Licht leuchtet auf

Noch bin ich von größten Befürchtungen überfallen einem Fake-Shop im Internet aufgesessen zu sein, wiewohl ich sehr vorsichtig agiere, da klingelt es an der Tür und ein freundlicher Zusteller überreicht mir ein dickes Paket. Darin befindet sich eine schmale Deckenleuchte für den Salon. Alles ist gut. Mit ein paar leichten Tricks gelingt die Montage perfekt und mit viel Geduld erkennt sie sogar unsere zentrale Lichtsteuerung. Siri hat Zugriff. Und mit noch mehr Geduld akzeptiert, nach mehreren Versuchen, die Zentrale sogar die Leuchtensteuerung neben der Tür, früher Lichtschalter genannt. Ich bin begeistert. Jetzt machen wir uns auf den Weg um unter anderem unseren Vorrat an leicht berauschenden Brennerzeugnissen aufzustocken. Diesmal will ich den örtlichen Handel fördern und bin geschockt ob des zwar vielflaschigen aber gleichzeitig qualitativ eher niveauarmen Angebots. Kein Wunder, dass der Internethandel boomt. Oder sorgt der Aufschwung dieses Handelszweigs für den Niedergang des anderen? Wie dem auch sei das Ergebnis tangiert meine Erwartungen eher peripher. Dennoch treffe ich meine Wahl, leicht ist es nicht aber ich will ja nicht so sein. – Zurück zu Hause füllen sich auch heute wieder die Regale und leeren sich die Kartons – mühsam nährt sich der Bücherwurm. Der Abend glänzt mit einem netten Adventskonzert aus dem Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden mit dem Kreuzchor, David Garrett, Peter Maffay, Camilla Nylung, Anke Fiedler und Christian Brückner. Der HomePod hat wirklich eine prima Tonqualität, selbst im Single-Modus. Aber vielleicht finde ich irgendwann eine preisgünstige Partnerin für ihn. Wer weiß?

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Kramladen

Es wird viel geräumt und gestaunt was man alles wo unterbringen kann. Also die alte Leier dieser Wochen. Es geht mühsam voran aber es geht voran. Dinge sind bei uns zurzeit auf permanenter Wanderschaft. Vom Erdgeschoss ins Obergeschoss und umgekehrt, zwischendurch eine Tour in den Keller und der Windfang wird zur ersten Vorentsorgungsstation entbehrlichen Schrotts. Die sprossende Ordnung im Büro wird zur ungeordneten Zwischenlagerung in anderen Räumlichkeiten. Fortschritt fordert seinen Preis. Die gemütliche Zeit am Kamin benötigt zwar im Vorfeld etwas Schlepperei, lohnt sich aber immer wieder. So ein Lagerfeuer im Wohnzimmer ist einfach nett. Und mollig warm.

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Missionseifer

Zu den neuerdings ab und an wiederkehrenden Terminen gehört unbedingt der Friseurbesuch einer älteren Dame per Rollstuhl. Sie blüht richtig auf, ob dieses besonderen Events. Immerhin soll sie, im Gegensatz zu mir, zu Weihnachten mit ihrer Haarpracht glänzen können. Im Anschluss hole ich mir ein Präsent zum Jahreswechsel ab, eine große Geste der Dankbarkeit für ein kleines ehrenamtliches Engagement. Nett. Im Laufe des weiteren Tages werden wir zu – mehr oder weniger – stolzen Eigentümern eines noch ungeschmückten Weihnachtsbaumes, der sowohl prachtvollen als auch dürren Zeiten entgegensieht. Bleibt zu hoffen, dass wir die Kerzenhalter irgendwo aufstöbern, sonst wird sein Erstrahlen eher spärlich ausfallen. Unser Kachelofen mit großem Sichtfenster verbreitet angenehme Wärme mit lieblich lodernden Flammen und sperrt die Abendkühle aus. Die Beiträge im Fernsehen lassen befürchten, dass wir zwischen einer Klima- oder einer Wirtschaftskatastrophe wählen können. Schöne Aussichten. Höchstwahrscheinlich jagen wir mit unserem Privatfeuer wieder viel zu viel Schadstoffe in den Himmel. Immerhin verstehe ich im Blick auf den missionarischen Übereifer mancher Klimaschützer jetzt jene Zeitgenossen besser, die am missionarischen Eifer mancher christlichen Prediger Anstoß nehmen. Zwischen ‚geistlich‘ und ‚auf den Geist gehen‘ ist möglicherweise nur ein schmaler Grat – und der verläuft noch bei jedem Menschen unterschiedlich. Überzeugungstäter haben es nicht leicht. Wirklich nicht.

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Stressless

Endlich, wird ja auch langsam Zeit, kommen die Vögel zu ihrem Futterrecht. Zwei prallgefüllte Futterhäuser warten auf die hungrigen Flattermänner. Sie werden schnell entdeckt und eifrig geplündert. Wenn das Highlight ein Messfehler ist, der in Kombination mit einem dennoch stattfindenden Transport eines Schreibtisches in das Obergeschoss den Tagesakzent setzt, lässt das nicht auf ereignisreiche Stunden schließen. Und so ist es.

