mit klaren Wahlversprechen zu ködern um potentielle Wähler mit Spezialinteressen der Gegenseite wegzufischen. Wir Wahlvolksgenossen sind nämlich leichtgläubig, floskelhörig, total offen für mediale Einflüsterungen aller Art und neigen der Lebensart von Lemmingen zu: wenn erst einmal ein paar wichtige Leute in eine Richtung laufen, rennen wir hinterher. Das ist eine zu pessimistische Sicht? Also wirklich, wenn ich mir die Säue anschaue, die in den letzten Jahren mit lautstarkem Lamento durch unsere Dörfer getrieben wurden, wenig später jeweils gefolgt von einem bis heute andauernden Schweigen, dann drängt sich diese Erkenntnis förmlich auf. Ich befürchte wir sind mittendrin: Griechenland, Polen & Co, Brexit, Italien …

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Leben nach der Röhre

Das Klinikum erwartet mich. Auf dem Bauch liegend mit meiner oberhalb des Hauptes auf einem Plastikteil fixierten Hand, stecke ich bis zu den Schultern in einer dröhnenden, vibrierenden Röhre. Mein Oberarm startet nach einer anerkennenswerten Duldungsphase eine Rebellion und produziert proportional steigend einen Druckschmerz. Oder wird mir der gleiche Schmerz mit der verrinnenden Zeit nur immer lästiger? Egal – das Ergebnis ist gleich. Endlich – 30 Minuten später – nach einer heftigen kreislaufaktivierenden Brumm- und Rüttelattacke, immer neu sterbender Endlich-Ende-Hoffnung und inzwischen schweißtreibendem Druck meiner nur spärlich ausgebildeten Armmuskeln werfe ich das Handtuch oder besser gesagt drücke den Alarmblasebalg (oder was immer das für ein Teil ist). „Nur noch eine Minute, dann sind wir fertig“, dringt sofort die verheißungsvolle Botschaft in mein Ohr. Gut, die halte ich auch noch durch! Danach straft mich mein linker Arm mit deutlich spürbarer Verachtung und beruhigt sich nur schwerlich. Er ist beleidigt. Ich kann das gut verstehen. Also, so ein MRT mache ich kein zweites Mal. Doch meine latente Furcht vor einem MRT in entspannterer Liegeposition ist fast weg. Wenigstens etwas. Und vor dem Schlafengehen: Gia maV. Hochverdiente Belohnung.

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Vielfältige Technik

Meine Mitbewohnerin eilt von einem Termin zum nächsten. Ich dagegen nehme mir Zeit für technischen Schnickschnack, den ich mir bestellt habe und der heute eingetroffen ist. Der übliche Zirkus, alles auf die Werkseinstellungen heruntersetzen, im Internet schnökern ob es wertvolle Hinweise gibt und dann noch zwei Geräte koppeln. Alles ist gut. Ich lasse die Schöpfung von Haydn mir um die Ohren dröhnen, besonders die Stelle mit dem Licht und bin froh gestimmt. Ein Musikabo bei meiner Leib-und-Magen-Firma erweist sich für mich als schwer auffindbar, ja, ja, das vielerwähnte Alter und als relativ inhaltsleer für mich. Möglicherweise steige ich auch durch die Sortierung nicht so recht durch, ja, ja, das … okay, okay. Mit großer Erwartung lese ich einen altbekannten Krimi und werde nicht enttäuscht. Schweren Herzens trenne ich mich von der Lektüre. Hallo Federn!

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Winwin

Die Sendung ‚Die Tricks der Lebensmittelindustrie‘ könnte sich zu einer meiner Lieblingssendungen entwickeln. Ich finde es faszinierend, wie leicht wir zu täuschen sind um so ein paar Konzernen einen guten Ertrag zu garantieren. Dass Produkte ihre namengebende Zutat nie sehen, stattdessen mit drei Tropfen Aromastoff auskommen, ist nicht neu. Aber dass sie uns besser schmecken als ihre original zubereiteten Kumpels, ist verblüffend und spart der Industrie viel Geld. Veganer Käse ist viel teuerer als herkömmlicher Käse. In der Produktion ist ersterer dagegen deutlich günstiger. Hoher Preis und geringe Kosten – die Lieblingskombination aller Produzenten. Die vegane Lebensweise ist ihnen lieb und teuer, da bin ich sicher. Offensichtlich sind wir auf dem Weg natürliche Speisen durch industriell gefertigte Kunstprodukte zu ersetzen. Mich erschreckt das. Unerwartete Folgen werden mit großer Wahrscheinlichkeit eintreten – völlig unvorhersehbar trotz gründlichster Forschung, wie man uns dann versichern wird. Zur Eindämmung dieser vollkommen überraschend auftretenden Nebenwirkungen sind – ich spekuliere – Medikamente nötig, die der Gesundheitsindustrie großen Profit verschaffen. So hilft ein Industriezweig dem anderen. Solidarität pur.

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