Herbst

Der Herbst ist da. Zweifellos. Es ist erheblich kühler geworden, der Himmel weint kräftig dem Sommer nach und ein darüber äußerst zorniger Sturmwind fegt zwei Müllhausdeckel aus ihren Scharnieren. Mann, muss der sauer sein. Die Scharniere wurden sauber zerbrochen, die Deckel selbst bleiben unbeschädigt. Faszinierend, wenn auch schon gestern geschehen. Heute erfahren wir im Gottesdienst etwas über das Rufen Gottes, seine Hintergründe und sein Ziel. Spontan laden Freunde uns zum Essen ein. Gern kommen wir mit. Spontan bereitet unser fast professioneller Kochkünstler leckere Pizza und wir plaudern was das Zeug hält. Draußen plätschert der Regen, drinnen die Worte. Besser so als umgekehrt. Prall gesättigt fahren wir nach Hause, kehren kurz vor dem Ziel wieder um und bringen eine im Kofferraum vergessene Gitarre zurück, um dann endlich wieder unser Heim anzusteuern. Spät, viel zu spät, sinken wir auf unsere Lagerstätten und holen den langersehnten Mittagsschlaf nach. Das tut wohl.

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Blackout

Der Roman „Blackout“ eröffnet mir neue Einsichten. Die Abhängigkeit vom Strom ist zweifelsohne schockierend. Das Szenario nach nur einer Woche totalem Stromausfall im Winter ins totale Chaos zu schlittern, klingt schon mehr als bedenklich und wirkt zunächst nicht unrealistisch. Besonders schockierend finde ich den schnellen Zusammenbruch unserer Landwirtschaft, der Lebensmittelversorgung und der Kommunikation besonders der Regierungsstellen untereinander. Nun ja, der schnelle Tod ungemolkener Kühe unterschätzt die immer noch vorhandene dörfliche Gemeinschaft. So schnell lassen die Menschen die Tiere nicht verenden, insbesondere wenn von der fetthaltigen Milch viele profitieren können. Die weit verbreiteten Zusatzheizmöglichkeiten durch Kamin- und Kachelöfen bleiben weitgehend unberücksichtigt (für die erste Woche reichen die meisten Holzvorräte noch – für die nächsten Tage gibt es ja noch viele Wälder). Die Lebensmittelvorräte auf dem Lande und in Einfamilienhäusern kommen viel zu kurz und die Selbstorganisation kommunaler Krisenstäbe wird weit unterschätzt. Schockierend ist der Zusammenbruch der Atomkraftwerke – und doch wirkt der Zusammenbruch innerhalb weniger Tage recht konstruiert, er wird sich in Wirklichkeit wohl deutlich länger hinziehen. Dennoch rüttelt der Roman auf, er zeigt, wenn auch im Zeitraffer, was möglich wäre. Andererseits kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, dass ein einzelner Hacker mehr Kompetenz mitbringt als alle staatlichen Spezialisten bei allen Geheimdiensten zusammen. Das scheint mir doch ein wenig zu krass. Und die Vorstellung, dass ein paar Phantasten durch einen Totalzusammenbruch einen besseren Neuanfang erwarten könnten, setzt bei ihnen ein gerüttelt Maß an Naivität und geistiger Verwirrung voraus. Totale Zusammenbrüche (Musterbeispiel Libyen) führten bisher immer zum Bandenunwesen bis irgendwann gewaltsam ein oder zwei besonders brutale Clans die Macht übernehmen. Ob sich dann irgendwann daraus menschenfreundliche Strukturen entwickeln, scheint eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Dennoch, der Roman ist sehr gut geschrieben und legt den Finger auf die Wunde unserer Angreifbarkeit. Lesenswert.

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Sommerschluss

Der Sommer ist für mich vorbei. Ich erkläre ihn hiermit für beendet. Unsere Lounge wird in den Wintermodus versetzt und alle dortigen Möbel wandern zu ihrem Interimsschlafplatz. Bonne Nuit. Ich wundere mich dagegen wie mich so eine kleine Aktion so schaffen kann. Irgendwie erschreckend. Ich frage mich, ob wir jemals fertig werden mit unserem Projekt. Heute jedenfalls ging es nur minimalst voran. Andererseits nervt mich wie erwartet die vernähte Lücke im Zahnfleisch doch ein wenig und raubt mir ein Stück meiner Konzentrationsfähigkeit. Erst haut die Weisheit ab und dann auch noch die Motivation. So ist das Leben. Eben. Ganz nebenbei fasziniert mich ein Roman so sehr, dass ich immer wieder ein Lesehäppchen dazwischenschiebe. Auch so bremst man etwaige Arbeitsfortschritte aus. Dröpje voor Dröpje.

