Negativattest und Automatikgetriebe

Es ist nicht leicht zu verkraften, wenn man in der Predigt attestiert bekommt nach zweiundvierzig Jahren Gemeinschaft mit Jesus keinerlei geistliche Entwicklung genommen zu haben. Das ist schon hart, wenn man es glaubt. Ich glaube es nicht, meine Erfahrungen sprechen voll dagegen. Ich mag ja meine pietistischen Brüdern und Schwestern im Glauben sehr – aber in manchen geistlichen Forderungen sind sie sehr einseitig geprägt und blind für andere Führungen unseres Gottes im Leben und im Charakter. Sei’s drum. Da muss man als nicht ganz stromlinienförmiger Bruder durch. Schade eigentlich aber jede Gemeinde oder Gemeinschaft hat halt ihre eigene Prägung, die jedem mehr oder weniger passt. Das Pharisäerhafte lauert in jedem von uns – auch in mir. Wenn man das einmal kapiert hat, kann das sehr angenehme Wirkungen entfalten. Gott sei Dank! – Eine junge Dame versucht heute das erste Mal mit einem DSG-Getriebe zurechtzukommen. Es klappt gut und erinnert mich lebhaft an meine Umstellungsprobleme vor Jahren. Ich kenne ja noch das Vorgängerautomatikgetriebe. Beim Überholen war man versucht zum Schieben auszusteigen, damit die Karre endlich in Fahrt kommt. Heute schaltet man höchstens in die S-Stufe, wenn’s mal noch schneller gehen soll. Ich freue mich auf den Abend mit den Zootieren – eine Sendung mit stets wiederkehrenden Szenen nur mit unterschiedlichen Tieren, also leicht konsumierbar und auf Inspektor Barnaby mit seinem typisch englischen Ambiente. Sonntagabend.

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Essen, schlafen, lesen

Heute dauert es sehr sehr lange im Bingo. Eigentlich ist das Restaurant für moderate Wartezeiten bekannt. Heute nicht. Die Gesellschaft reagiert schon langsam mürrisch und gerade noch rechtzeitig treffen die durchaus leckeren Speisen ein. Schön, dass es kein Coperto gibt. – Die Luft ist heute angenehmer und es ist nicht so heiß. Auf der Terrasse umschmeichelt mich sogar regelmäßig ein kühlender Luftzug. Gegen Abend regnet es wieder. Endlich! Das ist auch dringend nötig. – Derweil schwelge ich, wenn ich nicht gerade schlafe, in den Florenz-Krimis und bin inzwischen bei den nur in englischer Sprache vorliegenden Ausgaben angekommen. Ich bin immer wieder fasziniert wie sich ein ungeliebtes Schulfach im Leben durchaus bezahlt machen kann. Prima.

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Im Erdschatten

Endlich mal wieder ein ganz ruhiger Tag. Und so lasse ich es entspannt angehen. Die angekündigte Mondfinsternis in der Nacht lässt mich alle 10 Minuten nach draußen schielen ob nicht der Mond zu sehen ist. Ist er nicht. Erst als es Zeit ist ans Zubettgehen zu denken schauen wir noch einmal in den Nachthimmel. Da ist er ja! Und er ist verfinstert, erst größtenteils, dann halb und schließlich noch ein knappes Drittel. Und der Mars – ein winzigen hell strahlendes Pünktchen am Himmel – ist auch schon da. Wunderbar. Schnell ein paar Fotos gemacht – ich liebe inzwischen meinen Superzoom und für Mondaufnahmen ist er fantastisch, wie ich feststellen kann. Ich bin von diesem recht unvorbereiteten Ergebnis sehr angetan. Schön, dass sich unser ständiger Begleiter doch noch in aller Pracht gezeigt hat. Ich dachte schon er ziert sich. Alles ist gut.

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Heiße Luft

Urlaub heißt Terminbefreiung und Alltag bedeutet allerlei Verpflichtungen. Das gilt auch für Pensionisten. Man wird diese Termine einfach nicht los. Heute wird ein lieber Mensch zu Grabe getragen. Es ist heiß und glücklicherweise gibt es draußen Schatten. Der Pastor findet tröstende Worte – doch ob Worte in dieser Situation die Ehefrau überhaupt trösten können ist fraglich. Der Schmerz ist zu frisch und zu groß. Auf der Rücktour überfallen wir Freunde um die Zeit zu überbrücken, weil wir unseren Neffen vom Bahnhof abholen wollen. Das ist zwar nett, doch der Zug hat Verspätung. Schließlich kommt der junge Mann drei Stunden zu spät in Wolfsburg an. Der Slogan der Bahn: „Alle reden von Pünktlichkeit. Wir nicht.“ bewahrheitet sich wieder einmal so richtig fett. Ansonsten ist es einfach nur heiß – nur das Wässern der Pflanzen irgendwann um halb neun schafft ein erfrischendes Kleinklima rund um den Master of Water. Ich liebe das.

