Überflussfragen

Jugendzimmer sind voll out. Diese Erkenntnis wird durch zwei, zunächst Interesse bekundenden und dann doch müde abwinkenden potenziellen Abnehmer bekräftigt. So rückt unseren jahrelangen gut erhaltenen Begleitern ihr Ende auf dem Sperrmüll immer näher. Schade eigentlich. Wie richtet man ein Zimmer ein, das man, ehrlich gesagt, gar nicht benötigt? Eine Frage, wie sie nur in einer Überflussgesellschaft aufkommen kann. Doch sie ist da und nervt. Im Möbelhaus eröffnen sich einige bemerkenswerte Perspektiven. Weshalb ist Gutes immer teuer? Warum soll ich viel Geld für eine Möblierung ausgeben, die im Grunde genommen nur zur Aufbewahrung von Dingen dient, die ich möglicherweise, irgendwann, bei einer Verkettung unglücklicher Umstände, im Rahmen kaum vorstellbarer Ereignisse doch noch einmal gebrauchen könnte? Wie dem auch sei, ich stelle fest, dass ich in Möbelhäusern recht gut speisen kann – und nicht nur Schnitzel. Ich bin über mich selbst erstaunt, denn ich ergänze mein Rindergulasch auf Spätzle noch um einen kleinen Salat. Sollte ich im Alter etwa vernünftig werden? Im Erschrecken darüber gönne ich mir abends einen Rotwein. Nur nicht übertreiben!

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Wetter und Vorreisechaos

Das Wetter schlägt weiter munter seine Kapriolen. Der Sommer hat sich auf den Herbst ausgedehnt und der Regen macht Urlaub in Frankreich. Eine sehr seltsame Situation. Ob das jetzt der Klimawandel ist oder einfach nur normale Klimaschwankungen darüber kann man lange diskutieren, denn ob sich bei einem jahrtausendealten Klima ein extremer Wandel nur an den Aufzeichnungen (im Vergleich) weniger Jahrzehnte festmachen lässt, sei dahingestellt. Vielleicht ja, vielleicht nein. Eine Fehleinschätzung kann allerdings extrem grausam und teuer werden. Egal, welcher Variante man zuneigt – als beste Reaktion empfiehlt sich die Mutter der Porzellankiste. Wie die heißt? ‚Vorsicht‘ natürlich, das weiß man doch. Ansonsten bereite ich mich auf unsere Reise vor und bin ein wenig hibbelig. Ob die Gelassenheit dem Alter weichen muss? Hoffentlich nicht, ich ringe mit mir und spekuliere, dass einfach unser Renovierungschaos auf meine Nerven einprügelt. Zu allem Überfluss erhalte ich auch noch von einer suspekten Geldeintreiberagentur eine gepfefferte Mahnung über eine angeblich nicht bezahlte Handyversicherung. Da kann ich mir überhaupt keinen Reim drauf machen. Es fehlt der Bezug auf einen konkreten Vertrag, auf Rechnungen oder Mahnungen – nur ein iPad ist erwähnt, das ich – soweit ich das überblicke – nicht (oder nicht mehr?) besitze. Seltsame Sache zum ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt. Das kann ja heiter werden.

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Streitend im Sinkflug

Der Urlaub rückt näher und mit ihm die Frage, wie wir es schaffen aus den vielen Umzugskisten und Kleiderständern die richtige Garderobe für die Reise herauszusuchen. Das wird nicht leicht – eine echte Herausforderung. Während wir noch grübeln, klingelt unser Handwerker an der Tür und bringt die ausgewählten Fußbodenmustern mit – zur Endentscheidung vor Ort. Das ist nicht leicht aber dennoch relativ schnell erledigt. Der Sieger wird gekürt und bestellt. Bei unserer Rückkehr soll es losgehen. Die Handwerker werden schnell fertig sein – aber wie wir den ganzen Kram wieder zurückräumen, bleibt wieder einmal an uns hängen. Da kommt etwas auf uns zu! Abends killt die Bayernwahl dann WISO – ein ganz großer politischer Aufschrei, alles verändert sich und das nur weil die Konservativen jetzt die Macht mit anderen Konservativen teilen müssen. Na und? Die SPD, der einzige Elefant mit eigenem Porzellanladen, prügelt sich gegenseitig in die Visage, geht folgsam der Bonner CSU auf ihren dortigen Leim und schaut dann arg verwundert auf die Halbierung ihrer Wahlergebnisse. Arme Wahlkämpfer! In eurer Situation würde Einigkeit stark machen. Aber Zwist bringt wohl mehr Spaß. So sind sie, die Genossen.