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Extrahierte Weisheit

Der Tag, die Situation, das Ereignis ist da. Der Zahnchirurg wartet auf mich – aber ich nicht auf ihn. Doch das hilft mir gar nichts. Also stehe ich saufrüh (7:55) auf und mache mich nach einem mutmachenden Frühstück auf den Weg. Meine bewundernswerte Mitbewohnerin hätte jetzt einen ruhigen Vormittag haben können, wenn, ja wenn ich nicht mein Röntgenbild vergessen hätte. So saust sie netterweise los und trägt es mir hinterher. Tragische Merkfähigkeit meinerseits. Der Dottore entfernt äußerst cool meine Weisheit, wieder eine weniger – und das nur wegen einer blöden Entzündung im Zahnkeller. Außerdem frischt der Resttag mir ein paar historische Erfahrungen wieder auf. Eine Betäubung lässt die Lippe hängen, außerdem legt sich ein dumpfes Gefühl auf die rechte Gesichtshälfte. Ähnlich einer Waage hebt sich mit dem Sinken der Dumpfbackenschale die Schmerzschale auf der anderen Seite. Glücklicherweise sorgt die Chemie für einen Ausgleich. Die Antischmerzpille verhilft mir dankenswerterweise zu einer tiefen Nachtruhe. Gut so.

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Holz und Stoff on Tour

Das soziale Kaufhaus läuft auf und zu zweit bauen seine Fachleute unser Schlafzimmer ab. Sie müssen sich ganz schön quälen, denn Qualität hat dort Gewicht. Fast zwei Stunden dauern Demontage und Verladung. Daraufhin lächelt uns ein Zimmer im Erstbezugszustand an, okay, der Teppichboden offenbart ab und an seine Unterschicht und die Tapeten strahlen schon lange nicht mehr in blankem Weiß. In den verdeckten, nicht zugänglichen Zonen der Schrankwand haben sich dunkle Gesellen breitgemacht, die nur durch massiven Maschineneinsatz zu bändigen, sprich restlos zu killen sind. – Ein Gespräch mit unserem Renovierungsfachmann eröffnet neue Perspektiven und eine Fahrt zur Scheune in Kunrau bringt alte körpernahe Begleiter auf Wartestation für ihre geplante Auswanderung nach Rumänien. Welch ein Tag!

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Demontagepreparationen

Der Abschied von unserem Schlafzimmer steht bevor. Ein langjähriger Begleiter wird von uns einfach abgeschoben. Dafür trenne ich alle elektrischen Verbindungen, demontiere alle Kabel und baue die zwei Lampen ab. Ansonsten machen wir die Möbelstücke abbaufertig und führen eine Reinigungsprozedur durch. Die Schatten einer Renovierung, welche dieselbe uns entgegenwirft sind ganz schön lang. Ich kann mir nicht helfen, oben wohnt es sich wirklich gut, ich schlafe auch nicht schlecht – aber unten lebt es sich leichter. Warum eigentlich?

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Beerdigung vor dem Umzug

Beerdigungen gehören inzwischen zu unseren altersbedingten Alltagsereignissen. Sie werden langsam zur Routine bis man irgendwann als Hauptperson nichts mehr davon mitbekommt. Sarkastisch? Nein, realistisch! Wir treffen alte Bekannte, plaudern bei gehaltvoller Suppe, fast ein Eintopf, pappigen Brötchen und kräftigem Kaffee und plötzlich ist es stark nach drei. Wow. Heute ziehen wir um, vom Erd- ins Obergeschoss. Das klingt einfach, ist eigentlich auch nicht schlimm nur im Detail steckt das eine oder andere Würmchen. Da müssen wir durch. Die Haltbarkeit des Lattenrostes überzeugt uns durchaus, die der Matratze eher weniger. So ist das Leben. Jetzt nur noch einen neuen Receiver installieren – das geht echt gut und fix vonstatten. Computertechniker scheinen lernfähig zu sein und das ist eine wohltuende Erkenntnis. Oben ist es echt kuschelig. Wir erwarten morgen 30 Grad Außentemperatur. Das wird dann echt mollig. Schaun mer mal.

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Zwei Gottesdienste und ein Klassenkumpel

Am Vormittag ein schöner Gottesdienst aus Bremen, für uns sozusagen ein Couchgodi, Johann Hesse analysiert das Treffen von Rebekka und Abrahams Knecht auf Brautschau. Interessante Aspekte. – Meine Mum wird immer seltsamer, ihre ureigene Welt vergrößert sich und gewinnt Distanz zu uns. Glücklicherweise beschränkt sich ihr selbsgestaltetes Umfeld derzeit nur auf einzelne Ereignisse. – Und abends geht es in der Stadtmission um den starken Heiligen Geist, der willig ist uns zu helfen und unsere eigene völlige Unfähigkeit. Hochinteressante Aspekte. – Ein alter Klassenkumpel besucht uns heute und bleibt über Nacht. Er weiß viel und interessant zu erzählen, neigt ansatzweise zu Verschwörungstheorien und gehört zu den Mitorganisatoren unseres Klassentreffens. Aber die beiden letzten Aussagen haben natürlich nichts miteinander zu tun. Es wird spät.

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