Alkoholfreier Kater

Mit einem dicken Kopf wache ich auf, fast ein Kater aber einer ohne jeglichen vorhergehenden Alkoholkonsum. Ein schwerer Kopf und dabei habe ich gestern nur Wasser genossen. Was es so alles gibt. Ich staune. Eine wundervolle Gerätschaft trifft in einer Verpackung ein, deren Volumen ein Vielfaches des schmalen Werkzeugs ausmacht. Ich mag den Versandhandel durchaus, jedoch finde ich dabei echt übertriebene Kartonagen- und Luftfolienverschwendung recht übel. Abends wundere ich mich über mich selbst. Alle trinken Rotwein und mir macht der Verzicht überhaupt nichts aus. Früher fiel mir das immer schwerer. Interessante Entwicklung.

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Möblierungsvorbereitung und ein abgetauchter Fluss

Und wieder krame ich herum. Es hilft alles nichts, am Freitag kommt das noch ausstehende Mobiliar und ich schaffe Raum für den Zusammenbau. Da inzwischen selbst Sessel einen Stromanschluss brauchen, ähem, eher unsere Bequemlichkeit als die Sessel allgemein betrachtet, trifft pünktlich die diesbezügliche Mehrfachsteckdose ein. Sie findet ihren Platz. Vom Satellitenanschluss entferne ich den Gruß des Malers, das geht ganz gut mit Reinigungsbenzin. So ist der Salon nun für die Möblierung und großformatige Beamerabende vorbereitet. Wenn irgendwann die Rollos kommen, ist die Renovierung definitiv abgeschlossen. Es wurde ja auch Zeit. Am Abend reise ich nach Bolivien – ein Land mit faszinierenden Landschaften und spannenden Eisenbahnen. Im Anschluss verfolge ich die Donau von der möglichen Quelle bis zur Mündung. Völlig neu ist für mich das Verschwinden der Donau im Untergrund wo sie sich in unterschiedlichen Etagen mit dem Rhein kreuzt, der von ihr eine Menge Wasser als Tribut abfordert. Man lernt nie aus. Ein Weimar-Tatort fängt dagegen gut an, kommt mir mehr und mehr bekannt vor und motiviert mich daraufhin schnell zum Betätigen der ‚Off-Taste‘. Weise Entscheidung.

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Hindernislauf gemeistert

Es stärkt das Selbstwertgefühl wenn man Sachen in den Griff bekommt, das fehlende Teilchen findet oder den letzten Dreh erkundet. Heute ist so ein Tag. Ein Fernseher langjähriger Freunde soll ganz neu angeschlossen werden. Die Vorarbeit ist von ihnen bereits perfekt erledigt, alles ist korrekt verkabelt aber dennoch verweigert das Teil seine Arbeit. Das ist nicht gut. Und doch ist es ganz einfach. Ich benötige nur die richtige Idee, die übrigens mein Freund genauso gut hätte haben können, eine Kleinigkeit, aber diesmal blicke ich klarer durch. Ich liebe es und komme ins Schwärmen, wenn Technik ausnahmsweise mal gleich funktioniert, die Hürden technikbegeisterter Programmierer mehr oder weniger elegant genommen werden können, bis schließlich alle Programme an ihrem Platz sind. Nun noch fix die ausgelegten Fallen im Startvorgang beseitigen und ‚ich habe fertig‘. So müsste es immer laufen! Bei aller Freude richte ich mich innerlich darauf ein, dass das nächste Mal ich der Hilfebedürftige sein könnte. Schließlich können Bäume nicht in den Himmel wachsen. Gräser erst recht nicht. Schade?

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Hinterhältiger Alarmchip

Auf einmal bin ich wieder im Schichtverkehr nach Gifhorn unterwegs. Ein Erlebnis der besonderen Art erwartet mich. Wir schleichen auf Weyhausen zu, durchqueren im Schritttempo mit vielen anderen diese dörfliche Metropole im großstädtischen Umfeld. In der Nähe unseres Zielortes reihen wir uns in die lange Begrüßungsschlange ein, um schließlich, kaum zu glauben aber allen Widerwärtigkeiten zum Trotz, pünktlich bei einer äußerst freundlichen Juristin vorzusprechen. Wir führen hier unsere rechtlichen Vorhaben einer höchstwahrscheinlich erfreulichen Lösung zu. Nach einer kleinen Rundfahrt entern wir in aller Pensionistengeduld endlich das gesuchte Shoppingcenter. Ich trete ein und es schrillt laut und kräftig. Ich bin ein Alarmauslöser. Irgendetwas an mir reizt die Anlage. Beim Austritt tönt sie wieder los. Ich taste mich ab und finde – nichts. Die freundliche Kassiererin lässt mich vertrauensvoll passieren. Nett von ihr. Zu Hause finde ich im Pullover ein Etikett, das sich komisch anfühlt. So entlarve ich wohl den elektronischen Übeltäter. Ein Scherenschnitt und meine Alarmprobleme sind Geschichte. Hoffentlich.