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Alltagsgleise

Gleich nach dem Frühstück wird unsere Scheibe draußen vor der Tür montiert. Ich bin gespannt ob und ggf. wie sie sich bewähren wird. Kaum sind die Handwerker weg, muss ich mich einer Haarverkürzung – die milde Form des Skalpierens – unterziehen. Meine schöne Wolle landet weitgehend auf dem Boden. Schade. Am Nachmittag bringe ich die restlichen Unterlagen zum Finanzamt und bin desillusioniert bezüglich der papierlosen Steuererklärung. Die Handwerksrechnungen hatte ich ja bereits beigepackt und nun fordert die Steuerbehörde die anderen Dokumente nach. Das hätten sie einfacher haben können. Man darf eben nicht alles glauben, was von Behörden vollmundig verkündet wird. Immerhin freue ich mich über die Cabrio-Tour. Ein kleiner Abstecher zu meiner Mum stimmt mich wieder einmal sehr nachdenklich. So langsam gleisen wir uns wieder im Alltag ein. Geht ja schnell.

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Dulce Danndorf

Italien verabschiedet uns mit einer Tourismusabgabe in unverschämter Höhe. Das passt ins Bild. Immerhin funktioniert der Transfer einwandfrei und der Airport fertigt uns perfekt ab. Der Service in der Luft ist okay für die kurze Strecke. In Frankfurt wähle ich eine Bulette mit Kartoffelsalat und ein Helles dazu, typisch deutsch, eine vertraute geschmackvolle Kombination. Guter alter Haferkamp. Äppelwoi mundet im Anschluss perfekt und der ICE ist fast pünktlich. Der Sohn von Freunden holt uns vom Bahnhof ab und endlich sind wir wieder zu Hause. Das tut gut. Florenz war okay aber das Leben in einer Stadt mit Horden von Touristen, die größtenteils herdenweise auftreten, ist nicht meine Welt. Wirklich nicht. Ich liebe meine provinzielle Umgebung. Nach der Tourismusraubritterabsahnung kommt mir unsere mancherorts erhobene Kurtaxe wie eine Petitesse vor. Bleibe im Lande und nähre dich deftig – oder so ähnlich. Egal, home again!

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Arrivederci Italia

Der Komplex der „Basilica di Santa Croce di Firenze“ entpuppt sich als ein Highlight unserer Tour. Nicht überlaufen, man kann in Ruhe alle Kunstwerke begutachten und es gibt viel zu sehen. Ein amerikanischer Priester zelebriert gerade eine Messe – ein festlicher Einstieg. Die Kirche enthält Schätzchen ohne prunkvoll überladen zu wirken – das ist sehr angenehm. Der Besuch der Lederwerkstatt ist unbedingt empfehlenswert. Das Museum zeigt in einem anschaulichen Film die aufwändige Restaurierung eines Kunstwerks. Eine toskanische Minestrone erfreut mich zur Mittagszeit, eine Servicio-Gebühr verleidet mir inzwischen massiv Italien. Spanien ist ehrlicher. Es ist wohl besser in Italien Restaurants zu meiden und auf Selbstverpflegung umzusteigen. Das bestätigt sich ebenfalls beim zwar köstlichen aber mit Neppgebühr arg „versalzenem“ Dinner. Arrivederci Italia – viva españa! Und ich dachte diese Fremdenfeindlichkeit hätte inzwischen ein Ende gefunden. Ist wohl nicht so.

Repetitorium: Ein Attentat der Mafia 1993 auf der Via del Georgofili tötet fünf Menschen, vernichtet ein Haus, beschädigt die Uffizien und Kunstwerke von unschätzbarem Wert. Das Haus wird wieder aufgebaut und ein Mahnmal an einer Hauswand – ein Mann wandelt auf des Messers Schneide – erinnert an die Vergänglichkeit aller Dinge. 

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Schlendern, flanieren und pausieren

Einen deutschen Gottesdienst im Ausland per Internet zu hören ist ein großer Segen. Das tut gut. Im Anschluss schlendern wir zur anderen Seite des Arno, schauen in die „Basilica di Santa Trinita“ hinein und bestaunen die Ponte Vecchio von der Rückseite. Die Schlange am Palazzo Pitti hält uns von der Innensicht ab – die Außenansicht ist beeindruckend genug. Auf dem Rückweg flanieren wir über die exklusive Einkaufsmeile Via de’ Tomabuoni, lassen uns von einer weiteren Kirche faszinieren und ich bin überwältigt von einem toskanischen Bohneneintopf. Lecker. Nach der Siesta umrunden wir die Kathedrale, pausieren in einer Trattoria am Po des Doms und lassen Hunderte von Touristen passieren. Es ist richtig nett. 

Repetitorium: Das Gebäude Orsanmichele hat schon einiges mitgemacht. Seine Karriere begann als Getreidemarkt. Dann wurde es zum Zunfthaus mit Kirche. Schließlich wurde es aufgestockt und mit einem Weizenspeicher „gekrönt“. Heute ist es eine sehenswerte Kirche mit prächtigem Altar, einem Marmortabernakel und einem Museum. Völlig anders entwickelte sich der Palazzo del Bargello. Vom Sitz einer Kommunalverwaltung wurde er zur Residenz eines Priors, transformierte zum Gerichtsgebäude, dann zur Wohnstätte des Polizeihauptmanns und tat einen tiefen Fall als Gefängnis und Hinrichtungsstätte im Hof bis es sich es sich zum bedeutenden Museum mauserte.

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