Stimulierend oder narkotisierend

Ich möchte endlich mal wieder weg. Ganz weit weg! Nein, ich liebe mein Zuhause und will hierbleiben. Was brauche ich den Reisestress? Zwei Herzen wohnen, ach, in meiner Brust und wollen mich schier zerreißen. Die Sehnsucht nach der Ferne und die Liebe zur Nähe sind in eine immerwährende Auseinandersetzung verwickelt. Das macht das Leben nicht leichter und lähmt ein wenig die an sich nötigen Aktivitäten. Dazu kommen die rasenden Wochen, schon wieder Mitte Februar, verbunden mit dem Gefühl getrieben zu werden statt zu treiben und nicht zu wissen wovon. Außerdem mache ich ganz schön viele Entdeckungen in den Genesis-Texten, Zusammenhänge, die mir entweder entfallen sind oder noch nie aufgefallen waren. Es ist nicht einfach, wenn das Halbwissen erschüttert wird und sich neue Wissens- und Glaubensbausteine in das inzwischen nicht mehr so fest gefügte Gebäude drängen. Andererseits ist das höchst belebend und erfreulich Neues im Altbekannten zu entdecken. Kurzum, mir fehlt frische Luft, möglicherweise ist so ein Sofaplatz auf Dauer nicht das Gesündeste. Könnte es sein, dass das meine Reiselust fördert? Die Sehnsucht nach einem Ortswechsel, der in Bewegung, also die müden Glieder auf Trab bringt? Das könnte ich natürlich preisgünstiger auch hier haben aber das Neue stimuliert, das Altbekannte narkotisiert. Oder so? Oder anders? Was weiß ich …

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Nutze den Tag

Wir haben Hilfe nötig. Ein Sofa soll eine Etage nach oben wandern und es fehlt einfach die Muskelkraft zum Transport. So fragen wir Kinder von Freunden. Sie sollen sich ruhig Zeit lassen, es eilt überhaupt nicht. Stante pede kommt die Antwort – sie kommen heute gegen Abend. Wow. Wir sind hin und weg. Ich staune mit welcher Leichtigkeit die beiden das schwere Teil die Treppe hinaufbugsieren und problemlos einen schweren Kleiderschrank ein Stück verrücken. Was hätten wir uns dagegen abquälen müssen (mit einem recht unsicheren Ergebnis). Wir sind total happy und den beiden sehr dankbar. Ich hoffe, dass unsere Umräumaktionen damit abgeschlossen sind. Es kommen zwar noch ein paar Möbel, zwei Kommoden müssen ihren Abschied nehmen und zwei Schuhschränke sind aufzubauen, aber das sind dagegen nur die vielzitierten Peanuts. In der Nacht wird mir siedend heiß klar, dass ich in nur 13 Jahren, falls ich das überhaupt erlebe, 80 Jahre alt werde. In nur dreizehn Jahren und das bei der inzwischen extrem rasanten Zeitgeschwindigkeit. Ich bin platt. Der Altersschock hat mich mitten ins Gemüt getroffen. Andererseits schlafe ich danach sehr gut. Man sollte eben nicht so sehr auf das starren, was nicht zu ändern ist. Da beschäftige ich mich doch lieber mit Dingen, die ich noch beeinflussen kann. Möglicherweise sollte ich für mich mehr den Fokus auf das Kurzfristige legen nachdem Gott mit uns das wirklich Langfristige längst geklärt hat. Carpe diem, alter Freund!

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Lesen ohne zu lesen

Alles umsonst und doch arg teuer – welch ein Resümee meiner Ärztetour! Mein Knubbel, ärztlich ‚Narbe‘ genannt ist zurzeit recht harmlos. Es wohnt ihm wohl kein Fremdkörper inne und ein Tumor scheint sich dort auch nicht zu bilden. Diese Gewissheit ist meiner Krankenkasse hoffentlich viel wert. Zur Nacht versenke ich mich noch in ein Buch und lese offenbar so unaufmerksam, dass die letzten Kapitel meinen Speicher nur leicht touchieren und sich sofort vom Acker machen. Wie ging die Story noch einmal aus? Da muss ich wohl oder übel ein zweites Mal nachschauen. Peinlich.

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Fordernde Mission, tolle Pizza und ein mäßiger Krimi

Besagter in Brasilien tätiger Missionar hält den Gottesdienst. Sein Thema ist die Mission, die jedem Christen aufgetragen ist und das ist, wen wundert es, die Mission, also der Auftrag die Mitmenschen auf die große Rettungsaktion Gottes für seine Menschen aufmerksam zu machen, also dieselben für Gott, für Jesus, zu gewinnen. Dieser Ansicht kann ich nur beipflichten, wenn auch mit dem Zusatz, dass dafür nur die jeweiligen unterschiedlichen Gaben gebraucht werden sollen, die Gott jedem von uns mitgegeben hat. Außerdem können wir, das ist wichtig, ohne Gottes Geist nichts ausrichten, alle selbstauferlegten Bemühungen bringen nichts, wie ich aus eigener peinlicher Erfahrung weiß. – Absolut erwähnenswert ist unsere Blätterteig-Pizza zum Lunch, ich bin hin und weg. Ansonsten lese ich einen Krimi bis zum bitteren Ende von einem Autor (oder Übersetzer??), dessen Formulierungskünste weit davon entfernt sind bei mir Begeisterungsstürme auszulösen. Sehr weit entfernt! Der Plot ist anfangs ganz interessant, verblasst dann leider immer mehr bis zum von mir sehnlichst herbeigesehnten Schlusspunkt. Schade.