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Freiräume und freie Wahlen

Im Gottesdienst ist heute das Schweigen Gottes unser Thema. Warum schweigt Gott öfter als es uns meist lieb ist? Wir haben allesamt leider nur eine begrenzte Sicht auf Gott und ein noch geringeres Verständnis für seine Gedanken. Insofern freue ich mich über die Predigt, die uns zum Vertrauen auf Gott ermutigt. Ich meine, wir Menschen müssen begreifen, dass wir keinen Gott haben, der uns bis ins Kleinste lenken und leiten will, sondern einen Gott, der von uns erwartet, dass wir im Zutrauen auf seine Gegenwart mutige Schritte wagen. In der Bibel zeigt er uns Grenzen auf – und das ist gut und notwendig – doch wenn wir unsere Neigung nur auf die Grenzen zu starren, überwinden, finden wir einen großen freien Raum für ein Leben mit unserem Herrn und Heiland. Danke! – Am Abend gehen die Wahlergebnisse aus Bayern ein. Die CSU bekommt eine gewaltige Ohrfeige verpasst, die SPD ist in der von ihr sehnlichst herbeigewünschten Opposition und kann sich jegliche Gedanken an Regierungsverantwortung ersparen, das könnte bei ihren Berliner Genossen allerdings ein neidvolles Schielen bewirken. Sogar eine Feuer-trifft-auf-Wasser-Koalition scheint vom Tisch zu sein. Wenn es so bleibt haben die Dirndl- und Lederhosenspezialisten ihr konservatives Image bewahrt und dennoch eine kräftige Watschn verabreicht. So sans die Bayern.

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Wenn du geschwiegen hättest …

Mit meiner neuen Laserwasserwaage – ein Nicht-Nein-Sagen-Können-Sonderangebot von Amazon – markiere ich die Höhe der Schraubenlöcher für die Bilderaufhängung, um drei Fast-Kunstwerke auf eine Linie zu bringen. In diesem Fall ist es eine rote Laserlinie. Entlang dieses Strahles fixiere ich die Position der Löcher für die bildhaltenden Schrauben. Nun flugs den Laser ausgeschaltet, den Akku-Schrauber gezückt und ruckzuck finden drei Wandbilder eine neue Heimat. Doch irgendwie verlässt mich der Eindruck nicht, dass die traditionelle Methode mit herkömmlicher Wasserwaage, Zollstock und Dorn nicht wenigstens ebenso schnell funktioniert hätte. Doch sie produziert immerhin keinen so faszinierenden roten Strich an der Wand. – Nach einem leckeren Thai-Essen diskutieren wir den Klimawandel und andere mehr oder weniger weltbewegende Themen. Ich bin voll dabei aber zu Hause tadelt meine aufmerksame Mitbewohnerin sowohl meinen Tonfall als auch meine unangemessene Härte in den Argumenten. Da muss ich jetzt wohl in die Backstube und ganz kleine Brötchen backen. Si ta­cu­is­ses, phi­lo­so­phus man­sis­ses. Zweifellos!

