Unzureichende Preparation

Morgen habe ich eine Bibelstunde zu halten. Ich muss mich dringend, ganz dringend, vorbereiten. Der Bibeltext erscheint mir so schwer und der Kommentar so unzugänglich. Nein, verzweifelt bin ich nicht, ich bin nur ein wenig unsicher ob der Terminnähe. Doch das wird schon. Da bin ich ganz zuversichtlich und lasse den Abend cool ausklingen. Was nicht geht, geht eben nicht.

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Erntedank

Wir feiern das Erntedankfest in unserer Gemeinde. Eigentlich dachte ich, dass Erntedank immer am ersten Wochenende im Oktober gefeiert wird. Da liege ich falsch. Mein Schwager, ein Pastor, klärt mich auf, dass Erntedank immer auf den ersten Sonntag nach dem Michaelistag fällt. Aha. Da liegen wir in diesem Jahr – im Gegensatz zu vielen Kirchengemeinden – wohl mal richtig. Klasse. Unser Gemeinschaftspastor, ehemals Prediger genannt, erläutert uns anschaulich die Bitte des Vaterunsers „unser täglich Brot gib uns heute“. Wir hören die alttestamentliche Sicht und die Ergänzung aus dem Neuen Testament. – Unser Besuch verabschiedet sich nach dem Lunch, um den Damen des VfL bei ihrem 6:0-Erfolg über Bayern München zuzusehen. Da ist sicherlich eine tolle Stimmung im Stadion. Die Männer raffen sich ja bestenfalls zu einem Torepatt mit ihren Gegnern auf. Da versiegt der Jubel schnell. – Im Vorgriff zu einer anstehenden Reise sehe ich einer Reisegruppe bei ihrer Tour durch Namibia zu. Das scheint ja ein recht faszinierendes Land zu sein, wenn auch sehr wüstengeprägt. Wait and see.

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Kalter Schweiß

Ich verwandle unser Wohnzimmer in ein Möbellager. Vor dem Sofa reiht sich Regal an Regal, versperrt ein demontierter Eckschrank den Weg, eine Kommode blockiert den Zugang zur Terrasse und Umzugskisten bilden eine massive Mauer vor dem Wohnzimmerschrank. Noch sind Lücken zu füllen, aber sie werden spärlicher. Die endlos lange Puzzle-Arbeit mündet heute endlich in ein zur Hälfte freigeräumtes Büro. Abgekämpft sinke ich in ein Bassin voller wärmendem leicht eukalyptusaromatischem Wassers. Meine Freundin, die Badewanne, schmeichelt meine Mattheit weg – ein tolles Feeling. Heute kommt ein netter ehemaliger Schulkollege zu Besuch und wir kampieren ihm zu Ehren im Erdgeschoss. Dass wir dadurch keine Badezimmer miteinander teilen müssen, ist ein erfreulicher Nebeneffekt. Dennoch – die Schule liegt für mich so weit zurück, dass ich kaum noch originäre Erinnerungen an sie habe. Meist sind es übernommene Erzählungen Dritter, die ich als wahre Erinnerung definiere. Ehrlich gesagt tangiert mich unser Klassentreffen zum 50. Abschlussjubiläum nur äußerst peripher. Ohne die Gelegenheit einer Werksführung und der Kennenlernchance des neuen Hotels am Allersee hätte ich mich wohl dezent abgesetzt unter Vorgabe anderer unaufschiebbarer Termine. Okay, ich treffe dort eine ganze Reihe sehr interessanter und freundlicher Mitmenschen – doch sind mir diese weitgehend unbekannt. Mich verbindet mit ihnen nur eine Reihe zwar sehr lehrreicher aber dennoch als Last empfundener Jahre. Meine Horrorfächer Chemie, Sport und Französisch in Kombination mit den Darklights Tanzstunden, Konfirmandenunterricht und Tannhäuser in Berlin bringen mich heute noch in die Nähe einer kalten Gänsehaut des Schreckens. Nein! Klappe zu!! Teppich drüber!!! Fertig.

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Sparfuchs

Die Büroevakuierung steuert ihrem eindeutigen Höhepunkt zu. Jetzt sind schon mehrere Regale leer. Ich verfrachte noch meine heißgeliebten aber nicht mehr abspielbaren VHS-Bänder in einen Karton. Insofern ist ihre Vernichtung aufgeschoben (aber nicht aufgehoben) bis wieder ausreichend Müllkapazitäten verfügbar sind. Heißa, das wird eine Abrechnung werden! Die zu verschenkenden Bücher wachsen zu neuen Höhen empor. Was haben wir uns nicht alles für einen Mist im Laufe der Zeiten angeschafft. Jeden Tag die gleiche Erkenntnis, langsam wird es langweilig! Wieder stelle ich zu meiner Freude fest, dass es den TV-Verantwortlichen immer häufiger gelingt eine Programm zu mixen, welches mir einen fernsehfreien Abend ermöglicht. Haben sich die Gebühren also doch gelohnt. 🙂 Außerdem baut es mich auf mein Verhältnis von sinnvollen zu sinnlosen Ausgaben mit dem der Buntbilderanstalten zu vergleichen. Wow bin ich ein Sparfuchs!