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Schlaff

Ein wunderschöner Tag lässt sehr reichlich Sonne über uns erstrahlen, verbreitet angenehme Wärme und zu Hause hockt ein total müder alter Kämpfer. Obwohl Kämpfer, nun ja, ein leises Lächeln erhellt mein vor sich hin gähnendes Haupt. Ich schleppe mich zum Abendgottesdienst, die Predigt ist sicherlich aussagekräftig aber ich bin nur wenig aufnahmefähig. Ein wenig Gestreamtes zur Nacht und ich sinke in die Federn – doch der Schlaf holpert nur vor sich hin. Es gibt solche Nächte. Leider.

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Geduldsspiele und Vielweiberei

Der Kater hat sich nicht blicken lassen aber trotzdem ist das Haupt ein wenig schwer. Daher bin ich so frei meine Morgenruhe bis zehn auszudehnen und dann ganz langsam in den Tag zu starten. Große Aktionen sind heute sowieso von mir nicht zu erwarten. Erst gelingt mir die Kaffeeaufnahme und wenig später greife ich auch bei der festen Nahrung zu. Mein alter Körper scheint hochwertige altersbeschränkte Flüssigkeiten aus dem angelsächsischen Raum offensichtlich recht gut zu verkraften. Das freut mich sehr. Trotzdem bin ich, auch im Interesse meiner Leber, sehr froh, dass nächste Woche meine stark alkoholreduzierten Wochen beginnen. Die werden mir wohltun. Zweifellos. Wie nicht anders zu erwarten bahnt sich ein sehr ruhiger erholsamer Tag an. Wir holen zwar noch ein paar Kleidersäcke für die Sammlung in unserer Gemeinde von einer älteren Lady ab, doch dem folgt eine ausgiebige Mittagsruhe. Vorher warte ich geduldig vor meinem iPad auf den Start eines Airbusses A 380 in Düsseldorf. Mit einer halben Stunde Verspätung hebt der majestätische Flieger ab – es ist erhabenes Bild diese Riesenmaschine sanft nach oben schweben zu sehen. Neuerdings liebe ich die Webcams auf den Flughäfen. Man lernt beim Zuschauen viel Geduld. Sehr viel Geduld. Den Abend lasse ich im Hamburger und Düsseldorfer Airport ausklingen. Ach ja, zwischendurch wundere ich mich wieder einmal über das seltsame Verhältnis von Jakob zu seinen Frauen und seinem Schwiegervater. Dramatisch. Übrigens kann die Vielweiberei mühelos ein, vorsichtig formuliert, extrem eigenes Familienklima schaffen. Die Rangeleien zwischen den Hauptfrauen und ihren zu Geburtszwecken eingesetzten Mägden mit einer bunt gemischten Brüderschar samt einer Schwester, formen in mir ein aussagekräftiges plastisches Bild vom damaligen Zusammenleben. Und allen menschlichen Rumzickereien zum Trotz kommt Gott zu seinem angestrebten Ziel. Wir sollten ihn nie unterschätzen sondern besser anbeten. Das tut gut. Allemal.

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Viel Scotch und ein wenig Bourbon

Der Frühling schaut heute schon mal vorbei. Es ist für einen Februartag sehr warm und sonnig. Das gefällt mir. Wir bereiten heute alles für eine Whiskydegustation vor. Ich habe sieben Proben parat. Mit den Gästen treffen dann noch fünf weitere Proben ein. Selbst bei allerkleinsten Probiermengen bahnt sich ein promillehaltiger Abend an. Es ist mein zweiter Ausflug in das Whisky-Universum – mein allererster Versuch liegt schon etliche Jahre zurück. Da ich eher im Cognac-/Brandy-/Weinbrand-Umfeld zu Hause bin, überrascht mich meine Tendenz zu milden, runden Destillaten nicht sonderlich. Mit den harten, knorrigen, zungenschweren Erzeugnissen könnte ich wohl auskommen doch höchstwahrscheinlich keine innige Freundschaft schließen. Das Grundaroma dieses bei uns stark expandierenden Modegetränks liegt sowieso nicht ganz auf meiner Linie. Gegen einen hochwertigen Calvados würde ich jeden noch so hochgelobten Whisky oder Whiskey oder wie auch immer, stehen lassen. Ohne groß zu zögern. Dennoch ist natürlich die Geschmacksvielfalt, das breite Spektrum, das immer neue Geruchs- und Zungenerlebnis einfach nur stark. Ja, die Faszination dieser Welt kann ich gut verstehen. Allein schon deshalb ist eine Degustation total spannend. Und der fehlende Kater am nächsten Morgen ist auch nicht zu verachten. Es war sehr schön und es hat mich sehr gefreut. Absolut.

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Dinnerfreuden

Das Lido im Hallenbad ist in meiner Liste empfehlenswerter Restaurants ein Stück nach oben geklettert. Die Bedienung ist total nett, die Weine munden trefflich und die Speisen sind durchaus einer anerkennenden Bemerkung wert. Und der Grappa erst, klasse. Nun ja, mitunter ein bisschen viel Bio – aber das scheint ja der Trend der Zeit zu sein. Ein veganes Eis muss für mich nicht sein, obwohl es, so wird mir glaubhaft versichert, die Geschmacksknospen verwöhnt. Man könnte sich vollkommen wohl fühlen, wenn nicht der Blick durch die Glastüren auf einen grauslich hellen Trakt mit der Keramikabteilung (und etlichen anderen Türen) wäre. Nobody is perfect. Leider.

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