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Sonntag-Happenings

Lang schlafen, knapp zum Gottesdienst, unaufmerksam bei der Predigt – irgendwie lief da manches an mir vorbei, danach ein paar Erledigungen – und ich bin erledigt. Nach einer viel zu kurzen Mittagspause schwinge ich mich in unseren Laubemover und lasse mich zum Seniorenheim bewegen. Dort singen wir gemeinsam mit einer Reihe älterer Herrschaften in einem stark überheizten Speisesaal Advents- und Weihnachtslieder, essen Stollen und Plätzchen, dazu Kaffee – alternativ alkoholloser Punsch. O du fröhliche. Abends steht ein weiterer Geburtstag auf dem Programm, den wir bis zur allerletzten Minute ausreizen – glücklicherweise ereignen sich in unserem Alter die letzten Minuten immer recht früh. Und das ist gut so. So können wir zu einer Zeit, zu der früher die Feten ihrem Höhepunkt zueilten, bereits unsere Koje entern. Bonne nuit.

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Wissensdefizite auf Stimmungshatz

Ich wühle mich durch Ordner bis zum Ziel. Halleluja! Mühsam verbringe* ich im Anschluss Stück um Stück zwischengelagerter Renovierungsüberbleibsel in die Nähe ihres potentiellen Endlagers. Schwierige Vorentscheidungen. Abends will ich ein Adventskonzert im Fernsehen über meinen HomePod wiedergeben. Ich scheitere. Eigentlich wäre es, stelle ich hinterher fest, ganz einfach gewesen. Ich war nur völlig ahnungslos über die Mehrfachbelegung einzelner Tasten. Meine Frustgrenzüberschreitung hinderte mich überdies an der vollen Konzentration auf das konzertante Geschehen. When will I ever learn? Never! Ein Cosy-Krimi-Roman baut mich wieder auf. Schöne neue Fassaden glänzen in der imaginären Sonne. Herzzerreißend weltfremd.

*Verwaltungsdeutsch für transportieren, etwas an einen anderen Ort befördern 

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Dentistenfreude, Papierfrust und Fetenlust

Mit allergrößten Befürchtungen begebe ich mich zum Zahnarzt meines Vertrauens. Drohend steht das Abschleifen des malträtierten Backenzahns, ein Gebissabdruck (furchtbar!!) und eine Krone vor meinen Augen. Und was macht der Gute? Er bohrt ein wenig und verklebt die abgesprungenen Ecke und fertig. Ich bin happy. Zum Ausgleich des Freudengefühls steht am Nachmittag die Ablage vor der Tür. In hässlich kurzen Abständen nötigen mich die Berge im Zwischenlager zur Tat. Mittendrin mahnt meine Fetenexpertin zum Aufbruch. Geburtstag ist angesagt. Ich lasse alles stehn und liegen, steige aus meiner heißgeliebten Weichhose in meine ebenso geliebte Cordhose und wir fahren zum Tanken. Das muss sein. Dann zur Fete. Die Menschen sind nett, der Wein mundet, das Essen dito und der Calvados lässt sich gut konsumieren. Gegen halb eins sind wir wieder in unseren heimatlichen Gefilden und bald darauf in Morpheus seine Arme. Ein vielfältiger Tag.

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Navi Eskapaden und eine Bestattung

Und wieder ein Frühtau und blöde Aufstehberge, die überkraxelt werden müssen. Und wieder gelingt es. Noch nicht voll aktionsfähig bediene ich mein Navi. Das ist ein Fehler. Es soll mich auf niedlichen Nebenstraßen nach Salzgitter führen aber ich wähle eine Route, die mich stracks zur B 4 führt. Wenigstens kann ich jetzt wieder das Einschätzen von Abständen und Überholvorgänge „üben“. Am Ziel bin ich ebenso fit wie frustriert. Die dortige Beerdigung wartet mit einigen neuen Varianten auf. Eine Trauerfeier in der Kirche ohne Sarg, den man erst am Friedhof begegnet, kenne ich bereits. Der vor der Kirche im Auto wartenden Sarg ist eine neue Erfahrung. Gemeinsam laufen wir bis zum Friedhof. Dort fällt der tief trauernden Mutter, sehr schwer wenn die Kinder vor den Eltern abberufen werden, also dort fällt ihr die Handtasche ins Grab. Coole Reaktion der Bestatter, abwarten und erst nach Abzug der Gesellschaft handeln. Pietätvoll. Die Heimfahrt – Vorgabe Autobahnen meiden – entwickelt sich zur kleinen Weltreise. Wir fahren über Wolfenbüttel, südlich an Braunschweig vorbei bis nach Ochsendorf, um dann in die nördliche Richtung umzuschwenken. Spannend.

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