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Entsorgung und Abschied

Spätmorgens verabschieden sich die blauen Fäden im Mund, die mich eine Woche begleitet haben. Tschüss. Dann darf ich weiter packen. Die Wegwerffreude lässt nach und so knalle ich alle Videokassetten ohne Vorauswahl in einen Karton. Der Frust geht um. Immerhin entsorgt meine vollaktive Hausmitbewohnerin sämtliche Tinten-/Tonerabfälle, Elektroschrott ohne Ende sowie undefinierbare Flüssigkeiten an das Sammelmobil der Verwaltung und etliche Bücher an das Emmausheim. Und tschüss. Am Abend begebe ich mich zu den Schtis. Welch ein netter Film – auch beim zweiten Anschauen. Ansonsten bringt die Vornachtruhezeit noch ein Schälchen Weißwein (oder mehr) eine Navi-Ausleihe an einen Freund, einen sterbenden Chor und einen rumzickenden Q-Receiver, der sich einfach aufhängt. Mistkasten.

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Pleiten und Pannen

Eine persönliche Pleite prägt den Morgen. Der Druck in der Heizungsanlage ist zu niedrig, vermute ich. Also suche ich rund um den Brenner die Druckanzeige. Und suche. Und suche. Und suche. Sie ist genau vor meinen Augen und ich hätte die Recherche fast aufgegeben. Peinlich. Der Druck ist tatsächlich viel zu niedrig und ich muss Wasser nachfüllen. Aber wo? Ich habe da so eine Vermutung aber ob die stimmt? Null Ahnung. Superpeinlich. Also rufe ich den Service an und bitte um eine persönliche Unterweisung vor Ort. Eigenschämen. Ansonsten packe ich, sortiere, werfe weg, hebe auf – je nachdem. Und langsam werden die Regale leerer. Welch ein Aufwand! Immerhin Alter ersetzt Zeitdruck und das ist viel wert. Und in Berlin wird die Mutti schwächer, ihre Fraktion flippt aus, der Bayer lacht sich eins ins Fäustchen und die Stagnation feiert fröhliche Urständ‘! Mir wird wieder bewusst: ich mag Politiker eigentlich nicht. Warum gehe ich wählen? Inzwischen keine Ahnung!

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Schrecksekunde

Die Technisierung unseres Haushalts schreitet weiter voran. Wenn Männer nichts zum Spielen haben, werden sie unruhig und manchmal ungenießbar. Isso. Das kann ja spaßig werden, wenn mal jemand von außen die Regie übernimmt. Doch glücklicherweise kenne ich die Schaltstellen und die Stecker, die ich dann ziehen muss. Das ist nicht unwichtig. – Nach einem genauso geruhsamen wie unaufhaltsamen Aufräumen – wann ist dieser Mist endlich vorbei – brechen wir abends zur Mitgliederstunde auf. Auf meinem Letzte-Reihe-Platz träume ich so vor mich hin bis mich plötzlich eine persönliche Ansprache aufschreckt. Was wollten der Moderator von mir? Zu meinem persönlichen Glück taucht seine Frage aus meinem Unterbewusstsein empor und ermöglicht so eine adäquate Reaktion. Das war knapp! Der Hauptgrund weshalb ich überhaupt mitkam, ließ sich übrigens mit Krankheit entschuldigen. Schade.

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Fallera zum Kuckuck nochmal

Mein Blut ist wieder einmal gefragt. Im Frühtau zur Praxis ich fahr, fallera. Statt grüner Wälder und Höhn gibt’s ein tristes Parkhaus, fallera. Von wegen ohne Sorgen, wenn das Blut quillt und das Alter in Kombination mit dem Übergewicht und einer bequemen Lebensweise dazu neigt die Ergebnisse downzudopen, fallera nochmal. Zur Belohnung gönne ich mir ein lecker Brötchen und zwei Tassen Kaffee. FALLERA! Nach und nach treffen zu Hause weitere Umzugshilfsmittel ein, acht Gleiter und ein Hund. Langsam, ganz behutsam, leeren sich unsere Renovierungsobjekte und füllen sich unsere Mülltonnen. Einen kleinen süßen Affen darf ich retten, doch viele andere liebgewonnene Kinkerlitzchen verschwinden sang- und klanglos im schwarzen Tonnenloch. Bye, bye. Fazit: drei Möbelelemente sind leer, ein viertes ist auf gutem Wege. Starren Blickes fixiere ich das Erreichte und hüte mich – wie Lots Frau – ja keinen Blick auf das noch vor mir Liegende zu werfen. Die Salzsäulengefahr ist bei mir eher als gering einzustufen. Und so kann ich versuchen den Sonnenschein zu fangen. Fallera!

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