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Nachschulpsychosen

Es kommt so, wie ich es befürchte. Mein Klassentreffen ist einerseits klasse (welch ein profanes Wortspiel) und andererseits Frust fördernd – wenn auch (wie ich ernsthaft befürchte) nur bei mir. Ich komme also an und stehe recht dumm herum. Schon damals vor 50 bis 55 Jahren war ich überwiegend im Außenbereich verortet (gefühlt oder echt – keine Ahnung, zu lang ist’s her). Kaum überwinde ich meine Distanzängste werde ich herzlichst begrüßt. Nett. Eigentlich treffe ich auf äußerst freundliche Menschen. Uneigentlich auch. Doch schulisch-psychologische Defizite in hoher Einprägung sind unüberwindbar. Punktum. Das ist meine erste Erkenntnis. Und meine zweite ist die Endlichkeit aller Dinge. Dies war, ist und wird sein mein definitiv allerletztes Klassentreffen. Beschlossen und verkündet. Alle meine Mitschüler treffe ich künftig, wenn überhaupt, nur noch zufällig oder wenn sie es persönlich drauf anlegen sollten. Adieu, liebe Kumpelinen und Kumpels macht’s gut – es liegt nicht an euch. Eine weitere viel wichtigere Erkenntnis des Tages ist die traute Atmosphäre eines Biergartens in Kombination mit vorbeischlendernden Mitmenschen. Da finde ich zur beschaulichen Ruhe meines Alters zurück. Die alten Herren am Nebentisch, die bei einer Gerstenkaltschale alle Nöte ihrer Welt lösen, erinnern mich an die Kafenions in Griechenland mit denselben Herren im gleichen Alter nur mit anderer Nationalität. Die Kultur differiert, die Menschen bleiben. Wohltuend.

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Vergesslichkeit bremst Entdeckerfreude

Das Hintergrundbild meines Macs passt sich mit dem neuen Betriebssystem der Tageszeit an. Die Wüste strahlt tagsüber im hellen Sonnenschein. Gegen Abend werden die Schatten entlang der Düne größer und am Abend und in der Nacht leuchtet der Sternenhimmel über einer nächtlichen Sandlandschaft auf. Faszinierende Spielerei. Und was bringt das neue Betriebssystem sonst noch so? Keine Ahnung! Für Menschen in meiner Altersklasse sieht es genauso aus wie vorher und reagiert auch so. Ich muss wohl etwas unter die neuen Oberflächen „auf Tauchgang gehen“. Aber will ich das? Und wenn ich etwas entdecken sollte – kann ich mir das merken? Vergesslichkeit bremst Entdeckerfreude, wäre ein schönes Motto meines Interessenkonflikts. Möglicherweise laufen mir so ganz nebenbei ein paar Neuerungen über den Weg. Ich sehe mich schon staunend davorstehen und grübelnd sinnen: Wie habe ich das wohl gemacht? Gibt es eine Dashcam zur Stabilisierung des Kurzzeitgedächtnisses? Wäre eine prima Innovation!

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Killerphrasen und Ewigkeitsblick

Die unendliche Vermehrung der Killerphrasen macht mich unglücklich. Populismus, Rassismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit, rechte Ecke, linke Ecke – der Diskussionskiller sind viele. Unterstützt werden sie von nicht zu hinterfragenden „Tatsachen“, an die niemand rütteln darf, „isso“ Punkt, Ende, Aus!!! Bestes Beispiel ist die Evolutionsphilosophie. Jeder (fast jeder) hält sie für eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache. Tatsache ist, dass sie wissenschaftlich keinesfalls schlüssig bewiesen ist. Sie ist im Gegenteil sehr weit entfernt davon. Andererseits ist sie die bislang einzige naturwissenschaftlich vorstellbare These wie alles entstanden sein könnte, vorausgesetzt es gibt keinen Schöpfergott und man sieht nur auf das Große und Ganze. Aber hebt das sie von einer Theorie auf den Thron des Beweises? Doch wohl nicht. Und so müssen wir uns auf nahezu allen Gebieten mit Scheintatsachen auseinandersetzen, die es wert wären ernsthaft diskutiert zu werden. Stattdessen schlagen wir sie uns als Wahrheit um die Ohren. Das können Christen ebenso gut wie Atheisten. Manchmal muss ich halt meinen Frust schriftlich postulieren. Aber jetzt reicht es erstmal wieder. Ich sollte mal wieder meinen Blick von der Tagespolitik weg auf die Ewigkeit richten. Das hilft. Kurzzeitig.

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