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Leuchtendes Band

Die Temperatur bleibt stabil. Der Montagekleber ist getrocknet und die Halterungen sitzen (vorerst?) fest. Das Leuchtband lässt sich leicht in sie hineindrücken und findet den nötigen Halt. Prima. Nun das Anschlusskabel aus dem Kellerfenster um die Ecke legen, verbinden und voilà, das Band tut was es soll, es leuchtet. Ich bin positiv erschüttert. So schnell? So unproblematisch? Was habe ich falsch gemacht? 😉 Am Nachmittag erfahre ich viele interessante Details über Brasilien von einem dort tätigen Missionar. Offensichtlich ein Land mit schweren Problemen und ideologisch/religiösen Stolpersteinen gepflastert. Ist man Christ wenn man den Naturgötzen den Namen von Heiligen verpasst und sie weiter verehrt? Kaum anzunehmen. Das alles stimmt mich sehr nachdenklich. – Bei der Rückkehr begrüßen mich die sich bei meiner Annäherung automatisch aktivierenden Garagenlampen – und das neue Leuchtband, das da mittut. Technik, die mir gefällt. Ein Kontrast zu Brasilien? Ja, bei den armen Regionen in denen der Missionar arbeitet und nein, bei dem großstädtischen Lebensumfeld dort. Die Spanne zwischen Arm und Reich ist bei uns gefühlt groß – im Vergleich zu Südamerika ist sie extrem klein. Doch das ist Statistik ohne praktischen Wert. Leider.

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My-Way-Handwerk

Ich montiere auf unserem Eingangspodest eine Lichtleiste. Eine Halterung wird an zwei Seiten mit einem zurechtgeschnittenen Powerstrip versehen und soll am Boden und an einer Stufe kleben. Soll! Doch in der Praxis erweist sich der Halter als gerade und die Fuge als völlig uneben: zu tief, zu hoch bzw. zu schräg. An diesem Schräguniversum haftet kein Klebestreifen aus einer Rechteckgalaxis. Versuch gescheitert. Mit Zittern und Zagen (ich bin kein Handwerker) versuche ich mich an einem Baukleber. Damit kann man Fugen ausfüllen, vertikal und horizontal. Also trage ich selbigen dick auf, drücke kurz an und hoffe. Nach zwei Stunden Härtungszeit sitzt die erste Klammer schon recht fest. Okay, klebe ich also die restlichen auch an. Es funktioniert auf meine Art, sozusagen „My Way“ – mit Quaddeln links und rechts, überquellenden Klebestellen, sieht sehr individuell aus aber scheint zu halten. Am späten Abend sitzen die Teile durchaus fest. Nach 12 Stunden kann man sie belasten, sagt der Text auf der Tube. Ich warte. Fortsetzung folgt.

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Schlechter Rat fällt leicht

Ich erlebe wie ein Möbelunternehmen eine Reklamation einwandfrei aus der Welt schafft und bin baff. Im Anschluss begebe ich mich notwendigerweise in eine Amtsstube zwecks Ausweiserneuerung. Problemlos. Offensichtlich ein guter Tag. Dann lese ich das gestern begonnene Buch zu Ende. Ein Gastkommentar von Thorsten Dietz begeistert mich. So baut man Brücken! Außerdem liefert das vorletzte und größtenteils auch das letzte Kapitel ein hervorragendes Gerüst um Beziehungen zu stabilisieren. Hätte der Autor nur diese Artikel beherzigt und es wäre ein wegweisendes Werk entstanden. Hat er aber nicht. Schade. Mir kommt ein ketzerischer Gedanke: Der Autor sollte sich vornehmen ein total positives Buch über die Gruppe zu schreiben, die er am meisten kritisiert. So eine Darstellung, die Mut macht dort dazuzugehören. Dann wäre er gut beraten dieses Manuskript noch einmal gründlich zu lesen. Danach kann er selbiges gerne verbrennen und beginnen die zweite Version des von mir gelesenen Buches zu verfassen. Das könnte ein Renner werden! Versöhnung pur!

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Spitzhacke statt Schaufel

Wieder gilt es in gemeindlichen Räumen Staub und den Streuplitt zu beseitigen. Im Winter sehe ich die Reinigungshäufigkeit voll ein. Sie tut not. Nachmittags bestätigen sich meine latent vorhandenen Befürchtungen: Die Rechnung der Radiologie trifft ein. Nicht nur ihre Höhe lässt mich erschüttert zurück, auch die dokumentierte Länge meines Aufenthalts in der Plageröhre. Einundfünfzig elend lange Minuten lag ich dort in äußerst unkomfortabler Haltung. Die Quälerei kostet mich knapp 10 Euro pro Minute. Ein nicht gerade billiges „Vergnügen“. Immerhin wird keine Vergnügungssteuer berechnet. Zu Recht! Übrigens erweist sich der Einzelhandel gnädig und schickt uns ein akzeptables Angebot. Das gefällt. So ganz nebenbei lese ich ein Buch über Evangelikale. Es soll, so der Autor, Brücken bauen. Vieles überzeugt, Probleme werden auf den Punkt gebracht, Finger finden zielgenau offene Wunden – das ist gut. Dennoch bricht die Schrift eher Brücken ab, baut Barrieren auf und vertieft Gräben. Schade. Vorwürfe sind nun einmal deutlich mehr Spitzhacke oder Abrissbirne als Schaufel und Radlader. Genau genommen weiß man das. Andererseits hat der Autor sich in seiner Jugend offensichtlich mit einem Lebensumfeld arrangieren müssen, das mir sehr fremd vorkommt. Es fällt mir schwer fremde Welten zu beurteilen. Zur Hälfte habe ich das Werk bereits konsumiert, vieles hat mir gefallen und nur ein sachlicher Fauxpas hat mich ein wenig frustriert. Zwischenresümee: Frust ist nie zielführend.

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